Ein großes, neues MMORPG auf Steam wollte wie Pokémon sein – Scheitert, ist pleite, keiner kriegt das Geld wieder

Ein großes, neues MMORPG auf Steam wollte wie Pokémon sein – Scheitert, ist pleite, keiner kriegt das Geld wieder

Im August 2021 startete das MMORPG „Untamed Isles“ frohen Mutes auf Steam. Das Spiel orientierte sich an der Pokémon-Reihe: Spieler sollten Monster fangen und züchten können. Die Finanzierung des Spiels lief über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter an – man hatte zudem viele Investoren im Boot. Ein Jahr später, im August 2022, sagen die Entwickler Phat Loot, dass man sehr schlechte Nachrichten für die Spieler hat.

Was ist Untamed Isles?

  • Das Spiel bezeichnet sich selbst als einen „sehr ambitionierten Titel“, ein „Open World Monsterfang-MMORPG“. Man versprach Spielern einzigartige Zonen, PvP, Trading, Züchten und eine Story – all das gute Zeug.
  • Eine Kickstarter-Kampagne nahm 2021 die stolze Summe von 527.000 $ ein, 4-mal mehr als geplant (via kickstarter).
  • Das Spiel setzte auf ein „Pay2Earn“-Modell: Alle Items und Monster im Spieler sollten mittels einer Kryptowährung gekauft, verkauft oder gehandelt werden – und genau da ging die Sache schief.

Das Studio hat einfach kein Geld mehr nach dem Krypto-Crash

Was lief schief? Wie das Studio in einer Mitteilung an die Fans schreibt (via steam):

Um an dem Projekt zu arbeiten, brauchten wir mehr als 70 Teammitglieder an Bord und wir haben unermüdlich mehr als 2 Jahre lang gearbeitet, um das Spiel zu bauen, von dem wir träumten.

Die Wahrheit ist, dass die Entwicklungskosten hoch sind, und es gab eine Menge Probleme auf unserem Weg. Seit dem Start unserer Reise 2020 hat sich die wirtschaftlichen Landschaft dramatisch geändert, im Allgemeinen und speziell in der Kryptowährung. Wir haben kein Vertrauen in den Markt mehr.

Wir haben unsere Ressourcen verbraucht und können die Entwicklung nicht fortsetzen.

Das Team sagt, man habe sich auf den Krypto-Markt verlassen. Als der Crash kam, hatte man kein Geld mehr. Man liebt das Spiel und wolle auch keine Kompromisse eingehen, daher unterbreche das Team die Entwicklung und überlegt, wie es weitergehen soll.

Man hofft, dass man die Spieler eines Tages auf den Inseln von Untamed Isles treffen kann.

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Kritisches YouTube-Video und Krypto-Crash leiteten den Untergang ein

Was ist denn da los? Die Webseite PC Gamer zitiert einen Twitch-Livestream von Phat Loot aus der letzten Woche, wo mehr Hintergründe zum Scheitern von „Untamed Isles“ gegeben wurden.

Die Probleme für die Firma hinter dem Spiel begannen, als ein YouTube-Video von MMOByte vom 21.07. das Spiel kritisierte und sich dafür entschuldigte, es ursprünglich mal unterstützt zu haben. Der YouTuber entzog dem Spiel praktisch das Vertrauen (via youtube).

Auch ein früherer Pokémon-Champion, Wolfe Glick, schien sich auf Twitter von dem Spiel zu distanzieren (via twitter).

Das habe dazu geführt, dass sich andere von dem Projekt zurückzogen. Statt 2.000 bis 3.000 Vorverkäufen, auf die man gehofft hatte, waren am Ende noch 50 übrig.

Man will das Spiel jetzt „still“ weiterentwickeln und auf den Markt schauen:

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Der schlimmere Schlag für Untamed Isles war aber, dass sich Investoren nach dem Crash des Krypto-Marktes in Luft auflösten. In einem Live-Stream hieß es:

Es lief alles sehr gut. Dann kam der Krypto-Crash und wir haben unsere Finanzierung sehr, sehr schnell verloren. Die Investoren zogen sich zurück, als sie den Markt zusammenbrachen sahen – und um fair zu sein, sie hatten damit Recht, weil es sehr unsichere Zeiten in der Weltwirtschaft sind.

Eigentlich hatten die Entwickler geplant, das Spiel noch im Oktober auf Steam zu veröffentlichen in einer „So ist es halt grade“-Version, aber sie verbrauchten ihre letzten Finanz-Reserven so rasch, dass daraus nichts wurde.

Wie sieht es jetzt mit dem Kickstarter-Geld aus? Schlecht. Die Investoren konnten ihr Geld aus dem Projekt zwar rausziehen und retten. Wer über Kickstarter investiert hat, scheint aber schlecht dazustehen.

In einem FAQ zum Spiel heißt: Es wären keine Erstattungen möglich, denn es ist einfach kein Geld da (via untamedisles).

Spieler glauben: Die haben unser Kickstarter-Geld auf dem Krypto-Markt verzockt

Wie ist die Reaktion? Das vorzeitige Ende von Untamed Isles ist auch deshalb so ärgerlich, weil viele Kickstarter-Backer und Unterstützer gar nicht wussten, wie sehr das Game in Kryptowährungen verwurzelt ist:

  • Auf Steam gibt es wütende Anschuldigungen, die Entwickler hätten das Geld, das man ihnen für die Entwicklung des Spiels gegeben hat, auf dem Krypto-Markt verzockt.
  • Die Entwickler aber möchten klarstellen: Man habe das Kickstarter-Geld nicht in Kryptowährung investiert, das Geld ging alles in die Entwicklung des Spiels (via untamedisles). Es hätten sich Investoren vom Spiel zurückgezogen, unter anderem wegen der Probleme im Krypto-Markt.

Sicher ist da ein weiterer Rückschlag für Pay2Earn, Crowdfunding-Games und Spiele, die auf Krypto-Währung und NFTs setzen. Die Stimmung unter Gamern ist hier ohnehin schon skeptisch bis offen feindselig:

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Kjtten

Schade für die Entwickler, wohlverdient für das „Genre“.

Luripu

Ich kenne Spiele auf Steam,nein keine Pixelmonster,
die von 1-10 Entwickler gestemmt wurden.
Die hier haben gleich mal 70 eingestellt und nichts brauchbares vorzuweisen.
Hört sich für mich auch nach verzocktem Kickstarter Geld an.

GeT_R3kT

Da haben halt 70 Leute gehofft wie Geld in Krypto zu machen… tut mir fast schon Leid das zu sagen weil Personen ihren Job verlieren aber geschieht denen Recht! Scheinbar war Krypto wichtiger als ein Spiel seiner Träume zu entwickeln.

Neowikinger

Sogar dieser hässliche Screenshot sieht besser aus als der vom Metaverse Artikel 😀

Luripu

Du meinst sicherlich FB hässliches Metaverse
und nicht das neue Prügelspiel auf Steam oder?

Neowikinger

Ja, genau ^^

Irina Moritz

Du wirst lachen, aber ich habe mir auch gedacht „Nicht gerade Forbidden-West-Grafik, aber immerhin nicht so miserabel wie Metaverse“ ^^“““

Neowikinger

xD Es war eben auch mein Gedanke direkt. Zumal beide News auch direkt untereinander platziert sind, sodass man den Vergleich hat

Alex

Tja wie so viele möchtegern Spekulanten, wer denkt Krypto wäre irgendwo stabil, dem ist nicht mehr zu helfen, genauso dämlich wie die ganzen Leute die meinen während des hypes kaufen zu müssen und bei der nächsten Taalfahrt ein Totalverlust erleiden, der krypto Markt kann sicherlich gewinnbringend sein, aber nicht indem man auf Stabilität spekuliert. Eventuell sollte man einfach das gesammte Konzept umbauen zu einem richtigen Spiel, dann könnte das auch was werden.

lIIIllIIlllIIlII

Also wenn, dann spekulieren sie auch nicht auf Stabilität sondern auf Wertzuwachs. Ansonsten müssten sie auf den Euro setzen. Das höchste Ziel der ECB ist Preisstabilität.

Caliino

Meiner Meinung nach ist genau das richtige passiert und so sollte es auch den anderen Entwicklern (mit ähnlichem Finanzierungsmodell) gehen.

Sorry, aber bei der Entwicklung auf „Aktien“ (Crypto) zu vertrauen ist der größte Schwachsinn und als Käufer würde ich die anderen mobilisieren und eine Sanmelklage einreichen…

Da könntest du auch gleich sagen:
„Hey, gebt mir euer Geld und ich kaufe mir Lotteriescheine damit – weil mit mehr Scheinen steigen ja automatisch die Gewinnchancen. Und wenn ich irgendwann mal einen großen Gewinn mache, gebe ich euch einen Bruchteil davon ab!“

lIIIllIIlllIIlII

Crypto und Aktien haben nichts miteinander zutun. Nicht mal ein bisschen. Die Gemeinsamkeit ist: beides kann man handeln. Das kann man Steine aber auch.

Abgesehen davon, funktioniert das ein wenig anders. Ich rede mal nur davon was passiert wenn es professionell gemacht wird – keine Ahnung was in der Butze abgeht.

Wenn ich viel Geld einsammele – für was auch immer – stehe ich vor dem Problem, dass der Batzen an Geld irgend wo hin muss. Wo auch immer dieses hin ist und was auch immer ich damit mache, es ist immer ein Risiko.

Selbst wenn ich das Geld auf ein „normales Konto“ packe, habe ich ein Ausfallrisiko und zwar das der Bank. Bei solchen Summen hilft auch keine Garantie mehr. Darüber hinaus gehen teure Projekte oft auch eine lange Zeit und über viele Jahre. Grade in Zeiten mit hoher Inflation ist das ein größeres Problem. Dauert das IT Projekt 10 Jahre und ist die Inflation bei durchschnittlich 4 %, so verliere ich mal locker 35 % meines Kapitals. Also bei 10 Mio rund 3,5 Mio. Einfach gerechnet. Natürlich ist es weniger, da ich ja das Kapital über die Zeit auch verbrauche. Es is also zu Beginn schlimmer und wird dann weniger.

Wie dem auch sei, das ist der Grund warum große Unternehmen ihr Geld in Geldmarktfonds geparkt hatten. Aber wie wir gelernt haben, können die Dinger auch in Schwierigkeiten geraten, gerade wenn sie als Sicherheiten verwendet werden.

Kurzum irgendwo muss die Kohle hin. In der Kriese damals hat VW mehr oder weniger überlebt, weil Ihr Gewinn zu einem sehr großenteil aus betriebsfremden Aktivitäten stammte – also aus Investmentgeschäften. Hätten sie die nicht gehabt, wäre es eng geworden.

Das hat aber nichts damit zutun das Geld in Cryptos zu parken. Wir wissen nicht mal ob das überhaupt passiert ist.

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von lIIIllIIlllIIlII
Lamoras

Sie haben nicht auf Krypto vertraut. Ihre Investoren hatten das und haben wohl ne Menge verloren, weshalb sie ihre Investitionen zurückgenommen hatten

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