Ein Extraction-Shooter, aber ohne Shooter und dafür mit RPG-Gameplay wie aus Dark Souls? Genau das bietet Mistfall Hunter. Mag nischig klingen, hat aber zumindest einige Fans gefunden. MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus hat schon die Beta gespielt, teilt aber die Kritik der Spieler.
Als ich Mistfall Hunter im Juni getestet habe, brachte mich das „Extraction-ARPG“ erst total auf die Palme … wie es vermutlich jedes gute Soulslike tun sollte. Wäre nicht das erste Mal, dass ich in einem solchen Spiel ragequitte und auch nicht das erste Mal, dass ich wegen so etwas mitten in der Nacht ins Gym fahre.
Nach dem ersten Frust hat mich Mistfall Hunter dann den ganzen Tag lang beschäftigt, und ich war fast schon traurig, als die Test-Phase vorbei war. Am 30. Juli ist das Action-RPG dann endlich für PS5, Xbox und den PC (Steam, Game Pass) erschienen – mit durchwachsenen Bewertungen.
Die anfängliche Kritik hat sich jedoch über das Wochenende deutlich gebessert: von Anfangs weniger als 60 % positiven Bewertungen auf Steam (und damit „ausgeglichen“) steht Mistfall Hunter jetzt bei 77 % und ist „größtenteils positiv“ (3. August um 17 Uhr).
Laut SteamDB haben sich sogar über 44.000 Spieler gleichzeitig auf Steam alleine eingeloggt. Ich war zwar noch keiner davon, schließlich musste ich 15 Jahre in die Vergangenheit reisen, um LoL Classic zu spielen. Aber ich schließe mich den anderen Spielern bald an, denn mich fasziniert das Spielprinzip total.
Volles Pfund aufs Maul statt lahmes Busch-Campen
Auch, wenn das Spielprinzip von Mistfall Hunter dem von Escape from Tarkov oder Dark and Darker äußerst ähnlich ist – ihr besucht eine Map, holt Loot und versucht, unbehelligt wieder zu verschwinden –, könnte das Gameplay kaum anders sein.
Statt Knarren gibt’s Bögen, statt Kampfmesser Schwert und Schild und wer will, kann mit Magie um sich werfen. Der Fokus auf martialische Waffen sorgt für ein deutlich intensiveres Spielgefühl, schließlich steht ihr euren Feinden gegenüber und seht sie nicht nur durch 20-fache Vergrößerung auf 2 km Entfernung.
Und ja, natürlich ist entsprechend PvP aktiv und das dauernd. So etwas gehört zu Extraction-Games dazu, egal ob ARC Raiders, EFT oder andere Spiele dieser Art. Wenn ihr anderen Spielern vertraut, ist das immer mit einem gewissen Risiko verbunden.
Zwar werdet ihr ohne ein gewisses Maß an Gefahr niemals mit gutem Loot eine Map verlassen, aber ihr müsst zumindest nicht ständig gegen andere Spieler antreten. Die Maps bieten viel Platz und Konflikt-Zonen sind dann vor allem „points of interest“ wie Boss-Arenen und Co.
Story, Klassen und Loot – Mistfall Hunter hat alles, was ein gutes RPG braucht
Was mich besonders abgeholt hat, war jedoch der Rollenspiel-Aspekt von Mistfall Hunter. Der ist nicht einfach nur ein Gimmick, um sich von anderen Extraction-Games abzuheben. Es fühlt sich eher wie das Gegenteil an: Ein RPG, mit dem man mal ein neues Spielprinzip ausprobieren wollte.
Looten und Leveln sind Kern der Spiele-DNA, und das sehr deutlich. Jede Klasse – ja, die gibt es auch – hat Items, die nur sie tragen kann, mit Sets und Effekten sowie Talentbäumen. Oder eher: Talent-Kreisen. Das Ganze System ist teilweise mehr „RPG light“, aber trotzdem spürbar Rollenspiel.
Insbesondere die Sache mit den Klassen ermöglicht in Trios verschiedene Kombinationen, die Shooter wie EFT so gar nicht haben könnten. Ob der Magier nun offensive oder unterstützende Magie wirkt, der Krieger mit Schwert und Schild oder Zweihänder unterwegs ist, verändert die Dynamik und eröffnet teilweise neue Möglichkeiten.
Dabei spreche ich nicht nur vom PvP, in dem dann doch häufig das Team mit dem härtesten „Bonk!“ gewinnt, sondern von PvE-Events wie Boss-Fights oder Quests, die es so auf der Map zu erledigen gibt.
In einem Koop-Spiel nervt ausgerechnet der Koop – aber nicht nur
Genau dieser Aspekt ist aber auch das, was gerade mitunter in der Kritik steht und, wie ich finde, zurecht. Denn Mistfall Hunter hat eine Story und mehrere Maps. Die erste dieser Karten ist solo oder im Team spielbar. Die Zweite aber, wo die Story unweigerlich hinführt, braucht ein Team.
Wer alleine spielen möchte, kommt irgendwann einfach nicht weiter und muss sich Randoms suchen. Da hat verständlicherweise nicht jeder Lust drauf. Ein paar weiteren Kritikpunkten muss ich ebenfalls beipflichten:
- Mistfall Hunter kostet zwar nur 25 Euro, hat dafür aber einen Echtgeld-Shop mit Skins. Teilweise kostet hier ein einziger Waffen-Skin ca. 70 Euro – allerdings sind das die Ausnahmen am oberen Ende.
- Balance zwischen den Klassen ist noch nicht ideal, wobei sich das auch über Zeit legen kann, wenn die Spieler ihre eigenen Klassen besser beherrschen.
- Teilweise gibt es noch etwas Probleme mit dem „klobigen“ Gameplay, was ich bestätigen kann: Knappe Ausdauer und langsame Schläge können gerade im PvP frustrieren.
Anfangs gab es zudem noch Bugs und Performance-Probleme, die sich mittlerweile gelegt haben, wie es aussieht. Dennoch hatte ich mit Mistfall Hunter bisher viel Freude und werde auch, sobald die Zeit es zulässt und die anderen Spiele mich aus ihrem Bann entlassen, wieder mehr spielen … falls es nicht endet wie Highguard, das ich ebenfalls sehr mochte.
Habt ihr Mistfall Hunter schon gespielt? Was haltet ihr von der Idee eines Fantasy-Tarkov mit Schwertern? Würdet ihr eine Nahkampf-Version des Extration-Shooters spielen? Schreibt einen Kommentar!
Es passiert mir wirklich nicht oft, aber aktuell habe ich so viele gute Spiele auf dem Zettel, dass ich gar nicht dazu komme, allen die Zeit zu geben, die sie verdienen. Sicher sind viele davon für meine Arbeit hier relevant, aber zumindest eine der Perlen, die ich dadurch entdecken konnte, hat es mir gerade so richtig angetan: Ein Piratenspiel auf Steam fesselt mich seit über 46 Stunden, bringt das Karibik-Feeling von draußen auf Steam
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