Nach zwei Staffeln Warten macht House of the Dragon jetzt Nägel mit Köpfen. MeinMMO-Redakteurin Sophia Weiß weiß: Rhaenyra ist endlich das, was sie schon immer sein sollte, und Emma D’Arcy verdient alle Schauspielauszeichnungen der Welt.
Ich habe es mir selbst prophezeit und ich hatte absolut recht: Die ersten beiden Episoden von House of the Dragon Staffel drei haben mich komplett zerstört. Die Schlacht in der Gurgel war schon absolut mitreißend. Jetzt haben die Serienmacher noch einen drauf gesetzt.
Erstmal ganz ohne Spoiler: Emma D’Arcys Darstellung von Rhaenyra in dieser Folge ist exzellent. Ganz egal, ob man Team Schwarz oder Grün ist. Egal, ob man die Serie überhaupt schaut. D’Arcys Schauspiel erreicht hier komplett neue Höhen und reißt unglaublich mit.
Was mich aber am meisten freut, ist, dass der Charakter Rhaenyra endlich zu dem wird, worauf ich seit zwei Staffeln warte. Ach, was rede ich. Worauf ich warte, seit Daenerys mit ihren drei Drachen in Westeros gelandet ist!
Endlich ist sie da, die schwarze Königin, auf die wir alle warten
Am Ende von Episode eins stirbt Jacaerys Velaryon, Rhaenyras ältester Sohn und Kronprinz von Team Schwarz. Folge zwei führt diesen Plot fast nahtlos fort: Baela, Jaces Verlobte, bringt ihn nach Hause. Rhaenyra läuft auf den Toten zu und scheint erst einmal gar nicht zu verstehen, was passiert ist.
Sie fragt ihren Sohn, was er getan hat. Wieder und wieder. Irgendwann schüttelt sie seinen leblosen Körper und muss von ihrem eigenen Leibwächter zurückgerissen werden. Der Leibwächter, der in der vorherigen Folge die Anweisung seiner Königin ignoriert und sie auf das Geheiß des nun verstorbenen Prinzen eingeschlossen hat.
Im Folgenden entgleisen der trauernden Mutter die Gesichtszüge. Sie weint. Sie schreit. Sie wirft ihrem Hofstaat Hochverrat vor, denn alle im Raum wussten von Jaces Befehl, der nie über dem von Rhaenyra selbst hätte stehen dürfen. Hätten sie – wie sie auch sollten – auf ihre Königin gehört, wäre der Prinz nun vielleicht nicht tot.
Die Szene selbst ist eine schauspielerische Meisterleistung der Extraklasse. Ich habe noch nie Gefühle der Trauer, Wut und Ohnmacht derart intensiv durch den Fernseher hindurch gespürt. Emma D’Arcy spielt Rhaenyra nicht als schön weinende weibliche Hauptfigur, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Sondern als gebrochene, reale Frau. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Danach versinkt Rhaenyra erst einmal in tiefer Trauer. Es braucht ihren Ehemann Daemon und ein paar ermutigende Worte auf Valyrisch, um sie aus ihrem Trott zu bringen:
Ihre beiden Söhne sind gestorben, um ihr den Thron zu sichern. Jetzt aufzugeben und sich das eiserne Ding nicht zu sichern, wäre eine Verschwendung dieser beiden Opfer.
Gemeinsam mit Daemon und den Drachensaaten tut die Königin jetzt endlich das, was ich und ich glaube viele andere schon lange von ihr und auch von Daenerys wollten: Sie fliegen nach Königsmund und nehmen den roten Bergfried ein.
Das funktioniert natürlich nur, weil Alicent Wort gehalten und die Tore buchstäblich geöffnet hat. Im Bergfried selbst hat Daemon den Spaß seines Lebens: Er macht den Weg frei von den Soldaten von Team Grün und schneidet jeden um, der sich ihnen in den Weg stellt. Im Thronsaal eilen ihnen dann auch noch die Goldröcke zu Hilfe. Damit gehören Königsmund und der königliche Sitz endlich der rechtmäßigen Königin.
Als erste Amtshandlung verliert der Konspirator Otto Hohenturm durch Rhaenyras Hand den Kopf. Er hatte Alicent ja in Staffel eins zu Viserys geschickt und im Hintergrund Aegon immer wieder als Kronprinz gepusht.
Dann ist es soweit: Zittrig, aber endlich am Ziel besteigt Rhaenyra ihren Thron, das Schwert ihres verstorbenen Sohnes Jace an der Seite.
Westeros hat endlich seine erste Königin und die rechtmäßige Nachfolgerin von Viserys ihren Thron. Da kann sich eine gewisse Daenerys eine Scheibe von abschneiden.
Daenerys hat gefehlt, was Rhaenyra hat: Ein Macher an der Seite
Zwei Staffeln lang habe ich immer wieder darunter gelitten, dass die schwarze Königin noch versucht hat, den Frieden zu wahren. An sich hat sie ja nichts gegen ihre jüngeren Geschwister und ein Krieg war nie in ihrem Sinne. Aber während sie zögerte und zauderte, schaffte Team Grün einfach Fakten.
Es ist so traurig, dass zwei ihrer Söhne sterben mussten, um Rhaenyra in das richtige Mindset zu bekommen, selbst endlich die Initiative zu ergreifen. Klar, in Folge eins hat man ihr einfach die Initiative genommen, als sie ihrer Flotte selbst zur Hilfe eilen wollte.
Aber eben genau diese Rhaenyra, die es eben nicht auf sich sitzen lässt, andauernd geschasst zu werden. Die hat mir gefehlt. Jetzt hat sie selbst Fakten geschaffen.
Das ist auch etwas, was mich an den letzten Staffeln von Game of Thrones ja so genervt hat: Daenerys hatte drei recht große Drachen. Zur Zeit von House of the Dragon sind die Mauern des roten Bergfrieds noch mit den Bolzen schießenden Skorpionen bewehrt, aber eben nicht mehr zur Zeit von Tommen Baratheons Herrschaft. Wenn man Cersei auch keine Zeit zum Aufrüsten gibt, bleibt das auch so.
Dany hätte einfach nach Königsmund fliegen und die Stadt einnehmen können. Klar, sie wollte kein Eroberer sein. Aber wie Olenna Tyrell schon sagte: Die Lords von Westeros sind Schafe. Bist du ein Schaf? Nein. Du bist ein Drache. Sei ein Drache.
Unnötige Grausamkeiten sollten natürlich nicht ausgeübt werden. Dann wäre man ja nicht besser als der Rest der Welt. Aber, um Sunzi zu zitieren:
Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.
Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden.
Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.
Sunzi, Die Kunst des Krieges
Daenerys kannte ihre eigenen Streitmacht – die 8.000 voll trainierten Unbefleckten, etwa 100.000 Dothraki-Krieger, zwischen 300 und 400 Schiffe sowie drei mindestens mittelgroße Drachen. Wenn ich mich richtig erinnere, wusste sie auch, was Cersei hatte. Nämlich die Lannister-Armee, die Goldene Kompanie, die eiserne Flotte und die Stadtwache.
Alles in allem hätte Dany den Konflikt um den eisernen Thron vermutlich relativ einfach und früh beenden können, um sich dann um das Problem im Norden zu kümmern.
Aber sie wollte ja kein Eroberer sein, der alles niederbrennt. Hätte sie auch nicht sein müssen. Sie hatte zumindest zu Beginn noch eine ganze Reihe sehr kluger Taktiker in ihrem Beraterstab. Die hätten das für sie schon klar gemacht. Ein bisschen belagern, ein bisschen mit den Drachen wackeln – fertig.
Was Daenerys gefehlt hat, war vermutlich einfach so ein Macher, wie ihn Rhaenyra mit Daemon zur Seite hat. Daemon ist bei Zeiten ein richtig schlechter Ehemann. Aber als es jetzt darum ging, seiner Frau endlich den Sessel zu organisieren, der ihr zusteht? Holla die Waldfee, hat er abgeliefert!
Ein Macher muss übrigens nicht zwingend ein Mann sein. Rhaenyra hat nun mal einen Ehemann, der einfach Fakten schafft. Das hätte für Daenerys Oleanna sein können. Eben eine Person, die nicht zögert und wartet, sondern sich hinstellt und sagt, “wir machen das jetzt, los gehts” und dann auch Ergebnisse liefert.
Sie hat die Krone, jetzt muss sie dieser auch würdig sein
Mein Lieblings-Murder-Hobo Daemon hat seiner Königin jetzt also zu Krone und Reich verholfen. Jetzt muss sie nur noch beweisen, dass sie des Ganzen auch würdig ist. Kluge Entscheidungen treffen zum Beispiel.
In den Büchern wird sie allerdings als Rhaenyra, die Grausame, betitelt. Es kann natürlich sein, dass sie jetzt eine 180-Grad-Wende hinlegt, nachdem Gewalt sie zurück in den roten Bergfried gebracht hat. Nach alldem, was ihr aber bisher passiert ist, muss ich gestehen, dass ich bereit bin, das eine oder andere Auge zuzudrücken.
Wie genau ihre Regierungszeit aussehen wird, sehen wir dann vermutlich in der dritten Folge. Auf die freue ich mich schon, auch wenn ich natürlich leidern noch ein paar Tage darauf warten muss. Mehr dazu lest ihr übrigens hier: House of the Dragon Staffel 3: Wann kommt Folge 3? – Alle Termine der neuen Staffel
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