Darum war die Kriegskampagne in WoW viel besser, als ihr glaubt

War die Kriegskampagne in WoW nur Schrott? Cortyn findet: Nein, das ist die perfekte Vorlage für neue Handlungsbögen.

Obwohl in World of Warcraft: Battle for Azeroth in den letzten Tagen nur ein kleiner Patch veröffentlicht wurde, gab es doch große Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Community. Noch immer sind viele Spieler sich uneins, ob die Kriegskampagne und damit die Story von Battle for Azeroth ziemlich gut und mitreißend oder „totaler Schrott“ ist. Die beiden Cinematics gaben viel Raum für Diskussion. Auch ich habe mich lange mit der Frage beschäftigt, mir die Äußerungen der Community angeschaut und natürlich meine eigene Meinung dazu gebildet.

Ich komme zu dem Schluss: Was Blizzard hier aufbaut, ist ziemlich stark und das perfekte Sprungbrett für viele neue Handlungsstränge.

Das Ende des Krieges ist der Beginn von Konflikten

So manch einen Spieler mag es stören, dass der Krieg zwischen Horde und Allianz nun zu einem (vorläufigen) Ende gekommen ist. Für manche war das sogar ziemlich unbefriedigend, weil es wieder so aussieht, als würde die Allianz der Horde alle Fehler verzeihen. Sylvanas wird als alleiniger „Buhmann“ dargestellt und die Fehler der anderen Horde-Mitglieder sind vergessen.

Der Krieg in WoW endet – aber bröckelt nun die Allianz auseinander?

Doch das entspricht schlicht nicht dem, was im Spiel gezeigt wird. Es gibt nach dem Abschluss der Kriegskampagne in WoW zahlreiche Dialoge zwischen NPCs, die darauf hindeuten, dass das Ende des Krieges nicht so einfach hingenommen wird. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Einige Nachtelfen wollen keinen Frieden, sie wollen richtige Vergeltung für Teldrassil. Tyrande ist noch immer verschwunden und auf der Jagd nach Sylvanas und Nathanos, selbst wenn der Krieg vorbei ist.
  • Die Kul Tiraner hinterfragen, warum sie der Allianz überhaupt beigetreten sind. All diese Kämpfe waren der Grund, warum sie die Allianz überhaupt verlassen haben.
  • Menschen diskutieren darüber, wie Saurfang eigentlich aus dem Gefängnis entkommen konnte. Man habe Gerüchte gehört, dass König Anduin ihn befreit habe – wenn das stimmen sollte, wäre das Irrsin. Auch an anderer Stelle hält man Anduin für „zu weich“.
  • Es gibt Sylvanas-Loyalisten, die noch immer zur Banshee-Königin halten, selbst wenn sie lautstark das Gegenteil behaupten. „Treuen Spielern“ flüstern sie dann die Wahrheit zu, dass sie ewig zu Sylvanas halten werden.

Der Krieg gegen die Horde war etwas, das die Allianz grundsätzlich geeint hat. Sie hatte ein gemeinsames Ziel, das es zu bekämpfen galt. Doch während die Ressourcen und vor allem die Truppen immer weniger wurden, traten erste Konflikte zu Tage. Tyrande, die Anführerin der Nachtelfen, war wütend darüber, dass Anduin sie nicht im Kampf gegen die Verlassenen an der Dunkelküste beschützt.

Genn Graumähne, der Anführer der Worgen, will noch immer Gilneas zurückerobern und Vergeltung für den Tod seines Sohnes – beides geht auf das Konto von Sylvanas. Dass Anduin immer wieder Mitleid mit der Horde zeigt oder bereit ist, sich auf Frieden einzulassen, sorgt regelmäßig für Wut bei dem eher launischen Worgen.

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Hinzu kommen einige merkwürdige Verbündete in der Allianz, die bis heute nur wenig Sinn ergeben. Dass Leerenelfen und lichtgeschmiedete Draenei Seite an Seite kämpfen ist absurd – ein bisschen weniger absurd, solange man gegen einen gemeinsamen Feind antritt, aber jetzt dürfte es auch zwischen diesen Parteien zu Streitigkeiten kommen.

Die Konfliktherde sind da, sie müssen nur noch entfacht werden.

Sylvanas‘ große Pläne für die Zukunft

Im Grunde ist „Battle for Azeroth“ bisher die Verwirklichung von Sylvanas‘ großem Masterplan, den sie leider noch immer nicht in klaren Aussagen mitteilt. Eindeutig sollte aber inzwischen sein, dass Blizzard durchaus eine Idee mit ihr hat und das nicht nur ein vorgeschobener, mysteriöser Grund ist, um Dinge wie den Krieg zu rechtfertigen.

Schon im Comic „Drei Schwestern“ betont Sylvanas, dass am Ende ihre Schwestern „dem Tod“ und damit auch ihr dienen würden. Dieses grundlegende Konzept der Verehrung des Todes und seinen Mächten hat sich nicht verändert. Alles, was Sylvanas in den letzten Jahren getan hat, hat zu mehr Toden geführt.

Das beginnt strenggenommen schon mit der Entwicklung der Seuche in Classic bis hin zu Wrath of the Lich King. Dort war die Seuche zwar für den Lichkönig und seine Schergen gedacht, doch wurde sie in Cataclysm dann auch in Gilneas eingesetzt und später bei so ziemlich jedem Kriegseinsatz der Verlassenen, bis hin zur vollkommenen Vernichtung von Lordaeron (Unterstadt) in Battle for Azeroth.

Das bestätigt sie dann auch im „Loyalisten“-Finale, das nur Sylvanas‘ treuste Anhänger zu sehen bekommen. Hier erzählt die Banshee-Königin, dass „zahllose Seelen der hungernden Dunkelheit gefüttert wurden“. Was genau das bedeutet, ist noch nicht vollkommen klar. Sicher ist jedoch, dass diese Seelen wohl in den Schattenlanden angekommen sind – das ist das Totenreich in World of Warcraft. Das würde auch perfekt mit dem Leak der nächsten Erweiterung zusammenpassen.

Die Dunkle Fürstin schreckt nicht mal vor einem Pakt mit Azshara zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Dabei dürfte sie sehr wohl wissen, dass Azshara am Ende nur ihren eigenen Zielen dient und herrschen will. Ob Sylvanas‘ Pakt hierbei auch einen Handel mit N’Zoth beinhaltet oder die beiden Frauen sich heimlich gegen den Alten Gott verschworen haben, ist dabei erstmal nicht so wichtig.

Denn für Sylvanas ist klar: Am Ende wird auch der Alte Gott nur dem Tod dienen. Wenn die Völker von Azeroth gegen die Armeen von N’Zoth kämpfen, dann gibt das auf beiden Seiten jede Menge Tote. Und genau das will Sylvanas noch immer.

Mehr Tote für die hungernde Dunkelheit. Zu welchem Zweck, das bleibt noch abzuwarten.

Der Tod hat viele spannende Charaktere

Genau diese Versessenheit mit dem Tod wird aber auch noch damit angefacht, dass Battle for Azeroth mehrere Charaktere mit Zusammenhang zum Tod stark in den Fokus gerückt hat.

  • Bwonsamdi ist der Loa des Todes und in vielen Cutscenes präsent gewesen. Er hat darüber hinaus noch einen Meister, über den bisher nichts bekannt ist.
  • Prinzessin Talanji (bzw. nun wohl Königin Talanji) wiederum hat einen lebenslangen Pakt mit dem Loa des Todes, den sie von ihrem Vater geerbt hat – gegen ihren freien Willen.
  • Der aktuelle Lichkönig Bolvar Fordragon ist der „Kerkermeister der Verdammten“. Er befehligt die Armee der Untoten aus Nordend und hat bereits in Legion damit begonnen, wieder eigene Ziele zu verfolgen – so wollte er den roten Drachenschwarm auslöschen und hat die Todesritter angewiesen, einige Angriffe durchzuführen.
  • Taelia Fordragon ist die noch lebende Tochter von Bolvar (dem Lichkönig) und erfährt wohl in naher Zukunft, was aus ihrem Vater geworden ist.
  • Calia Menethil, die Schwester von Arthas, wurde von Sylvanas getötet und anschließend mit einem Ritual wiederbelebt, das sie zu einer merkwürdigen Mischform aus „untot“ und „lichterfüllt“ verwandelt hat. Sie ist die rechtmäßige Erbin von Lordaeron und somit eine potenzielle Anführerin für die Verlassenen.
  • Derek Prachtmeer ist der Bruder von Jaina und wurde von Sylvanas als Verlassener wiederbelebt, dann aber vor seiner Gehirnwäsche zurück zu Jaina geschickt. Als Verlassener versucht er mit dem Leben klarzukommen und herauszufinden, ob er noch einen Platz in der Welt hat.

Wenn man all diese Charaktere zusammenzählt, hat man eine verdammt große Menge an spannenden, potenziellen Handlungsbögen, die sich alle mit dem Tod und verschiedenen Facetten davon in der World of Warcraft beschäftigen.

Calia Menethil tauchte erst bei den Priestern auf, wurde dann in „Before the Storm“ getötet.

Battle for Azeroth war ein Sprungbrett für viele neue Stories

Abschließend denke ich, dass Battle for Azeroth vielleicht nicht die großen Story-Stränge auflöst und überall Antworten liefert, aber das muss es auch nicht. Für mich ist BfA eher ein Sprungbrett in die nächste Erweiterung, denn es hat viele interessante Charaktere eingeführt und aufgebaut, bestehende Handlungsbögen aufgegriffen und ein solides Fundament aufgebaut.

Selbst wenn Battle for Azeroth im Kern nur dem Ziel diente, den Konflikt zwischen Horde und Allianz für längere Zeit zu beenden, so glaube ich doch, dass damit die Basis für neue Geschichten geschaffen wurde. Denn nur weil Horde und Allianz jetzt an einem Strang ziehen, heißt das noch lange nicht, dass die Völker innerhalb dieser beiden Gruppierungen immer einer Meinung sind. Und genau von diesen internen Konflikten will ich viel, viel mehr sehen.

Wie ist eure Meinung zu Battle for Azeroth und dem Ende der Kriegskampagne? Seid ihr zufrieden und freut euch auf das, was noch kommt? Oder hat Blizzard die Story gnadenlos ruiniert?

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Ectheltawar

Ich kann in weiten teilen dem Artikel beipflichten und ich denke es ist für alle nur zu hoffen das Blizzard wirklich einen weitreichenden Plan für alles vorliegen hat. Wobei ich immer noch der Meinung bin das man wirklich vorsichtig sein muss wenn man so weitreichende Pläne entwirft. Die haben halt immer das Problem frustrierende Durstrecken zu erzeugen, welche dann erst später in ein andere und vielleicht besseres Licht gerückt werden. Ist dann ungünstig wenn die Durststrecke für manch einen Spieler dann einfach zu lang wird und es aktive Spieler kostet. Das Konzept hat schon so mancher Serie das Genick gebrochen, weil man zu lange mit dem „Aufbau“ verbracht hat und als es dann zum guten Teil überging, das Ende der Serie schon beschlossen war aufgrund der sinkenden Zuschauerzahlen.

Die Story aus BfA ist wirklich gelungen und obwohl ich eben wegen genau dieser nicht mehr aktiv spiele, verfolge ich sie weiter und das voller Spannung wie es endlich weiter geht. Ich würde mir Wünschen das BfA nur der Einstieg in eine vollkommen neue und weitreichend angelegte Story darstellt, aber zum aktuellen Zeitpunkt kann ich mich auch weiterhin nicht damit erwärmen diese aktiv zu spielen. Seid dem abbrennen von Teldrassil steckt mir da ein Klos im Hals und den werde ich nicht los. Im Gegenteil der ist nur immer weiter angewachsen und zumindest bis zum „Ende“ der vermeintlichen Kriegskampagne hat sich da nichts dran geändert.

Ich bin gespannt was nun als nächstes kommt und das man darauf gespannt ist, ist ja durchaus auch ein Qualitätsmerkmal. Ich persönlich sehe aktuell aber auch diverse Probleme, von denen ich gar nicht mehr wüsste wie Blizzard die auflösen will. Das größte betrachte ich im aktuellen Fraktionssystem. Keine Ahnung wie man die Story sinnvoll weitererzählen kann, ohne dieses aufzubrechen. Die Verlassenen können in ihrer jetzigen Form unmöglich ein Teil der Horde bleiben und ähnliches sehe ich für die Nachtelfen, ich hab als solcher immer gerne das Banner der Allianz getragen, aber heute würde ich mich nur noch unwohl fühlen als Mitglied einer Allianz die mehr Mitleid für den Feind aufbringen kann, als für die eigenen Mitglieder.

Ich bin gespannt wie es weiter geht und vor allem wie es aufgelöst wird. Ob die Story wieder an einem Punkt ankommt, an dem ich dann endlich wieder voller Spaß und Freude spielen kann, weiß ich aktuell aber nicht.

Abanox

Nur weil sich nun mehrere Storymöglichkeiten auftun, heisst das nicht, dass das was wir gerade erleben gut, sinnig oder interessant wäre. Es ist gerade nur ein Plot mit unglaublich vielen Löchern, die alle nicht abgearbeitet werden. Aber ja, die Cinematics sind schick. Nur machen schicke Cinematics keine Story aus.

Kendrick Young

Naja jedes Addon hatte seine sprungbrette zu gewissen Storys (die aber teils immernoch nicht weitergesponnen werden) also ist das für mich eher nen negativ punkt.

Wenn man es so nimmt ist der Storyinhalt von einem Addon viel zu gering, wenn ich das z.b. mit ff14 vergleiche

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