Streamer-Boxkämpfe funktionieren so gut, weil es uns genau das gibt, was Twitch ausmacht

Streamer-Boxkämpfe funktionieren so gut, weil es uns genau das gibt, was Twitch ausmacht

Ein neuer Trend aus Übersee macht sich in der deutschen Streamer-Szene breit: Boxen. Das Mega-Event zwischen den Streamern Trymacs und MckyTV zog viele hunderttausende Zuschauer an und dabei lief es nicht einmal auf Twitch oder YouTube. MeinMMO-Autor Maik Schneider war vom Event ebenfalls fasziniert und denkt, dass solche Events genau das sind, was Zuschauer wollen.

Mein generelles Interesse an Streams ist eher gering. Ich verfolge die deutsche Streamer- und YouTuber-Szene zwar ein wenig, schaue jedoch eher Zusammenschnitte und Reactions als wirklich live auf Twitch dabei zu sein.

Der Boxkampf bei „The Great Fight Night“ zwischen Trymacs und MckyTV hat mich aber doch gereizt. Ich habe fast das ganze Event gesehen und fand es sehr unterhaltsam – es waren vielleicht ein paar „Interviews“ zu viel.

Mein eigenes Interesse an dem Event hat mir verdeutlicht, wie einfach das Rezept für einen erfolgreichen Stream manchmal sein kann: Mach ein Crossover, zeig Emotionen und lass dich beim Scheitern beobachten.

Promi-Boxkämpfe sind ein Geheimrezept, das überall bekannt ist

Es hat eine Weile gedauert, bis die Boxkämpfe bei den deutschen Streamern angekommen sind. Der Entertainer Stefan Raab wusste bereits 2001 bei seinem Kampf gegen die Profi-Boxerin Regina Halmich, dass er hier einen Hit landet.

7,74 Millionen Zuschauer sahen sich den ersten Kampf 2001 an, inklusive Nasenbruch bei Raab. Das „Comeback der Killerplautze“ 2007 schauten sogar bis zu 10 Millionen Fernsehzuschauer. Raab fuhr mit einem 8-Tonnen-Panzer in die Halle (via presseportal.de).

Damals wie heute gilt das Rezept: Lass die Leute sehen, wie du scheiterst. Je mehr Emotionen dabei gezeigt werden, desto besser. MeinMMO-Autor Schuhmann hat zu dem Thema ein Special geschrieben und erklärt in dem Zusammenhang, warum der bunte Titel Fall Guys 2020 durch die Decke ging:

Fall Guys ist der neue Hit auf Twitch, weil wir es lieben, wenn andere versagen

Wenn Promis boxen, lockt das seit 20 Jahren Zuschauer an

Streamer-Boxkämpfe bieten genau das, was Twitch ausmacht: Unbändige Emotionen, Protagonisten am Rande ihrer Zurechnungsfähigkeit und am Ende „scheitert“ einer der beiden Kämpfer.

Es gab dabei schon einige solcher Streamer- / Influencer-Events, die für unfassbar viel Aufmerksamkeit sorgten:

  • Logan Paul im Schaukampf gegen Floyd Maywether
  • Ibai streamte auf Twitch ein Event wie „The Great Fight Night“ (via dotesports.com)
    • Erreichte mehr als 1,5 Millionen gleichzeitige Zuschauer auf Twitch – bis heute der zweithöchste Wert (via twitchtracker.com)
  • Leon Machère und StandartSkill boxten sich auf YouTube im Februar 2022
    • Berichten zufolge erreichte der YouTube-Stream über 770.000 gleichzeitige Zuschauer (via esports.com).

Zum Vergleich: 2020 galt der Twitch-Rekord vom Horrorcamp von Knossi und Konsorten mit knapp 330.000 Zuschauer als ein großer Meilenstein unter deutschen Streamern.

Trymacs ließ verlauten, dass „The Great Fight Night“ um die 500.000 Zuschauer vor den Bildschirm brachte (via instagram.com). Und das Event lief nicht einmal auf den üblichen Streaming-Plattformen der Zielgruppe, sondern auf joyn, einem Projekt des deutschen Privat-Fernsehens.

Mehr zum Erfolgszug von Twitch erfahrt ihr in unserem Video zum Thema:

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3 Dinge, die Boxkämpfe auf Twitch erfolgreich macht

  • 1. Die emotionale Bindung

Wir schauen oder verfolgen Influencer, weil sie uns in Teile ihres Lebens blicken lassen. Manche weniger, manche mehr – einige komplett und fast ohne Kompromisse.

Menschen wollen gern Dinge über andere Menschen erfahren. Die Person muss dabei nicht mal besonders sympathisch sein. Oft sind es die gezeigten Emotionen und die Gründe hinter Reaktionen, die uns an einen Streamer oder Promi fesseln. Denn die Aktionen führen wieder zu Emotionen beim Zuschauer.

Man möchte das Leben des Streamers weiter verfolgen und weiß mit der Zeit, welche Emotionen diese Menschen in uns auslösen. Gefallen einem die Emotionen, dann bleiben wir dran.

Zu sehen, wie sich 2 Amateure über Monate mit dem Training beschäftigen und alle Hemmungen in einem Boxkampf fallen lassen, ist anziehend.

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  • 2. Wir sehen gern beim Scheitern zu

Besonders das Scheitern kommt oft gut an. Weil es auf der einen Seite oft unterhaltsam ist, auf der anderen Seite aber auch spannend, wie die Leute damit umgehen.

Ein Streamer mit Schwächen macht dabei oft einen sehr sympathischen Eindruck, weil das viel „Menschlichkeit“ verspricht und auch für Selbstbewusstsein steht, wenn man mit seinem Scheitern klarkommt.

Box-Amateur Trymacs ist dafür ein gutes Beispiel – er ist einer der größten Streamer in Deutschland. Er ist bekannt für seine „Fails“, über die man gerne lacht – wenn man nicht durch manch ungeschickte Aktion getriggert ist.

In einem Boxkampf gibt es am Ende mindestens einen Verlierer. Schon die Aussicht darauf, einen Streamer auch mal körperlich scheitern zu sehen, sorgt für viel Interesse.

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  • 3. Crossover

Ein weiteres, etwas greifbareres Konzept sind Crossover. 2 bekannte Streamer machen irgendwas zusammen. Wenn die Beteiligten sich besser kennen, gibt es bereits große Schnittmengen bei den Zielgruppen.

Das bringt den Zuschauern meist einen spannenden Mehrwert und ist auch für die Streamer oft lohnenswert, wenn ein paar Follower vom Crossover-Partner abfallen.

Bei einem Boxkampf kommt sogar noch das Genre-Crossover dazu. Es gibt nicht nur 2 Streamer zu sehen, sondern die Protagonisten befinden sich dazu noch in einer vollkommen ungewohnten Rolle. Man kann gar nicht genau abschätzen, wie sie sich verhalten, wie sie reagieren.

Die Ungewissheit stellt dabei einen weiteren Faktor dar, warum Boxen unter Streamern oder bekannten Promis so anziehend sind.

Der Boxkampf zwischen Trymacs und Micky war für mich dann nicht einmal das Highlight des Abends. Das ganze Event war ein Mega-Crossover der deutschen Streamer-Szene und viele große Namen waren vor Ort in Köln.

Knossi macht Blödsinn mit Monte, UnsympathischTV beschwert sich über die Preise an der Bar, Tanzverbot führte ein peinliches Interview mit Marc Gebauer, der im weißen Anzug durch die Menge wandelte. Dazu der erste, harte Kampf zwischen Rumathra und Vlesk inklusive KO-Schlag.

Wirklich „gescheitert“ sind an diesem Abend meiner Meinung nach nur eingestellten Kommentatoren und Moderatoren vom Fernsehen – Rumathra wurde von den Offiziellen vor Ort nicht einmal richtig ausgesprochen.

Eine kurze Zusammenfassung des Events findet ihr hier: 2 Twitch-Streamer boxen gegeneinander – Sieht aus, wie David gegen Goliath und es fließt Blut

Wie denkt ihr über Boxkämpfe zwischen Streamern und den Gründen, warum das so gut bei den Leuten ankommt? Lasst uns gern ein Kommentar mit eurer Meinung zum Thema da.

Der Hintergrund des Titelbildes stammt vom Twitter-Account von @mcky_tv.

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TukTukTeam

Das Einzige was dieses Spektakel mal wieder eindrucksvoll bewiesen hat ist auf welchem Niveau sich der Kosmos von Streamern, Youtubern und Influencer zum großen Teil bewegt. Das Ganze Event ist wie ein schweres Zugunglück in Zeitlupe mit 500.000 Gaffern.

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