Viele Spieler empfinden nach ihren Lieblingsgames eine Leere und ein Gefühl echter Trauer. Psychologen haben nun eine Studie zu dieser „Post-Game-Depression“ durchgeführt und das Ergebnis zeigt: Besonders ein Genre sorgt für dieses Phänomen.
Was war das für eine Studie? Eine neue wissenschaftliche Studie hat bestätigt, dass die sogenannte „Post-Game-Depression“, kurz „P-GD“, nicht nur ein reales psychologisches Phänomen ist, sondern auch ein Genre besonders anfällig dafür ist. Damit ist das Gefühl von Leere, Traurigkeit und Verlust nach dem Beenden eines stark fesselnden Videospiels gemeint.
Für die Studie befragten Forscher in zwei Durchgängen rund 373 regelmäßige Spieler verschiedener Videospielgenres und veröffentlichten ihr Ergebnis im Fachjournal „Current Psychology“. Dabei haben sie die „Post-Game-Depression“ anhand von 4 Hauptmerkmalen gemessen, die bereits in einer Studie im Jahr 2023 im Rahmen einer Studie zu P-GD festgelegt wurden:
- Gedankliches Grübeln (am intensivsten)
- Ständige, aufdringliche Gedanken über die Handlung oder das Universum des Spiels.
- Schwierigkeiten beim Abschluss
- Das Problem zu akzeptieren, dass das emotionale Erlebnis vorbei ist.
- Der Drang zum erneuten Spielen
- Der Wunsch, das Spiel sofort wieder zu starten, um das Gefühl zurückzugewinnen.
- Medien-Anhedonie
- Ein vorübergehender Verlust des Interesses an anderen Spielen oder Filmen, da diese die hinterlassene „Lücke“ scheinbar nicht füllen können.
Da es zu diesem Themenfeld bisher wenig Forschung gab, analysierten die Psychologen Kamil Janowicz vom Zentrum für Persönlichkeitsentwicklungsforschung am Institut für Psychologie der SWPS Universität und Piotr Klimczyk von der Stefan-Batory-Akademie für Angewandte Wissenschaften in Skierniewice das Thema umfassender und entwickelten das erste Instrument zur wissenschaftlichen Messung der Intensität dieses Phänomens: die Post-Game-Depressionsskala (P-GDS).
Dabei fanden sie heraus, dass besonders Rollenspiele P-GD bei ihren Spielern auslösen können.
Clair Obscur: Expedition 33 ist ein klassisches Beispiel für ein Game, das Post-Game-Depression bei vielen Spielern ausgelöst hat:
Rollenspiele führen laut Studie nach Beenden oft zu emotionaler Leere
Warum führen besonders Rollenspiele zu P-GD? Die Studie ergab, dass Rollenspiele wie Baldur’s Gate 3 oder The Witcher 3 die stärkste Post-Game-Depression auslösen würden. Der Grund sei, dass Spieler in ihnen häufig durch ihre eigenen Entscheidungen den größten Einfluss auf die Entwicklung der Geschichte und demnach auch am tiefsten in das Geschehen und die Welten eintauchen würden.
Sie würden oft hunderte Stunden mit der Geschichte verbringen und tiefe parasoziale Beziehungen zu ihren Charakteren aufbauen. Dabei gelte: Je stärker diese Bindung sei, desto schwerer falle am Ende die Rückkehr in die Realität.
Unsere Forschung zeigt, dass die virtuelle Welt für viele Gamer zu einer so bedeutenden Quelle von Emotionen wird, dass die Rückkehr in den Alltag Zeit und geeignete psychologische Hilfsmittel erfordert. Diese Ergebnisse können uns helfen, die Erfahrungen von Gamern besser zu verstehen, und sind möglicherweise für den Spielentwicklungsprozess nützlich. Sie werfen zudem eine Reihe von Fragen zu den ethischen Aspekten der Spieleentwicklung auf, insbesondere im Hinblick auf die potenziellen Auswirkungen des Spielgeschehens auf das Wohlbefinden der Spieler.
– Dr. Kamil Janowicz in Post-game depression scale – a new measure to capture players’ experiences after finishing video games. Current Psychology.
Die Forscher vergleichen das Gefühl mit einer Form von Trauer, ähnlich dem Abschied von einem geliebten Menschen oder dem Ende eines wichtigen Lebensabschnitts. Es wurde zudem festgestellt, dass Personen, die ohnehin dazu neigen würden, viel zu grübeln oder Dinge pessimistisch zu verarbeiten, anfälliger für eine intensivere P-GD seien.
Vor allem unter den neueren Rollenspielen sticht eines heraus, bei dem haufenweise Spieler von einem solchen Gefühl berichteten. Dabei handelt es sich um Clair Obscur: Expedition 33, einem Überraschungs-Hit im Jahr 2025 aus Frankreich: Nach Expedition 33 fühlen sich Spieler leer: „Ich finde so etwas nie wieder“
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