Neverwinter im Test: Lohnt sich der MMORPG-Klassiker noch 2018?

Das MMORPG Neverwinter (PC, PS4, Xbox One) feiert bald seinen fünften Geburtstag. Zeit, mal zu schauen, ob das kostenlose Onlinespiel auch 2018 noch Spaß macht. Viele Abenteuermodule haben die Story und die Spielwelt stark erweitert, doch der Zahn der Zeit nagt auch am D&D-Klassiker. Wir testen Neverwinter in unserem Mein-MMO-Review.

Das bietet Neverwinter

Was ist Neverwinter? Das MMORPG Neverwinter versetzt euch in die Forgotten Realms, die klassische D&D-Fantasywelt schlechthin. Der Fokus liegt auf Story und Quests sowie dem Erkunden von großen Spielgebieten. Zudem bietet das Spiel eine Besonderheit: Über den Foundry-Editor ist es möglich, selbst Abenteuer zu erschaffen, die andere Spieler dann erleben können. Neverwinter ist auf PC, Playstation 4 und Xbox One spielbar.

  • Quests: Neverwinter bietet eine Vielzahl von Quests, welche euch durch zahlreiche Gebiete führen. Die Quests erzählen eine fortlaufende Geschichte, die stetig erweitert wird und in welcher ihr die Forgotten Realms näher kennenlernt.
  • Dungeons & Dragons Spielgefühl: Neverwinter erschafft eine Atmosphäre, als würde man gemeinsam mit Freunden bei einer spannenden Runde Pen & Paper D&D zusammensitzen und im Team Abenteuer erleben.
  • Sehr gutes Gruppenspiel: Die Klassen sind gut ausbalanciert und bieten die Möglichkeit, gut in Gruppen zu funktionieren. Daher macht vor allem das Spielen in einer gut aufeinander abgestimmten Party richtig viel Spaß.Neverwinter_PS4
  • Stetige Erweiterungen: Im Juni erscheint mit Ravenloft die inzwischen 14. Erweiterung des MMORPGs. Das Entwicklerteam arbeitet regelmäßig an neuen Inhalten und versorgt die Fans immer wieder mit neuem Content und Geschichten.
  • Dungeons und Instanzen: Zu den Highlights von Neverwinter gehören die großen Dungeons und Gruppeninstanzen. Diese zu meistern und die Bossgegner im Team zu besiegen, beschert mächtige Beute und jede Menge Spaß.
  • Foundry: Neverwinter bietet Spielern die Möglichkeit, mit dem Foundry-Editor selbst Quests zu erstellen. Diese können dann anderen Spielern angeboten werden. Das sorgt für einen stetigen Strom an neuen Abenteuern.

Neverwinter ist einerseits ein Vertreter der klassischen MMORPGs, bietet aber ein Spielgefühl, das sich mehr an D&D-Pen&Paper-Spielabenden orientiert. Die vielen Inhalte sorgen für einen sehr langen Spielspaß.

Neverwinter_PS4_03

So gut ist Neverwinter

Neverwinter ist nicht mehr das jüngste MMORPG. Das merkt man dem Spiel vor allem an der Präsentation an. Allerdings schafft es das Spiel, die leichten Altersschwächen in der Optik durch jede Menge Quests und viele Geschichten wett zu machen. Gerade die Story ist es, welche den Motor des Spiels darstellt.

Die Stadt Neverwinter inklusive Umgebung ist immer wieder Angriffsziel von finsteren Mächten. Daher habt ihr als Helden auch alle Hände voll zu tun, euch diesen Bedrohungen zu stellen. Dazu sprecht ihr in den vielen Gebieten mit NPCs, die euch mehr über die aktuelle Situation verraten und euch Aufträge erteilen. Diese Missionen führen euch in abwechslungsreiche Gebiete wie die Kanalisation unterhalb der Stadt, in verwunschene Wälder, tiefe Verliese, das verschneite Eiswindtal und sogar in die Dschungel von Chult, wo gewaltige Dinosaurier auf euch warten.Neverwinter Test 1

Die Quests laufen oft recht ähnlich ab, wodurch man auf Dauer auch etwas die Abwechslung vermisst. Ihr erkundet das Spielgebiet, kämpft dort gegen die Kreaturen und am Ende erwartet euch meist ein Bossgegner, für den ihr euch eine spezielle Taktik ausdenken müsst. Zwischendurch löst ihr hier und da mal ein Schalterrätsel oder sprecht mit einem NPC, der euch weitere Hinweise liefert.

Auch, wenn es den Quests zumindest mit der Zeit an Abwechslung fehlt, hat man immer jede Menge zu tun und die Spannung bleibt aufgrund der taktischen Kämpfe erhalten. Nach jeder Mission hat man das Gefühl, etwas erreicht und es zu etwas gebracht zu haben. Entweder ihr findet coolere Ausrüstung oder ihr steigt auf und könnt neue, mächtigere Skills nutzen. So gewappnet stürzt man sich dann gerne in das nächste Abenteuer.

Aufgrund der Art, wie die Quests aufeinander aufbauen und wie sie auf diese Weise eine epische Geschichte erzählen, bekommt ihr das Gefühl, ein wichtiger Teil der Welt zu sein. Ganz so, als würde man eine Pen & Paper Session von D&D mit guten Freunden spielen. Die Story erlebt man damit häppchenweise mal in größeren und mal in kleineren Stücken, die am Ende aber ein großes Ganzes ergeben, das in Sachen Spaß und Spannung durchaus überzeugt.

Neverwinter Test 2

Die Story schreitet fort und fort …

Bei Neverwinter können sich Fans einfach auf eine stetige Qualität und eine fortschreitende Story verlassen. 13 Erweiterungen sind bereits in den vergangenen fünf Jahren erscheinen, das 14. „Ravenloft“ steht in den Startlöchern.Neverwinter-Nasen

Die Entwickler wissen ganz genau, was die Fans wollen – und das sind neue Quests, neue Spielgebiete und eine Fortführung der Story. Neverwinter zu spielen ist so, als würde man eine gute Fantasy-Buchreihe lesen, die immer weiter geht. Die Helden erleben immer neue Abenteuer und müssen sich weiteren Herausforderungen stellen. Daher macht es Spaß, bei jedem erschienenen Abenteuermodul wieder in die Welt zurückzukehren und zu schauen, welche Bedrohung als nächstes eingedämmt werden soll.

Dabei leisten die Entwickler auch eine ganz gute Arbeit in der Art, wie die Geschichte erzählt wird. Denn es kann durchaus vorkommen, dass liebgewonnene NPCs im Verlauf einer Handlung sterben … .

Ein unendlicher Strom an neuen Inhalten

Ein außergewöhnliches Feature von Neverwinter ist der Foundry-Editor, der allerdings nur für die PC-Version des MMORPGs verfügbar ist.Der Hexenmeister in Neverwinter

  • Foundry erlaubt es euch, über einen Editor eigene Missionen zu erstellen. Hierbei könnt ihr euch kreativ austoben und diese Quests dann auch anderen Spielern anbieten
  • Foundry-Quests stellen zusätzliche Inhalte dar, mit der sich die Wartezeit auf offizielle Updates und Erweiterungen überbrücken lässt
  • Es gibt gewisse Regeln, an die ihr euch beim Erstellen von Quests halten müsst. Darunter Einschränkungen bei den Belohnungen, um das System nicht zu missbrauchen
  • Mit den Foundry-Quests kommt ihr an zusätzliche Belohnungen und könnt euren Helden auch außerhalb der regulären Quests verbessern
  • Der Foundry-Editor und damit auch die Foundry-Quests stehen aufgrund von technischen Problemen mit dem Editor nur für die PC-Version zur Verfügung

Die Spielsysteme – klassisch aber wenig modern

Neverwinter spielt sich klassisch. Acht Klassen, eingeteilt in die typischen Muster Tank – Damage Dealer – und Healer zeigen schon, dass Neverwinter keine großen Sprünge macht, um innovativ zu sein. Auch die Kämpfe spielen sich gewohnt und MMO-typisch, mit dem Unterschied, dass aktiv für das Zuschlagen geklickt werden muss. Ihr wählt einen Gegner aus und nutzt dann die „Hotbar“, um eure erlernten Skills einzusetzen.

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Euer Held steigt mit der Zeit auf, indem er Monster ausschaltet und Quests erledigt, was ihm Erfahrungspunkte einbringt. Auf diese Weise dürft ihr euch neue Skills auswählen, die euch dann in den schwierigeren Missionen zugute kommen.

Auch die Ausrüstung spielt eine wichtige Rolle, weswegen ihr euch immer auf die Suche nach Loot macht. Crafting ist zwar möglich, stellt aber keinen wirklichen Fokus im MMO dar. So sind die Spielsysteme von Neverwinter klassisch, lassen aber ein wenig Innovation vermissen und fühlen sich inzwischen nicht mehr allzu modern an.

Neverwinter

Was ist mit PvP?

PvP ist in Neverwinter auch möglich. Allerdings stellt dies nicht den Kern des MMOs dar und das merkt man einfach auch. PvP spielt im Herrschafts-Modus auf speziellen Maps, auf denen sich zehn Spieler bekämpfen. Das Dungeon Gauntlgrym stellt einen PvP-Endgame-Inhalt dar, in dem sich 40 Spieler bekriegen. Und im Icewind Dale gibt es eine besondere Open-PvP-Zone. Besonders spaßig ist der Stronghold-Modus, in dem sich zwei Gilden untereinander bekriegen, ihre Festungen ausbauen und dann Belagerungen starten.

PvP in Neverwinter kann zwar durchaus Spaß machen und braucht auch spezielle Ausrüstung, dennoch merkt man dem Spiel einfach an, dass der Fokus auf PvE liegt.

Neverwinter war gar nicht als MMORPG geplant und das merkt man. Ursprünglich wollten die Cryptic Studios ein Online-Rollenspiel für kleinere Spielergruppen erschaffen. Doch Publisher Perfect World entschied, dass sie lieber ein MMORPG haben wollten. Daher mussten die Entwickler das Spiel entsprechend anpassen.<

Dass Neverwinter nicht von Beginn an als MMO geplant war, bemerkt man an vielen Stellen. Denn die Quests sind auf Koop-Gameplay ausgelegt und die ganze Story fühlt sich mehr wie ein Single-Player-Spiel an, das kooperativ gespielt werden kann. Dies macht die Spielererfahrung von Neverwinter aber auch besonders.

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Wie sieht es mit der Langzeitmotivation von Neverwinter aus?

Neverwinter als MMORPG will die Spieler eine lange Zeit binden. Dazu gibt es Endgame-Inhalte, die Foundry und stetige Erweiterungen. Dennoch gibt es gerade in Sachen Langzeitmotivation auch einen Haken. Denn es gibt zwar viel Content, sonderlich abwechslungsreich ist der aber nicht.

neverwinter flussdistrikt 2

Wie viele Stunden Spielspaß? Aufgrund der bisher 13 Erweiterungen stecken alleine in der Story von Neverwinter Hunderte an Stunden Spielspaß. Dieser kann noch deutlich erweitert werden, wenn man die von Spielern mit der Foundry erstellten Quests spielt.

Wie abwechslunsgreich ist das Spiel? Der Abwechslungsreichtum ist ein wenig der Knackpunkt von Neverwinter. Es gibt zwar sehr viel zu tun und viele Quests erzählen auch spannende Geschichten. Die eigentlichen Missionen laufen aber meist sehr ähnlich ab. Man kämpft sich durch ein Gebiet, welches oft den Eindruck eines Schlauchlevels erweckt und tritt hier gegen die immer wieder auftauchenden Gegner an. Am Ende wartet dann ein Boss. Mit der Zeit kann das doch auch etwas eintönig werden.

Was mache ich nach der Story? Nach der Story ist es möglich, sich den Endgame-Inhalten in Form der Stronghold- und Gauntlgrym-Schlachten oder der „Raids“ zu stellen. Allerdings muss man dafür auch PvP mögen. Daneben begebt ihr euch auf die Suche nach seltener Ausrüstung, indem ihr die Bossmonster immer wieder jagt und erledigt Jagd-Quests, die sich täglich wiederholen lassen. Darüber hinaus schaut ihr euch am besten auch die Foundry-Quests anderer Spieler an oder erstellt mit dem Editor vielleicht sogar eigene Missionen.

Gibt es ein Endgame? Es gibt eine Reihe von heftigen „Raid“-Dungeons, die ihr nur in der Gruppe erledigen könnt. Dort stellt ihr euch gefährlichen Monstern wie dem Drachen Tiamat oder dem Demogorgon. Diese Kreaturen zu besiegen, ist nur in einer eingespielten Gruppe möglich und beschert euch epischen Loot. Darüber hinaus warten noch die PvP-Inhalte auf euch. Mit jeder Erweiterung fügen die Entwickler zudem neue Herausforderungen hinzu.

Was ist mit den Mikrotransaktionen?

Neverwinter bietet als Free2Play-MMORPG natürlich Mikrotransaktionen, über welche die weitere Entwicklung finanziert wird. Der Zen-Markt bietet die Möglichkeit, über die mit Echtgeld kaufbare Ingame-Währung „Zen“ Items wie etwa epische Gefährten oder zusätzliche Inventarslots zu erwerben. Nötig ist das aber nicht. Es sei denn, man verfolgt einen kompetitiven Gedanken und möchte zu den besten Spielern gehören. Dann erkauft man sich gewisse „Vorteile“, mit denen man etwas schneller vorankommt. Als Pay2Win ist dies aber nicht zu sehen.

Neverwinter lässt sich auch ohne Geld komplett „durchspielen“. Und man kann jede Menge Spaß haben, ohne einen Cent ausgeben zu müssen. Hinzu kommt, dass ihr im Spiel auch Astraldiamanten sammelt, mit denen ihr im Auktionhaus so gut wie jedes Item erwerbt. Die Mikrotransaktionen in Neverwinter dienen im Prinzip nur der Bequemlichkeit. In rund fünf Jahren hat der Autor dieses Artikels nicht einen einzigen Cent für Neverwinter ausgegeben und konnte dennoch unzählige Abenteuer erleben und hatte dabei jede Menge Spaß.

Daher sind die Mikrotransaktionen also eine nette Möglichkeit, Zeit zu sparen, zwingend nötig sind sie aber nicht. Hinweise auf Mikrotransaktionen gibt es zwar immer wieder im Spiel, doch diese lassen sich getrost ignorieren.

Ist das Spiel etwas für mich?

Neverwinter lohnt sich für dich, wenn…

  • du in einem MMORPG vor allem Quests erleben möchtest.
  • du den Fokus nicht auf PvP legst, sondern dich nur ab und zu mal mit anderen Spielern messen möchtest.
  • es dir wichtig ist, eine epische Story zu erleben, die auch stetig weitergeführt wird.
  • du ein Fan von Dungeons & Dragons und hier vor allem vom Szenario Forgotten Realms bist.
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Ähnliche Spiele: Neverwinter könnte dir gefallen, wenn…

  • dir in The Elder Scrolls Online der Fokus auf die Story zusagt und du gerne viel erkundest.
  • du spannende Bosskämpfe wie in TERA liebst, bei denen du dir gemeinsam im Team mit Freunden kluge Strategien überlegen musst, um zu siegen.
  • du wie in RIFT gerne große Dungeons erkundest, in denen es viel zu entdecken und zu finden gibt.

Schwierigkeitsgrad: Einsteiger und Fortgeschrittene. Der Schwierigkeitsgrad steigt stetig an. Einsteiger fühlen sich nicht überfordert, Veteranen bekommen später aber auch knackige Herausforderungen serviert.

Fazit – Angestaubt, gehört aber noch nicht zum alten Eisen

Fazit & Bewertung
Autor(in)
Ich kehre immer wieder gerne in die Fantasywelt von Neverwinter zurück. Jedes Mal, wenn ein neues Abenteuermodul erscheint, starte ich das Spiel und fühle mich sofort heimisch. Mein geliebter Held bekommt dann wieder etwas zu tun und ich freue mich, die neuen Spielgebiete zu erkunden und zu erfahren, wie die Story weitergeht.

Allerdings lässt der Abwechslungsreichtum doch mit der Zeit zu wünschen übrig. Auf Dauer die immer ähnlich ablaufenden Quests zu erledigen lässt die Motivation schwinden, weswegen zumindest ich immer wieder größere Pausen einlegen muss, um Neverwinter dann wieder „neu“ zu entdecken und wieder zum Spaß zurückzufinden.

Neverwinter lebt einfach von den Quests und der Geschichte, dem PvE. PvP ist zwar ebenfalls möglich, doch es stellt definitiv nicht den Fokus dar. Auch, wenn Neverwinter langsam in die Jahre kommt, hat das Spiel aufgrund der Art, wie es die D&D-Atmosphäre einbringt, noch einige Zeit vor sich.
7
Empfehlenswert Ø Userwertung: 5
Grafik und Technik
6
Story
8
Entdeckung
7
Kampf
7
Langzeitmotivation
6
MMO-Anteil
8
Pro
  • Viele Quests
  • Epische Story
  • Stetige Erweiterung
  • Gute Gruppeninhalte
  • Foundry-Editor zum Erstellen eigener Quests
  • Viele PvE-Inhalte
  • Actionreiche, taktische Kämpfe
Contra
  • Wenig Abwechlsung in den Quests
  • PvP nur ein Anhängsel
  • Angestaubte Technik
  • Fühlt sich wenig modern an

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