Mecker Mittwoch – Mass Effect: Andromeda ist kein Beziehungs-Simulator

Einige Autoren versuchen in Mass Effect: Andromeda etwas zu sehen, was das Spiel nicht sein kann und will. Grund genug, ein bisschen zu meckern.

Einen schönen Mittwoch wünsche ich Euch allen. Eigentlich wollte ich, weil Mass Effect: Andromeda darauf wartet, komplett durchgezockt zu werden, den Mecker Mittwoch ausfallen lassen. Aber nein, dann würde ich ja alle enttäuschen, die sich auf die Kolumne freuen und alle im Stich lassen, die sich jede Woche aufregen, dass es diese Kolumne gibt.

Aber kommen wir direkt zum Thema: Mass Effect: Andromeda.

Nachdem ich vor einigen Tagen mein Review zum Spiel veröffentlicht habe, wollte ich natürlich auch lesen, was andere Seiten so schreiben. Während ich nicht immer ganz übereinstimme, manche Kritikpunkte aber durchaus verstehen kann, gab es einen Artikel, der mir besonders aufgefallen ist.

Der Artikel „Im Weltall hört dich niemand stöhnen“ (Link zum Artikel bei „Zeit Online“) ließ mich schon bei der Überschrift die Augenbrauen anheben. Wenn man sich aber die URL anschaut, kann man schon grob erahnen, wohin die Reise geht: „mass-effect-andromeda-sex-geschlechtsverkehr“Mass Effect Asari DancersZeit Online rückt hier die Möglichkeit der sexuellen Beziehungen in ME:A in den Fokus des Artikels und macht jede Menge Fässer rund um Sex, Beziehungen und Liebe auf. Es geht dabei viel um die Bedeutung von zwischenmenschlichen Beziehungen, wie Sex eine Beziehung verändert und was für für Gefühle, Emotionen, Triebe und viele andere Dinge damit einhergehen.

Vor allem geht es aber darum, dass die Beziehungen in Mass Effect: Andromeda nicht mehr seien als „Jetzt X drücken für Geschlechtsverkehr.“

Den Vorwurf finde ich grundlegend falsch. Das ist so, als wirft man dem neuesten Actionfilm aus Hollywood vor, kein Beziehungsdrama zu sein. Ja, irgendwo stimmt das, aber der Film will das auch gar nicht.

Es kommt auch immer darauf an, was ein Spiel sein will und wie andere Spiele mit dem Thema umgehen, damit man das in einen Kontext setzen kann. Mass Effect ist hier aus meiner Sicht deutlich erwachsener als die meisten anderen Spiele, in denen Sex vorkommt.

Die Charaktere sind eigenständig und fernab von einem „Schnapp dir eine Prostituierte, damit es deinem Charakter wieder gut geht“ wie in GTA. Sie sind vielschichtig, haben eigene Ansichten, Vorlieben und Abneigungen und fühlen sich nach richtigen Charakteren an.

Mass Effect Andromeda LexiDoch in dem Artikel wird versucht aus Mass Effect: Andromeda etwas zu machen, dass es nicht sein kann und nicht sein will: ein Beziehungs-Simulator.

Wie der Autor selber – im letzten Absatz erst – sagt, ist Mass Effect: Andromeda kein Spiel über „komplexe, brüchige und schmerzhafte Beziehungen mitsamt Sex.“ Richtig. Ich will mit Peebee nicht darüber diskutieren, was wir an unserem Jahrestag machen und wer heute die Wäsche wäscht und ob vegane Ernährung für uns nicht besser wäre.

Ich will auch nicht, dass Liam mir die Ohren vollheult, weil er nicht weiß, ob wir uns ein zweites Kind leisten können, ob der Antrag auf Kindergeld vom Nexus bestätigt wurde und ob ich als Pathfinder als selbstständig oder angestellt gelte und meine Credits anders versteuern muss.

Es ist ein gottverdammtes SciFi-Action-RPG und kein Beziehungssimulator.


Letzte Woche ging es um das Gegenteil – Gewalt um jeden Preis.

Autor(in)
Quelle(n): zeit.de
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