Blizzard, wir sind nicht eure Betatester für WoW!

Langsam hat auch Cortyn die Nase gestrichen voll. World of Warcraft: Battle for Azeroth ist für viele Spieler eine Beta und kein fertiges Spiel.

Wer in den letzten Tagen World of Warcraft: Battle for Azeroth aktiv gespielt hat oder auch nur die Foren und sozialen Medien verfolgt, der weiß, dass sich das meiste um ein Thema dreht: Bugs, Exploits und andere Fehler.WoW Laughing Orc logo pirate Sea of thieves title

Die meisten Fehler, die ein WoW-Addon je hatte

Begonnen hat das Desaster mit einem Exploit, der es einigen Spielern ermöglichte, Weltquests unendlich oft abzuschließen. So konnten sie viel Ruf und extrem gute Belohnungen farmen. Hier kann man sicher noch ein Auge zudrücken und sagen, dass es gezieltes Ausnutzen eines kleinen Fehlers war. Verschmerzbar, denn das kommt bei allen kleineren und größeren MMOs mal vor.

Kurz darauf wurden „Mythisch+“-Dungeons freigeschaltet. Zur Verwunderung vieler Spieler bekamen auf den US-Servern viele Charaktere seltsame Belohnungen. So erhielten sie Gegenstände mit Itemlevel 415 oder noch höher. Auch absurde Schlüsselsteine wie „Schrein der Stürme +22“ waren keine Seltenheit. Das ist unmöglich zu bewältigen mit dem aktuellen Ausrüstungsstand.

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Eine Weltquest im Dungeon Atal’Dazar sorgte ebenfalls für Frustration unter den Spielern. Dort gab es als „Bonus“ einen kleinen Extra-Boss, der das Ziel der Weltquest war. Allerdings hatte dieser Boss – ihr könnt es schon ahnen – einen gravierenden Fehler. Er sorgte dafür, dass bestimmte Gegnergruppen in doppelter Anzahl erschienen. Anstatt sechs Feinde bezwingen zu müssen, gab es nun Trash-Gruppen mit zwölf Feinden. Je nach Schwierigkeit des Dungeons kann das eine absolute Tortur sein.WoW Human Soldier cheer Blood Elf cry title

Viele Gruppen fassten den Plan, einen der zwei der Feinde niederzumähen und dann zu sterben, um das Ganze erneut zu versuchen. So „starb“ man sich Stück für Stück durch die Gegnergruppen. Und bevor die „Ja, aber damals in Classic musste man“-Schreier ankommen: Nein, auch einen der zwei Feinde ins Crowd Control zu nehmen machte die Sache nur geringfügig besser.

Am 09. September 2018 begannen dann in Europa die Kriegsfronten. Spieler konnten sich auf Seiten der Horde endlich für die Schlacht um Stromgarde anmelden, wenn sie zur Horde gehörten. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis hat das Anmelden der Spieler dafür gesorgt, dass der komplette Gruppenfinder für knapp vier Stunden komplett lahmgelegt wurde. Nicht nur Kriegsfronten konnten nicht gespielt werden, auch die Gruppensuche für Dungeons oder Insel-Expeditionen funktionierte für viele Spieler nicht mehr. In den Abendstunden war der Fehler dann behoben.

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Leider muss man es so hart sagen: Zahlreiche neue Features, die erst im Laufe der Wochen freigeschaltet wurden, sind verbuggt.WoW Bugs title

Überhastete Bugfixes mit neuen Problemen

Zwar schiebt Blizzard immer recht zügig Hotfixes nach, die die Probleme beheben sollen, aber das tun sie nicht immer.

Ein Hotfix, der Heiler im PvP zu balancen versuchte, sollte die Manaregeneration der Heiler reduzieren. Die Folge war jedoch, dass Heiler nun eine negative Regeneration hatten und im Kampf von alleine Mana verloren. Auf niedrigen Stufen war das Mana quasi sofort verbraucht.

Bei einem anderen Hotfix wurde kurzerhand eine Waffe massiv generft, nur um wenige Stunden später schon wieder gebufft zu werden.

WoW Krawg Undead Laughing titleDazu kommen noch eher absurde Bugs ohne wilde Folgen, wie etwa das Aufwerten eines Reittiers, das plötzlich „kriegsgeschmiedet“ ist.

Das alles passt nicht zu „meinem“ Blizzard. Das ist nicht der Spielehersteller, der immer für Qualität und ausgeklügelte Systeme stand. Es wird gehetzt, schlecht getestet und die Lösungen überhastet.

WoW: Beta for Azeroth

Bei all diesen Fehlern und Problemen ist es kaum verwunderlich, dass die Spieler schon zahlreiche Memes gebaut haben und das Spiel kurzerhand umbenannten. Anstatt „Battle for Azeroth“ nennen sie es nun „Beta for Azeroth“.

Hunderte Kommentare sammeln sich und immer wieder wird ironisch die Frage gestellt, ob denn jemand weiß, wann Battle for Azeroth endlich aus der Beta-Phase kommt. Andere gehen sogar noch weiter und nennen WoW im aktuellen Zustand „bezahlte Beta-Server“. Und zumindest den Ursprung dieses Eindrucks kann ich nachvollziehen.

WoW Beta for Azeroth Meme

Bildquelle: Reddit

Versteht mich nicht falsch. Battle for Azeroth ist wunderschön. Die Landschaften sind grandios, die Quests empfinde ich als fesselnd und die Cinematics sind der Hammer. Der Soundtrack jagt mir Schauer über den Rücken. Optisch, akustisch und storytechnisch ist das Spiel eine Wucht. Doch die Gameplay-Mechaniken können im Augenblick nicht mithalten, weil immer wieder neue Fehler auftauchen.

Kaum ist ein neues Feature bereit, ist es auch schon verbuggt. Das Spiel ist weit weg von „unspielbar“ und die meisten Bugs werden zeitnah behoben, trotzdem trübt es das Bild von einer neuen, großen WoW-Erweiterung massiv.

Battle for Azeroth hätte mehr Zeit gebraucht

Schon in der Beta hatte sich abgezeichnet, dass Blizzard die Zeit nicht ausreicht. Immerhin sind einige Klassen, wie etwa der Schattenpriester, vom Spielstil regelrecht langweilig und einschläfernd. Bereits während der Beta erklärten die Entwickler, dass man diese Probleme mit Patch 8.1 angehen werde.WoW Waist of Time title

Es war also nicht genügend Zeit, um eine Klasse wirklich spaßig zu machen und wie sich jetzt Tag für Tag herausstellt, fehlte auch für andere Features der Feinschliff.

In diesem Sinne: Ich bin wirklich mehr von Blizzard gewohnt. Zum ersten Mal fühlt es sich an, als seien Kern-Features nicht ausgiebig getestet worden. Fast jeden Tag tauchen neue Bugs auf und auch die Hotfixes bringen neue Fehler.

World of Warcraft: Battle for Azeroth hätten drei weitere Monate Entwicklungszeit sehr gut getan. Denn das, was im Augenblick in Azeroth passiert, ist einfach unwürdig für einen Konzern wie Blizzard, dessen Philosophie immer war: „It is done, when it’s done.“WoW Jaina Mother Hand title

Es wäre schön gewesen, wenn Battle for Azeroth wirklich „done“ wäre. Nehmt euch doch nächste Mal drei Monate mehr Zeit – das Spiel hätte es nötig gehabt und würde nun nicht so viele Spieler vergraulen.

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