Das Rollenspiel Rogue Trader vermittelt die grimmige Welt von Warhammer 40.000 so gut wie kaum ein anderes Spiel – und das mit erschreckender Ehrlichkeit. MeinMMO-Redakteur und Warhammer-Experte Benedict Grothaus hat den neuen DLC „The Infinite Museion“ vorab gespielt und kam selbst als abgebrühter Fan mehrmals ins Stocken.
Mittlerweile dürften die meisten von euch wissen, dass Warhammer eine Welt ist, in der es einfach nichts „Gutes“ gibt. Ja, wirklich alles ist schrecklich – das ist die ganze Prämisse. Niemand soll dort leben wollen.
Genau das macht aber die Faszination aus und Rogue Trader vermittelt die Welt wie kaum ein anderes Spiel, der ideale Einstieg in das Setting. Wenig verwunderlich also, dass ich schon über 290 Stunden in dem RPG verbracht habe, etwa 12 davon im neuen DLC.
Owlcat hat uns eingeladen, den neuen DLC „The Infinite Museion“ bereits vorab zu spielen, und obwohl ich weiß, dass das Studio und sein Chef viel Wert auf loregetreue Darstellungen setzen, musste ich einige Texte doch mehrmals lesen. Ist das Imperium wirklich SO irre?
Die nüchterne Erkenntnis: Ja, ist es.
Der Tod befreit dich nicht vom Dienst für das Imperium
Eine Kleinigkeit vorab: Die Entwickler haben mir einige Savegames zur Verfügung gestellt, um alle Inhalte ansehen zu können. Ich habe nicht den gesamten DLC durchgespielt. Außerdem versuche ich, Story-Spoiler so weit wie möglich zu vermeiden – allein, weil alles, was ich gesehen habe, definitiv wert ist, es selbst zu erleben.
Eines der prägendsten Erlebnisse fand dabei auf einem neuen Planeten statt, einem Dschungel-Planeten, der genauso gut eine Todeswelt wie Catachan sein könnte. Pflanzen haben hier die Macht übernommen und versuchen, alles zu verschlingen.
Die wenigen Menschen, die es dort noch gibt, sind Nachfahren eines Trupps des Astra Militarum und selbst nach so vielen Jahrzehnten (oder Jahrhunderten) folgen sie noch treu dem letzten Befehl, der gegeben wurde. Ich verrate euch nicht die ganze Story, die dort stattfindet, nur ein Detail, das ich entdeckt habe:
Weil die Menschen täglich ums Überleben kämpfen, abgeschnitten vom Rest des Imperiums, müssen sie alles verwerten, was irgendwie geht. Ja, auch die Leichen ihrer Gefallenen. Wir wissen ja bereits, dass Menschen zu Leichenstärke verarbeitet werden, aber Owlcat setzt noch eins drauf.
Die Leichen werden auf diesem Planeten in Pflanzen-Kokons gesperrt, in denen sie langsam zersetzt werden. Haut, Knochen und Sehnen werden zu Ausrüstung verarbeitet, aus der geschmolzenen Bio-Suppe machen die Menschen Medizin, Gifte und sogar Nahrung. Und ja: Jeder der Soldaten dort kennt sein Schicksal und dient gerne, selbst nach dem Tod noch.



Warhammer 40.000 nimmt „Human Ressources“ wörtlich
Ich bin mir nicht sicher, ob es das besser oder schlimmer macht, aber der neue Begleiter Eogunn Februs hat eine ähnliche Einstellung zum Tod. Dieser ist ein Genetor Extremis des skurrilen Adeptus Mechanicus. Stellt ihn euch vor wie einen Ripperdoc aus Cyberpunk 2077, nur mit deutlich weniger Mitgefühl.
Milde Spoiler-Warnung zur Handlung in Eogunns erster Quest. Ich verrate euch aber zumindest nicht das Ende. Hier springt ihr zum Teil nach dem Spoiler.
Eogunn landet als eine Art geliehene Hilfe beim Freihändler, um Augmentierungen vorzunehmen, beschäftigt sich aber nebenbei im medizinischen Flügel – unter anderem, indem er drei Diener des Schiffs … „rettet“:
- ein Wachsoldat, der von einer Granate zerfetzt wurde, auf die er sich schützend geworfen hat
- ein Prediger, dem von einem Ketzer buchstäblich die Kehle herausgerissen wurde
- und eine Art Kanalarbeiter, der ein Leck gedichtet hat, um seine Einheit zu schützen, und dabei eine tödliche Blutvergiftung erlitten hat
Der Genetor weigert sich aber, hinzunehmen, dass so etwas Banales wie der Tod wertvolle Ressourcen des Imperiums verschwendet. Also entscheidet er sich, die drei einfach zu zerlegen und aus den noch brauchbaren Teilen – zusammen mit Ersatzteilen aus gesegnetem Stahl – einfach einen noch funktionierenden Diener zu bauen.
Space Marines sind es ja gewohnt, selbst nach dem Tod noch dienen zu müssen. Dass das gleiche Prinzip auch auf „entbehrliche“ Ressourcen wie Menschen anwendbar sein könnte, habe ich selbst Warhammer so nicht zugetraut. Normalerweise werden die nur zu lobotomierten Cyborgs gemacht.



„Kurz gesagt: Das Imperium ist der Sinn des Lebens?“
Um das alles jetzt noch in den düsteren, sarkastischen Rahmen des Settings zu setzen: Nach der Quest gibt es ein kurzes Gespräch mit Eogunn über das Ergebnis des Experiments und die Gemeinsamkeiten von Menschen und Gebrauchsgegenständen.
Zugleich bietet Eogunn noch die Möglichkeit zur Debatte an, Thema: der Sinn des Lebens. Für Eogunn ist die Antwort dabei „trivial“, wie er selbst sagt: Der Sinn des Lebens besteht schlicht in deiner Aufgabe innerhalb des Imperiums.
Falls ihr noch nicht sicher wart, wie dystopisch Warhammer 40.000 wirklich ist, dürfte diese Antwort dabei helfen. Im Anschluss habe ich ihn übrigens schlicht gefragt, ob er auch meine Glühbirnen wechseln könnte. Ja, kann er. Nur so nebenbei.
Nach 260 Stunden nochmal haufenweise Gründe, um erneut zu spielen
Was für „normale“ Menschen vielleicht wie der absolute Wahnsinn klingt, entlockt mir als Warhammer-Fan eine morbide Faszination und einen tiefen Respekt dafür, wie stark Owlcat die abstruse Welt beschreiben kann. Der Chef hat mir schon zuvor erklärt, warum wirklich niemand im Imperium leben will oder kann – Rogue Trader zeigt es zusätzlich noch.
Allerdings bietet der DLC noch deutlich mehr als einfach nur deprimierend ehrliche Lore. Was ich vom Gameplay gesehen habe, hat mich mindestens ebenso sehr begeistert:
- Einer der geheimen Begleiter wurde überarbeitet und hat nun thematisch passende Fähigkeiten, die vor allem die Häretiker unter euch freuen dürften.
- Trazyn der Unendliche, der legendäre Necron-Sammler, ist eine zentrale Figur des DLCs und der neuen Story.
- Sein namensgebendes Museum selbst bietet haufenweise Exponate, die zwar nur als Details am Rand herumstehen, aber Fans sicher das ein oder andere: „Oah, okay, das ist cool“, entlocken können.
- An einigen Stellen gibt es neue Cutscenes, teilweise mit überraschend groovigen Gesangseinlagen.
Dazu kommt das Augmentierungs-System, mit dem (fast) jeder Charakter mit neuen Fähigkeiten versehen werden kann … und welches an sich schon wieder zeigt, wie kaputt die Welt ist. Statt wie in Cyberpunk 2077 einfach einen coolen Gorilla-Arm oder Mantisklingen zu bekommen, reißt euch der Augmentierungs-Thron kurzerhand den ganzen Arm ab und ersetzt ihn durch Metall.



Und ja, ein Zurück gibt es dann nicht mehr, zumindest nicht vollständig. Ihr müsst also genau überlegen, ob sich die neuen Vorteile wirklich lohnen oder ob ihr nicht doch lieber euren vom Imperator gegebenen Körper behalten wollt.
Was haltet ihr von der grimmigen Darstellung? Seid ihr Fan von der völlig übertriebenen Dystopie von Warhammer 40.000 oder ist euch das zu viel? Lasst gerne einen Kommentar da.
„The Infinite Museion“ hat mir den Mund wässrig gemacht, doch mal wieder einen Durchgang anzufangen, auch wenn ich mir gesagt habe: erst, wenn auch der letzte DLC erschienen ist. Blöderweise könnte sich das mit Dark Heresy überschneiden, in dessen Beta ich ebenfalls schon etwas versunken bin: Neues Rollenspiel zu Warhammer 40.000 startet die Beta auf Steam – Ich habe die Inhalte gespielt und beim Imperator, ist das viel
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