World of Warcraft: Der Kuchen ist eine Lüge!

Wir werfen einen Blick auf den neuen Trailer von World of Warcraft zum versprochenen Boost auf Level 90. Warum macht Blizzard das? Welche Vorteile und welche Nachteile bringt das Maximallevel aus dem Briefkasten mit sich? Und was zum Gnargh hat das mit Kuchen zu tun?

Maximallevel bei Vorbestellung von Warlords of Draenor

Ein Gnom tappt durch die Wüste von Tanaris und sieht am fernen Horizont einen Briefkasten. Nachdem er sich dorthin geschleppt hat, grüßen ihn auf Postkarten offensichtlich sadistisch motivierte Pelztiere, die mit dem eigenen Lebensstil prahlen möchten:

Meine Axt, meine Raidgruppe, mein Spaß.

Die Botschaft ist klar: Während die 90er feiern, muss der Gnom noch die Teller abwaschen, bis auch er endlich 90 ist. Irgendwie erinnert das an eine Spülmittel-Werbung: Während Villariba schon feiert … – Ihr kennt den Rest.

Aber der Gnom findet auch eine Möglichkeit, direkt Level 90 zu werden, nimmt sie an und es beginnt der Spaß. Sofort Level 90, sofort mit den Freunden spielen und ab geht es. Denn wer das nächste Add-On Warlords of Draenor vorbestellt, der bekommt sofort einen Boost auf Level 90.

Ärger im Paradies

Gut, jetzt verschweigt der Trailer auch einige Sachen. Ein frischer Level-90er kann natürlich nicht sofort an den heißen Unternehmungen seiner Freunde teilnehmen, sondern muss auf Level 90 erst Ausrüstung sammeln, die verschiedenen Bossfights studieren, muss mit seinem Char klar kommen und sich halbwegs orientieren, bevor er einer Raid-Gruppe helfen kann.

World of Warcraf: Gnom

Alles geschenkt, die spannende Frage ist doch: Glaubt Blizzard denn selbst, dass Spieler nur auf dem Maximal-Level Spaß haben können? Sehen sie denn ihre Welt als ein trostloses Tal an, das Tal des toten Contents? Sehen sie niedrigstufige Spieler im ewigen Level-Limbo gefangen? Verbringen wir in den Augen Blizzards unsere Zeit einsam und allein unter Qualen, bis am Ende, irgendwo am Horizont, das Paradies des Maximal-Levels auf uns wartet? Ist hier der Kuchen, der uns in Portal immer versprochen wurde?

Blizzard und die Level-Qual

Blizzard versucht seit Jahren, das Level-Erlebnis so schmerzlos wie möglich zu gestalten. Hat man einen funkelenden Level-90er, so kann man einem eigenen niedrigstufen Char Items zuschicken, die ihm Bonus-EXP zusichern. Außerdem wurde wieder und wieder der Level-Prozess beschleunigt, indem man einfach die benötigte EXP verringerte. Mit dem Werbt-einen-Freund-Programm gab es zudem derart viel Bonus-EXP, dass so mancher Level unbemerkt vorbeizog. Während man Quests abgab oder ein Dungeon bestritt, schien man bestimmte Stufen einfach zu überspringen.

Wer schon mal erlebt hat, wie eine mit Erbstücken, den Heirlooms, ausgestatte Twink-Gruppe durch eine unschuldige Instanz fegte und dabei nur Halt machte, um sich zum gegenseitigen Levelaufstieg zu beglückwünschen, dem drängt sich das Bild eines Heuschreckenschwarms auf.

Blizzard und die trostlosen Ebenen der Scherbenwelt

Blizzard hängt wohl wirklich der Idee nach, der Weg bis zur Maximalstufe sei für die meisten Spieler eine lästige Aufgabe, die es so schnell wie möglich zu vollbringen gilt. Dass für viele Spieler auch der Weg das Ziel ist – hat sich in den 10 Jahren des Contents wohl abgenutzt.

Gerade The Burning Crusade, also die Level-Distanz von 60 bis 70, wirkt heute trostlos und leer. Die Quest-Struktur, das Phasing, das Erzählen von zusammenhängenden Geschichten – all das hat Blizzard später verfeinert, vielleicht sogar perfektioniert. In den ältesten, naturbelassenen Ecken der Welt fehlen Erzählqualität und Abwechslung bei den Quests.

World of Warcraft: Cataclysm
Das alte Welt wurde mit Cataclysm ordentlich aufgewertet. Wie hat Euch aber das Gesamtbild gefallen?

Den ganzen alten Content ständig auf dem Niveau des Neuesten zu halten, ist nicht möglich. Mit Catacylsm hat man ähnliches versucht:

[pull_quote_center]Die alte Welt, das Level-Erlebnis von 1-60, wurde verändert. Die Spieler haben es nicht honoriert, weil dadurch wertvolle Zeit von der Entwicklung im Endgame abgeknappt wurde.[/pull_quote_center]

Jahrelang bemühte sich Blizzard darum, mit dem Problem kreativ umzugehen. Man legte niedrigstufige Zonen serverübergreifend zusammen, damit die Spieler sich als Teil einer lebendigen Welt fühlten. Man änderte Gruppen-Quests so, dass sie auch alleine zu bewältigen waren. Lukrative Spritztouren in Dungeons sollten von der Quest-Trostlosigkeit ablenken, sogar in Schlachtfeldern konnte man mittlerweile leveln. Alles wurde getan, nichts hat langfristig geholfen. Die Kreativität hat wohl nun ein Ende.

Dann sollen sie doch Kuchen essen!

Der Level-Boost bei einer Vorbestellung ist also nur konsequent. Blizzard sieht den früheren Heldenweg von 1 bis 90 als Ochsentour an, die viele Spieler so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen.

[pull_quote_center]Ob am Ende des Weges, mit dem Maximal-Level, dann wirklich ein mit Kuchen gefülltes Paradies auf den Spieler wartet oder nicht … das ist eine andere Frage.[/pull_quote_center]

Ein schaler Geschmack tritt spätestens mit der Erweiterung ein. Dann können sich Spieler für eine stattliche Summe Echt-Geld im Ingame-Shop direkt einen Level-90er kaufen. Man bezahlt Blizzard also dafür, einen großen Teil des Spiels nicht spielen zu müssen, weil man möglichst schnell zum leckeren Kuchen am Ende gelangen möchte. Hoffentlich ist der keine Lüge.

Außerdem

  • World of Warcraft: Gnom
    Negativ: Es erinnert an die unrühmliche Jahrespassgeschichte, dass man mit so einer Aktion in einer Content-Durststrecke, die wahrscheinlich wieder ein Jahr dauern wird, Spieler durch eine Vorbestellung ans Spiel binden möchte.
  • Positiv: Wenn dadurch Power-Leveling oder andere Absurditäten wie ein Char-Kauf auf eBay aus dem Spiel verschwinden, hatte die Sache etwas Gutes.
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