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Mass Effect: Andromeda Review – Das BioWare-RPG im XXL-Test

Mass Effect: Andromeda Review – Das BioWare-RPG im XXL-Test

Besser als der Hate, schlechter als der Hype

Mass Effect Andromeda: Die Crew der Tempest – Charaktere mit Seele

Relativ früh zu Beginn der Reise sammeln wir all unsere Crewmitglieder ein. Auf der Tempest, unserem eigenen Raumschuff, lungern im Regelfall 10 Charaktere herum, wovon 6 unsere „Companions“ sind, die wir auch auf Missionen einpacken können.

Es lohnt sich, immer mal wieder die ganze Tempest abzuklappern und „eine Runde zu drehen“, um mit allen ins Gespräch zu kommen oder sie bei ihren eigenen Gesprächen zu belauschen. Viele Details machen die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren deutlich und zeigen eine wirkliche Entwicklung.

Besonders witzig: Die Tempest hat ein eigenes „Online-Forum“, bei dem die Crewmitglieder Beiträge posten, die dann von anderen kommentiert werden. Dadurch schließt man die Charaktere noch mehr ins Herz. Ein Beispiel gefällig?

Mass Effect Andromeda Asari

Peebee wird gerne mit Vette aus SWTOR verglichen – fast immer locker drauf, wenn nicht gerade die Kett an der Tür klingeln.

[Doctor Lexi]: „Herzlichen Glückwunsch, Crew! Dank Liams neuer Pläne konnten wir bei einer Notfall-Probe die Tempest schneller evakuieren als beim letzten Mal. Wir haben den alten Rekord um 2 Minuten gebrochen! Außer Peebee, die hat es nicht zu Exfiltrationspunkt geschafft. Du bist nun tot, Peebee.“
[Kommentar von Peebee]: „WAS WILLST DU VON MIR, ICH LEBE IN EINER RETTUNGSKAPSEL???“

Konflikte innerhalb der Crew

BioWare hat sichergestellt, dass die Crewmitglieder mehr sind als nur NPCs, die man „nach jeder großen Mission abklappert, um das neuste Gelaber zu hören“. Die Crew interagiert miteinander und immer wieder stolpern wir in Gespräche und Konflikte rein, die sich über mehrere Tage erstrecken.

Unser Pilot beschwert sich permanent über den Techniker des Schiffs, der einfach Teile ersetzt und damit das Vermächtnis der Erbauer beschmutzt. Immer wieder erleben wir die Konflikte, bis wir irgendwann die Gelegenheit haben, einzugreifen. Eine Wischiwaschi-Lösung wie „Vertragt Euch doch einfach“ gibt es nur selten bei diesen Konflikten und die eine Seite wird es uns lange nachtragen.

Mass Effect Andromeda Crew Gil

Unsere Crew ist nicht immer einverstanden – und rächt sich mit Pokerspielen.

Aber auch außerhalb der Tempest wird die Geschichte der Crewmitglieder erzählt. So kann es passieren, dass wir auf dem Nexus plötzlich in unsere sonst so professionelle Schiffsärztin Lexi rennen, die sich in einer Bar volllaufen lässt oder die Turianerin Vetra dabei beobachten, wie sie gerade Menschen zu einem Schmuggel-Deal besticht. Die Charaktere handeln auch dann, wenn wir nicht dabei sind, und – anders als in Mass Effect 3 – kann man das oft mitbekommen.

Die Rückkehr der Loyalitätsmissionen

In Mass Effect 2 zählten die Loyalty Missions zu dem besten, was das Spiel zu bieten hatte. Einzelne Companions bekamen eine besonders spannende Mission, die mehr dem persönlichen Ziel des Charakters als dem Fortschritt der eigentlichen Mission dient. In ME:A kehren diese Missionen zurück.

Vom Gefühl her sind diese Missionen aber nicht so „plump“ wie noch in Mass Effect 2. Oft haben sie eine lange Vorlaufzeit und entfalten sich erst über mehrere Spielstunden. So findet man mit Peebee ein Stück einer Remnant-Technologie („Remtech“), das sie erst eine Weile analysiert. Wenn man nachbohrt, will sie uns nichts erzählen. Irgendwann kommt sie aber von alleine auf uns zu und bittet um Hilfe – oft erst Stunden später, wenn man mehrere Neben- und Hauptmissionen absolviert hat und wirklich Zeit vergangen ist.

Mass Effect Andromeda Dark Discovery

Düstere Stimmung bei der Infiltration eines Schiffes.

Bisher konnte ich erst 3 Loyalitätsmissionen abschließen, bin von diesen aber hellauf begeistert. Die Qualität erreicht jene der Hauptmissionen und sie zeigen den entsprechenden Charakter oft in einem ganz neuen Licht und kommen sogar mit schwierigen Entscheidungen daher – ab und an sogar mit lebensbedrohlichen Situationen.

Neben cooler Story haben diese Missionen aber einen weiteren Nutzen: Sie schalten die „Stufe 6“-Fähigkeiten des jeweiligen Begleiters frei, die erst dann erworben werden können.

Die Qual der Wahl – 6 liebenswerte Begleiter

In Mass Effect hatte man immer so seine bestimmten Lieblinge, die man auf jeder Mission mitnahm. Bei mir waren das meistens Liara, Tali und Kasumi. Alle anderen Charaktere fand ich einfach „zu langweilig“ im Vergleich zum Rest. In ME:A ist das anders.

Ich muss jedes Mal mit mir ringen, wen ich dieses Mal einpacke, um die nächsten Missionen abzuschließen. BioWare ist es gelungen, dass die komplette Crew interessant ist und kein Charakter als „offensichtlich beste Wahl“ heraussticht. Jeder Begleiter hat etwas zu sagen und wer ein bisschen rotiert, wird immer wieder mit interessanten Dialogen belohnt. Denn während der Fahrten im Nomad unterhalten sich die Charaktere oft und viele Details werden bekannt, die man sonst nie erfahren würde.

Peebee ist immer im Team dabei – wenn sie artig ist.

Einige Charaktere tragen es Ryder sogar nach, wenn man sie auf bestimmten Missionen nicht dabei hat. Alle glücklich zu machen funktioniert nicht – das ist bei ME:A gleich auf vielen Ebenen der Fall.


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Cortyn
Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!
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