MeinMMO-Autor Cedric Holmeier ist leidenschaftlicher Rollenspieler und häufig derjenige am Tisch, der den Ton angibt. Doch für 40 Abenteuerpunkte tauschte er seine größte Stärke ein und rettete damit seine Rollenspiel-Runde.
Ich habe gesündigt. Ich war gierig. Ich wollte 40 Abenteuerpunkte, um sie in coole Talente für meinen Charakter zu stecken. Dafür habe ich meine größte Stärke hergegeben: Meine Stimme.
Wer Das Schwarze Auge kennt, weiß, dass man Charakteren Nachteile geben kann, um dafür Abenteuerpunkte zurückzuerhalten, die man dann in andere Werte investieren kann. Sie sind eine Mischung aus Erfahrungs- und Skillpunkten und werden neben dem Start auch nach erfolgreichen Abenteuern verdient. Mir fehlten für meinen Boron-Akoluthen noch 40 Punkte. Entsprechend wälzte ich mich durch die Nachteile, bevor ich mich für ein Schweigegelübde entschied.
„Leicht verdiente Punkte“, dachte ich mir. „Dann nicke ich halt einfach.“
Normalerweise bin ich der „Main-Character“ in der Runde. Ich reiße Gespräche an mich, ich verhandle, ich diskutiere, ich bin laut. Mein Schweigegelübde würde also alles am Tisch verändern, doch ich war bereit für die Herausforderung. Was als reine Punkte-Gier begann, sollte sich bald als die beste Idee für meine Rollenspiel-Runde herausstellen.
Wer Tabletop-RPGs wie Das Schwarze Auge oder Dungeons & Dragons mag, könnte auch Gefallen an Critical Roles Daggerheart finden:
Einfach mal machen
Meine Mitspieler wussten nichts von meinem Schweigegelübde, als die Runde begann. Ich ließ sie einfach ganz normal auf meinen Charakter treffen. Doch schon diese Begegnung war ungewohnt: Statt mich imposant vorzustellen, ließ ich meinen Charakter nur lächelnd nicken.
Während meine Mitspieler erst nach und nach begriffen, dass ich sie heute nicht acht Stunden lang volllabern würde, musste ich selbst erst lernen, mit mir und meinem Charakter umzugehen. Das begann schon, als wir zu unserem ersten Auftraggeber sollten. Noch vor der Tür zum Thronsaal diskutierte die Gruppe, wie man jetzt am besten auftreten solle – und zwar minutenlang.
Da erkannte ich eine Superkraft, die ich bislang nie genutzt hatte: Einfach machen.
Noch bevor meine vier Mitspieler ihren Konsens über den gemeinsamen Auftritt fertig diskutiert hatten, ließ ich meinen Charakter die Türe öffnen und eintreten. Meine Mitspieler blieben verdutzt zurück, bevor sie hastig nacheilten.
Diese Superkraft nutzte ich später immer wieder. Mein Charakter hörte der Gruppe stets zu, antwortete auch mal mit einem Nicken – aber wenn er etwas tun wollte, tat er es. Auch ohne den Segen aller Mitspieler.

Boron vergib!
Das ging natürlich nicht immer gut. Etwa, als ich eine ungläubige Hexe enthaupten wollte, statt sie zu befragen. Wer hätte auch damit rechnen können, dass mein Schweigegelübde anschließend durch die Verwandlung in einen Frosch und ein lautes Quaken gebrochen würde? Boron vergib.
Mein Charakter war ein Störfaktor in der Gruppe. Meine Mitspieler waren nicht gerade begeistert, dass ich mich nicht immer ihren Ideen anschloss, sondern manchmal einfach handelte. Aber mein Charakter schuf Fakten – und das vor allem im positiven Sinne. Statt sich minutenlang die beste Strategie zu überlegen, sorgte er mit seinen unbedachten Taten für spontane Momente, Improvisation und Chaos. Alles Dinge, die in großen Gruppen häufig zugunsten eines „perfekten Plans“ verloren gehen.
Wichtig ist dabei: Mein Charakter hat der Gruppe nie aktiv geschadet. Das typische „My Guy Syndrom“, bei dem ein Spieler destruktiv handelt, nur „weil der Charakter halt so ist“, hat am Spieltisch keinen Platz.
Im Gegenteil: Proaktives Handeln, das lange Diskussionen ersetzt und Fakten schafft, tat der Gruppe gut. Dabei habe ich gelernt, dass ich zwar früher durch meinen dominanten Redeanteil glaubte, den größten Einfluss zu haben. In Wahrheit bestimmt aber derjenige das Spiel, der die Würfel rollt – und dafür braucht es nicht mal ein einziges Wort.
Echte Rollenspiele leben immer davon, wie gut die Menschen am Tisch sich in einen Charakter hineinversetzten können und auch mit den Nachteilen dieser Rolle umgehen. In einem anderen Fall kann man dabei aber nur den Kopf schütteln: Ihre „Freunde“ zwingen sie dazu, eine Heilerin in D&D zu sein, dabei will sie nur viele Würfel schmeißen und dick Schaden austeilen
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Die Geschichte ergibt für mich nicht so ganz Sinn. “Das typische „My Guy Syndrom“” von dem höre ich heute zum ersten mal. Besagt aber wohl das man genau das nicht tun soll “Handeln, das lange Diskussionen ersetzt und Fakten schafft”. ? Grundsätzlich ist Rollenspiel dafür da eine Rolle zu spielen und nicht sich selbst. Wenn ich einen chaotischen Charakter spiele sollte man sich auch teils chaotisch verhalten und andersrum. Das sollte die Diskussion sein und nicht die MyGuy / AntiMyGuy Diskussion.
Aber wal was anderes. “Einfach machen” wünscht man sich teilweise als DM wenn stundenlang im Kreis diskutiert wird was man wie am besten macht ohne das was bei rauskommt. Manchmal hat man dann auch noch den Gedanken, Leute ihr habt eh nicht genug Infos um das richtig zu machen. “Einfach machen” ist dann auch nicht der beste Weg, die Lösung ist eigentlich simpel wird aber oft nicht gemacht, weitere Informationen beschaffen.