Mecker Mittwoch: Die Sucht nach Likes, Upvotes und Shares

Führen Likes, Upvotes und Shares in eine Abhängigkeit? Cortyn plaudert aus dem Nähkästchen.

Heute wenden wir uns mal vom direkten Umfeld der Videospiele und sprechen über Soziale Medien, Kommentare und die Gier nach Aufmerksamkeit, die in allen schlummert. Ja, auch in dir.

Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch in irgendeiner Form nach Anerkennung giert. Nicht alle wollen im realen Leben im Rampenlicht stehen, doch von anderen wahrgenommen zu werden und Zustimmung zu erhalten ist – so glaube ich – ein Grundbedürfnis aller Menschen.

Und genau deshalb sind Bewertungsmöglichkeiten im Internet auch so ein Erfolg. Ganz abgesehen davon, dass Unternehmen durch Likes und andere Angaben viel genauer ihre Werbung schalten können, hat das auch soziale Folgen für die Nutzer. Jedes Mal wenn ein Beitrag einen „Like“ auf Facebook, einen Upvote auf Reddit oder einen Daumen auf Youtube bekommt, dann ist das ein kleiner, virtueller Klopfer auf die Schulter des Beitragerstellers, der aber echte Zufriedenheit erfährt.Social Media Chaos

Anders kann ich mir nicht erklären, warum Soziale Medien und Kommentarspalten so einen bahnbrechenden Erfolg hatten.

Da das Schreiben und Veröffentlichen von Artikeln und News mein Beruf ist, komme ich um diese ganze „Like“- und „Upvote“-Thematik nicht herum. Ich werde mit jedem Artikel, mit jeder News, mit jedem Kommentar und jedem geposteten Bildchen damit konfrontiert.

Und ich will mich von dieser Anfälligkeit auch nicht ausnehmen. Wenn ich auf unserer Facebook-Seite sehe, dass ein Artikel von mir 10, 20, 30 oder mehr „Likes“ bekommt, dann macht mich das zufrieden. Selbst dann, wenn die tatsächlichen Aufrufzahlen des Artikels relativ gering sind. Nur ein einziger Kommentar, der mir sagt „Schöner Artikel, war spannend zu lesen“ gibt mir oft mehr als Tausende Aufrufe, die eigentlich viel stärker für den beruflichen Erfolg stehen.

Es ist eine Sucht, die sich rasend schnell festsetzt.

Diese Sucht nach Anerkennung und Aufmerksamkeit im Internet nimmt gelegentlich sogar pervertierte Formen an. Immer wieder finden sich Kommentare von Leuten, bei denen man auf den ersten Blick merkt: Die wollen nicht wirklich diskutieren, sie wollen nur Stunk verbreiten. Und mit jeder Reaktion auf so einen Kommentar bekommen sie genau das, was sie sich ersehnen: Wahrnehmung und Anerkennung.

Sind diese kleinen Klopfer auf die Schulter ein Problem? Grundsätzlich nicht. Aber sie machen süchtig und das verdammt schnell.

Das Problem ist – meiner Meinung nach – dass Anerkennung auf diese Weise viel zu einfach vergeben wird. Unter irgendeinem Artikel oder Video muss man im Kommentar nur eine starke Meinung vertreten – selbst wenn es kaum Gegenpositionen dazu gibt. „Mobbing sollte an Schulen gar nicht existieren!“ – das ist so manch einem anderen Menschen schon ein Like wert. Es ist leicht zu bekommen, benötigt weder Anstrengung vom Verfasser des Kommentars noch vom „Liker“.

WoW Legion warrior furor

So manch einer verliert Online die Beherrschung.

Wenn ich Anerkennung auf diese Weise so rasch und problemlos bekommen kann, verstehe ich plötzlich viel besser, warum man im Internet immer wieder den klischeehaften „gescheiterten Existenzen“ über den Weg läuft, die sich aufführen wie die Axt im Walde. Der Kick mit einem kleinen bisschen Anerkennung ist immer zum Greifen nah – und viel einfacher vor dem Bildschirm zu bekommen als „draußen in der echten Welt“.

Herrje, ich klinge wie ein veraltetes ZDF-Magazin. Ich sollte hier zum Schluss kommen.

Ich weiß inzwischen gar nicht mehr so richtig, wo ich mit dieser Kolumne angefangen habe und wo sie eigentlich hinführen sollte. Aber wenn Ihr bis hierhin durchgehalten habt: Lasst mir doch einen Kommentar da. Oder auf Facebook einen Like.


Vor einer Weile ging es beim Mecker Mittwoch um Gewalt – einige Spiele übertreiben es nämlich.

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