Fallout 76 unter Feuer – Das stört die schärfsten Kritiker

Der Release von Fallout 76 rückt näher und noch immer herrscht jede Menge Skepsis rund um das Onlinespiel. Die Situation erinnert ein wenig an die Ankündigung des MMORPGs The Elder Scrolls Online. Bei Fallout 76 könnte es aber noch schwerer sein, die Kritiker zum Schweigen zu bringen, glaubt unser Autor Andreas Bertits.

Seit Ankündigung wird Fallout 76 dafür kritisiert, ein Onlinespiel zu sein. Ähnlich erging es auch The Elder Scrolls Online. Wir schauen uns im Artikel an, was die Kritiker an Fallout 76 stört und was Bethesda noch tun kann, um die Kritiker zu beschwichtigen..

fallout 76 wp

Ein Onlinespiel mit einem schweren Stand

Was ist das Problem? Fallout 76 wird ein Multiplayer-Onlinegame – das ist im Grunde der Kern des ganzen Problems.

Vor allem die Core-Fans der Fallout-Reihe lehnen dies ab. Sie wünschen sich ein klassisches Single-Player-Rollenspiel, weil eben, bis auf Fallout Tactics, alle Spiele der Reihe so waren.

Es herrscht die Befürchtung, dass Fallout 76:

  • die Story vernachlässigt
  • keine interessanten Quests bietet
  • ohne NPCs langweilig wird
  • nur in PvP-Gekloppe ausartet
  • die Identität der Marke „Fallout“ verwässert
Fallout 4

Fallout 4

Was machte Fallout bisher aus? Die Reihe zeichnete sich durch einige interessante Ansätze aus, die Spieler besonders gut fanden

  • die Endzeit-Welt mit „Twist“ – Eine alternative Erde nach einem Atomkrieg, die aber von den 1950er Jahren inspiriert ist
  • das Gefühl, der einsame Wanderer in einer Welt voller Mutanten und Banden zu sein
  • spannende Quests mit interessanten NPCs
  • vom Niemand zu einem Helden aufzusteigen, dessen Taten eine große Auswirkung auf das Ödland haben

Fallout 76 - viech

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Multiplayer macht Fans sauer

Was ist Fallout 76? Fallout 76 will Multiplayer ins Spiel bringen. Die Entwickler bezeichnen es aber immer wieder als Fallout 4 mit Multiplayer. Ersten Previews zufolge ist das auch gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt.

Nach wie vor stolpert ihr aus einem Bunker und erkundet das postapokalyptische Ödland. Ihr bekämpft Mutanten aber eben auch andere Spieler. Es ist möglich, dass ihr euch mit den 24 Mitspielern pro Server verbündet oder gegen sie in den Krieg zieht. Allerdings gibt es keine Quests im herkömmlichen Sinn und keine NPCs, mit denen ihr Dialoge führt.

Dennoch folgt ihr einer Hauptstory, die euch quer durch das Land führt.

Fallout 76 Wanderer 2

Einige Spieler sind extrem skeptisch: Gerade der Umstand, dass es keine NPCs und Dialoge gibt sowie der Fakt, dass PvP überall möglich ist, lässt vor allem die Core-Fans von Fallout alles andere als begeistert reagieren.

Sie hatten sich etwas anderes erwartet und können selbst nach vielen Previews nicht erkennen, wie Fallout 76 ein „echtes“ Fallout werden kann. Entsprechend hagelt es Kritik an Bethesdas neuem Onlinespiel.

Fallout 76 Schwarz Weiß Powerarmor

So war es bei The Elder Scrolls 2012: Als Bethesda/Zenimax 2012 mit The Elder Scrolls Online ein MMORPG ankündigte, gingen die Fans der Fantasy-RPG-Reihe ebenfalls auf die Barrikaden. MMORPGs spielen sich nun einmal anders als Single-Player-Rollenspiele. Gerade, was Quests, Entscheidungen und Konsequenzen angeht.

Spieler befürchteten, dass The Elder Scrolls zu einem Grinding-Spiel wird, in dem die Story nur schmückendes Beiwerk sein sollte. Viele hatten keine Lust darauf, durch die Gegend hopsenden Spielern in bunten Kostümen zu begegnen, während sie versuchten, die Welt zu retten.

Man wollte lieber The Elder Scrolls 6.

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So ist es bei The Elder Scrolls heute: Allerdings hat sich The Elder Scrolls Online inzwischen zu einem erfolgreichen Onlinespiel gemausert.

Viele Fans der Reihe haben dem Titel eine Chance gegeben und Zenimax konnte darüber hinaus Spieler erreichen, die mit The Elder Scrolls sonst nichts am Hut hatten. Gerade auf PS4 und XBox One konnte The Elder scrolls Online seine Ziele erreichen.

TESO geht es momentan sehr gut.

Was muss Fallout 76 tun, um Kritiker zu überzeugen?

Darum ist es für Bethesda bei Fallout 76 schwieriger als bei TESO: Die Situation rund um Fallout 76 ist ein wenig komplizierter als bei The Elder Scrolls Online und das aus mehreren Gründen:

  • größter Knackpunkt ist der Umstand, dass Fallout 76 keine NPCs und Dialoge bietet
  • das offene PvP schreckt viele Spieler ab
  • Fallout ist nun einmal ein Spiel, in dem die Einsamkeit des Spielers ein wichtiger Faktor ist

Mit The Elder Scrolls Online hat Bethesda zwar bewiesen, dass man eine Single-Player-Reihe erfolgreich als Onlinespiel veröffentlichen kann und trotzdem zeigen sich die Spieler nun bei Fallout 76 skeptisch

Fallout-76-maske

Bethesda muss den Fallout-Fans ein neues Fallout schmackhaft machen, das sich aber in vielen wichtigen Kern-Elementen von den anderen Titeln der Reihe unterscheidet. Das ist keine leichte Aufgabe.

Einsamkeit und Story als Schlüssel zum Erfolg?

So könnte Fallout 76 doch noch die Core-Fans erreichen: Es gibt einige Punkte, in denen Fallout 76 überzeugen muss:

  • Es muss sich im Grunde wie ein Single-Player-RPG anfühlen und dem Spieler das Gefühl geben, (mehr oder weniger) alleine in der Spielwelt zu sein. Man muss das Gefühl der Einsamkeit erhalten, das andere Fallout-Spiele versprühen
  • Die Story muss packen. Die Fallout-Spiele leben einfach mit von der Story. Sie ist ein integraler Bestandteil und muss in Fallout 76 überzeugen
  • Der Erkundungsaspekt muss stimmen. In Fallout entstanden die spannendsten Situation daraus, das Ödland zu erkunden und dort Geheimnisse zu entdecken, aus denen sich kleine Abenteuer ergeben konnten. Das muss bei Fallout 76 ebenfalls der Fall sein

Fallout 76 Schwarz Weiß Raketenregen PowerArmor

  • Das PvP darf nicht nerven. Wer einfach die Welt erkunden und der Story folgen will, der sollte durch ständige Attacken von Feinden nicht vor Frust abschalten wollen
  • Der Multiplayer-Aspekt muss sich natürlich anfühlen. Es sollte etwas Besonderes sein, anderen Spielern zu begegnen, woraus sich dann spannende Situationen ergeben. Einfach nur Spieler durch die Gegend springen sehen, könnte die Atmosphäre ruinieren

In diesen 5 Schlüssel-Punkten muss Fallout 76 liefern

Hier liegen noch die Knackpunkte: Auch, wenn bisherige Previews davon sprechen, dass sich Fallout 76 wie ein Fallout anfühlt, gibt es einige Punkte, die noch ein paar Fragezeichen aufwerfen und gerade für den Erfolg oder Misserfolg bei den Core-Fans verantwortlich sein könnten:

  • Keine NPCs – Nichtspieler-Charaktere sind in Fallout bisher wichtig gewesen. Deren Persönlichkeiten zu ergründen, ihre Motivationen herauszufinden, das macht in den Single-Player-Titeln einfach großen Spaß. Zu erleben, wie die Zivilisation nach dem Atomkrieg funktioniert, ist interessant. Darauf muss man bei Fallout 76 verzichten
  • Keine Dialoge – Für viele gehört zu einem guten Rollenspiel eben dazu, mit NPCs sprechen zu können. Dabei Entscheidungen zu treffen, die sich vielleicht auf die Beziehung oder sogar die Story auswirken. Das wird es in Fallout 76 nicht geben
  • Mikrotransaktionen – Diese stellen generell das Problemkind vieler Onlinespiele dar. Sie müssen fair sein und dürfen sich dem Spieler nicht aufdrängen. In Fallout gab es bisher nur DLCs als Zusatz-Content. Nun ist es möglich, sich kosmetische Items zu kaufen

Fallout 76 Landschaft 3 mit Turm und Vault Boy

  • Atmosphäre – Hier spielen die kosmetischen Items eine Rolle. In bisherigem Gameplay-Material hat man beispielsweise Spieler mit Partyhüten durch das Ödland laufen sehen. Je nachdem, wie abgedreht die Kostüme sind, könnte dies der Atmosphäre schaden
  • Story – Bisher ist bekannt, dass sich die Story von Fallout 76 um das Verschwinden der Bewohner des Landstrichs dreht. Nun bleibt abzuwarten, ob Bethesda diese Story auch spannend erzählen kann

Fallout 76 hat einen schweren Stand in der Community. Es muss die Spieler davon überzeugen, dass es sich wie Fallout anfühlt und spielt. Und dies zu erreichen wird für Bethesda einfach etwas schwerer werden als bei The Elder Scrolls Online. Machbar ist es – ich hab Vertrauen in Fallout 76.

Aber ob es klappt, erfahren wir dann zum Release am 14. November.

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