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Diablo 3 Totenbeschwörer Story-Titel

Diablo 3: 15€ für eine neue Klasse? Darum sind DLCs immer zu teuer

Der Preis von 15€ für den Totenbeschwörer bei Diablo 3 zeigt das Problem mit DLCs: Sie sind einfach immer zu teuer. Die Relationen stimmen nicht. Wir zeigen Euch, was dahinter steckt und warum uns das Thema auch in Jahren noch beschäftigen wird.

Über wenig regen sich Spieler so sehr auf wie über DLCs und ihre viel zu hohen Preise. Immer wieder flammt die Diskussion auf. Das hässliche Wort „Abzocke“ macht die Runde. Wir schauen uns das Problem am Beispiel von Diablo 3 und dem Totenbeschwörer an.

Spieler rufen: Abzocke

“Zu teure Dlcs!” – So ergeht es derzeit Blizzard mit dem Totenbeschwörer für Diablo 3. Mit „Rise of the Necromancer“ (Rückkehr des Totenbeschwörers) gibt es im Prinzip nur eine neue Klasse für das Hack’n Slay Diablo 3 und einigen unbedeutenden Schnickschnack.

Dafür will Blizzard 14,99€ haben.

Diablo 3 Necro Pet Titel

Bei den Spielern findet folgende Rechnung statt:

  • Das Grundspiel Diablo 3 brachte fünf Klassen, vier Akte und das ganze Spiel mit all seinen Features. Das hat damals 60€ gekostet.
  • Die Erweiterung Reaper of Souls brachte eine neue Klasse, einen neuen Akt und weitere Features. Die hat 40€ gekostet. Auch schon zu teuer.
  • Und jetzt nur eine neue Klasse und keine neuen Features für 15€? Das passt einfach nicht. Das ist Abzocke.

Weder Größe noch Preis von DLCs sind etabliert

In der Gaming-Welt sind die Preise für Hauptspiele und Erweiterungen eigentlich fest etabliert – bei DLCs nicht so sehr:

  • Ein Hauptspiel kostet 60€.
  • Eine vollwertige Erweiterung liegt bei 40€.
  • Bei DLCs hat sich so langsam 15€ als Richtpreis hervor getan. Wenn’s kleiner ist, mal 10€, wenn’s größer ist, mal 20€.

Blizzard orientiert sich also nur an den „üblichen Preisen“ für DLCs. Alles okay, könnte man meinen. Aber nein.

Diablo 3 Haedrigs Geschenk Season 10

Denn das erste Problem: Den Umfang einer Erweiterung oder eines Hauptspiels kennen Spieler so ungefähr. Doch es gibt keinen etablierten Umfang für einen DLC.

Niemand weiß so richtig, was ein DLC bieten muss, der 15€ kostet. Denn manchmal ist das nur eine neue Karte, manchmal eine Story mit einigen Stunden Spielspaß, mal ein tolles neues Kapitel, das Spieler Tage beschäftigt, und manchmal so gut wie nichts.

Es sind keine Standards für DLCs etabliert. Deshalb verhandeln Spieler jedes Mal neu: Ist das DLC mir mein Geld wert?

So eine Diskussion findet bei Erweiterungen viel seltener statt.

Nur wenn Erweiterungen in der Größe deutlich unter der „Norm“ bleiben und zu wenig Neues bringen, bricht bei ihnen so eine Diskussion aus – wie zuletzt bei The Elder Scrolls Online Morrowind. Da gab’s eine besondere Situation: Diese Erweiterung hätten viele zahlenden ESO-Spieler lieber als DLC gesehen. Denn die gibt’s für Spieler mit Quasi-Abo bei ESO kostenlos dazu.

Die Relationen von DLCs stimmen einfach nicht

Die Relationen von DLCs stimmen so gut wie nie im Vergleich zum Hauptspiel. Man kann noch weiter gehen: Alle Preise im Gaming sind dubios, wenn man sie miteinander in Relation setzt.

Denn schon die Erweiterung Reaper of Souls, die zwei Drittel des Preises von Diablo 3 kostete, brachte grob runtergebrochen nur ein Drittel der Spielinhalte.

66% der Kosten für 33% des Inhalts? Im Supermarkt würde man „Mogelpackung“ rufen.

Entwickler sagen: So kann man das nicht rechnen. Spieler sind es aber als Kunden gewohnt, genau diese Berechnungen anzustellen. Sie setzen den Preis eines DLCs in Relation zum Grundspiel. Und bei dieser Relation können die Entwickler nur verlieren.

Diablo 3 Reaper of Souls

DLCs sollen hohe Kosten der Produktion und Weiterentwicklung abfangen

Die Logik der Entwickler ist: Wir entwickeln das Spiel fortwährend kostenlos weiter, bringen Patches, fixen Bugs, unterhalten ein Team, lassen die Server laufen und ab und an brauchen wir Einnahmen, um diesen Entwicklungsaufwand zu rechtfertigen. Daher gibt es dann DLCs, die unsere Bemühungen refinanzieren müssen.

Blizzard hätte daher gerne, dass Spieler die 15€ nicht nur für den Totenbeschwörer zahlen, sondern es auch als eine Investition für die fortgesetzten Seasons und die bisherige und zukünftige Entwicklung von Diablo 3 sehen.

Spieler kontern dann: Welche Entwicklung denn?

Auch Kritiker und Experten glauben schon lange, dass kostenpflichtige DLCs ein Trick der Publisher sind, um den etablierten Grundpreis von 60€ für ein Spiel im Nachhinein zu erhöhen. Denn mit Erweiterungen und DLCs kann der deutlich nach oben geschraubt werden.

Spiele kosten 60€, egal wie teuer sie in der Herstellung waren

Der etablierte Grundpreis von 60€ scheint der Knackpunkt für Entwickler zu sein: Kunden wollen nicht mehr zahlen. Ihnen ist egal, wie hoch die Produktionskosten für das Spiel wirklich waren. Die variieren aber je nach Dimension des Spiels und wie es nach Release unterstützt wird, erheblich.

Grand Theft Auto V soll 137 Millionen US-Dollar gekostet haben. Dagegen war Witcher 3 mit 46 Millionen US-Dollar fast ein Schnäppchen. Nun kann Rockstar aber nicht 180€ für sein Spiel nehmen, nur damit die Relation zu Witcher 3 gewahrt bleibt. Denn Kunden wären nicht bereit diese Summe auf einen Schlag an der Kasse zu bezahlen. Häppchenweise aber schon.

The Witcher 3 Wild Hunt

Dass die Herstellungs- und Unterhaltungskosten von Spielen in den letzten Jahren exorbitant angeschwollen, kann niemand bezweifeln. Aber wie diese erhöhten Kosten an den Kunden weitergeben werden, das sorgt für Ärger.

Die Gaming-Industrie hat sich geändert. Früher wurde ein Spiel fertig und der Publisher hat das Team aufgelöst. Heute werden die Entwickler weiter beschäftigt, die Ausgaben sind also da. Die Teams arbeiten länger und sind größer als früher.

Das Problem ist, dass diese erhöhten Kosten des Publishers mit DLCs auf die Kunden umgelegt werden. Die Kosten entstehen über eine lange Strecke, dann soll der Kunde aber punktuell dafür zahlen – für einen einzelnen, oft zu kleinen DLC, der dann die Kosten der vorherigen Patches, der Über-Dimensionierung des Spiels und der Weiterentwicklung tragen muss.

Wofür bezahle ich eigentlich?

An dieser Stelle ist das Verhältnis Preis/Leistung intransparent. Denn die Spieler sagen sich: Wofür bezahle ich da eigentlich 15€? Nur für diese Klasse kann es doch nicht sein.

Für was genau dieses Geld also ausgegeben wird, wirklich für die Arbeit am Spiel oder ob doch ein großer Anteil des Geldes in den Profit des Publishers fließt, das ist nicht mehr nachvollziehbar. Geht das Geld wirklich in die Weiterentwicklung von Diablo 3 oder verschwindet es irgendwo in den Brieftaschen der Publisher? Finanziere ich da ein ganz anderes Spiel quer oder die Prämien der Vorstandschefs?

Diablo 3 Necromancer Titel

Das Verhältnis von Preis und Produkt ist losgelöst in dem Moment, wenn DLCs “bezahlt” werden:

  • Kaufe ich im Supermarkt ein Stück Butter, dann bezahle ich an der Kasse genau für diese Butter.
  • Kaufe ich den neuen Diablo 3 DLC, dann bezahle ich nicht dafür, sondern für ein abstraktes Konstrukt, das dahinter steht. Ich bezahle dafür, dass das Spiel “weiter gepflegt” wird oder “in der Entwicklung teurer als der Standard war.” Ich fange irgendwie ein erhöhtes unternehmerisches Risiko auf. Ich weiß aber nicht, ob ich dafür schon mal bezahlt habe oder wie weit das Geld wirklich für die Weiterentwicklung des Spiels bestimmt ist.

Die Position der Entwickler wird schwächer, wenn man sich die Bilanzen der Markt-Riesen anschaut. Denn ein Spiel wie Diablo 3 hat seine erhöhten Produktionskosten durch den unfassbaren Erfolg schon lange wieder eingespielt. Hier profitieren die Entwickler schon von der Über-Dimensionierung und der weiteren Pflege: Die Leute kaufen Diablo 3 auch, weil sie wissen, dass es weiterentwickelt wird und das erwarten.

Die Zukunft der DLCs ist ungewiss

All diese Probleme werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass sich Spieler furchtbar über DLCs und ihre Preise aufregen – gerade wenn DLCs so klein ausfallen wie bei Diablo 3 und dem Totenbeschwörer.

Allerdings: Vielleicht gibt es bald keine DLCs mehr. Der Trend geht dahin, DLCs entweder zu streichen oder kostenlos herauszugeben. Die Finanzierung der Spiele läuft dann über Mikrotransaktionen. Blizzard folgt bei seinen neuen Spielern wie Overwatch schon diesem Beispiel und verdient Millionen ohne DLC und mit Lootboxen.

Ob das wirklich besser ist? Bei Lootboxen weiß der Spieler zwar, wofür er in genau dem Moment bezahlt. Die bringen aber ganz neue Probleme mit sich.


Wenn Ihr 15€ dafür ausgebt, sollt Ihr auch was davon haben:

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