FIFA 22: Im Streit zwischen EA und FIFA geht es nicht um Fußball oder Gaming – Sondern ums große Geld

FIFA 22: Im Streit zwischen EA und FIFA geht es nicht um Fußball oder Gaming – Sondern ums große Geld

Die FIFA-Reihe von EA wird nach fast 30 Jahren umbenannt. Gleichzeitig plant die FIFA (also der Verband) ein Konkurrenzprodukt. Die FIFA und Electronics Arts sprechen von Authentizität und neuen Fußball-Erlebnissen – aber ist das wirklich der wichtigste Faktor? MeinMMO-Autor Max Handwerk hat Zweifel.

Das ist bei EA los: Im Sommer 2023 ist Schluss: FIFA wie wir es kennen wird es nicht mehr geben. Also – mehr oder weniger zumindest. So liest sich jedenfalls die Ankündigung von EA Sports.

Statt „FIFA“ sollen Spieler ab Sommer 2023 „EA Sports FC“ spielen. Die neue Variante der Fußball-Simulation, die aber „alles“ enthalten soll, was man an ihren „Spielen liebt“: Modi, reale Spieler und Teams, Stadien, Ligen und so weiter – das soll alles an Bord bleiben (via EA.com). Dazu passt auch, dass man sich mit dem Lizenzpartner FIFPRO langfristig geeinigt hat.

Gleichzeitig betont EA, dass es nicht nur ein symbolischer Umbruch sein soll, sondern ein tatsächlicher Neuanfang. Die „unabhängige Plattform“ würde „frische Möglichkeiten“ bringen. In den Sport würde investiert und mit immer mehr Partnern an neuen, authentischen Erlebnissen gearbeitet.

EA Sports FC soll dann ab 2023 „Freude, Inklusion und Immersion für eine globale Gemeinschaft von Fans“ bringen. Konkret benannt wird dabei aber keine Neuerung, das soll dann erst nach FIFA 23 passieren.

Deshalb liest sich das ganze zumindest jetzt noch ein bisschen wie die alte Schokoriegel-Werbung: „Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix.“

FIFA 22 Lizenzen
Fantasienamen wird es wohl auch in Zukunft nicht oder kaum bei FIFA geben

Das macht die FIFA jetzt: Die FIFA (also der Weltfußballverband) hielt direkt dagegen und veröffentlichte eine Pressemitteilung, dass man nun selbst mit externen Studios und Publishern neue Fußballvideospiele (ja, Plural) produzieren würde. Einige, „nicht auf Simulation beruhende“ Spiele seien bereits in Produktion und sollen noch in diesem Jahr, im Vorfeld der Weltmeisterschaft, erscheinen.

Darüber hinaus meldete sich FIFA-Präsident Gianni Infantino in der Mitteilung zu Wort und betonte:

Ich kann Ihnen versichern, dass das einzige authentische, echte Spiel, das den Namen FIFA trägt, das beste sein wird, das für Gamer und Fußballfans erhältlich ist. Der Name FIFA ist der einzige globale, originale Titel. FIFA 23, FIFA 24, FIFA 25 und FIFA 26 und so weiter – die Konstante ist der Name FIFA und er wird für immer bleiben und DER BESTE bleiben.“

via fifa.com

Auch hier wird wieder das Wort „authentisch“ verwendet – und das ist ja auch kein Wunder. Schließlich war der Aspekt, dass die FIFA-Reihe immer einen Großteil an realen Spielern und Vereinen hatte, ein wichtiger Vorteil gegenüber dem langjährigen Konkurrenten Pro Evolution Soccer.

Dass beide Seiten sich nun als der „authentische“ Vertreter präsentieren, der die beste Fußball-Erfahrung im virtuellen Raum anbieten möchte, überrascht wenig.

Doch schaut man sich die Historie des Streits an, wird klar, dass es eben nicht um Authentizität, Gaming oder den Fußball an sich geht.

Es wirkt eher, als wäre „das große Fußball-Videospiel“ ein besonders leckerer Kuchen, von dem beide glauben, dass sie zu wenig abbekommen.

Welche Rolle spielt Geld in diesem Streit?

Wer streitet da eigentlich? Beide Parteien, die da an Fußball-Videospielen basteln, stehen jeder für sich schon seit langem in der Kritik, wenn es um das Thema Geld geht.

  • EA Sports wird regelmäßig scharf für seine Ultimate-Team-Praktiken kritisiert. Hier werden Packs mit zufälligen Spielern verkauft, die man auch mit Echtgeld bezahlen kann. Eine Garantie auf starke Spieler, die einen im Spiel voranbringen, hat man dabei nicht – die Chancen sind sogar eher schlecht. Dennoch spielt Ultimate Team Jahr für Jahr unfassbar viel Geld ein. Dazu kommt auch noch der Kaufpreis für FIFA. Von der Reihe bringt EA jedes Jahr eine neue Version als Vollpreisspiel.
  • Die FIFA als Fußball-Weltverband wiederum steht bei vielen Fußballfans dafür in der Kritik, die Kommerzialisierung des Fußballs massiv voranzutreiben. Da spielen beispielsweise die kontroverse WM-Vergabe nach Katar, aber auch Punkte wie Korruptionsskandale eine Rolle.

Was sind die Gründe für die Trennung? In den offiziellen Statements beider Seiten steht erstmal wenig zu den Gründen, weshalb man in Zukunft lieber ohne einander weiter macht. Doch in den vergangenen Wochen und Monaten kamen immer wieder Aspekte ans Licht, die dazu beigetragen haben sollen.

  • Los ging es im Herbst 2021, als EA Sports öffentlich darüber nachdachte, die Reihe umzubenennen und künftig nicht mehr auf die FIFA-Lizenz zurückzugreifen. Laut New York Times soll die FIFA damals den doppelten Preis für die Lizenz verlangt haben – rund eine Milliarde Dollar für 4 Jahre, anstatt wie zuvor 500 Millionen.
    • Darüber hinaus soll die FIFA die Möglichkeiten des Geldverdienens innerhalb der Spiele einschränken wollen und Exklusivrechte bei sich halten, während EA mehr Möglichkeiten zur Monetarisierung einbinden wollte.
  • Später kamen angebliche Aussagen des EA-Bosses Andrew Wilson aus einem internen Meeting ans Licht. Die Seite VGC berichtete damals, dass Wilson laut anonymen Quellen betonte, dass man von der FIFA eingeschränkt würde. So seien beispielsweise keine Modi möglich, die über 11vs11 hinaus gehen. Zudem dürfe man das „digitale Ökosystem“ nicht erweitern – beispielsweise durch Partnerschaften mit Firmen wie Nike. Denn die FIFA wiederum habe eine Partnerschaft mit Adidas.
    • Außerdem soll Wilson der Ansicht gewesen sein, dass die FIFA-Lizenz in Jahren ohne Weltmeisterschaft nur „vier Buchstaben auf der Packung“ liefern würde.
    • Dabei betonte Wilson immer wieder, dass die eigenen Spieler EA eigentlich dazu drängen, noch mehr Marken einzubinden.

Im Zuge der „EA Sports FC“-Ankündigung fällt beispielsweise auf, dass explizit Nike neben vielen Fußballvereinen nun eine Verbindung mit der „neuen“ Fußballreihe angekündigt hat:

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Die FIFA wiederum betont in ihrer aktuellen Ankündigung: „Der Sektor der interaktiven Spiele und des E-Sports befindet sich auf einem beispiellosen Weg des Wachstums und der Diversifizierung. Die Strategie der FIFA zielt darauf ab, alle zukünftigen Möglichkeiten optimal zu nutzen und eine breite Palette von Produkten und Möglichkeiten für Spieler, Fans, Mitgliedsverbände und Partner zu gewährleisten“ (via FIFA.com).

Auch dieses Statement klingt erstmal recht „wirtschaftlich“ – und nicht nach Fußball- oder Gaming-Herz.

Was bedeutet das alles für die Fußball-Gaming-Welt? Träumen wir uns kurz den Idealfall her: Es geht gar nicht ums Geld. Oder zumindest nicht nur. Im besten Fall ist EA mit FIFA nicht mehr der alleinige Platzhirsch, der sich ausruhen kann, weil ihm eh keiner gefährlich wird. Sondern ihm erwächst nun ein starker Konkurrent – und EA muss mit „EA Sports FC“ ein richtig gutes, faires Spiel mit vielen Neuerungen abliefern. Denn sonst kaufen die Kunden einfach „FIFA 24“, das nicht mehr von EA vertrieben wird.

Die FIFA wiederum liefert ihrerseits ein starkes Game ab – und wir bekommen auf Jahre einen Wettbewerb motivierter Entwickler, die sich gegenseitig mit ihren Games zu toppen versuchen. Und weil das noch nicht reicht, kommen auch noch Neuling UFL und ein wiedererstarktes Pro Evolution Soccer dazu, die den Wettbewerb weiter anheizen. Das wäre natürlich super.

Auch Spiele wie „UFL“ wollen mitmischen

Doch auch das Gegenteil könnte der Fall sein. EA spart sich die FIFA-Lizenz, kann aber wie gehabt weitermachen und das Spiel mit noch mehr Monetarisierung versehen. Dann werden vielleicht Nike-Schuhe mit Schuss-Boost zusätzlich zu starken Spielern im Spiel verkauft, wer weiß.

Die FIFA wiederum liefert ein Spiel ab, das zwar Lizenzen hat, aber viel mehr auch nicht. Das heißt dann FIFA 24 oder FIFA 25 und sorgt dafür, dass alle möglichen Leute das falsche Spiel kaufen, aber nicht bekommen, was sie erwarten. Denn das muss man auch mal sagen: So oder so könnte die Fußball-Game-Welt in Zukunft ziemlich verwirrend werden.

Hier heißt es wohl erstmal abwarten – und hoffen, dass bei beiden Seiten der Wille besteht, wirklich ein spannendes, cooles Spiel abzuliefern. Anstatt einem, das ausschließlich auf maximalen Profit ausgelegt ist. 

Was haltet ihr von der Änderung? Worauf hofft ihr? Erzählt es uns in den Kommentaren! Und wenn ihr FIFA ausprobieren wollt: FIFA 22 ist grad bei PS Plus.

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Dunarii

Hoffentlich geht das gesparte Geld dann sinnvoll in die Entwicklung. Aber solange die Buli und die Eintracht da bleiben werde ich es wohl auch.

Andy

Irgend eins davon wird sich schon durchdetzen.PES hat sich allerdings selbst abgeschossen.Aber eins davon wird sicherlich gut sein

quick.n.dirty

Da haben sich zwei gefunden. Der eine gieriger als der andere.

ExeFail23

Dass es EA nicht um Gaming geht sieht man z.b. sehr gut an 2042, am besten von der Schrott Bude nichts mehr kaufen, das wäre das beste was man machen kann!

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