Der Xbox Game Pass ist gescheitert und es gibt keine Lösung

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Das wohl größte Gaming-Abo-Modell liegt im Sterben. Ganz gleich, was Microsoft macht, eine Lösung dafür ist nicht in Sicht.

Als vor einigen Jahren der Xbox Game Pass angekündigt wurde, klang es für viele Gamer wie ein Traum, der endlich in Erfüllung ging. Ein nahezu unerschöpflicher Zugriff auf Spiele, neue wie alte, sodass man für einen recht kleinen, monatlichen Preis im Grunde nie wieder Spiele kaufen muss und permanent unterhalten wird.

Was so verlockend klang, war letztlich aber zum Scheitern verurteilt. Der Game Pass ist weit hinter den erwarteten Zahlen zurückgeblieben und der ursprüngliche Plan, 77 Millionen zahlende Kunden zu erreichen, ist krachend gescheitert. Selbst die deutlich nach unten korrigierte Zahl von 35 Millionen Abonnenten wurde wohl verfehlt, denn der aktuelle Stand wird laut dem Wall Street Journal eher bei 30 Millionen gesehen.

Eine Fehl-Kalkulation, die jetzt zu einem regelrechten Blutbad an Kündigungen geführt hat.

Ein Produkt, das nicht einmal halb so viele Leute anspricht, wie ursprünglich angedacht, hat einen schweren Stand. Aber warum eigentlich? Warum ist der Game Pass von Xbox nicht der erwartete Heilsbringer für Microsoft und Gamer gleichermaßen?

Eine einzelne, vollumfängliche Antwort darauf gibt es nicht. Doch es gibt viele verschiedene Gründe, die zusammenkommen.

The Elder Scrolls Online ist eines der Spiele, das am stärksten von den Kündigungen betroffen ist:

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The Elder Scrolls Online: Neuer Trailer stimmt auf Saison Eins ein

Core Gamer waren die Zielgruppe, die den Game Pass gar nicht brauchte

Mat Piscatella, ein bekannter Analyst von Circana, äußerste sich auf Bluesky zu dem Thema. Seiner Meinung nach war die Strategie von Xbox zum Scheitern verdammt, weil der Game Pass die völlig falsche Zielgruppe anspricht: Core Gamer.

Core Gamer seien eben nicht „die breite Masse“, die viele verschiedene Spiele spielt und mit Aufmerksamkeit belohnt. Core Gamer spielten im Jahr vielleicht eine Handvoll verschiedener Spiele, diese aber besonders intensiv. Piscatella sagt dazu (auf Bluesky):

Der durchschnittliche Spieler kauft nur 1 bis 2 Spiele pro Jahr und verbringt die meiste Zeit in seinen Lieblingsspielen und das war es dann. Der Game Pass hat vor allem die engagiertesten Teile des Publikums angesprochen … aber das ist nicht die Gruppe, die du erreichen willst, wenn du hunderte Millionen an Abos erzielen willst.

Piscatella glaubt, dass es für das Problem keine gute Lösung gibt. Denn auch eine Umstellung auf Indie-Titel würde in letzter Konsequenz einen nur noch kleineren Teil des Marktes ansprechen. Er fasst seine Analyse mit den Worten zusammen:

All das liegt an der zerschmetternden und verheerenden Auswirkung der Giganten, die Zeit und Geld vom Rest des Marktes einsaugen.

Klar: Wer das ganze Jahr über viel Zeit in ein oder zwei Spielen verbringt, hat gar keine Zeit mehr übrig, um sich Abo-Spiele anzuschauen oder überhaupt Geld dafür auszugeben.

Breiter, bunter, mehr Indie?

Andere wiederum glauben, dass der Game Pass genau mit so einem Fokus auf Indie-Spiele womöglich mehr Erfolg gehabt hätte. Anstatt sich darauf zu konzentrieren, die besonders großen Titel in den Game Pass zu bringen, hätte Microsoft lieber eine breite Palette an kleinen Spielen anbieten sollen, die vor allem für Microsoft günstiger gewesen wären.

In so einem Fall hätte der Game Pass allerdings eine ganz andere Art der Vermarktung wählen müssen. Er hätte nicht mit den riesigen „Day 1“-Titeln werben können, gleichzeitig aber wohl viel günstiger sein können. Denn wenn besonders große Spiele wie Star Wars: Jedi Survivor oder Starfield nicht im Game Pass gewesen wären, hätten diese Spiele wohl deutlich mehr Geld auf dem freien Markt eingenommen.

Direkt im Game Pass – dabei hätte Jedi Survivor auch für sich selbst stehen können.

Von Starfield wissen wir etwa, dass das Spiel rund 300 Millionen Dollar eingenommen hat – das klingt wie ein Erfolg, doch ging man bei Bethesda von einer Milliarde aus, wie wir aus geleakten Dokumenten wissen (Quelle: Insider Gaming). Eine Zahl, die niemals erreicht werden konnte, war das Spiel doch im Game Pass.

Microsoft hat also nicht nur Unsummen bezahlt, um Spiele überhaupt in den Game Pass zu bekommen, sondern am Ende auch die eigenen Einnahmen drastisch geschmälert, indem die Spiele dann für wenige Euro im Monat spielbar waren.

Für manche Gamer war genau das der Traum: Ein neues Spiel für ein paar Wochen intensiv durchzocken und danach den Game Pass wieder ruhen lassen. Ein verlockendes Angebot, von dem absehbar hätte sein müssen, dass gerade die großen AAA-Spiele mit riesigen Entwicklungskosten das überhaupt nicht rechtfertigen können.

Das Ende von Xbox – Ein langsames Einschlummern?

Allerdings gibt es auch die Vermutung, dass der Game Pass kein Produkt ist, das noch eine Zukunft haben wird – egal ob in einer abgespeckten Indie-Variante oder generell. Anstatt den Game Pass in eine stabile Position mit neuer Orientierung und realistischen Zielen zu bringen, glaubt manch einer, dass Microsoft gerade dabei ist, die ganze Xbox-Abteilung Stück für Stück abzubauen und in den nächsten Jahren schlicht leise verschwinden zu lassen.

Einer, der diese Vermutung teilt, ist Seamus Blackley, der häufig als der „Vater der Xbox“ bezeichnet. Der vermutet schon seit einer Weile, dass Microsoft gerade mit seinem vergrößerten Fokus auf Künstliche Intelligenz davon abrücken könnte, Xbox als Kern-Säule des Geschäfts zu sehen. Stattdessen würde sich die Blickweise von Microsoft ändern und Xbox einfach zu einem Teil einer neuen, technologischen Strategie werden, die sich rund um KI und Cloud-Dienste dreht.

In einem Interview (via GameRiv) erklärte Blackley, dass er die neue Führung wie „einen Arzt für Palliativmedizin“ sehe, die dafür sorgen soll, dass „Xbox ganz sanft in die Nacht hinübergleitet“ – also im Grunde so etwas wie eine Sterbebegleitung für einen Teil des Unternehmens, auf den Microsoft keinen großen Wert mehr legt. Entweder, weil das Interesse des Unternehmens sich verschoben hat oder weil man schlicht keine Möglichkeit der Rettung sieht.

Ob das wirklich so kommen wird, bleibt natürlich abzuwarten. Doch schon jetzt ist abzusehen, dass viele der von den Entlassungen betroffenen Studios bei Xbox im Grunde ihre Arbeit kaum noch fortsetzen können und anstehende oder betreute Spiele nicht mehr in dem Umfang unterstützen können, wie das irgendwann einmal geplant war. Das betraf zum Beispiel auch die Macher von The Elder Scrolls Online, die dafür ihre Roadmap komplett umwerfen mussten.

Kommentare

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1 Kommentar
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Gummipuppe

Ich wusste doch, das meine Kündigung, vor 2 Jahren, langfristig massive Auswirkungen auf den GamePass haben würde. 😂

Wenn „wir“ aber ehrlich sind, war das Projekt Xbox und GamePass ab den Tag tot, als man die Xbox One und Always On ankündigte. Davon hat sich Microsoft nie wieder erholt. Und nun bitte den Staffelstab an Sony übergeben, Danke.

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