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Das Sterben der einsamen Wölfe – Darum verschwinden Singleplayer-Games

Das Sterben der einsamen Wölfe – Darum verschwinden Singleplayer-Games

Der Markt für Videospiele ist permanent im Wandel. Vor allem Singleplayer-Titel sterben nach und nach aus. Ein Trend, der sich kaum noch umkehren lässt, glaubt Cortyn.

Immer häufiger wirken die Singleplayer-Kampagnen nicht mehr als Kernaspekt des Spiels, sondern nur noch wie eine nette Dreingabe. So hat die Kampagne von Star Wars: Battlefront II eine geschätzte Spielzeit von etwas mehr als 5 Stunden. Immer häufiger wirkt es so, als wäre ein Singleplayer-Modus nur noch dazu gedacht, auch die Fans abzuholen, die sich noch nicht an den Markt angepasst haben und noch in „alten Zeiten“ mit tagelangen Kampagnen hängengeblieben sind.

Selbst Spiele, die im Herzen reiner Singleplayer-Titel sind, wie etwa Final Fantasy XV, werden nach und nach um Multiplayer-Modi erweitert.

Sicher, hin und wieder gibt es noch Singleplayer-Games mit einer großen Kampagne, wie etwa Witcher 3 oder Mass Effect: Andromeda. Doch das sind die großen AAA-Titel, die genügend Aufmerksamkeit erzeugen können, um sich für die Publisher zu rentieren.

Doch woran liegt das eigentlich, dass Singleplayer-Titel zu seltenen Einzelfällen werden? Dem wollen wir mit diesem Artikel auf den Grund gehen.

Weiterverkauf schadet den Entwicklern

In einem Interview mit Gamewatcher sprach Arcade Berg von MachineGames darüber, warum er glaubt, dass Story-Shooter mit Offline-Fokus langsam aussterben.

Der einfache Grund: Geld. Ein gutes Multiplayer-Spiel erzielt große Einnahmen. Spieler erzählen es ihren Freunden und laden sie dazu ein, mit ihnen zusammen zu zocken. So müssen alle Spieler eine eigene Version des Spiels besitzen, um mit ihren Freunden zu zocken. Das kurbelt die Verkäufe an.

Durch zusätzliche Multiplayer-DLCs und Mikrotransaktionen, wie etwa neue Charaktere, Waffen oder anderen Boni verdient das Studio lange nach dem Release des Spiels noch eine Menge Cash.

Bei Singleplayer-Titeln ist das anders. Hat man das Spiel durch, dann leiht man es einem Freund oder verkauft es weiter. Von diesem Weiterverkauf haben die Entwickler nichts.

Ich persönlich könnte mich niemals permanent von meinen geliebten Spielen trennen, aber für ein paar Wochen ausleihen, damit Freunde und Kollegen es durchzocken können? Aber natürlich! Und schon hat ein Hersteller wieder ein paar Kunden verloren.

Zu viele Spiele – selbst gute Titel gehen unter

Es gibt ein schieres Überangebot an Spielen. Während große Veröffentlichungen noch immer etwas Besonderes sind, haben es kleinere Titel immer schwerer.

Klar, ein Publisher wie EA kann überall Werbung buchen, bis ihr keiner mehr ausweichen kann. Aber kleine Studios setzen sich der Gefahr aus, dass ihre Spiele in der Masse hinweggespült werden.

Das lässt sich besonders gut an Steam feststellen. Die Plattform gilt weltweit als Marktführer für PC-Spiele und hat sich in etwas mehr als einem Jahrzehnt rasant entwickelt. Um einen kleinen Vergleich zu haben:

  • Im Jahr 2004 wurden insgesamt 7 Spiele auf Steam veröffentlicht.
  • 2010 waren es bereits 276 Spiele
  • und 2016 stolze 4.207 Games.
  • Für 2017 geht man davon aus, dass Steam mit 6.000 Neuzugängen das Jahr beendet

Oder anders gesagt: Im Schnitt erscheinen heutzutage auf Steam jeden Tag 16 Spiele.

Steam VogelWir befinden uns gegenwärtig in der verrückten Situation, dass mehr Spiele erscheinen, als wir jemals zocken könnten, selbst wenn wir 100% unserer Freizeit hineinstecken würden.

Und wenn es schon so viel Konkurrenz gibt, dann setzen die Entwickler doch lieber auf Online-Features, die hoffentlich eine kleine Kern-Community fest binden. Das wiederum führt dazu, dass sich die Spiele langfristig über Mikrotransaktionen finanzieren.

Online-“Zwang” sorgt für Multiplayer-Interesse

Ein letztes Argument ist der permanente Online-“Zwang“, dem man sich heutzutage ausgesetzt sieht. Egal ob am PC oder an der Konsole, im Grunde ist jeder Spieler immer mit dem Internet verbunden. Und ganz gleich ob im Steam, bei Origin oder im Battle.net, zu jeder Tages- und Nachtzeit sind ein paar Freunde online, mit denen man sich gepflegt in das nächste Match stürzen kann.

Galt das früher nur für PC-Spieler, sind PS4 und XBox One nun auch für das Online-Spielen gemacht: die entsprechenden Netzwerke werden ständig genutzt.

Klar, wenn man es wirklich drauf anlegt, dann kann man auch „offline sein“ und sich für ein paar Stunden von einem Singleplayer-Titel fesseln lassen. Doch bis das überhaupt erreicht ist, müssen im Regelfall ein paar Freunde „abgewimmelt“ werden. Gerade bei nahestehenden Freunden ist der Druck doch höher, etwas in der Gruppe zu unternehmen, weshalb reine Singleplayer-Titel bei vielen von uns jahrelang in der Steam-Bibliothek rumdümpeln, bis unser schlechtes Gewissen so groß wird, dass wir sie einfach ausblenden.

So mancher, der heute allein spielen will, muss seinen Freunden absagen, die es gewohnt sind, dass man mit ihnen zusammen zockt.

Insgesamt sind es also mehrere Gründe, die für das langsame Aussterben der Singleplayer-Titel sorgen. Ich kann nur hoffen, dass mir Perlen wie einige JRPGs oder auch tolle Shooter wie BioShock in Zukunft noch erhalten bleiben. Denn für mich persönlich ist auch ein „einsamer“ Abend nur mit einem Singleplayer-Titel eine wahre Erholung.


Genug von Singleplayer-Games gelesen? Dann werft doch einen Blick auf unsere Oktober-Empfehlungen für MMOs!

QUELLE kotaku.com
QUELLE gamewatcher.com
Cortyn

Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!