Das deutsche MMORPG Tibia bannt Accounts im Wert von mehreren tausend Euro – Was steckt dahinter?

Das 24 Jahre alte MMORPG Tibia hat in den vergangenen Tagen mehrere hundert Accounts gebannt. Darunter auch einzelne Accounts mit einem Wert von über 3.000 €. Wir von MeinMMO schauen uns die Situation an und fassen sie zusammen.

Warum bannt Tibia Accounts? Ein altes Problem plagt die Community von Tibia bereits seit geraumer Zeit. Es handelt sich dabei um die Bot-Software Xabi die Usern die Möglichkeit bietet, bestimmte Mechaniken des Spiels zu automatisieren.

Die Regensburger Entwickler des Spiels konnten nun eine zuverlässige Methode entwickeln, um dieses Programm aufzuspüren. Die Folgen waren enorm und hunderte Accounts sind nicht mehr zugänglich.

Die Accounts hatten teilweise mehrere Jahre Spielzeit und haben teilweise sogar Level über 1.200 erreicht. Für einen solchen Account würde man etwa 3.000 € bezahlen. Einige der Accounts konnten bereits eine geraume Lebensdauer aufweisen. Eine Liste von gebannten Charakteren veröffentlichte die Seite Tibiaring.com. Die Seite zeigt euch aber nur Accounts ab einem bestimmten Level.

Warum ist das spannend? Bei der Software Xabi handelt es sich nicht wie bei vielen MMORPG-Bots um eine Software, die das Spiel für euch automatisch spielt. Viel mehr bot es eine Möglichkeit eigene Skripte aufzuzeichnen und diese dann auf Knopfdruck abzuspielen. Viele User benutzten die Software auch ohne bösen Hintergedanken, da sehr lange niemand dafür gebannt wurde.

Auf reddit schreibt der User Messiah1934, dass ein Charakter gebannt wurde, nach dem er für vier Jahre auf diese Art und Weise gespielt hat. Der Charakter wurde jedoch kurz vor dem Bann für 15.000 Dollar verkauft, nach Aussagen des Users.

Tibia Screenshot 2
Charaktere in Tibia beim Kämpfen

Es wurden also nicht nur die „klassischen, bösen Hacker“ gebannt, sondern auch User, die das Nutzen des Tools für legal hielten. Natürlich hat Tibia jedwede Nutzung von Programmen zur Automatisierung von Abläufen untersagt. Dennoch, wenn jemand vier Jahre lang problemlos dieses Tool benutzen kann, rechnet man nicht unbedingt damit, dass dem solche Konsequenzen folgen könnten.

Laut der Tibiaring gibt es aber noch zahlreiche weitere Accounts, die die Software Xabi zu Hilfe ziehen. Der Entwickler des Bots legt diesen Leuten nah, ihre Festplatte zu formatieren, bevor sie sich das nächste Mal im Spiel einloggen. (via reddit)

Das sagt die Community zur Bannwelle

Welcher Meinung sind die Spieler? Man sollte meinen die Spielerschaft ist glücklich darüber, wenn der Entwickler Cheater aus dem Spiel entfernt. Doch bei der Community von Tibia stößt die Bannwelle größtenteils auf Unverständnis. Sogar Mitleid gegenüber den gebannten Bot-Usern wird zuhauf ausgesprochen.

Außerdem gibt es eine Debatte über einen Streamer, dessen Charakter ebenfalls gebannt wurde, obwohl er die Software scheinbar nur zum Austausch seiner Ausrüstung nutzte und das Spiel sonst normal spielte.

  • Dazu schreibt der User dulove (via reddit): „Ich frage mich wirklich, wieso er gebannt wurde. Man konnte in seinen Streams sehen, dass er die Maus normal bewegte und keine Loot-Macros nutzte. Ich sah ihm zu wie er Soul War [einen Dungeon] lief und es sah nicht aus wie automatisches Kämpfen.“
  • Der User BoybeBave sagt (via reddit): „Es ist traurig zu sehen wie die meisten Spieler von Team Noctera das Spiel verlassen, und nun sogar ihre Charaktere gelöscht werden.“
  • Der User Katavlok beschwert sich über seinen nun viel leereren Server und schreibt (via reddit): „Auf meinem Server hat die Bannwelle getroffen wie ein verfluchtes Fingerschnippen von Thanos.“

Unklar ist noch welches Skript genau die Banns ausgelöst hat, oder ob es das Programm an sich war. Besonders das Skript zum automatischen Looten wird von Tibia-Spielern viel genutzt, und entsprechend bangen einige um ihren Account.

Was sagt die andere Seite? Natürlich gibt es auch Leute, die sich darüber freuen, dass die User der Software nun nicht mehr im Spiel sind:

  • Der User vicflea schreibt (via reddit): „Ich bin stolz darauf, scheiße in dem Spiel zu sein, aber wenigstens ohne Cheats. Ihr habt das verdient.“
  • Der User QuintX ergänzt dazu (via reddit): „Ein einziger Spieler hat 8 Charaktere gebannt bekommen. Ich lache mir den Arsch hab, so ein Idiot.“

Was sagt ihr zu der Bannwelle und den Gründen dafür? Die Community von Tibia sorgt immer wieder für spannende Geschichten, so gibt es seit neustem einen Boss im Spiel, der nur zwei Mal im Jahr auftaucht, und die Spieler lieben ihn.

Das ist Tibia Online

Was ist das überhaupt für ein Spiel? Tibia ist ein Old-School-MMORPG aus Regensburg. Das Spiel gibt es seit 1997 und hat bis heute eine aktive Spielerschaft. Ihr kämpft euch in der 2D-Ansicht durch diverse Bosskämpfe und Dungeons. Die Grafik sieht dabei dem 24 Jahre alten Spiel entsprechend gut aus.

Das Spiel kann sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen, vor allem durch seine Geheimnisse und verstecken Features. Spieler fanden einen Boss im Spiel sogar erst nach 12 Jahren.

Hier ist ein Video, wo wir einiges an Gameplay aus dem Spiel sehen:

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Wo ist Tibia relevant? Wenn ihr noch nie von Tibia gehört habt, ist das keine Schande, denn das Spiel war in Deutschland nie sonderlich groß. Der Großteil der heute aktiven Community stammt aus Venezuela, Polen und Brasilien, wo das Spiel enorm erfolgreich ist, und nahezu einen Boom nach dem anderen hinlegt.

Vor allem in Südamerika scheint das Interesse an Tibia stark zu sein. Die stärksten Communitys liegen in Brasilien, aber auch in Polen, wo auch der Tibia Basar, eine externe Handelscommunity des Spiels, immer mehr Beachtung findet.

Habt ihr Tibia schon einmal gespielt? Was haltet ihr von dem 24 Jahre alten Spiel? Und freut ihr euch über die Bannwelle? Lasst es uns gerne in den Kommentaren da.

Wir haben für euch noch ein Interview mit dem Entwickler von Tibia, dieser sagt: “Am Anfang wurden wir ausgelacht.”

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Bodicore

Wenn Tools über Jahre nicht ausdrücklich verbietet nie Leute sanktioniert und quasi die bildung einer Gewohnheit zulässt, könnte man ja wenigstens mal ne Meldung raushauen das man das Tool nicht (mehr) haben will und mit Konsequenzen drohen bevor man mit dem Besen durchs Spiel geht. Kundenfreundlich ist das jetz nicht gerade.

Wurde dies gemacht sind die Leute halt selber Schuld.

Zuletzt bearbeitet vor 4 Monaten von Bodicore
Todesklinge

Es ging eher darum das man diese Programme seit Jahren nicht präzise erkennen konnte. Jetzt schon. Warum nun sanfter mit Cheatern umgehen?

Wenn man wie du schreibst den Cheatern einen “Freikarte” gibt, dann ist jede Regel im Spiel unbedeutend. Warum also Regeln aufstellen wenn diese nicht befolgt werden?

Bodicore

Ich bin absolut gegen Cheaten

Nur sind die Grenzen oft nicht ganz so klar definiert.
In meinen Augen ist ein Heilinterface in WoW auch fast schon wie cheaten oder das eine Jägeraddon das mir ausrechnete welchen Skill ich drücken muss um gerade den meisten Schaden zu machen.

Wenn eine Firma weis dass es ein Addon gibt und dessen Namen kennt und dieses als nicht erwünscht einschätzt, wäre ich froh, wenn sie sich offiziell davon distanzieren würden, dass Spieler, die versuchen ehrlich zu bleiben, das Ding gar nicht erst installieren.

Im erlaubten Bereich, nutze ich natürlich jedes Tool dass mir eine Erleichterung oder einen Vorteil bietet. Warum auch nicht. Man ist da aber schnell in einer Grauzone.

Ich möchte nicht in die Cheaterecke rutschen und nur Tools haben die der Entwickler absegnet.
Wenn es dann Tools gibt die jeder zweite nutzt wärs schon nice wenn man nicht extra forschen müsste ob’s auch erlaubt ist sondern im Optimalfall auf der Hauptseite des Spiels im Reiter-Zusatzprogramme nachschauen könnte ob es ok geht oder nicht.

Ich meine auch dass ein Entwickler sich mit einem klaren Statement viel Ärger und unnötiges geflenne in den Foren ersparen könnte, wenn der Hammer einschlägt.

Zuletzt bearbeitet vor 4 Monaten von Bodicore
Todesklinge

Ich weiss schon was du meinst.
Wenn man den kleinen Finger hinhält wird der ganze Arm abgerissen und so weiter ^^

Da bin ich mir sehr sicher das diese Art von Information ständig gepredigt wird, nur liest man das hier nicht heraus.

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