WildStar will wieder lachen: Aber passen Humor und MMO zusammen?

Ein Musik-Video zu WildStar hat die Millionen-Grenze geknackt. Hier werden die Seele und der Esprit des Games eingefangen, die Spieler im fertigen MMO oft schmerzlich vermissten. Aber passen Humor und epische Erzählung wirklich zusammen?

Bevor WildStar spielbar war, machte Carbine mit einer Art „Guerilla“-Marketing Werbung für das Game. Die Dev-Videos waren urkomisch, in Trailern krachte und knallte es an allen Enden, das Spiel nahm jede Gelegenheit war, um deutlich zu machen: „So bierernst nehmen wir das nicht.“

Auch als die Spieler die ersten Zonen betraten und würfelförmige Schweine sahen (aus kapitalistischer Sicht absolut logisch: Würfelförmig lässt sich alles besser stapeln), waren viele Spieler vom Charme WildStars angetan, während andere es als Anlass sahen, es als kindisch abzutun und gar nicht erst damit anzufangen.

Kippt WildStar irgendwo in der Mitte von komisch auf episch?

Aber irgendwo in der Story scheint den Machern von Carbine der Humor und die Leichtigkeit ohnehin abhandengekommen zu sein. „Wo ist der Humor?“, fragten sich einige. Aber war der vielleicht gar nicht im Spiel selbst da, nicht in der DNA des Games verwurzelt, sondern nur einer flippigen Präsentation und einigen Comic-Relief-Charakteren geschuldet? So nennt man in Hollywood die Figuren, die in jeden Actionreißer noch ein paar komischere Szenen mit hineinbringen.

Kurz vorm Release wurde ein eher ernster Trailer veröffentlicht, der die Hintergrundgeschichte in den Vordergrund stellte und die Dimensionen deutlich machte, um die es in WildStar gehen würde. Auch die eher tragischen Ursprungs-Geschichten der einzelnen Völker und das Schicksal von Drusera in der Haupt-Storyline haben nichts Komisches.

Keine Frage: Im Vergleich zu den anarchischen Videos, die WildStar vorstellten und sicher auch für seine Popularität sorgten, geht es in der fertigen Welt von Nexus doch eher gemäßigt und getragen zu. Man möchte staunen auslösen, die Spieler fesseln und das geht schlecht, wenn sie nichts ernst nehmen und mit einem Schmunzeln durch Nexus laufen.

WildStar soll wieder lachen können

In einem Interview auf mmorpg.com wurde genau dieses Dilemma angesprochen. Spieler vermissten, hieß es in einer Frage, den Esprit und den Vibe, den man aus den Trailern und dem Dev-Talk so an WildStar schätzen gelernt habe. Ob dies vielleicht ein Teil der aktuellen Probleme sei? WildStar leidet unter Spielermangel.

Und tatsächlich ist das eine Kritik, die Chad Moore von Carbine, schon häufiger gehört hat wie er sagt. In Zukunft will man das Beste der Marke nach außen kehren und dazu gehört auch die flippige Welt. Man möchte sich weiter darum bemühen, den Content so episch wie möglich zu gestalten, das hieße aber nicht, dass die Spieler unterwegs nicht auch was zum lachen haben könnten.

Mein MMO meint: Das scheint tatsächlich einer der Knackpunkte des Spiels zu sein. Zwar mochten viele die unterhaltsame Präsentation des Spiels. Und so mancher erlebte einen „Aha“-Effekt, als er das erste Mal einen Schwürfel sah. Bei Carbine vertraute man dem aber wohl nicht.

Das Endgame ging von diesem leichten Ton völlig weg und wandte sich großen, epischen Themen zu. Wie man diese beiden Pole, „komisch“ und „episch“, unter einen Hut bringen will, wird eine der wichtigsten „ästhetischen“ Fragen des Spiels sein. Passen Lachen, Schmunzeln und Staunen wirklich zusammen? Kann man die tragische Geschichte eines Volks, das seine Heimat verloren hat, und verpeilte Junkie-Hasen unter einen Hut bringen? Sollen wir wirklich glauben, dass die putzigen Chuas irre Massenmörder, die Aurin naturverbundene Philosophen sind? Wer sämtliche Fangruppen abdecken will, macht’s vielleicht am Ende keinem Recht.

Ein Musik-Video mit einem „Original“-Song zu WildStar hat mittlerweile über eine Millionen Klicks auf Youtube erhalten. Hier findet sich die Leichtigkeit und Frische aus den Pre-Release-Tagen wieder.

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