Witcher 4 sucht neue Mitarbeiter – Doch der Chef wird mit der dunklen Vergangenheit konfrontiert

Witcher 4 sucht neue Mitarbeiter – Doch der Chef wird mit der dunklen Vergangenheit konfrontiert

Das polnische Gaming-Studio CD Projekt Red hat ein neues Spiel zur Serie „The Witcher“ angekündigt. Man nennt es nicht Witcher 4, aber der Name hat sich etabliert. Der Chef des Spiels sucht über Twitter nach neuen Mitarbeitern, wird jedoch mit der dunklen Vergangenheit des Studios konfrontiert: Man würde dort Mitarbeiter wie Hunde behandeln und crunchen lassen, wird ihm vorgeworfen.

Das ist die Situation:

  • CD Projekt Red hat mit einem einzigen Bild die Entwicklung eines neuen Spiels zu „The Witcher“ angekündigt. Es ist keine Vorstellung, die „Hype“ bei den Fans erzeugen sollte. Sondern es geht offenbar darum, erstmal neue Mitarbeiter zu finden. Der Release des Spiels ist vermutlich noch mindestens 5 Jahre entfernt.
  • Das neue Spiel zu „The Witcher“ wird nicht mit der eigenen Engine, der RedEngine, entwickelt, sondern mit der verbreiteten Unreal Engine 5 von Epic Games. Man zeigt, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt: Bei Cyberpunk 2077 musste man viele Ressourcen in die eigene Engine stecken.
  • Allerdings scheint das Studio durchaus Schwierigkeiten zu haben, neue Mitarbeiter zu rekrutieren, denn das Studio hat den Ruf, „Crunch“ zu betreiben. So nennt man es, wenn Mitarbeiter über Monate unmenschliche Arbeitsstunden investieren müssen, um Fehlplanung im Management auszugleichen. Bei Crunch an Games sind schon Menschen gestorben.
Crunch Time: Junger Entwickler arbeitet sich tot – 89 Stunden-Woche

Twitter-Nutzer spricht von „furchtbarem Crunch“ und „Behandlung wie ein Hund“

Das ist jetzt das Versprechen: Über Twitter gab Jason Slama bekannt, dass er die Leitung des neuen Witcher-Spiels innehat. Er arbeitet seit Juni 2021 in dieser neuen Rolle, von 2017 bis 2021 war Slama in verschiedenen Rollen für das Witcher-Kartenspiel Gwent zuständig.

Slama sagte, man habe eine Menge neuer Jobs zu besetzen. Er fragt, ob Leute sich vorstellen könnten, bei dem neuen AAA-Spiel mitzuarbeiten. Dabei erwähnt der Game Director sogar die Möglichkeit, von zu Hause aus am neuen Witcher-Spiel mitzuarbeiten.

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Er wird dann aber von einem Nutzer konfrontiert: Er habe vergessen zu erwähnen, dass es als „Antrittsbonus“ bei CD Projekt Red auch furchtbaren Crunch gäbe und man werde wie ein „Hund“ behandelt.

Slama sagt: „Nicht, wenn ich was zu sagen habe.“ Er verspricht also, dass es unter seiner Leitung nicht zu diesen Verhältnissen kommt.

Interessant ist, dass Slama gar nicht erst versucht abzustreiten, dass es früher „zu furchtbarem Crunch“ kam oder dazu, dass „Mitarbeiter wie Hunde behandelt wurden“: Er versichert nur, dass es unter seiner Aufsicht nicht passieren wird.

Wir haben uns auf MeinMMO mit dem Witcher-Experten Michael Graf ausgiebig über die Ankündigung des Spiels und die Situation des Studios unterhalten:

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Vor Cyberpunk 2077 schon „keinen Crunch“ versprochen – Versprechen gebrochen

Was meint der Nutzer damit? CD Projekt Red hat den Ruf, die Mitarbeiter crunchen zu lassen und ihnen schwierige Arbeitsbedingungen zuzumuten.

2014 gab es einen Insider-Bericht über die Arbeitsbedingungen im Studio bei „The Witcher 3“ (via gamespot). Es hieß damals, die PR des Studios habe so irre Ambitionen verlautbaren lassen, was das Spiel werden solle, dass das Team über Jahre irre „Crunch-Arbeitszeiten“ absolvieren musste, um diese Vision halbwegs zu erfüllen.

Als CD Projekt Red das SF-Epos „Cyberpunk 2077“ plante, versicherte man im Mai 2019, dieses Mal nicht zu crunchen, sondern „humane Arbeitsbedingungen“ anzustreben. Damit kam man einem Insider-Bericht zuvor: Ex-Mitarbeiter hatten sich bei der Webseite Kotaku beschwert, die Entwicklung von Cyberpunk 2077 laufe so furchtbar wie bei EAs gescheitertem Anthem, bei dem sich Mitarbeiter angeblich in den Burnout gearbeitet hatten und wo eine klare Schwäche in der Führung als Ursache für eine chaotische Entwicklung diagnostiziert wurde.

Das Vesprechen, nicht mehr zu crunchen, musste das Studio im September 2020 aber zurücknehmen, als das Projekt dann doch wieder in Zeitnot geriet und CD Projekt Red eine „verpflichtende 6-Tage-Woche“ einführte. Auch von Cyberpunk 2077 hörte man Horror-Geschichten über 13-Stunden-Arbeitstage und einen harschen Umgangston (via kotaku).

Nach dem Release versprach die Führung des Studios aber erneuten, dass es eine der wichtigsten Aufgaben der Firma sei, bei zukünftigen Releases Crunch zu vermeiden.

Beim „Crunch“ geht es nicht darum, „mal eine Überstunde einzulegen“, sondern wirklich darum, über Monate ein brutales Arbeitspensum zu absolvieren, um zu enge Zeitpläne, eine personelle Unterbesetzung, unerwartete Schwierigkeiten oder andere Fehler im Management auszugleichen. Solch Probleme sollen etwa dazu geführt haben, dass sich viele im Team von „Anthem“ in den Burnout gearbeitet haben und das Spiel daher in schwachem Zustand erschien.

Es wird immer wichtiger, „gute“ Arbeitsplätze anzubieten – in allen Belangen

Das steckt dahinter: „Crunch“ und „schlechte Arbeitsbedingungen“ sind Themen, die seit Jahrzehnten über der Gaming-Branche schwebten. Immer wieder tauchten furchtbare Berichte darüber auf, dass Mitarbeiter über Monate gar kein Leben mehr hatten, weil sie ihre Arbeit vereinnahmte.

Bereits 2004 erschien ein vielbeachteter Artikel „EA Spouse“, in dem Erin Hoffman anonym erzählte, unter welchen Bedingungen ihr Verlobter damals für Electronic Arts arbeiten musste (via ea-spouse).

Die eigene Motivation der Mitarbeiter, „was Großes zu leisten“, eine Erwartungshaltung der Führung und der Druck, seine Kollegen nicht im Stich zu lassen, hatten über Jahre zu einer Kultur geführt, dass „Crunch irgendwie zum Job, ein Spiel zu entwickeln, dazugehört.“

In den letzten Jahren ist das Thema „Crunch“ stärker hinterfragt worden. Vor allem Spiele, die extrem viel Inhalt bieten, wie Witcher 3, Fortnite oder Red Dead Redemption 2, also „Meilensteine des Genres“, fordern offenbar extrem viele Arbeitsstunden, die unter schwierigen Bedingungen abgeleistet werden. Einige andere Studios geben solche Arbeit an externe Firmen, etwa in Asien, ab (via gamestar).

Von Firmen wie Activision Blizzard oder Rockstar ist bekannt, dass gerade Mitarbeiter am unteren Ende der Nahrungskette, Qualitäts-Tester oder Übersetzer, oft als Vertragsarbeiter wie „Mitarbeiter zweiter Klasse“ behandelt wurden und unter extrem schwierigen Bedingungen arbeiten müssen.

In Südkorea haben sich Mitarbeiter bei extremer Crunch-Time sogar totgearbeitet.

In den letzten Jahren hat hier ein Umdenken stattgefunden. Die Diskussion um Arbeitsbedingungen, Burnout und „Mental Health“ ist weiter in den Vordergrund gerückt, einige Studios haben sich ausdrücklich gegen eine Crunch-Kultur positioniert wie Bungie (Destiny 2) oder Grinding Gear Games (Path of Exile).

Für ein Studio wie CD Projekt Red ist es essentiell wichtig, potentiellen Mitarbeitern glaubhaft zu machen, dass man sie und ihre Gesundheit respektiert und sie nicht opfert, um ein möglichst gutes Spiel zu entwickeln.

Spieler haben oft ein gespaltenes Verhältnis zu Crunch. Wenn das Spiel richtig gut ist, scheint es viele nicht groß zu kümmern. Vorm Release des damals heiß erwarteten Cyperunk 2077 wollten viele Spieler nichts hören, was ihre Vorfreude irgendwie trüben konnte:

Cyberpunk 2077 macht Überstunden – Und das ist vielen Gamern echt egal

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RagingSasuke

Vor allem Spiele, die extrem viel Inhalt bieten, wie Witcher 3, Fortnite <- echt jetzt?! Fortnite? extrem viel Inhalt? XD

RagingSasuke

Ja klar, seasons wurden natürlich hoch und runter gescheppert.
Aber ich wage zu zweifeln das der Aufwand und die Arbeit bei einem battle royal bei weitem nicht die gleichen Ausmaße annehmen wie bei den anderen genannten games.
Ich meine, fortnite verdient sich die Aufmerksamkeit damit das man halt pvp zockt, das ist oftmals etwas womit man sich ewig beschäftigen kann.
Sowas wie the witcher o.ä muss dich in die Story und das gameplay ziehen und darf nicht zu schnell enden.
Der content ist 10x so viel wie bei einem fortnite, nur der wiederspielwert ist halt quasi nicht vorhanden.
Damit will ich fortnite garnicht schlecht reden, die haben schon vorgelegt für die Art des Spiels, keine Frage.

Leyaa

Ich denk die Spielebranche allgemein könnte in Zukunft echt Probleme bekommen, wenn das bei den großen Firmen nicht besser wird. Es wurde ja schon im Podcast thematisiert. Ich denke auch, dass gerade junge Talente es sich 2x überlegen werden, ob sie wirklich in der Gaming Branche anfangen wollen. Schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung, und damit einhergehend auch schlechtes Arbeitsklima unter den Kollegen ist halt echt unsexy. Da würde ich auch lieber in eine besser bezahlte Branche wechseln, die mich mehr wertschätzt. Und wenn irgendwann die hochqualifizierten Nachwuchstalente ausbleiben, krankt die ganze Branche daran.

Chris

Grade Branchengrößen wie EA, Activison und Co. sollten sowieso mal überlegen weniger in völlig überzogenes Marketing zu investieren und mehr Geld in die Entwicklung zu pumpen. Es wird in Ersteres teilweise viel mehr Geld gesteckt als in die tatsächliche Entwicklung. Bin mal gespannt ob sich da auch nich etwas in den nächsten Jahren tut.

Todesklinge

Man lagert das ganze in das Ausland aus (so wie in vielen anderen Bereichen), weil man dort das Elend nicht mehr so leicht sieht und schon steht man als Firma mit weisser Weste da!

Ist Kapitalismus nicht etwas tolles?
Achtung, Sarkasmus.

Neowikinger

Was hat das mit Kapitalismus zu tun?

lIIIllIIlllIIlII

Ausbeutung und schlechte Bedingungen gibt es im Sozialismus bekannterweise nicht. Wusstest du das nicht?

ImInHornyJail

Wenn etwas „sozial“ im Namen hat, kann es nicht schlecht sein.

Neowikinger

Stimmt, hatte ich glatt vergessen xD

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