Der Arc von Aemond Targaryen in Staffel drei von House of the Dragon macht aus einem bösartigen Möchtegern-Daemon einen handzahmen Jungen mit Mommy Issues. Er könnte einem fast leid tun.
House of the Dragon Staffel 3 neigt sich leider schon langsam dem Ende zu und in Folge sieben wurde es noch einmal richtig schön … Game-of-Thronesig mit Drama, Mord und Totschlag, aber vor allem mit einer guten Portion Inzest.
Weil Aemond Targaryen, der Temu-Daemon, so hart unter seinen Mommy Issues leidet, wird er von einem völlig abgedrehten Ödipus-Traum eingeholt und bekommt nicht mit, dass Mama ihm so gar nicht wohlgesonnen ist. Dabei verhält sich Alicent mittlerweile überhaupt nicht mehr subtil.
Und das Schlimme ist ja, dass Aemond wohl als einer der wenigen in House of the Dragon wirklich Potenzial hätte, den Krieg für seine Seite zu entscheiden.
Aemond könnte den Krieg gewinnen – Wenn der Ödipuskomplex nicht so kicken würde
Aemond Targaryen hat schon in Staffel eins und zwei bewiesen, dass er absolut ruchlos und grausam sein kann. Der Tod von Lucerys Velaryon, dem zweiten Sohn von Rhaenyra, mag vielleicht noch ein Unfall gewesen sein. Aber mittlerweile hat Aemond selbst zugegeben, dass der Angriff und die Verstümmelung seines älteren Bruders Aegon volle Absicht war.
Vermutlich wollte Aemond sich damit für all die Jahre der Tortur an Aegon rächen: Zuerst mobbte er Aemond nämlich dafür, dass er keinen Drachen hatte. Dann dafür, dass er ein Auge an die Strong Boys
verlor. In Staffel zwei entdeckt Aegon, dass Aemond seinen Frieden in den Armen einer älteren Prostituierten sucht – wofür er seinen jüngeren Bruder vor versammelter Mannschaft runterputzt.
Zum Start der dritten Staffel lässt sich unser junger Möchtegern-Daemon – weil das ist es, wie Aemond sich sieht: Wie Daemon, nur besser (ist er aber nicht) – von der anderen wichtigen Person in seinem Leben manipulieren. Nämlich von seiner Mutter Alicent. Dabei müsste es diesem jungen, schlauen Mann doch langsam klar sein, dass besagte Mama nun wirklich nichts Gutes im Schilde führt.
Zuerst lässt er sich von ihr aus Königsmund weg nach Harrenhal schicken, was eigentlich als eine Falle gedacht war. Die hätte auch zugeschnappt, wenn Ulf, Hugh und Adam nicht von Alys Rivers zur Schlacht in der Gurgel geschickt worden wären.
Statt von dort aus dann aber gezielt seine eigenen Armeen zu unterstützen und den Krieg für die Grünen weiter voranzutreiben, lässt er sich niederstechen und muss von eben jener Alys Rivers gesund gepflegt werden. Die spielt ihn daraufhin fast schon wie eine Flöte und drückt alle richtigen Knöpfe: Sie hat dunkel lange Haare, ist älter
und behandelt ihn mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Fürsorge. Ganz wie die Mutter.
Soweit wäre es aber alles gar nicht gekommen, wenn Aemond sich nicht von Mama Alicent hätte beeinflussen lassen. Alicent ließ es sogar über sich ergehen, dass ihr Sohn sie küsst, damit er ihre guten Absichten, ihn zu schützen, auch wirklich glaubt.
Das wird in Folge sieben endlich auf die Spitze getrieben: Aemonds Szene beginnt damit, dass er mit Alicent ein Gespräch in Harrenhal führt. Die Situation gerät aber so außer Kontrolle, dass Aemond sich plötzlich mit seiner Mama im Bett beim Sex wiederfindet. Für Aemond vermutlich der große Traum, auch wenn er es sich nur ungern eingestehen will.
Immerhin stellt sich schnell heraus, dass er den Inzest nur geträumt hat und eigentlich mit Alys zu Gange war.
Aber nur wenige Augenblicke später steht seine echte Mutter vor ihm und Aemond scheint vor lauter post-koitalem Nebel im Hirn einmal mehr nicht zu verstehen, dass Alicent nicht mit guten Absichten bei ihm ist.
Würde der Ödipuskomplex bei Aemond nicht so hart kicken, würde er sich vermutlich ein paar mehr Fragen stellen: Wie hat es meine Mutter geschafft, aus Königsmund zu entkommen? Wieso hat sie einen Beschützer dabei, der ihr treu ist, und den Rhaenyra bei ihrer Säuberungsaktion nicht gefunden hat? Warum ist meine Mutter die ganze Zeit so nervös, wenn sie hier in Sicherheit bei mir in Harrenhal ist?
Alicent hat das volle Vertrauen ihres Sohnemanns aus Gründen, die keiner Mutter gefallen sollten. Und Alicent ist sich der Gefühle ihres Sohnes ja auch bewusst. Entsprechend nutzt sie diese aus und versucht, Aemond zu vergiften. Vermutlich erfolglos, da Alys Rivers sich sehr gut mit Gegengiften auskennt.
Aber ob Aemond sich jetzt endlich von seiner Mama lossagen können wird, ist, denke ich, fraglich. Dafür sitzen die Komplexe viel zu tief.
Temu-Daemon wird in diesem Krieg nichts mehr reißen
Aemond hat sich mit seinem unbegründeten, blinden Vertrauen in Mama Alicent in eine Ecke manövriert: Sein Drache Vhagar ist weg und macht, was sie will, er lebt in einer feuchten und verfallenen Burg und seine einzige Begleitung verfolgt vermutlich ganz eigene Ziele.
Tatsächlich ist der Plan von Aemond und Alys absolut absurd: Die beiden wollen mehrere neue Drachenreiter in die Welt setzen, die fünf in Harrenhal gefundenen Dracheneier ausbrüten und sich dann die sieben Königreiche sichern. Mal ganz abgesehen davon, wie lange es dauert, junge Drachenreiter zu zeugen, großzuziehen und auszubilden…
Aemond scheint so fixiert auf seine Mutter zu sein, dass schon der Punkt mit der Zeugung ein großes Fragezeichen ist. Als der junge Targaryen nämlich merkt, dass er mit Alys und nicht Alicent zu Gange ist, bricht er das Techtelmechtel sofort ab.
Außerdem tobt der Krieg jetzt gerade in diesem Moment – Rhaenyra gegen Aegon. Oder vielmehr Rhaenyra gegen Ormund Hohenturm, der ihr mit hocheffektiven Intrigen das Leben schwer macht. Damit Aemond im Tanz der Drachen doch noch einmal ein relevanter Spieler wird, müsste er Harrenhal endlich verlassen und seinen Drachen suchen gehen.
Das sehe ich nur nicht passieren – nach dem Anschlag mit Nachtschatten auf sein Leben wird er sich noch eine Weile länger erholen müssen. Zudem ist er in Harrenhal so isoliert, dass er gar nichts vom Krieg an sich mitbekommt.
Aemond macht im Grunde gerade unfreiwillig offline Urlaub und bekommt vom Chaos bei ihm auf der Arbeit einfach gar nichts mit. Dabei reitet er den größten und gefährlichsten Drachen der Serie.
Wenn der Möchtegern-Daemon wirklich noch einmal effektiv eingreifen will, dann muss er in der anstehenden letzten Folge endlich wieder selbst agieren und seine Aktionen bestimmen. Aber weil er nicht die Willensstärke von Daemon hat, glaube ich nicht daran. Aemond wird den Rest des Krieges in Harrenhall aussetzen, von verstörenden Mutter-Fantasien träumen und sich von Alys Rivers manipulieren lassen.
Sehr schade, eigentlich. Er hatte sehr viel Potenzial.
Mit Folge acht geht die dritte Staffel von House of the Dragon dann demnächst auch zu Ende. Was genau passieren wird, steht aktuell noch in den Sternen. Der Verrat von Ulf muss noch offengelegt und die Situation in Stolperstadt gelöst werden. Alles dazu, wann euch die nächste Folge erwartet, könnt ihr hier nachlesen: House of the Dragon Staffel 3: Wann kommt Folge 8? – Alle Termine der neuen Staffel
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