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Atlas Reactor: Erster Eindruck – Unmögliche Idee, interessantes Gameplay

Atlas Reactor soll gleichzeitig MOBA und Rundenstrategiespiel sein. Ob das gut geht?

Rundenstrategiespiele sind komplexe Titel, bei denen man sich schön viel Zeit lassen und so die optimale Strategie austüfteln kann. Dafür muss man aber auch dem Gegner entsprechend viel Bedenkzeit einräumen, was gerade bei Multiplayer-Runden ganz schön langweilig werden kann.

Rundenstrategie-MOBA? Unmöglich!?

Doch die Entwickler bei Trion Worlds wollten sich damit nicht abfinden. Und so haben sie eine rundenbasierende, kompetitive MOBA erschaffen, die trotz der Rundenstrategie nicht zum Sitzkrieg verkommt. Heraus kam Atlas Reactor. Hier treten Teams aus je fünf Charakteren, den sogenannten Freelancern, auf einem begrenzen Gebiet gegeneinander an.

Atlas Reactor

Ich höre euch schon laut und ungläubig fragen: „Eine rundenbasierende MOBA? Wie soll das gehen?“ Immerhin sind ja gerade MOBAS – wie Heroes of the Storm oder LoL – für ihr rasantes Gameplay und hohes Tempo berühmt und berüchtigt. Wer da nicht fix bei der Sache ist, hat quasi keine Chance. Und während MOBAs – wie Battleborn oder Paladins – wunderbar auch als Shooter funktionieren, mag gemächliche Rundenstrategie á la X-Com 2 so gar nicht zum Genre passen.

Heroes of the Storm trifft Blitzschach

Doch die Entwickler – die uns in einem Live-Stream direkt ihr Spiel erklärten – haben sich einiges einfallen und unter anderem bei Brettspielen wie Blitzschach oder dem X-Wing-Tabletop inspirieren lassen. Jeder Zug ist in zwei „Modes“ unterteilt. Den „Decision Mode“ und den „Resolution Mode“. Im Erstgenannten Modus haben alle Spieler 20 Sekunden Zeit, um ihre Aktionen zu planen, beispielsweise einen Angriff, einen Schild-Buff oder einen Rammangriff auf den Feind.

Sobald der Timer abgelaufen ist, geht das Spiel nahtlos in den Resolution Mode über, wo dann die verschiedenen geplanten Aktionen abgehandelt werden. Besonders cool: Der Resolution Mode ist wiederum in vier Phasen unterteilt und jede geplante Aktion findet – gleichzeitig mit den Manövern der anderen Spieler – in einer davon statt.

Atlas Reactor Screenshot

So legen wir in der „Prep Phase“ Fallen aus und aktiveren Buffs, in der „Dash Phase“ finden alle Ausweich- und Nahkampf-Sturmangriffe statt und in der „Blast Phase“ wird geballert. Erst ganz am Ende gibt es die „Movement Phase“, in der sich alle Charaktere regulär bewegen.

Wer dieses Gameplay gut beherrscht und clever die Züge der Gegner vorhersieht, kann so also in der Dash Phase die Position verändern, bevor der Gegner seine Angriffe ausführt – diese gehen dann nämlich zwangsläufig ins Leere. Und wer einen besonders vernichtenden Flächenangriff ausführen möchte, sollte vorher sich gut überlegen, wo ein Großteil der Gegner bis zur Blast Phase stehen wird.

Buntes Cyberpunk

Wie bei MOBAs üblich gibt es auch bei Atlas Reactor eine ganze Horde an coolen Charakteren, aus denen wir uns einen aussuchen dürfen. Und da Atlas Reactor in einer abgedrehten, neonfarbenen Cyberpunk-Welt spielt, sind die auswählbaren Helden auch anarchistische Bombenleger, autonome Computeranomalien, Mutantenviecher, Robo-Hunde und Aliens.

Genretypisch sind die so genannten Freelancer in Schadensausteiler, Tanks und Unterstützer eingeteilt und jede Woche sind ein paar Helden frei verfügbar, den Rest müssen wir uns durch häufiges spielen gegen die Spielwährung freischalten.

Atlas-Reactor-Yeah

Jeder Freelancer hat fünf Fähigkeiten, die jeweils in einer der vier Phasen stattfinden. Manche Charaktere, wie der Revolverheld Lockwood, haben für jede Phase was, während das Gremlin-Abrisskommando Gremolitions Inc. Fast nur Angriffe mit hoher Reichweite für die Blast Phase vorweist.

In der Alpha von Atlas Reactor konnten wir aus 16 Freelancern wählen, mit dem Start der Beta sollen es aber stetig mehr werden. Außerdem kommt in der aktuellen Beta-Phase ein Crafting- und Inventar-System, bei dem wir uns Beutetruhen mit nützlichem Zeug aus zerlegten Items bauen können.

Rundenbasiert, aber nichts für Zauderer

Nach der Präsentation der Entwickler und ein paar Runden in Atlas Reactor ist klar: Dieses Spiel ist nichts für klassische Rundenstrategen! Denn wer sich gern gemütlich Zeit lässt und jeden Zug in Ruhe planen und überdenken will, der wird aufgrund des superknappen Zeitlimits sehr oft tatenlos herumstehen und im schlimmsten Fall nichts tun.

Denn Atlas Reactor ist tatsächlich so schnell und hektisch wie eine zünftige MOBA. Nur, dass durch die verschiedenen Aktionsphasen ein Skillshot noch schwieriger zu timen ist, als in LoL oder DotA 2 und schnelle Denkprozesse wichtiger sind als rasche Reflexe. Wer also Blitzschach beherrscht und MOBAs mag, sollte hier seine wahre Freude haben!

MeinMMO meint: Ich war skeptisch, als ich vom Spielprinzip von Atlas Reactor hörte. Rundenbasierende MOBA, ja klar… Doch dann kam der Live-Stream mit den Entwicklern, und ich wurde eine halbe Stunde mit Fakten zu dem Spiel bombardiert. Je mehr man mir zeigte, desto mehr Gefallen fand ich an dem ganzen Spektakel.

Als ich dann Atlas Reactor selbst mal ausprobieren konnte, war mir das kompliziert wirkende Gameplay schnell geläufig und ich konnte schon bald bescheidene Erfolge auf dem Spielfeld verbuchen. Außerdem haben es die Entwickler tatsächlich geschafft und das typisch hektische Spielgefühl einer MOBA in ein rasantes Rundenstrategiespiel übertragen.

Ich für meinen Teil werde definitiv an Atlas Reactor dranbleiben.


Atlas Reactor kostenlos spielen.

Jürgen Stöffel

Jürgen Stöffel begann seine Karriere als Spiele-Redakteur 2013 bei buffed und war danach Freelancer bei Gamestar, Online-Redakteur bei GIGA und dann für einige Zeit freiberuflicher MMORPG-Redakteur bei Gamestar. Als Mein-MMO dann zu Webedia kam, wurde Jürgen von Dawid mit ins Team geholt. Seit April 2017 ist Jürgen bei Mein-MMO fest dabei. Neben Online-Rollenspielen mag er vor allem taktische MMOs wie World of Tanks und MOBAs. Und zu einer Runde Borderlands oder Fortnite im Coop sagt er auch selten nein. Hauptsache, man spielt nicht alleine.