The Elder Scrolls Online: 6 Gründe, warum so viele TESO hassen

Dem Fantasy-MMO The Elder Scrolls Online schlägt im Internet, vor allem in den Communities von Gaming-Seite, eine ziemlich hart Häme-Wellen entgegen. Warum eigentlich? Warum haten so viele TESO? Warum wünschen dem Game so viele lautstark einen raschen Gang ins Free2Play oder gar eine baldige Einstellung?

In der vergangenen Woche erschien auf einer relativ kleinen US-Seite das Gerücht, „The Elder Scrolls Online“ werde nicht auf den Konsolen erscheinen. Grund sei die mangelnde Qualität des Spiels. Bethesda habe hier die Reißleine gezogen, um sich nicht den guten Ruf der Elder-Scrolls-Reihe zu beschmutzen.

In den USA interessierte das so gut wie keinen. In Deutschland aber griffen zahlreiche Gaming-Seiten, darunter auch die größten, das Gerücht auf und berichteten darüber. Dabei war die Quellenlage dünn – und das ist noch geschmeichelt.

The Elder Scrolls Online Screenshot

Spieler diskutieren rege die Gerüchte aus der Klatschpresse.

Auffällig waren allerdings nicht die Artikel auf den deutschen Gaming-Seiten (die gaben mit mehr oder weniger Distanz die Quelle wieder), sondern das Echo der jeweiligen Community darauf. Die Leser kommentierten fleißig und leidenschaftlich. Und das vor allem mit Häme. Dass an dem Gerücht nichts dran war, interessierte kaum wen. Sogar, als es dementiert war, hieß es häufig: „Na ja, das müssen sie ja sagen. Es stirbt trotzdem. Das hab ich im Gefühl.“

In den Kommentaren unter diesen Artikeln herrschte ungefähr dieser Tenor: „Ich hab’s ja gewusst. Das konnte nichts werden. Das Ding ist tot, hoffentlich lernt Bethedsa daraus und macht jetzt ein gescheites Elder Scrolls 6.“ Was ist nur mit den Leuten los, dass sie The Elder Scrolls Online derart den Tod wünschen? Liegt’s am Trinkwasser, an einer Sternenkonstellation, ist das einfach das Internet, nur purer Zufall oder was ist da los?

Wir haben sechs Gründe dafür zusammengestellt, warum so viele TESO regelrecht hassen und Schadenfreude verspüren, wenn’s vermeintlich schlecht läuft.

Grund 1: Die Leute mögen echt keine Bezahl-MMOs

The Elder Scrolls Online Bank

Versammeln sich hier gerade alle, weil sie sich einen einmaligen Kauf versprechen?

Das ist ein Trend, der gar nicht unbedingt etwas mit The Elder Scrolls Online zu tun hat, aber: Viele Spieler können mit dem Bezahl-Modell „Pay2Play“, dem Abo-Modell, nichts anfangen. Die Idee, jeden Monat 13 Euro für ein Spiel zu bezahlen, ob man das nun spielt oder nicht, ist für Zocker, die damit nicht aufgewachsen sind, völlig unverständlich. Gerade Konsolenspieler haben kein Verständnis dafür. Man liest zum Beispiel häufig so eine Art „empfundene Ungerechtigkeit“ heraus, dass man selbst nur zwei Stunden am Tag Zeit habe und dann solle man dasselbe zahlen, wie ein Schüler oder ein Arbeitsloser, der ja den ganzen Tag zocken kann? Das verstehen viele nicht.

Allein die Entscheidung von Bethesda, ein Bezahl-MMO herauszubringen, wirkt auf einige Fans der Reihe wie ein Unding und eine persönliche Beleidigung. So als würde man die letzte Staffel einer Serie, die auf Pro7 erfolgreich war, einfach nur, um die Fans zu ärgern, jetzt auf Sky und verschlüsselt ausstrahlen.

Zenimax hat sich schon oft zum Bezahlmodell geäußert und angekündigt, dass man den regelmäßigen Geldfluss brauche, um hochwertigen Content in angemessener Geschwindigkeit zu erstellen.

TESO Waldelf und Skelette

Bedeutet ein Wechsel auf das Free2Play-Modell den Tod?

Dennoch und das plagt das „Pay2Play“-Modell wie vielleicht kein anderes: Nicht-Spieler wünschen diesen Modellen häufig den Misserfolg, sagen ihn voraus, reden ihn regelrecht herbei, unter anderem weil sie das Spiel dann selbst „Free2Play“ und vermeintlich für lau zocken möchten. Fast in jedem bissigen Kommentar gegen ein „Pay2Play“-MMO findet sich die Nachricht: Man werde es sich dann mal ansehen, wenn es „Free2Play“ geworden sei.

Dadurch dass schon einige Bezahl-Spiele den Weg ins Free2Play antreten mussten, ist für so manchen das Warten auf Free2Play ein Geduldsspiel geworden: Man muss nur lange genug warten, bis man ein MMO dann umsonst haben kann. Dass den Spielern durch ein Free2Play-MMO oft höhere „versteckte“ Kosten entstehen, wird hier oft nicht berücksichtigt. Und wenn man es einige Monate nach dem Release dann doch kaufen würde, wäre man ja im Unrecht. Kann ja gar nicht sein.

Grund 2: Die Konsolenspieler mögen wirklich keine PC-Games

The Elder Scrolls Online

Ein Skyrim-Konsolen-Spieler im Interview: „Der Elder Scrolls 5 Nachfolger erstmal nur auf PC? Pah!“

Es wurde schon oft berichtet, dass sich Skyrim vor allem auf den Konsolen verkaufte. Während die ersten Teile der „The Elder Scrolls Reihe“ PC-Games waren, war das letzte und erfolgreichste Kind der Franchise „Skyrim“ ein Konsolen-Phänomen, vor allem auf der XBox 360. Dass das „nächste“ Game jetzt nur auf dem PC erscheint und dann der Port noch so lange auf sich warten lässt, ärgert viele.

Wer eine Spielkonsole zu Hause hat, will die auch benutzen. Da verstehen einige Konsoleros keinen Spaß.

Grund 3: „MMORPGs sind am Ende und tot“

The Elder Scrolls Online

Ich bin noch lange nicht tot!

Der Genre-Wechsel von einem Solo-RPG zu einem MMORPG haben viele TESO nicht so recht verziehen. Sie sehen in MMORPGs nur eintönige Spielmechanik und den Item-Grind, ein Dauerzocken im Delirium und ohne Höhepunkte – damit können sie nichts anfangen. MMORPGs haben außerhalb des Genres einen ähnlichen Ruf wie Shooter außerhalb der Shooter-Szene. Der Spaß erschließt sich nicht jedem. Na gut, so geht es auch Golfern.

Gerade Pay2Play-MMOs sind kein Genre, in das man mal eben so reinschnuppert. Da gilt es, eine Hürde zu überwinden.

Grund 4: „Wegen TESO gibt’s kein Elder Scrolls 6“

Das Kernproblem vieler erboster Leser negativer TESO-News, die dann selbst in die Tasten greifen: Bethesda hat ein „Elder Scrolls 6“ nur verschoben, um jetzt The Elder Scrolls Online als MMORPG zu entwickeln und das an den Wünschen der Community vorbei.

Elder Scrolls Skyrim

Die Spieler haben hohe Erwartungen an ein „Elder Scrolls“-Game und genaue Vorstellungen davon. TESO sei zu linear, habe keine offene Welt, es gebe kein Justiz-System, die Handlung hätte keine bleibende Auswirkung – sind Kritikpunkte, die man häufig von Spielern hört, die sich, wenn schon ein MMO, dann ein Skyrim Online versprachen. Schon in den ersten Tests ärgerten sich Spieler und Tester, dass sie nicht die einzigen Helden in der Welt sind wie in den Singleplayer-RPGs, sondern da noch schlecht implementierte andere Spieler seien.

Grund 5: Gameplay-Gründe

TESO Welt

Sandkulissen ja, Sandbox nein.

Das ist wahrscheinlich eine Minderheit, man liest selten wirklich „faktische“ Gründe in den Kommentaren. Aber natürlich gibt es – wie bei jedem Spiel – auch „gute“ oder zumindest „bessere“ Gründe, ein MMO nicht zu mögen. Letztlich ist natürlich jeder Grund legitim. Vielen fehlt an The Elder Scrolls die Sandbox-Komponente. Dass die Welt zu linear sei, ärgert viele. Aber das ist nur einer von zahlreichen Kritikpunkten.

Das Spiel war und ist freilich nicht perfekt, was man auch an den großen Umbauarbeiten sieht, die Zenimax mittlerweile an TESO begonnen hat.

Grund 6: TESO hatte einen schlechten Start und dann war Funkstille

Der sechste Grund liegt teilweise daran, wie Medien über ein MMO berichten: Sehr frontlastig. Die Anfangszeit wurde von vielen Spielemagazinen begleitet. Genau in diese ersten sechs Wochen fielen schlechte Nachrichten von Exploits, Problemen mit dem Bezahlsystem, eine Verzögerung des Konsolenports um mehrere Monate. Seitdem ist es – wie bei MMOs üblich – deutlich ruhiger um das Game geworden. So mancher hat das Gefühl „Ich hör ja nichts mehr, das Game stirbt.“ Dass sich der allgemeine Vibe unter den Spielern verändert hat, dass Zenimax mittlerweile deutlich offener kommuniziert, regelmäßig neuen Content nachschiebt und sich einiges (aber nicht alles) zum Besseren geändert hat, weiß man „da draußen“ kaum.

Viele gehören wohl einfach nicht zur Zielgruppe

The Elder Scrolls Online

Fazit: Die heftige Kritik und Häme, die TESO entgegenschlägt, ist kein Einzel-Phänomen. MMOs müssen sich viel Negatives anhören, gerade Games, die auf ein Bezahlmodell setzen.

Bei TESO ist es allerdings besonders ausgeprägt und heftig. Sicher wird das Phänomen in diesem Fall dadurch verstärkt, dass es eine große Franchise ist, ein klangvoller und bekannter Name. Mit Elder Scroll verknüpfen viele Erinnerungen, jeder hat zu Spielen der Reihe eine Meinung und Erwartungen.

Bei TESO überrascht es dennoch, wie heftig die Kritik am Spiel ausfällt, gerade von Leuten, die es gar nicht spielen und wahrscheinlich nie gespielt haben, weil sie nicht zur Zielgruppe „MMO“ gehören. Und sogar wenn sie zu ihr gehörten, macht’s TESO mit einigen Design-Entscheidungen ihnen dann noch schwer. The Elder Scrolls Online ist spleenig und gerade im PvP und im Endgame alles andere als „Main-Stream“.

Offenbar kassiert ein Game, das nicht für einen gemacht wurde, noch mehr Dresche als eins, zu dessen Zielgruppe man gehört, das dann aber enttäuscht.

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