Wir fragten den ehrlichsten Spieler von EVE Online: Ist die Community wirklich so schlimm?

EVE Online ist dafür bekannt, dass man in dem Spiel niemandem vertrauen darf, sonst läuft man Gefahr, sein gesamtes Hab und Gut zu verlieren. Wir haben mit dem Spieler Chribba gesprochen, der von der Community den Titel “Ehrlichster Spieler von EVE” erhalten hat.

Das ist der Ruf der EVE-Community: Das MMORPG EVE Online gilt als eines der gnadenlosesten Spiele des Genres. In dem PvP-Sandbox-Spiel gedeihen Piraterie, Verbrechen und Ganking, die von der Community oft mit viel Freude ausgeübt werden.

Spieler veralbern sich gegenseitig, rauben sich aus, zerstören die lang angesparten Schiffe und Frachten. Es bilden sich große Fraktionen, die sich erbittert bekämpfen und riesige Schlachten mit Tausenden von Teilnehmern veranstalten. Kleine oder neue Spieler werden von Piraten-Gruppen gejagt und vernichtet.

Entsprechend erhielt EVE Online schnell den Ruf, äußerst toxisch und für Neulinge sehr frustrierend zu sein. Die Community sei echt unter aller Sau, meinen manche, denen direkt zum Start alles weggenommen wurde. Aber stimmt das auch so?

Community Managerin von MeinMMO, Irina Moritz, hat mit einem langjährigen EVE-Spieler über die Community des MMORPGs gesprochen und hier ist, was er uns zu erzählen hatte.

Chribba, der ehrlichste Spieler von EVE Online

MeinMMO: Hallo Chribba! Würdest du dich bitte unseren Lesern vorstellen? Wer bist du und was machst du so in EVE Online und außerhalb des Spiels?

Chribba: Hallo, ich bin der Lord of the Veldspar, Carebear Extraordinaire! Bitte beachtet, dass die Titel selbst vergeben sind! (lacht)

Ich spiele den Charakter namens Chribba in EVE, bin ein Solospieler seit 2004, der ein bisschen von allem macht. Aber am häufigsten findet man mich heutzutage beim Abbau von Mineralien und in Gesprächen mit meinen Mitspielern. Obwohl ich nicht mehr so aktiv bin wie früher, liebe ich einfach die gewaltfreie und positive Seite des Spiels, da es eine großartige Fluchtmöglichkeit aus meinem täglichen Leben als IT-Berater darstellt.

Im März 2020 erhielt Chribba für seine Community-Arbeit eine besondere Ehrung von den Entwicklern von EVE Online. Eine riesige Statue, die seinem Charakter darstellt, wurde im Asteroiden-Gürtel in Amarr errichtet (siehe Titelbild).

MeinMMO: Wie bist du zum ersten Mal auf EVE gestoßen? Und was hat dich so viele Jahre im Spiel gehalten?

Chribba: Ich bin durch reines Glück in New Eden gelandet. Ich war ein großer Fan von David Brabens Elite II und First Encounters und sah 2003 einen Artikel über EVE. Ich fand, dass es diesen Spielen sehr ähnlich sah, also beschloss ich, es auszuprobieren und wurde sofort süchtig.

Der wichtigste Grund, warum ich all die Jahre weitergespielt habe, ist die Community und dass ich mich durch das Solo-Spielen nicht gezwungen gefühlt habe, etwas zu tun, was ich nicht tun wollte. Dadurch wurde eine gute Balance zwischen dem echten Leben und dem Spiel geschaffen.

MeinMMO: Warum bist du in EVE als “der ehrlichste Spieler” bekannt?

Chribba: Im Laufe der Jahre habe ich geholfen, Transaktionen von hohem Wert im Spiel zu erleichtern, sodass die Leute mir in einem ansonsten betrugsfreundlichen Universum vertraut haben. Wenn Sie einen Titan oder Super Carrier sicher kaufen oder verkaufen wollten, war ich die Person, die Ihnen dabei helfen konnte – gegen eine Gebühr natürlich.

Später begann ich, Freunden bei einigen hochwertigen Transaktionen als Broker zu helfen. Mutterschiffe und Titanen konnten damals nicht in Stationen gehandelt werden und mussten draußen im freien Raum den Besitzer wechseln.

Da mein Name in der Community dank meiner Webseiten wie EVE-Files (File Hosting Service) oder EVE-Offline (Player monitoring) als hilfsbereiter Mensch bekannt war, hatte ich mir bereits einen kleinen Namen als “ein netter Kerl” gemacht, und das entwickelte sich zu einem vollwertigen Maklergeschäft. Mein Ruf wuchs immer weiter, da immer mehr Piloten sich meinen Brokerdiensten anvertrauten, um nicht betrogen zu werden oder in Fallen zu tappen.

Als mein Brokering wuchs, wurde es zu einer Art Rückkopplungsschleife, in der ich mehr Geld mit der Ehrlichkeit verdiente, als ich je mit Betrug hätte verdienen können. Es hätte also keinen Sinn, jemanden zu betrügen, da das sofort alle Transaktionen beenden würde. Die Ehrlichkeit sorgte also auch dafür, dass das Geld weiterfloss.

Die großen Schiffe wie Titanen oder Super Carrier kosten in EVE ungeheure Mengen an Geld. Es dauert für die Spieler oft Jahre, um genug Ressourcen für sie zu sammeln und die nötigen Skills zu erlernen. Die Deals, bei denen mit solchen Schiffen gehandelt wird, sind daher äußerst riskant. Die Chancen, dass man hintergangen und ausgeraubt wird, sind oft sehr hoch. Chribba bot mit seinen Diensten beiden Parteien die Sicherheit, dass sie nicht über den Tisch gezogen werden.
eve online titan friedhof schlacht header
So sieht ein Schiff der Titan-Klasse aus

Die Community von EVE und ihr Ruf

MeinMMO: Für viele Gamer hat die Community von EVE den Ruf, hinterlistig, toxisch und generell unfreundlich gegenüber neuen Spielern zu sein. Was davon ist deiner Meinung nach wahr und was ist falsch?

Chribba: Meiner Meinung nach ist das Meiste davon richtig, allerdings nur für Außenstehende. Die Community mag nach außen toxisch und nicht einladend wirken, aber in Wirklichkeit ist sie es nicht. Die Schwelle, um hineinzukommen, ist nur ein bisschen höher als bei anderen Spielen.

Die Community verrät, verarscht und zerstört fast alles, was ein Pilot haben kann. Aber ich denke auch, dass es das ist, was EVE abhebt und interessant macht. Ich sehe täglich auch viel schlimmere Toxizität in anderen Spielen als in EVE.

Ich habe auch das Gefühl, dass die Dinge, die im Spiel passieren, dort bleiben und jeder weiß, dass es ein Teil von EVE ist. Bei Spielertreffen im wirklichen Leben habe ich gesehen, wie sich eingeschworene Feinde umarmen und bei einem Drink über die alten Streitereien im Spiel lachen, während sie gemeinsam einen Plan aushecken, wie sie das nächste Opfer im Spiel zerstören können.

Du wurdest also betrogen und bist jetzt verärgert? Du kannst aber jederzeit einen langjährigen Racheplan schmieden und damit in die Geschichtsbücher eingehen. Das ist das Schöne, was viele Außenstehende vielleicht nicht sehen oder verstehen.

MeinMMO: Als jemand, der der Community von EVE viel gegeben hat, hast du auch schon Mal als Dank etwas zurückerhalten?

Chribba: Die Liebe der Community ist für mich genug, also bekomme ich jedes Mal etwas zurück, wenn ich mich einlogge.

Ich genieße es nicht besonders, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, aber es ehrt mich. Ich sehr glücklich über all den netten Leuten da draußen, von den kleinen Danksagungen im Spiel bis hin zu den Leuten, die Selfies im echten Leben wollen.

Es ist alles der Community zu verdanken, dass ich in der Lage war, mein Vermächtnis zu schaffen. Ich bin zufrieden mit dem, was ich getan habe, und das ist genug für mich. Außerdem ist das Denkmal, das CCP von mir im Spiel aufgestellt hat, wirklich etwas, von dem ich nur träumen konnte und von dem ich glaube, dass es ohne die Community (und natürlich die großartigen Entwickler bei CCP) nicht möglich gewesen wäre.

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Weitere Bilder der Statue von Chribba

MeinMMO: Was ist deine Lieblings-Story oder der beste Deal, den du vermittelt hast in EVE und die besonders spannend waren?

Chribba: Ich bin mir sicher, dass noch viel mehr Geschichten in meinem Gedächtnis eingeschlossen sind, an die ich mich nicht erinnere, aber ich bin sehr angetan von einem “gefälschten” Superträger-Handel, der von Pandemic Legion angefordert wurde. Er endete damit, dass ich getötet und ins Weltall geschleudert wurde.

Die Tatsache, dass sie Zeit und Mühe darauf verwendet haben, mich auszutricksen und danach die Aufregung ihrer Flottenmitglieder zu hören, als die Falle zuschnappte, sorgt für ein großartiges Erlebnis, trotz des Verlustes meines Schiffes und meines Klons.

Ich sehe das als ein großartiges Beispiel für den Einfallsreichtum von Spielern und ihre Fähigkeit, ihre eigene Geschichte zu erschaffen. Außerdem waren sie so nett, mich zu fragen, ob ich bereit wäre, den Handel mit meiner eigenen Leiche zu vermitteln. Nachdem sie mir natürlich den Vorzug gegeben hatten, sie zu kaufen, wenn ich wollte.

In EVE Online können die Spieler neben ihrem aktuellen Körper auch Klone besitzen. Wenn der Spieler irgendwo im Weltall stirbt und seine Rettungskapsel (“Pod”) zerstört wird, wird der “Medical Clone” aktiviert, der keinerlei Implantate oder Upgrades besitzt. Diese werden in dem Pod zerstört. Wenn man also seine Implantate nicht verlieren möchte, muss man versuchen, seine Rettungskapsel in Sicherheit zu bringen.

MeinMMO: Du hast EVE über viele Jahre hinweg gespielt. Wie haben sich das Spiel und die Spieler während dieser Zeit verändert? Was blieb genauso wie früher?

Chribba: Ich habe das Gefühl, dass die allgemeine Einstellung in der Community weitgehend gleich geblieben ist. Dafür bin ich sehr dankbar, weil ich denke, dass es im Kern auch das ist, was EVE so reizvoll macht. Es ist ein rücksichtsloses Spiel, aber die Belohnung, die ein Spieler haben kann, ist einfach auf einem völlig anderem Level.

Ich denke allerdings (und das ist wahrscheinlich eine allgemeine Sache im Leben), dass neuere Spieler heutzutage nicht so geduldig sind wie Veteranen. Und leider zeigt sich das meiner Meinung nach auch an dem Geschäftsmodell, das CCP im Laufe der Zeit einführen musste (vor allem durch den Kauf von Skillpoints und Skins).

Aber ich kann nicht sagen, dass ich es vermisse, einen Wecker für 3 Uhr morgens zu stellen, um Skills zu wechseln, nur weil wir damals keine Skill-Queue hatten.

“Vertraut niemandem – Außer mir!”

MeinMMO: In einem älteren Interview mit PCGamer hast du erzählt, dass dein Broker-Business durch ein Update von den Entwicklern obsolet gemacht wurde. Wie hat es deine Gaming-Karriere in EVE beeinflusst?

Chribba: Auf eine positive Weise. Je nachdem wie man es sieht, hat die Einführung der Zitadellen im Grunde das gesamte Maklergeschäft über Nacht getötet. Aufgrund meines echten Lebens war meine Investition in das Spielen bereits beeinträchtigt, sodass die Einführung der Zitadellen in gewisser Weise den Druck von mir nahm, was eine gute Sache ist.

Es gibt immer noch ein paar Maklergeschäfte, aber sie sind minimal und beziehen sich hauptsächlich auf den Handel mit Zitadellen selbst. Sie sind im Grunde aber nahezu nicht mehr vorhanden, sodass ich jetzt fast ausschließlich Materialien abbaue, um mich zu entspannen und ein paar gute Gespräche mit anderen Spielern zu führen.

Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt voll und ganz dem reinen “Ship Spinning” treu bin. Als Solospieler habe ich auch nicht mehr so viele Ziele vor Augen, sodass ich mir jedes noch so kleine Stück in meinem eigenen Tempo nehmen kann. Außerdem ist es immer schön, mit neuen Spielern, die mich vielleicht nicht kennen, in Erinnerungen zu schwelgen und Geschichten zu erzählen, die nicht oft erzählt werden.

Ship Spinning, besser bekannt als Station Spinning: Eine Tätigkeit in EVE, bei der ein Spieler an einer Station angedockt ist und die Kamera manuell oder automatisch um sein Schiff herum dreht. Das passiert normalerweise, wenn der Spieler nur am Chatten ist oder auf eine Flotte wartet. In einem Update fügten die Entwickler einen Zähler hinzu, der am unteren Bildschirmrand erscheint, wenn man die Kamera mehr als 10 Mal in eine Richtung um das Schiff herum dreht.
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Und so sieht Ship Spinning in Action aus

MeinMMO: Welche Tipps würdest du als erfahrener Spieler den Leuten geben, die generell an EVE interessiert sind, sich aber nicht trauen, damit anzufangen (wie ich zum Beispiel)?

Chribba: Ich denke, der beste Rat, den ich Neulingen geben kann, ist, sich Zeit zu nehmen und bereit zu sein, Zeit zu investieren. Casual Gameplay ist sicherlich möglich, aber die Belohnungen sind gering. Eine größere Zeitinvestition wird euch eine wirklich einzigartige Erfahrung eröffnen, die EVE von den meisten anderen Spielen unterscheidet.

Seid darauf vorbereitet, eure Schiffe und Gegenstände zu verlieren. Es ist ein Teil der Gestaltung eurer Spielerfahrung. Aber nur weil du alles verloren hast, bedeutet das nicht, dass du dich nicht bei jemand anderem revanchieren und all seine High-End-Module plündern kannst. Also fliegt nichts, was ihr euch nicht leisten könnt zu verlieren.

Für Neulinge, die sich überfordert fühlen (wegen der schieren Komplexität, die man erleben kann), hat EVE auch eine der besten Communitys da draußen, um Ihnen zu helfen. Ihr könnt zum Beispiel der von Spielern betriebene EVE University beitreten (die gerade ihren 17. Geburtstag gefeiert hat). Die Spieler dort werden euch alles beibringen, was ihr wissen müsst, bis ihr euch entscheidet, euch auf eigene Faust zu wagen oder vielleicht sogar selbst zum Lehrer zu werden.

Und zu guter Letzt, und am wichtigsten, vertrauen Sie niemandem, außer mir natürlich!

Wir bedanken uns herzlich bei Chribba für das Interview. Es war uns eine Freude, mit ihm über EVE und seine Community zu reden.

Obwohl es dort oft heftig zugeht und Spieler in riesigen Kriegen gegeneinander antreten, ist der Chef des MMORPGs der Meinung, dass EVE einen positiven Einfluss auf seine Spieler hat:

Chef eines MMORPGs sagt: „EVE verändert Leben der Spieler zum Besseren“

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Prim

Ich habe 6 Jahre EVE gespielt vertrauen durfte man nimanden und war schon lange Toxisch aber man Investiert kein Ingame Währung in ein Schiff das man sich nicht leisten kann und in meiner Zeit waren sicherlich Schiffe noch Teurer udn Titanen keine Massen Produktion.
Als PvP aus dem Ruder lief und nur noch um Kill Mails wichtig waren habe ich und vele andere Spieler aufgehört EVE zu Spielen.
War selber von Alpha bis 2012 dabei gewesen……

Chafaris

Nicht böse sein, aber für mich klingt es so als hättest du den Artikel nicht komplett gelesen 😉

Back to topic:

Der interviewte Spieler hat mit einer Sache extrem recht. Was im Spiel passiert, bleibt im Spiel. Keine andere Community hat das System „was im Spiel passiert, bleibt im Spiel“ so sehr verinnerlicht wie die Eve Community.

Wer sich im Spiel gnadenlos jagt, trinkt im RL gemeinsam was und legt sich in den Armen.

Auch die Fürsorge für Spieler, welche mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen haben, ist nirgendwo anders in dieser Form zu finden.

Alles in allem eine wunderbare Community!

Prim

warum sollte ich bse sein für deine Meinung 🙂
Ich spiele seid 20 Jahren MMOs und habe sogar noch Gilden Treffen mitgemacht und dabei kannst du einige Böse auch Positive Überraschungen erleben.
Menschen verhalten sich oft im Spiel ähnlich wie in RL man könnte sagen MMOs sind ein Psychologischer Test in unserer Zeit.
Mich Fasziniert schon Psychologie seid meiner Jugend.
Ich stimme dir nur soweit zu das einige Bereit sind alle Facetten eines Spiel zu Testen aber oft Spielen solche Spieler nie lange genug.
Ich habe immer Länger ein MMO gespielt aber in unserer Zeit oft nur 1-2 Monaten dann geht halt auch bei mir die Lust verloren.
Meine Erfahrung ist aber geneu das gegen teil Krasse ausnahmen sind Morddrohungen usw. selbst in verschiedenen MMOs mitbekommen.
Die COM. war bei mir damals oft schon Gruselig hab es mit 3 Acc. 6 Jahre lange gespielt nur die du aus RL kennst kannst du Einschätzen.

Prim

Zum Glück so etwas nicht erlebt aber so was gehört.
Aber man sieht Menschne in RL und wenn man sie Kennt ist man auch oft entäuscht,denn sie waren oft anders als die sich in Spielen verhielten.
Ingame haben sie gehoöfen aber man kam mit im RL waren sie total anderes verhalten.

Billy TheBischop

EvE ist eben ein gefährliches Spiel. Fehler werden sofort bestraft. Oder manchmal dauert etwas länger. Aber es ist einfach nur genial.

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