MeinMMO-Redakteur Dariusz ist als PlayStation-Spieler aufgewachsen und hat Halo deshalb verpasst. Das holt er nun im Test zu Halo: Campaign Evolved nach und zeigt euch, wie gut sich die Neuauflage als Einstieg für neue Spieler eignet.
Wir schreiben das Jahr 2001. Bungie hat gerade sein neuestes Spiel fertiggestellt, das zeigen soll, wozu Microsofts neue Xbox in der Lage ist. Währenddessen verbrachte ich gerade meine ersten Monate im Kindergarten. Ich war vier, spielte mit Playmobil und Hot Wheels oder kickte einen Fußball in Mamas Blumen. Mit Videospielen hatte ich damals noch nichts am Hut.
Rund 10 Jahre später brachte Microsoft mit der Anniversary Edition eine überarbeitete Version von Halo: Combat Evolved heraus, doch als Jugendlicher mit begrenztem Taschengeld fehlten mir als PlayStation-Kind inmitten des tobenden Konsolenkrieges die Mittel, die neue Version des Klassikers zu spielen.
Erneut verstrichen einige Jahre, und jetzt ist es endlich so weit: Halo bekommt sein bislang modernstes Remake und ich kann endlich herausfinden, ob mich der Xbox-Klassiker auch ohne Nostalgie begeistert.
Der Zeitpunkt, an dem ich verstand, warum Halo großartig ist
Halo: Campaign Evolved schaffte es tatsächlich, schon im Hauptmenü einen starken Eindruck zu hinterlassen. Als der Soundtrack des Spiels einsetzte, hing ich bereits am Haken. Ich bin ein Fan von epischer Musik und bekam richtig Bock, in die Kampagne zu starten.
Kurz darauf genoss ich die Intro-Sequenz und ging einige Minuten später meine ersten Schritte als Master Chief. Die Steuerung war sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit Controller sehr direkt und flüssig, aber man verzichtete auf modernes Movement wie das Sliden oder Ziplines und Dashes, wie es sie später in Halo: Infinite gab. Das neue Remake bleibt da oldschool.
Jetzt hieß es aber erstmal, ein paar Aliens in die Fresse ballern.
Während ich meinen Weg durch die Pillar of Autumn bahnte, wirkte das Grafikupdate des Remakes „ganz hübsch“, konnte aber noch nicht in vollem Glanz erstrahlen. Das kam dann später, als wir auf dem Halo selbst landeten:
Das Wasser war wunderschön und auch Bäume, Büsche, Wiesen und der Sandstrand sahen wirklich gut aus. Der Höhepunkt war aber die Skybox, denn über uns ragte das namensgebende Ring-Konstrukt, das nun durch den modernen Detailgrad des Grafikupdates viel mehr wie eine ringförmige Welt wirkte als eine überdimensionale Landkarte.









In den nächsten Stunden schritt ich immer weiter durch die Story des Spiels, wurde mit einer neuen Bedrohung, Verrat und der wahren Aufgabe des Halos konfrontiert. Parallel wurde das Setting deutlich düsterer. Hier ein in Nebelschwaden gehüllter Sumpf, dort ein außerirdisches Konstrukt, das plötzlich nicht mehr in glänzendem Silber erstrahlte, sondern mit den breiartigen Überresten verschiedener Lebewesen überzogen war.
Das war der Zeitpunkt, an dem ich verstand, warum Xbox-Spieler seit Jahren von Halo schwärmen.
Der Shooter ist simpel, unkompliziert, aber atmosphärisch. Statt einer riesigen offenen Welt, in der wir uns überfordert verlieren, gibt es lineare Level, eine Neugier weckende Sci-Fi-Story mit toller Atmosphäre und gelungenem Sounddesign inklusive epischem Soundtrack.
Mein einziger „Kritikpunkt“:
Halo: Campaign Evolved ist kein neues Spiel, vergesst das nicht. Beim Missionsdesign, den Kämpfen und Gegnern merkt man schnell, dass es ein Remake eines 25 Jahre alten Klassikers ist. Die Einfachheit kann ebenso negativ ausgelegt werden. Es ist Halo, kein Destiny 3 und kein Borderlands 5. Ihr seid der Master Chief, der in einem vergleichsweise gemächlichen Gang in feindliche Truppen läuft und sie ganz stumpf über den Haufen ballert – ohne viel Schnickschnack außenrum.





Bonus-Missionen, die ihr spielen könnt, aber nicht müsst
Neben der Handlung von Halo: Combat Evolved beinhaltet das neue Remake auch drei neue Missionen, die ihr unabhängig von der Kampagne spielen könnt und die kleine neue Storystränge erzählen.
Falls ihr nur an der originalen Kampagne interessiert seid, könnt ihr sie getrost ignorieren. Solltet ihr euch jedoch über neue Halo-Inhalte freuen, sind diese durchaus einen Blick wert.
Innerhalb dieser Missionen werden neue, sehenswerte Locations und Gegner eingeführt, eine größere Waffenauswahl angeboten und alles mit modernen Videosequenzen in Szene gesetzt. Ihr könnt die Missionen als eine Art Add-on für das Hauptspiel betrachten.
UE5-Slop mit mieser Performance? Fehlanzeige!
Halo: Campaign Evolved setzt auf die Unreal Engine 5. Im Vorfeld waren deshalb immer wieder Bedenken bezüglich der Performance zu vernehmen, da in den vergangenen Jahren viele Spiele stark unter Performance-Problemen litten, die auf UE5 setzten.
Das Remake von Halo zählt nach meinen aktuellen Erfahrungen jedoch nicht dazu. Trotz meines in die Jahre gekommenen Gaming-Boliden hatte ich durchgängig über 60–70 FPS auf mittleren Einstellungen bei 1440p, ohne auch nur einen Ruckler, FPS-Drop oder Absturz zu verzeichnen.
Getestet wurde auf einem PC, dessen Herzstück eine NVIDIA GeForce RTX 3070, 32 GB Arbeitsspeicher sowie ein AMD Ryzen 7 3700X bilden. Ihr seid also nicht auf hochmoderne Hardware angewiesen.
Fazit: So sollten Remakes sein – allerdings gerne etwas günstiger
Halo: Campaign Evolved ist für mich, also einen Spieler, der das Original bei dem ursprünglichen Release nicht spielen konnte, der perfekte Einstieg in die Reihe gewesen. Es sieht toll aus, spielt sich technisch gut und macht Bock auf mehr. Halo: Campaign Evolved ist die Art Remake, von der ich mir mehr wünsche.
Als neuer Spieler bekomme ich genau das geboten, was ich erwartet habe, und das mit – meiner Meinung nach – sinnvollem zeitlichen Abstand. Das Gaming hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt, wodurch der Sprung im Vergleich zu den vorherigen Iterationen des Spiels deutlich ins Auge fällt.
Es ist nicht das 7. Remake des gleichen Spiels innerhalb von 10 Jahren (ich nenne mal keine Namen). Es ist das zweite in 25 Jahren.
Ich kann euch hier nicht die Einschätzung eines langjährigen Fans bieten, aber ich kann mir vorstellen, dass ihr eine entsprechende Einschätzung bei den Kollegen von GameStar findet. Trotzdem glaube ich anhand des Community-Feedbacks, das ich zur Anniversary Edition von Halo: CE gesehen habe, dass es dieses Mal ein Remake sein könnte, das Fans deutlich besser gefällt.
Als passionierter Geizkragen finde ich trotz all des Lobes 59,99 Euro für ein Remake etwas happig. Ich würde wahrscheinlich auf einen Sale warten oder es über den Game Pass spielen – zumal der Shooter ohnehin nicht unfassbar viele Spielstunden in petto hat.
Wie groß ist euer Interesse an Halo: Campaign Evolved? Werdet ihr euch das Remake anschauen? Schreibt es uns in die Kommentare!
Als ehemaligen PlayStation-Spieler freut es mich sehr, dass nun auch Shooter-Fans auf Sonys Konsole das Game erleben können. Denn seien wir mal ehrlich: Konsolen-Exklusivität ist einfach scheiße.
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