Activision gibt Destiny 2 frei – Das löst nicht viele Probleme, aber eins

Activision gibt Bungie frei. Was bedeutet das für Destiny 2? Unser Autor Schuhmann analysiert die Lage.

Activision und Bungie lassen sich scheiden – und Bungie behält die Kinder, also Destiny 2“: So ähnlich waren die Schlagzeilen am Donnerstagabend.

Das löste spontan 3 Reaktionen aus:

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht.

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Woran könnte Activision Schuld sein?

Was genau bei Destiny passiert, wissen nur die Beteiligten. Es dringt nur wenig nach außen. Doch es gibt drei Hauptkrisen-Herde, für die man Activision tatsächlich die Schuld zusprechen könnte, nach allem, was wir wissen:

  • Die Casual-Ausrichtung von Destiny 2 – es war wahrscheinlich Activisions Idee, noch viel mehr Spiele zu verkaufen, wo man nun auf dem PC ist
  • Die Idee, Destiny 2 müsse ein „eSport-Titel“ werden und daher möglichst poliert und balanced sein – zur Philosophie von Activision gehört es, aus allem einen eSport und ein Event zu machen, wie bei Overwatch
  • Und dass Destiny 2 im Herbst 2017 veröffentlicht wurde, obwohl das Spiel offenbar noch nicht bereit war – Activision will jährliche Spiele zu seinen Franchises, das weiß man aus den Verträgen

Das sind die 3 Probleme, die man ziemlich sicher direkt oder indirekt auf den Einfluss von Activision zurückführen kann, nach allem, was wir wissen oder vermuten.

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Dieser Einfluss führte auch schon zu ein wenig Zähneknirschen in Anschluss an Destiny 2. Die Fehler, die Bungie eingeräumt hat, liefen alle auf Zeitmangel und Casual-Ausrichtung hinaus.

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Woran ist Activision aber nicht Schuld?

An vielen Problemen ist aber Bungie schon selbst Schuld. Daran,

  • dass zu wenig Content zu Destiny 2 kommt – das sind wohl Probleme mit den Tools und in der Organisations-Struktur von Bungie. Die mussten da 3 Jahre lang kräftig umbauen, weil sie nicht auf den Launch eines Live-Games vorbereitet waren
  • dass Destiny 2 2016 rebootet wurde und deshalb im Herbst 2017 nicht fertig war – da muss gravierend was im Ablauf schiefgegangen sein, mit der Entlassung eines Game Directors und einem erneuten Reboot, schon Destiny 1 war ja „neu gestartet“ worden
  • und an den Pleiten, Pech und Pannen, die im Winter 2017 passierten – das war ein Albtraumzyklus aus Fehler, Shitstorm, Entschuldigung und erneutem Fehler. Viel lag sicher am „zu frühen Release“ von Destiny 2, aber da spielten so viele Kommunikations-Fehler mit rein, dass es schwer ist, die Schuld woanders als bei Bungie selbst zu suchen
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Zentrale Figur für die Zukunft von Destiny: Luke Smith

Was für Nachteile hat Destiny 2 jetzt durch die Trennung?

  • Die Beiboot-Studios fallen weg – Activision hatte Bungie mehrere Studios zur Seite gestellt, um Destiny 2 mit Content zu versorgen. Vicarious Visions und High Moon Studios haben gute Arbeit geleistet. Der PC-Port und die Forsaken-Hauptkampagne wurden durch die Bank gelobt.
  • Bungie muss sich um viel mehr Kram kümmern – Wenn sich Bungie keinen Partner sucht, müssen sie den Publishing-Teil auch noch stemmen. Was das für Auswirkungen hat, weiß man nicht. Gerade wir in Europa könnten leiden und noch weiter aus dem Fokus von Destiny rücken – Bungie ist eigentlich ein reines US-Studio.
  • Der Sündenbock ist weg – Jetzt können Leute nicht mehr jedes Problem auf den bösen Publisher schieben, sondern Bungie hält den Kopf selbst hin.
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DeeJ – ohnehin schon der Sündenbock vieler wütender Spieler.

Diese Vorteile hat Destiny 2 durch die Trennung:

Sie können jetzt machen, was sie für richtig halten, ohne Kompromisse einzugehen. Zuletzt zeichnete es sich deutlich ab, dass Bungie eine „Coregamer“-Richtung mit Destiny einschlagen will. Das können sie jetzt tun, ohne irgendwelche Kompromisse zu machen.

Wenn sie scheitern, dann scheitern sie mit ihren eigenen Ideen und nicht, weil sie einen Kompromiss zwischen Core-Gaming (The Taken King) und Casual-Spiel (Destiny 2 Vanilla) eingehen mussten.

Dass beide Spiele vom selben Team stammen sollen, ist eigentlich nicht zu erklären, ohne dass man sich auf „äußere Einflüsse“ beruft.

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Der größte Vorteil der Trennung ist aber die Symbolkraft.

Ohne den Wechsel wäre es Bungie schwer gefallen, ein „Destiny 3“ in einer Art zu bewerben, die Spieler überzeugt, dass sich wirklich was verändert.

Potentielle Käufer hätten gesagt: „Ich hab schon Destiny 1 und Destiny 2 gekauft und jedes Mal dauerte es ein Jahr, bis Ihr das Spiel gemacht habt, das ich wollte. Warum sollte es diesmal anders sein?“
Destiny 2 Warlock

Jetzt kann Bungie sagen: „Das ist das Destiny, das wir immer machen wollten. Das ist jetzt alleine unsere Entscheidung. Niemand redet uns hier rein. Schaut es Euch an, das ist jetzt das, was Ihr immer wolltet.“

Die Trennung von Activision hat nicht viele Probleme von Bungie gelöst – aber eins schon: Man hat jetzt einen funktionierenden Erzählrahmen drumherum für Destiny 3 gebaut.

Destiny 3 wird nach der Trennung von Activision deutlich mehr Leute interessieren als ohne diese Trennung. Aber ein gutes Spiel muss es dann trotzdem sein.

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