WoW/Overwatch: Bot-Macher Bossland sieht nicht ein, 8.5 Mio $ zu zahlen

Der Rechtsstreit Blizzard gegen Bossland um Bots für WoW und Overwatch geht weiter. Das Gerichtsurteil gegen den Zwickauer Bot-Hersteller Bossland, 8,5 Millionen US-Dollar an Blizzard zu zahlen, interessiert den nicht so richtig.

Ein Gericht in Kalifornien hat in der letzten Woche den Zwickauer Bot-Hersteller Bossland dazu verurteilt, 8,5 Millionen US-Dollar Schadenersatz an Blizzard zu zahlen, weil Bossland Bot-Programme für die Spiele von Blizzard wie WoW (Honorbuddy) oder Overwatch (Watchover Tyrant) hergestellt und vertrieben hat. Darüber haben wir berichtet.

Bossland-Chef glaubt: Urteil kann nicht in Deutschland vollstreckt werden

Im Interview mit Vice sagt der Chef von Bossland, Zwetan Leschew, der Kampf sei noch lange nicht vorbei. Er glaubt, das Urteil könne nicht in Deutschland vollstreckt werden. Daher habe man sich auch nicht vor dem Gericht in Kalifornien verteidigt.

Der Prozess sei nur dazu da gewesen, um Bossland Geld zu kosten und in den Bankrott zu treiben. Leschew bestreitet, dass er unter die Gerichtsbarkeit des US-Gerichts fällt.

GesetzFür ihn ändere dieses Urteil überhaupt nichts. Die Europäische Union kenne diese Art von „punitive damages“ im Zivilprozess gar nicht, die das Gericht als Strafe verhängt hat. Als „punitive damages“ versteht man Schadenersatz in einem Zivilprozess, der über den erlittenen tatsächlichen Schaden hinausgeht.

Auch dass Bossland keine Produkte mehr in den USA verkaufen dürfte, sieht Leschwe nicht ein. Der „Digital Millennium Copyright Act“, auf den sich das Urteil bezieht, sei in Europa nicht anwendbar. Da könne ja auch Kim-Jong-un kommen und ihm verbieten, Honorbuddy in Nordkorea zu verkaufen.

Vice zitiert einen Experten von einer Anwaltsfirma, die auf Videospiel-Recht spezialisiert ist. Der Experte meint: Tatsächlich könnte Blizzard Schwierigkeit haben, an das Geld zu gelangen. In der Praxis könne das US-Gericht etwa von PayPal, Amazon oder andere US-Unternehmen Geld einziehen, aber in Übersee sei es fast unmöglich, solche Urteile zu vollstrecken.

Denn Deutschland erkenne solche Urteile nicht automatisch an, sondern Blizzard müsste in Deutschland, wo der Angeklagte lebt, vor Gericht ziehen.

Leschew fragt: Warum sollen Bots illegal sein, wenn Blizzard selbst Level-Boosts verkauft

Die Anwaltsfirma glaubt zwar, dass Bossland unter die Gerichtsbarkeit des Urteils fällt, weil die Programme in den USA beworben wurden. Aber auch das lehnt Leschew ab.

Leschew greift die Argumentation von Blizzard an, Bosslands Programme seien unfair. Die Argumentation sei seltsam, wenn man bedenkt, dass Blizzard etwa in WoW einen 1 auf 100 Level-Boost für 60 US-Dollar verkauft, so Leschew.World of Warcraft Boost

Für Leschew ist der Kampf noch nicht vorbei. Es liege noch ein langer Weg vor ihm. Leschew will kämpfen. Er ist sich sicher, dass die Gerechtigkeit am Ende siegt.

Update 10.4. 12:30: Der Chef von Bossland, Zwetan Leschew, kommentiert unter dieser Nachricht mit und verteidigt seine Position. Das könnt Ihr live mitverfolgen.


Hier gibt’s mehr Informationen zu dem Fall:

Overwatch, WoW: Deutscher Bot-Hersteller muss über 8,5 Millionen Dollar zahlen

Autor(in)
Quelle(n): Vice
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