Starfield sollte 2023 das große neue Spiel von Bethesda sein: endlose Weiten, zahllose Sterne, fremde Planeten und ein eigenes Raumschiff, um die alle zu besuchen. MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus hat jetzt 2026, wieder mit dem Spiel angefangen. Warum? Gute Frage.
So ganz genau kann ich es euch nämlich selbst gar nicht sagen. Da kamen mehrere Sachen zusammen: Ich wollte mal wieder ein richtig solides RPG spielen, vor allem, nachdem ich mit der Third-Person-Mod von Baldur’s Gate 3 eher … schlechte Erfahrungen gemacht habe.
Starfield geistert mir aber immer wieder im Kopf herum. Eigentlich bin ich eher Fantasy- als Sci-Fi-Spieler, aber irgendwie hatte ausgerechnet Starfield immer eine gewisse Anziehungskraft. Dann kamen die schlechten News.
Xbox entlässt haufenweise Entwickler, darunter bei Bethesdas Mutter-Firma ZeniMax. Die Zukunft ist ungewiss, der Game Pass pfeift aus dem letzten Loch und irgendwie klingt alles nach „Doom and Gloom“.
Ausgerechnet da habe ich mich daran erinnert, dass ich den Game Pass doch selbst noch habe – und Starfield dort spielbar ist. Die schlanken 140 GB habe ich mir dann über Nacht heruntergeladen und spiele seitdem fast täglich.
Starfield ist im Moment genau das, wonach ich gesucht habe
Kurz zur Vorgeschichte: Ich habe zu Release im September 2023 schon Starfield gespielt, damals für etwa 60 Stunden. Die Lust habe ich spätestens dann verloren, als mit Rogue Trader das erste cRPG zu Warhammer 40.000 erschienen ist und mich total gefesselt hat. 2023 war rückblickend ein ziemlich wildes Jahr, Baldur’s Gate 3 ist da auch erschienen …
Ich wusste entsprechend aber schon, was mich in Starfield erwarten würde. Ich wusste, dass ich Planeten nicht fließend anfliegen kann, sondern springen muss und Cutscenes habe. Ich wusste, dass das Spiel seine Fehler und Probleme hat.
Aber ich wollte ein Sci-Fi-RPG spielen, das ich nicht komplett neu lernen muss. No Man’s Sky war dementsprechend keine Option, Warhammer war mir etwas zu düster (ja, das kann sogar mir passieren) und ich wollte nicht viel nachdenken, sondern zocken.
Starfield konnte mir genau das geben: Ein Rollenspiel ohne allzu viel Tiefe, in dem ich nicht Texte in Roman-Länge lesen muss, in dem ich auch mal ein bisschen rumballern kann – und das mir vor allem Looten und Leveln ermöglicht.
Ein Spiel mit Fehlern … und Bugs
Damit will ich nicht sagen, dass Starfield ein perfektes Spiel wäre oder so. Das ist es nicht, ganz sicher nicht. Schon damals hatte der buchstäblich erste NPC, den ich getroffen hatte, seine Reise nach oben durch die Decke angetreten und wurde nie wieder gesehen.
Starfield hat sich deutlich weiterentwickelt, hat neue DLCs und Inhalte, Patches, die Probleme behoben haben. Aber ganz glatt ist das Spiel noch immer nicht:
- Gesichtsanimationen sind, wie für Bethesda typisch, grauenhaft. Sie wirken, als sei die Gesichtsmuskulatur auf 500 % eingestellt.
- Steuerung und Menü-Navigation ist jedes Mal ein Krampf, aber das kenne ich ja schon aus Fallout 76.
- Meine Crew sitzt teilweise einfach mitten in der Luft, wenn ich das Schiff wechsle und schaut mich an, als sei ich der Esel, für den das nicht völlig normal ist.
- Begleiter haben ab und zu Probleme mit den physikalischen Gesetzen und versuchen krampfhaft, durch massive Wände zu tunneln. Sarah, auch in der Zukunft ist die Wahrscheinlichkeit unendlich nahe null!
- Schiffe bauen wird überhaupt nicht erklärt. Ein bisschen was anpassen hat funktioniert, aber für das meiste braucht man einen Guide oder viel Erfahrung.
Dazu kommen ein paar fragwürdige Entscheidungen wie die Creations. Das sind quasi Mods aus der Community, die aber zum größten Teil monetarisiert werden, heißt: Waffen-Skins oder nette Gimmicks kosten echtes Geld. Finde ich nicht ganz so cool.
Mit den ganzen DLCs und Inhalten, die nachträglich ins Spiel gekommen sind, eröffnen sich aber auch ganz neue Möglichkeiten, und eine davon ist vermutlich schuld daran, dass ich gerade so viel Spaß mit Starfield habe.
Hier würdet ihr eine Galerie mit Screenshots finden, wenn es denn einen Screenshot-Button gäbe (ich habe Druck und F12 gehämmert wie blöde) und nicht nur den Foto-Modus. Immerhin ein Bild von meinem Schiff kann ich euch geben:

Nach dem Tutorial durch das wildeste Chaos …
Shattered Space ist der erste DLC, den Starfield bekommen hat und erschien im September 2024. Im Story-DLC geht es um das Haus Va’ruun, religiöse Fanatiker mit einer Schlange als Gott – genau mein Ding!
Ich will nicht zu viel zur Story spoilern, aber nach einem meiner ersten Sprünge weg vom Mars sollte ich das Schiff eines Gouverneurs suchen. Gefunden habe ich eine Raumstation und dachte mir: „Hm. Groß für ein Schiff, aber der Quest-Marker führt mich dorthin. Also mache ich mal.“
Die nachfolgende Odyssee hat mir ordentlich Adrenalin beschert. Shattered Space ist eigentlich für Level 20-30 ausgelegt – ich war Level 3 oder 4. Die Gegner haben mich allesamt fast geoneshottet und irgendwie habe ich es geschafft, die gesamte Intro-Mission zu spielen.
Klar habe ich irgendwann bemerkt, dass ich offenbar in der falschen Mission bin, aber da wollte ich nicht mehr umdrehen. Besonders, nachdem ich einmal direkt vor einem tödlichen Treffer schnellgespeichert habe. Da raus zu kommen war … knifflig.
Das Ende des ungewollten Ausflugs waren ein ganzer Rucksack voll Ausrüstung 20 Stufen über meinem Level, viel zu starke Waffen und ich gestrandet auf der anderen Seite der Galaxie. Ein besseres Abenteuer hätte ich mir nicht wünschen können.
… und auf direktem Weg zum OP-Schiff
Da ich ja nun wusste, dass die ganze Story um Haus Va’ruun – dem ich mich angeschlossen habe und von dem ich plane, vollkommen ins RP einzutauchen als Schlangen-Fanatiker – genau mein Ding sein würde, bin ich erst mal zurück zur Haupt-Quest. Ein Ziel hatte ich ja nun.
Tatsächlich hat mich das ganze Erlebnis so angestachelt, dass ich buchstäblich Credits und Skills gegrindet habe, um mir das teuerste Schiff von Deimos kaufen zu können, eine Aegis, die ich nach meiner Lieblings-Heldin benannt habe: Jeanne d’Arc.
Genau wie für Shattered Space ist mein Level für eine Aegis eigentlich viel zu niedrig, aber durch meinen Ausflug und den Grind hatte ich so viel Kohle, dass ich sie mir leisten konnte. Ist das die OG-Starfield-Erfahrung? Sicher nicht. Macht es Spaß? Hölle ja!
Ich will gar kein 10/10-Game, sondern einfach nur in Ruhe daddeln
Starfield spiele ich aktuell nicht, weil ich den nächsten Blockbuster suche. Davon gibt es aktuell genug und ehrlicherweise bin ich fast ein wenig überfordert damit. Corsair Cove ist ein absoluter Banger, der mich lange beschäftigt hat, LoL Classic zocke ich viel mit Freunden und Mistfall Hunter habe ich ebenfalls noch auf der Liste.
Unter all diesen Spielen, die teilweise viel Aufmerksamkeit oder Investment benötigen oder schlicht ewig lange Sessions haben, ist Starfield die erfrischende Abwechslung, die ich gerade brauche. Kein Dostojewski, für den ich noch ein Lexikon benötige, sondern ein lustiges Taschenbuch.
Mit Starfield baue ich auch endlich meinen Pile of Shame etwas ab. Habt ihr auch solche Spiele, die eigentlich eher mittelmäßig sind, die ihr aber trotzdem genießt? Welche Spiele müsst ihr noch nachholen? Schreibt mir einen Kommentar!
Aktuell bin ich bei 82 Stunden laut der Xbox App, also etwa 20 Stunden tief im Spiel. Ob ich erneut nach 60 Stunden abbreche oder diesmal durchziehe, sehe ich dann, aber bisher macht mir Starfield einfach Laune und ich hoffe, dass das noch eine Weile so bleibt. Allerdings werde ich mich damit etwas beeilen müssen, denn die nächsten starken Spiele stehen schon an, allen voran Enshrouded, auf das ich mich richtig freue: Eines der besten Survival-Games auf Steam wird mich ab Oktober wieder über 50 Stunden kosten, ist dann endlich fertig
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Kommentare
Definiere “Mittelmaß” 😃
Starfield habe ich tatsächlich immer noch auf der To-Do-Liste. Hatte es mir kurz nach Release gegönnt trotz der Kritiken, aber leider hat es sich ein wenig mit Armored Core VI überschnitten und dann waren wieder andere Dinge im Leben wichtig, wie das halt so ist.
Armored Core war da definitiv zu dem Zeitpunkt die bessere Wahl 😅
Gameplay ist top, wenn man von ein paar Fehlern absehen kann. Aber im Weltall rumfliegen, bisschen mit Space-Waffen ballern und Looten ist echt super. Story ist halt auch da. Das wäre so meine Definition im Moment.
Die Main-Story klingt wie ein klassischer Action-Film, in dem die Handlung eigentlich nur dazu da ist, möglichst viele Explosionen und dramatische Namen unterzubringen. Die Side-Storys sind dagegen ziemlich cool.