Die dritte Staffel von House of the Dragon ist endlich vollständig und jetzt heißt es zwei Jahre warten, bis Staffel vier startet. MeinMMO-Redakteurin Sophia Weiß hat alles an dieser Season geliebt. Dennoch blickt sie mit Sorgen auf das Finale.
Es ist jetzt acht Episoden später und die dritte Staffel von House of the Dragon ist vollständig online. Es gab endlich richtig coole Drachenkämpfe, ein paar epische Schlachten und spannende Charakterentwicklungen. Ganz ohne Spoiler: Das war eine grundsätzlich richtig gute Staffel, von deren Kaliber ich gerne mehr hätte.
Endlich nimmt sich die Serie die Zeit, auf die großen Ereignisse und Plotpunkte hinzuleiten. Es wird gezeigt – nicht erzählt – wieso sich Personen jetzt anders verhalten als noch in Staffel eins oder zwei. Das gibt der Serie endlich das Gewicht, das mir zu Beginn noch gefehlt hat.
Aber genau dieses Hinleiten sorgt jetzt dafür, dass ich mir Sorgen um die Zukunft des Plots mache, mit Hinblick darauf, dass wir nur noch eine Staffel mit vermutlich acht oder zehn Episoden vor uns haben.
Und ich weiß nicht, ob das ausreichen wird.
Geniale Performances machen aus gehassten Figuren neue Lieblinge
Fangen wir mit dem Positiven an: Staffel drei hat einige der besten Performances aus dem gesamten Westeros-Universum abgeliefert. Emma D’Arcy brilliert in Folge zwei als Rhaenyra Targaryen. Ihre Trauer und Wut über den Tod ihres Sohnes Jacaerys und den implizierten Verrat durch ihre eigenen Leute kommen richtig gut rüber.
Dieser Gefühlsausbruch legt auch den Grundstein für die darauffolgende Entwicklung Rhaenyras: Sie wird immer unsicherer, kämpft mit ihrem Selbstwertgefühl und greift fast verzweifelt nach Legitimation für ihre Regierung und Position. Dabei versucht sie fast schon zu lange in den Fußstapfen ihres Vaters zu folgen und Frieden und Zusammenarbeit zu fördern. Aber das ist nicht mehr die Welt, in der sie lebt.
Gleichzeitig wird ihr Widersacher, ihr jüngerer Bruder Aegon, gespielt von Tom Glynn-Carney, als sympathische Figur aufgebaut. Sein Roadtrip mit Larys Strong quer durch Westeros hat teilweise schon The Office
-Qualitäten vom Humor-Level.
Aegon startet als weinerlicher Verlierer in die Season, findet sein Selbstbewusstsein und beendet sie triumphal im Angesicht seines geläuterten jüngeren Bruders und Peinigers Aemond. Ein wirklich toller Charakter-Arc und ich kann verstehen, wenn es jetzt wieder mehr Fans von Team Grün gibt. Man könnte fast vergessen, dass er ein saufender Vergewaltiger ist.
Auch Daemon hat sich diese Staffel richtig gut gemacht. Nachdem er in Staffel zwei noch versucht hat, sich selbst zum König zu machen, steht er jetzt fest hinter seiner Ehefrau Rhaenyra und ist ihr treu ergeben. Er ist auch der einzige, der in Team Schwarz die Prioritäten sauber sortiert hat. Mal abgesehen von den Problemen um seine Tochter Rhaena.
Daemon hat Rhaenyra mit dem Gedanken, dass sie Rhaena etwas Böses wollen könnte, einfach komplett falsch eingeschätzt. Ich mag es übrigens, dass Rhaena die Storyline von Nessel bekommen hat. Auch in den Büchern heißt es, Daemon würde sich fast wie ein Vater um Nessel kümmern. Das passt ja dann.
Die Drachen waren übrigens diese Staffel auch wieder richtig gut: Seien es Schafsdieb mit seinem fiesen Unterbiss, das verliebte Pärchen Vermithor und Silberschwinge oder auch die dieses Mal richtig aggressive Syrax. Die Auszeichnung für den besten Hausdrachen geht aber an Nudel-Boy Caraxes, der auch ohne die Anweisung von Daemon exzellente Entscheidungen trifft. Allein in der letzten Episode ist er es, der Ulf und Silberschwinge davon abhält, Stolperstadt komplett niederzubrennen.
Ulfs Verrat übrigens? Reine Perfektion. Dass er Rhaenyra verraten würde, wurde wunderbar aufgebaut. Dass er aber von Ormund direkt genauso schlecht behandelt werden würde und sich dann einfach gegen beide Seiten stellt? Ich liebe es. Da hat sich Haus Hohenturm, die mit Ormund übrigens einen exzellenten Bösewicht aufs Feld geführt haben, leider verzockt.
Alles in allem gab es endlich mehr von dem, warum ich House of the Dragon schaue: mehr Drachen, mehr Schlachten und tolle Charakterentwicklungen.
Charakterentwicklung ist nicht immer gut
Schwierig fand ich hingegen Aemonds Story. Der Typ aus Team Grün mit dem größten und gefährlichsten Drachen lässt sich niederstechen, woraufhin er fast hilflos dem Einfluss einer über 100 Jahre alten Frau ausgesetzt ist. Sein anfängliches Selbstvertrauen schwindet und Aemond wird zahm.
Charakterentwicklung ist gut, aber Alys nutzt ihn aus und sein Verhalten dem zurückgekehrten Aegon gegenüber ist schon fast unterwürfig. Ja, Aemond hat versucht, seinen Bruder zu töten. Jetzt könnte er wenigstens hinter dieser Entscheidung stehen.
Auch Alicent hat diese Staffel keine Meisterleistung aufs Brett gelegt. Ende der zweiten Staffel wollte sie noch als große Strippenzieherin Rhaenyra auf den Thron verhelfen. Daraus geworden ist ein goldener Käfig für sie und ihre einzige Tochter Helaena.
Dafür, dass Alicents Sorge um ihre Kinder auch der eigentliche Grund für die Antagonisierung von Rhaenyra war, hat sie besonders ihre älteren beiden Söhne sehr schnell dem Drachen zum Fraß vorgeworfen. Dass Aegon und Aemond keine Unschuldslämmer sind, sollte ihr ja vorab klar gewesen sein.
Aber diese 180-Grad-Wende war dann schon komisch. Auch im Hinblick darauf, dass Alicent in Staffel drei jetzt einfach teils bockig unterwegs war und Rhaenyra, ihrer Gefängniswärterin, Gegenwind gegeben hat. Und dann ließ sie ihre unschuldige Tochter Helaena auch noch allein, um einen ihrer Söhne selbst zu töten?
Alicents Charakter war diese Staffel einfach nicht konsistent.
Zeit zum Atmen, aber zum Preis des Pacings
Staffel drei hat sehr viel richtiger gemacht als noch Staffel zwei, die uns, was den eigentlichen Tanz der Drachen anging, fast schon verhungern ließ. Aber auch diese Season hat sich für sämtliche Plotpunkte sehr viel Zeit gelassen. Ich finde es gut, zu sehen, wie Rhaenyra langsam aber stetig verzweifelt und dann im Finale den Schalter umlegt und endlich aktive Teilnehmerin in ihrem eigenen Krieg wird.
House of the Dragon hat uns im Endeffekt gegeben, was wir an Staffel 1 sowie an den finalen Seasons von Game of Thrones vermisst haben: Zeit, die Charaktere atmen und sich entwickeln zu lassen. Rhaenyra wird nicht wie Daenerys mit einem Wimpernschlag wahnsinnig und verbrennt Königsmund. Wir können nachvollziehen, wie ihr Wahn, ihre Paranoia langsam wächst. Das ist gut.
Aber wir wissen auch, dass Staffel vier die letzte sein wird. Folge acht hat uns jetzt die erste von zwei Schlachten um Stolperstadt gebracht. Jetzt fehlen aber noch eine ganze Reihe anderer Ereignisse, die in etwa acht, maximal zehn weitere Folgen erzählt werden müssen. Mit dabei unter anderem:
- Der Fall von Drachenstein
- Die Revolte von Königsmund
- Der Sturm auf die Drachengrube
- Die zweite Schlacht von Stolperstadt
- Die Schlacht über dem Götterauge
- Schlacht auf dem Königsweg
- Die Stunde des Wolfes
Das könnte alles ganz schön eng werden. Natürlich muss nicht jede einzelne Auseinandersetzung gezeigt werden – die Schlacht am Seeufer wurde in Folge zwei ja auch nur angerissen. Aber ich denke, es wäre suboptimal, wenn zumindest die Kämpfe, in denen Drachen und Hauptcharaktere sterben, es nicht auf den Bildschirm schaffen.
Und es leben noch vergleichsweise viele Feuerspucker – ich hatte mit einer stärkeren Ausdünnung über die Season hinweg gerechnet. Aber bis auf Vermax haben wir keins der Biester verloren. Ich will mich nicht beschweren, ich liebe die Drachen ja sehr. Im großen Finale dann aber alle gleichzeitig zu verlieren, wird schon hart.
Nachschlag gefällig? Bis in zwei Jahren!
Es ist gut, dass wir so viel Zeit bekommen haben, die Figuren in ihrer Entwicklung zu beobachten. Staffel drei hat auch irrsinnig viel Spaß gemacht. Von der Schlacht in der Gurgel bis zur ersten Auseinandersetzung in Stolperstadt. Aber ich mache mir eben Sorgen, ob und wie viel wir von dem beachtlichen Stapel an noch vor uns liegendem Material wirklich adaptiert bekommen.
Vor allem wenn wir bei dem bisherigen Detailgrad bleiben und die Charaktere auch weiterhin so viel Luft zum Atmen bekommen, bin ich eher negativ gestimmt. Gleichzeitig bin ich aber um eben dieses Pacing so dankbar, weil es die Entscheidungen der Charaktere klarer macht.
Eine tolle Staffel mit ihren Höhen und Tiefen, die versucht hat, die Fehler von Game of Thrones zu vermeiden. Wenn sie jetzt statt vier einfach fünf Seasons produzieren würden, wäre für mich alles fein.
Etwas traurig stimmt mich allerdings noch die anstehende Wartezeit: House of the Dragon ist wegen der CGI-Drachen leider keine jährliche Show, sondern kommt nur alle zwei Jahre neu raus. 2027 dürfen wir uns zwar auf eine neue Runde A Knight of the Seven Kingdoms freuen, aber da sind halt einfach keine Drachen dabei. Wir sammeln übrigens alle Informationen, die schon bekannt sind, und zukünftig auch die, die neu verkündet werden, in einem eigenen Artikel. Wenn ihr also mehr zu Staffel vier wissen wollt, könnt ihr das direkt hier nachlesen: House of the Dragon Staffel 4: Release, Besetzung, Handlung und mehr – Alle Infos zur neuen Staffel
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