Black Desert Preview: Wenn ArcheAge und Tera ein Kind hätten …

Das südkoreanische Sandbox-MMO Black Desert soll in den Westen kommen und dem darbenden MMORPG-Markt neues Leben einhauchen. Wir stellen es in einem Preview vor und beleuchten Klassen, Gameplay, Housing, Sandbox und PvP.

Im Moment läuft die dritte Phase der geschlossenen Beta von Black Desert in Korea. Die ersten ausführlichen Einblicke tauchen auch im Westen auf. Das Spiel wirkt wie das jetzt gerade populäre Korea-MMO ArcheAge, allerdings mit einer deutlich besseren Grafik und einem Action-Kampfsystem wie in Tera.

2015, 2016 steht Asien-Invasion an; MMORPGs brauchen frische Ideen

Nachdem 2014 nochmal ein Aufbäumen des westlichen Markts erlebte mit The Elder Scrolls Online und WildStar, sehen MMO-Experten in den nächsten Jahren einen starken Einfluss von Asia-MMORPGs vorher, die mit Sandbox-Elementen punkten und den Markt neubeleben könnten. Auch die anstehenden westlichen AAA-Projekte – wie Everquest Next – gehen in diese Richtung.

Neben dem im September erschienenen ArcheAge und dem schon etwas angegrauten Blade and Soul, das 2015 in den Westen kommen soll, haben es gerade frische Games wie Black Desert und Bless Online auf unseren Markt abgesehen.

Black Desert ist dabei wohl der heißeste Anwärter. Im Moment ist das MMORPG in Korea in der dritten geschlossenen Beta, in Europa sollen die ersten Tests Anfang 2015 beginnen, das Spiel dann 2016 erscheinen. Höchste Zeit, dass wir Euch Black Desert genauer vorstellen. Dazu nehmen wir ein aktuelles Video von mmobomb aus der Closed Beta zum Anlass.

Black Desert Grafik

Für den Westen ungewöhnlich: Race- und Genderlock

In der Charakter-Erstellung wartet schon eine erste Überraschung auf die Spieler: Denn die „Klassen“, die zur Auswahl stehen, haben eine festgelegte Rasse und ein festes Geschlecht. Die „Berserker“-Variante von Black Desert, einen offensiven Krieger mit zwei Waffen, gibt es nur als männlichen Giganten, daher heißt die Klasse auch Giant. Im Moment sind 4 Klassen in Korea spielbar, vier weitere sollen hinzukommen.

Auch wenn die Klassen, für uns ungewohnt, starr auf Rasse und Geschlecht festgelegt sind, gibt es bei Black Desert einen ausgiebigen Charakter-Creator. Als der in einem Video vor ein paar Monaten vorgestellt wurde, lief den Leuten hier schon das Wasser im Mund zusammen. Der sah wirklich fantastisch aus. Und hat im Alleingang dafür gesorgt, dass Black Desert bei vielen das erste Mal auf der geistigen Landkarte erschien und sich dort festfraß.

Die acht Klassen von Black Desert

Die vier schon in Korea spielbaren Klassen sind:

Der Ranger, eine weibliche Bogenschützin.

Der Warrior, ein klassischer männlicher Tank mit Schwert und Schild.

Sorcerer, eine Zauberin, die agil unterwegs ist und aus der Distanz mit Schadenszaubern glänzt.

Und der Giant, ein riesiger Berserker als Melee-DD mit zwei übermannsgroßen Äxten.

Die vier weiteren Klassen, die noch kommen sollen, sind:

  • Tamer, eine „Zähmerin“, die auf ein Schwert und ihre tierischen Gefährten setzt. Also eine Pet-Klasse.
  • Der Wizard, ein männlicher Zauberer, so eine Art Gandalf mit Stab und Fokus auf AE-Zaubern.
  • Valkyrie, die Walküre, als Gegenstück zum männlichen Tank setzen die Damen eher auf Support-Skills.
  • Und der Blader, eine weitere Nahkampf-DD-Variante, die mit mehr Finesse und Eleganz kämpft als der brutale Giant.

Gameplay: Quests sind eher lahm, Sandbox-Elemente dominieren

Eine der wenigen Kritikpunkte im Video sind die Quests, die auf uns im Westen eher generisch und lahm wirken. Das zieht sich aber als Kritik durch die Geschichte von Asia-MMOs im Westen. Damit haben auch ArcheAge und Tera zu kämpfen. Und auch Sandbox-Spiele glänzen normalerweise nicht mit einer verästelten Story und aufregenden Quests, den Content bieten die Spieler einander.

So sei es, heißt es im Video, in Black Desert eine häufig genutzte Alternative, das Questen einfach sein zu lassen und stattdessen Mobs zu grinden. Dadurch dass jeder Char vor allem auf AE setzt, sei das durchaus praktikabel.Black Desert

Langfristig sei Black Desert eher ein Sandbox-PvP-Spiel mit starken Crafting-Elementen. Eine Beschreibung, die auch auf ArcheAge zutrifft. Gilden könnten Festungen besetzen, Spieler auf die Jagd nach anderen gehen, ein Karma-System sei implementiert.

Durch das Crafting-System sei es ohnehin mehr so, dass jeder eigene Ziele verfolge und sich vornimmt, am Tag X das selbstgewählte Ziel Y zu verfolgen, indem er Teilschritt Z erledigt. Während es in westlichen MMOs eher so ist, dass man auf einem festgelegten Pfad der Progression folgt und von Zone A nach B gelangt, dabei bis auf die Maximalstufe questet und sich dann in die Itemspirale wirft. Das wird in Black Desert nicht so sein. Wie in ArcheAge führt der Weg zum besten Gear über das Crafting und die Sandbox-Elemente.

Kampfsystem: Richtig gut, aber tranklastig

Das Kampf-System ist eines der Prunkstücke von Black Desert. Es sei völlig frei, also nicht tab-basiert. Die Angriffe verliefen flüssig. Man spüre die Wucht und das Gewicht hinter den einzelnen Attacken (das ist so eine Art heiliger Gral unter Kampf-System-Fans).

Allerdings sei der Kampf in Black Desert wie in Asia-MMOs üblich auch „flashy“, mit Blutspritzern und einem wackelnden Screen und wirke dadurch unruhig und übertrieben. Daran müsse man sich vielleicht als westlicher Spieler erst gewöhnen.

Black Desert Kampf gegen Riese

In Black Desert gibt es keinerlei Heiler. Heiltränke liegen auf einem Fünf-Sekunden-Timer. Das Spiel animiere also regelrecht dazu, zum Trank-Junkie zu werden. Das könne schon manchmal nerven.

Das Kombo-basierte Kampfsystem werde dadurch attraktiver, dass die Spieler mit ansteigender Erfahrung im Kampf Skills freischalten und diese frische Kombinationen ermöglichen. Black Desert orientiert sich hier am Kampfsystem von modernen Asien-MMOs, wo es immer darum geht, spektakuläre Combos aneinander zu reihen. Das hat ein bisschen was von Street-Fighter.

Crafting: Jetzt wird’s interessant

Das Crafting-System ist komplex wie in ArcheAge. Überhaupt gibt es einige Parallelen zum Sandpark MMO. Die Traderuns in Black Desert wird man aber nicht selbst übernehmen müssen, sondern kann NPCs dafür anheuern. Die übernehmen auch den Rohstoffabbau. Da diese Figuren nicht (wie jetzt in World of Warcraft oder Rift) nur in einer Art Mini-Game existieren, sondern wirklich in der Welt sichtbar sind und ihren Tagesabläufen folgen, wirkt das Spiel in den Städten belebt und interessant.

Wie in ArcheAge wird die Crafting-Kapazität über eine Art „Energie“-System geregelt. Man wird auch in Black Desert nicht so lange craften können, bis man umfällt, sondern ist, wie in einem Browsergame, an bestimmte Energie-Grenzen gebunden.

Black Desert Handel

Klatsch und Tratsch und ein Dach überm Kopf

Was Neues führt Black Desert mit so einer Art „Klatsch und Tratsch“-System ein. Dadurch lässt sich in einem Mini-Game die Beziehung zu einzelnen NPCs verbessern, wodurch Rabatte herausspringen oder Quests freigeschaltet werden. Es geht im Minigame darum, die einzelnen NPCs in eine soziale Matrix einzubinden, damit sie jene Informationen über andere bekommen, die sie interessieren.

Dem Housing kommt in Black Desert eine Schlüsselrolle zu. Nicht nur, dass man bestimmte Einrichtungsgegenstände im eigenen Haus braucht, um im Crafting voranzukommen, auch den NPCs unter eigenem Kommando können Hütten errichtet werden.

So Sachen wie Crafting, Housing, Minigames sind im Moment noch relativ schwierig zu beschreiben und damit den Lesern schmackhaft zu machen, weil sich das nicht so schön in ein Drei-Minuten-Video pressen lässt wie das Kampfsystem. Aber ArcheAge oder auch der Dauerbrenner Eve Online zeigen, dass MMO-Fans ein tiefes und immersives Crafting-System zu schätzen wissen und mit Treue honorieren.

Black Desert - Stein tragen

Wie man die Welt durchquert: Mounts, Parcours und zu niedrige Türen

Das Spiel unterscheidet sich von den aktuellen MMO-Vertretern dadurch, wie ernst es Mounts und die Bewegung durch die Welt nimmt. Während in anderen MMORPGs Türen den Zugang zu Instanzen symbolisieren, können sie in Black Desert geöffnet und durchschritten werden. Dabei ducken sich zu große Charaktere sogar.

Die Welt ist begeh-, erkund- und erkletterbar. In so einer Art Parcour-System lässt sich eine Stadt erklimmen. Überhaupt ist die Grafik eine Offenbarung. Es regnet, es bilden sich Pfützen, der Held latscht durch, die Kleidung wird nass – ein Wahnsinnssprung zu dem, was wir heute kennen und sehen.

Auch die Mount-Frage beantwortet Black Desert anders als die Konkurrenz. Reittiere lassen sich nicht einfach im magischen Beutel nach Gebrauch verstauen, sondern müssen in einem Stall abgeben oder an Ort und Stelle abgeholt werden. Dafür können sie auch Stufen aufsteigen und mit Ausrüstung versehen werden. Berittener Kampf soll außerdem kommen. Auch vom Kampf auf See ist die Rede, zu sehen ist das allerdings noch nicht.

Black Desert Grafik 4

Black Desert könnte ins Schwarze treffen, wird trotzdem Kompromisse erfordern

Mein MMO meint: Black Desert klingt im Moment fast zu gut, um wahr zu sein und wie die logische Symbiose aus zwei Spielen. An Tera stört viele, dass es wenig Tiefe hat. Bei ArcheAge fehlt so manchem ein dynamischeres Kampfsystem und ein „Wow“-Effekt in der Grafik. Wenn es Black Desert gelingt, hier ins Schwarze zu treffen, könnte die Zukunft wirklich asiatisch aussehen.

Allerdings sollte sich Black Desert ranhalten. Anderthalb Jahre sind eine lange Zeit. Wenn es – wie bei anderen MMOs – zu Verzögerungen beim Port kommt, könnten die Lust und Vorfreude, die jetzt so mancher verspürt, in Frust umschlagen.

Im Prinzip sehnen sich viele MMO-Veteranen nach einem Sandbox-Spiel, nach einer Erfahrung, die mal anders ist als World of Warcraft und seine Epigonen. Im Moment gibt es auf dem MMORPG-Markt nur wenige Sandbox-Alternativen und die, die angeboten werden, sind oft entweder alt oder setzen auf die Indie-Nische. Ein modernes Tripple-A-Game könnte hier voll einschlagen, wenn es sich denn mit der Portierung beeilt und nicht nur eine hübsche Fassade bietet, sondern auch in der Tiefe überzeugt.

Ob die hiesigen Spieler bereit sind, Kompromisse einzugehen, ist auch noch offen. Bei dem Video über die Char-Erstellung staunten zwar erst viele mit offenem Mund, was möglich sein würde. Winkten aber ab, als sie das mit dem Gender-Lock nur hörten: Schon zu diesem Kompromiss waren viele nicht bereit. Denn bei vielen MMOlern werden durch solche Signale Erinnerungen an so manchen billigen Asien-Grinder getriggert, die Spieler rasch ausbrennen und verzweifeln lassen. So wird es für Black Desert auch darum gehen, Westler davon zu überzeugen, dass man mit so manchem unrühmlichem Eastern-Import nichts am Hut hat.

Aber das ist keine Einwegsstraße. Zwar hat der Publisher von Black Desert, Daum, zugesichert, auf die Eigenheiten des westlichen Marktes eingehen zu wollen. Kompromisse wird man allerdings als westlicher Spieler eingehen müssen, wenn man sich denn wirklich nach was Neuem sehnt.

Denn Black Desert, so viel ist schon lange klar, wird kein World of Warcraft mit China-Anstrich oder irgendein Klon, sondern möchte den Spielern eine neue Erfahrung bieten. Ob sie dafür bereit sind und ob Black Desert diese wirklich bieten kann, wird die Zukunft zeigen.

Black Desert soll Anfang 2015 in Europa in eine Beta-Phase gehen, mit dem Release wird für 2016 gerechnet.

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Quelle(n): mmobomb - VideoKlassen
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