Das PSN war von einem Ausfall betroffen. Die Probleme gelten für viele auch als Warnung, was es heißt, Spiele nur noch digital zu besitzen. Doch hinter der Abschaffung der Disc stehen auch wirtschaftliche Interessen von Sony.
Am Freitag, dem 24. Juli 2026, war das PlayStation Network, kurz PSN, von einem mehrstündigen Ausfall betroffen: Nutzer konnten sich nicht einloggen, ihre Spiele nicht spielen oder PS Plus verwenden.
Mit der kürzlichen Ankündigung, dass Sony die Disc für die PlayStation einstellen wolle, hat dieser Ausfall noch mal an Brisanz gewonnen. Denn der Ausfall hat gezeigt, was passiert, wenn „Digital only“ plötzlich nicht mehr funktioniert und Spieler in die sprichwörtliche Röhre schauen müssen.
Auf Reddit sorgte dieser Ausfall für wütende Reaktionen und für Proteste, dass „Digital only“ keine gute Idee sei. Einer meint bereits sarkastisch: „Juhu, die ‘vollständig digitale’ Zukunft ist da“, und ein anderer formuliert es noch schärfer: „Hey Sony! Freut ihr euch immer noch darüber, dass ihr physische Datenträger abschafft? Dann genießt mal den Untergang.“
Ausfall bei PSN zeigt deutlich, was eine rein digitale Welt für uns bedeuten kann
Warum ist das so relevant? Gibt es Ausfälle oder Störungen bei PSN, kann das gleich für mehrere Probleme sorgen. Im besten Fall verliert man nur den Zugang zum Online-Mehrspieler, im ärgerlichsten Fall sind jedoch auch gekaufte Spiele und Filme plötzlich nutzlos, wenn für die Lizenzprüfung PSN nötig ist. Cloud-Saves, Trophäen und soziale Funktionen können ebenfalls betroffen sein.
Bei physischen Discs wäre das Risiko deutlich kleiner, weil viele Spiele dann zumindest lokal von der Disc oder von bereits installierten Dateien aus laufen können. Updates lassen sich bei einer physischen Installation in den meisten Fällen überspringen.
Die Disc dient als physischer Nachweis, und viele Titel lassen sich offline oder mit deutlich weniger Serverabhängigkeit starten, solange keine zwingende Online-Komponente eingebaut ist.
Aber: Selbst mit einem Spiel auf Disc seid ihr nicht auf völlig sicherer Seite: Fehlende Day-One-Patches können den Start ebenso verhindern wie ein Online-Zwang oder eine Kontrolle für bestimmte Komponenten, die installiert werden müssen. So hat man das etwa bei Crimson Desert gelöst: Dank einer Online-Sperre war die Disc-Version vor dem Release nutzlos.
Sony muss dringend einen Plan für Notfälle schaffen
Für dieses Problem benötigt Sony jetzt eine Lösung: Grundsätzlich gibt es zumindest eine rudimentäre Lösung, mit der man offline spielen kann, wenn es einen Ausfall gibt. Denn ihr könnt laut PlayStation.com eure PS5 auf Offline-Spiel umstellen, damit die Lizenzen nicht mehr geprüft werden müssen. Das funktioniert aber nur, solange ihr online seid. Sollte es also zu einem plötzlichen Ausfall kommen, dann könnt ihr nicht in den Offline-Modus wechseln, weil PSN vorher nicht noch einmal die Lizenzen prüfen kann.
Sony braucht hier am Ende eine Lösung, die selbst dann funktioniert, sollte das PlayStation Network für Stunden oder sogar für Tage offline sein. Denn sonst können Spieler ihre gekauften Titel nicht spielen und der Ärger ist entsprechend groß. Außer Nutzer verzichten von Beginn an auf den Online-Modus, was aber auch nicht Sinn der Sache sein kann.

Für Sony ist die Abschaffung der Disc vor allem eine wirtschaftliche Entscheidung
Aber warum schafft Sony überhaupt die Disc ab, wenn die Kritik und der Widerstand gegen die Entscheidung so groß sind? Einfach ausgedrückt: Mit der Abschaffung der physischen Disc spart man eine Menge Geld und verdient mehr.
Sony schreibt in seinem offiziellen Blogpost, dass sich der Markt verändert habe und sich „die Vorlieben der Verbraucher und der gesamten Unterhaltungsindustrie weiterhin deutlich von physischen Discs hin zu digitalen Medien verlagern.“
Für Sony ist der Wegfall der physischen Disc vor allem operativ einfacher und meist profitabler, erklärte etwa das Magazin CNBC: Man spart sich Herstellung, Verpackung, Logistik, Lagerhaltung und den Aufwand für den physischen Vertrieb, während Käufe direkt im PlayStation-Store landen. Obendrein muss man keine gefloppten Spiele mehr abschreiben, die man tausendfach hat drucken lassen und die dann in den Lagern verstauben. Man erinnere sich an das Debakel rund um den Helden-Shooter Concord.
Und im PS Store bekommt Sony obendrein die volle Marge bzw. 30 % bei Spielen, die nicht von Sony direkt stammen. Sony, aber auch viele Entwickler argumentieren regelmäßig damit, dass die Entwicklungskosten so stark gestiegen seien, dass man deswegen die höheren Ausgaben mit höheren Preisen rechtfertigen müsse (via esquireme.com). Am Ende erspart uns das weiter steigende Preise: Immerhin zahlen wir für einen Vollpreis-Titel mittlerweile 79,99 Euro und für Deluxe- und Premium-Editonen noch einmal deutlich mehr.
Spieler sind am Ende die großen Verlierer
Am Ende ist es vor allem eine wirtschaftliche Entscheidung, die Sony gefällt hat. Damit macht man sich vielleicht nicht wirklich beliebt, legt aber wichtige Weichen für die Sicherung der eigenen Plattform, die seit Jahren mit schwachen Absatzzahlen bei den Konsolen zu kämpfen hat. Aus dieser Perspektive muss man auch sehen, dass Sony sich entschieden hat, seine Spiele erneut wieder exklusiv für die PlayStation anzubieten: Stärke Kundenbindung an die eigene Marke. Auch wenn das manch einem nicht gefallen wird.
Der größte Gewinner ist Sony, weil Kosten, Kontrolle und Marge steigen. Der größte Verlierer ist meist der Spieler, weil viele Formen von Eigentum und Flexibilität verschwinden. Und weil der Gebrauchtmarkt damit faktisch ausgehebelt wird. Das bedeutet für viele Spieler einen finanziellen Verlust. Denn früher konnte man an- oder durchgespielte Spiele einfach weiterverkaufen und mit dem Geld neue Titel kaufen: Sony’s Entscheidung, die Disc für die PlayStation abzuschaffen, wird uns Gamer viel Geld kosten
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