Am 13. Dezember ist der neue Action-Thriller „Carry-On“ auf Netflix gestartet. Er löst sofort Vergleiche mit „Stirb Langsam 2“ aus und stürmt an die Spitze der Charts beim Streaming-Dienst. MeinMMO-Autor Schuhmann hat den Film gesehen und sagt: Netflix kann’s ja doch.
Was hat Carry-On mit Stirb Langsam 2 zu tun? Beide Filme spielen auf einem großen Flughafen zur Weihnachtszeit. Carry-On spielt aber in Los Angeles, weshalb es überhaupt nicht nach Weihnachten aussieht. Dafür fehlt der Schnee.
Protagonisten beider Filme sind gescheiterte Cops. Auch wenn der Held von Carry-On deutlich jünger ist als Bruce Willis damals. Wir lernen Ethan Kopek kennen, dessen Privatleben zwar prächtig läuft, dessen Karriere als Sicherheitsbeamter am Flughafen jedoch in einer Sackgasse steckt und der null Bock auf den Job hat. Sein Chef bescheinigt ihm: „Du willst doch gar nicht hier sein.“
In beiden Filmen ist die Ehefrau des Helden zäh und kompetent, aber in Gefahr. In Carry-On ist die Freundin eigentlich weit außerhalb der Liga unseres Helden und obendrein noch schwanger.
In beiden Filmen gibt es einen raffinierten Schurken mit kompetentesten Handlangern und einem ausgetüftelten Plan, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Bei Carry-On spielen Jason Bateman und seine herausragende deutsche Synchronstimme (Tobias Klickert) den Schurken.
Schon im Trailer hört man die exzellente deutsche Stimme von Jason Bateman:
Carry-On ist eine Stunde irre spannend, weil man keinen Ausweg sieht
Das macht den Reiz von Carry-On aus: Etwa die erste Stunde des Films ist brillant geschrieben und inszeniert: Man lernt die Figuren kennen und versteht sofort in wenigen Szenen, wie sie ticken: Das Paar liebt einander, aber die Schwangerschaft kommt eigentlich zu früh. So richtig rund läuft es bei Kopek nicht, der schleppt eine Menge Altlasten mit sich herum, wirkt, als lasse er sich nur treiben und lenke sein Leben nicht selbst.
Dann macht sich der Film daran, den Helden in eine ausweglose Situation zu verstricken, die immer schlimmer wird, je mehr er zappelt.
In diesem Teile des Films hört man nur die Stimme von Jason Bateman, der in freundlichem Ton erklärt, was für ein Versager unser Held ist und dass er sich nur seinem Schicksal ergeben muss, so wie er es ohnehin die letzten Jahre gemacht hat, sonst wird das alles furchtbar für ihn enden.
Jede Handlung unseres Helden führt zu einer weiteren Verschlechterung seiner Situation, der Schurke hat alles bedacht, hat schier unbegrenzte Ressourcen, weiß und sieht alles.
Der Schurke, der den Film über ohne Namen bleibt, lässt Kopek keinen Ausweg: Der Sicherheitsbeamte ist dazu verdammt, zu versagen und Unglück und Elend über alle zu bringen.
Als Zuschauer ist man voll dabei und muss anerkennend nicken, wie diabolisch alles eingefädelt und geplant ist. Jede Aktion des Helden hat eine unerbittliche Gegenreaktion zur Folge. Die Lage scheint aussichtslos. Von Minute zu Minute steigt die Spannung an.
Dabei lebt der Film vom Spiel der beiden Hauptdarsteller:
- Taron Eggerton, bekannt aus Kingsman, spielt einen ziemlichen Loser, der es sich lange in seinem Leben bequem gemacht hat. Ausgerechnet jetzt hat er beschlossen, doch mal aufzuwachen und was zu ändern, aber sein Gegenspieler zwingt ihn dazu, unmoralisch und falsch zu handeln
- Bateman spielt einen hyperkompeteten Zyniker, der den Eindruck macht, die Welt verstanden zu haben. Er schüttelt über den deutlich jüngeren Gegenspieler immer wieder den Kopf und beklagt: „Eure Generation“

Ist der Film also perfekt? Wie sein Vorbild Stirb Langsam 2 fällt auch Carry-On im letzten Drittel des Films auseinander. Denn der brillante Plan der Schurken war nur zu 70 % fertig gedacht und reichte nur bis zum Abflug des entscheidenden Flugzeugs und keinen Schritt weiter.
Ab dem Zeitpunkt, als der Schurke im Flugzeug sitzt, stand im Plan wohl nur „Improvisieren wir ein bisschen, wird schon gut gehen“, während der Held zu Hochform aufläuft und ihm alles gelingt.
Bei Carry-On sieht man wunderbar an einer Figur, wie der zähnefletschende Tiger plötzlich zum Stubenkätzchen wird: Ein Handlanger des Schurken wird als hyperkompetenter Scharfschütze mit einer Superwaffe aufgebaut, der aus Kilometern präzise jedes Ziel ausschalten kann. Im letzten Drittel des Films erweist er sich aber als mittelmäßiger Straßenräuber, der mit einer Pistole planlos durch ein Parkhaus läuft. Aber irgendwie müssen die Guten am Ende ja gewinnen und eine Chance haben, sonst ist Weihnachten gelaufen.
“Carry-On ist ein besseres Stirb-Langsam auf einem Flughafen als das tatsächliche Stirb Langsam”
Und das ist besser als „Stirb langsam 2?“ Das ist zumindest der Eindruck, den viele Nutzer von „Rotten Tomatoes“ haben – da steht der Film bei einer Zuschauerwertung von 86 %. Der mittlerweile 34 Jahre alte „Die Hard 2“ hat dort nur 69 %.
Auf X teilen Journalisten ihre Eindrücke und da heißt es: “Carry-On” mache “Stirb Langsam auf einem Flughafen” besser als das tatsächliche Stirb Langsam auf einem Flughafen (via x) Ein anderer Nutzer sagt: Carry-On sei der Film, der Stirb Langsam 2 damals gerne gewesen wäre (via x).
Wahrscheinlich ist man 2024 aber auch einfach dankbar, dass Netflix einen soliden, unterhaltsamen und richtig guten Thriller abliefert, mit dem man kaum noch gerechnet hat. Und das zur Weihnachtszeit. Und alleine Jason Bateman ist hier wirklich die Zeit wert. Das reicht an die ganz großen Verbrecher des Kinos der 90er-Jahre ran. Einen ähnlich starken Thriller wie Carry-On empfehlen wir euch hier: Im neuen Film auf Netflix steigt Brad Pitt in einen Zug voller Profi-Killer
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Habe mir den angeschaut, weil ich Taron Egerton in Kingsman schon recht unterhaltsam fand. Carry-On braucht n bisschen Zeit, aber der Film macht Spaß und ja, es gibt sie, die Parallelen zu Stirb Langsam.
Auf jeden Fall sehenswert.
Der Film war im ersten Drittel langweilig, danach okay. Aber aus meiner Sicht meilenweit weg von Stirb Langsam 1 + 2 und auch den meisten anderen, vergleichbaren Action-Titeln dieser Machart, die nach Stirb Langsam kamen (Air Force One, Alarmstufe Rot, Sudden Death usw).
Danke. Genau das gleiche wollte ich auch gerade schreiben.
Ich hab letzte Woche zufällig davon erfahren und wird heute Abend angeschaut ☺️
Wäre aber irgendwie schade, wenn er bei “Actionheld” stecken bleibt und nichts Anderes mehr kriegt, er war nämlich richtig gut in als Elton John in Rocketman
Danke für den Tipp. Doch besser als SL2, damit habt ihr schon eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut, ob der Film diesen Druck standhält 😉
Ja, kann er. Stirb Langsam 2 ist auch einfach nicht so ikonisch wie Teil 1. 🙂
Wenn man Carry-On sieht und Stirb Langsam 2 kennt, wird man quasi gezwungen, beide Filme zu vergleichen.
Mithalten vielleicht, aber besser?
Mit Stirb Langsam 2 ist die Messlatte verdammt hoch. Auch wenn Teil 2 nicht ganz an den Erstling herankommt, ist die Atmosphäre doch schon sehr gut.
Ich fand den Thriller jetzt wirklich sehr gut – mit den genannten Abstrichen im Finale. Für mich ist es der beste Thriller im klassischen Popcorn/Spannungs-Bereich seit Bullet-Train, den ich auch sehr mochte. Ähnlich stark war vor einigen Monaten auf Amazon “Catch the Killer.”
Stirb Langsam 2 wird vielleicht auch in Deutschland besser gesehen, als er international gesehen wird, weil wir durch die herausragende Synchronstimme vielleicht einen “besseren Bruce Willis” haben als den echten Bruce Willis. 🙂
Es wird ja gerne über Synchronsprecher gelästert, aber die erste Garde ist schon großartig in Deutschland. Ich merk das schon bei einigen Schauspielern, die auf Deutsch ganz anders wirken als im Original. International wird ja jemand wie Nicholas Cage oder Jason Statham gerne mal verspottet – da gleicht die Synchron schon viel aus, glaube ich.
Ich hab mal einen drittklassigen TV-Film gesehen, aber mit den besten deutschen Synchronstimmen und das ist Wahnsinn, wie sehr das einen Film aufwertet. Der 90er-Jahre-Bruce-Willis wird von Manfred Lehmann gesprochen, der hat auch Kurt Russerll zu der Zeit gesprochen – das ist schon eine Killer-Stimme.
Ja, wir dürfen uns für so einige Synchronsimmen echt glücklich schätzen. Spongebob *hust*