Mit Epitome möchten die Entwickler des gleichnamigen Studios ein MMORPG der nächsten Generation liefern, das in Sachen „Massively“-Erfahrung und KI-Nutzung neue Standards setzen soll. Auf Steam ist jetzt eine Demo verfügbar. MeinMMOs Genre-Experte Karsten Scholz hat reingespielt.
Wer beim Grindfest 2026 meine Tier List zu den MMORPGs der Zukunft gesehen hat, der weiß, dass ich mit Blick auf Epitome trotz des beeindruckenden Kickstarter-Erfolgs sehr skeptisch bin. Oder anders formuliert: Das Online-Rollenspiel des gleichnamigen Studios ist bei mir im C-Tier gelandet. C-Tier wie „Wenn diese Spiele rauskommen, werden sie im Westen als Flop oder große Enttäuschung in die Geschichte der MMORPGs eingehen“.
Der wichtigste Grund für meine Skepsis: Die Pläne für das Next-Gen-MMORPG sind ambitioniert. Man möchte eine riesige, immersive Welt erschaffen, in der sich über 33.000 Spieler zeitgleich bewegen sollen, ohne dass diese auf mehrere Layer, Phasen, Instanzen oder Kanäle aufgeteilt werden. Die Entwickler versprechen pulsierende Städte und epische Schlachten.
Wie viele andere Studios konnten so eine „Massivley“-Spielerfahrung mit vergleichbaren Spielerzahlen in den vergangenen drei Dekaden anbieten, ohne dass die Server oder PCs der Spieler in die Knie gegangen sind? Null! Epitome möchte obendrauf aber auch noch Next-Gen-Grafik bieten, mit dynamischem Wetter, Tag-Nacht-Zyklen und weiteren Spielerreien.
Das glaube ich erst, wenn ich mittendrin in ner Schlacht stehe und spielbare Frames habe.
Meine Skepsis nährt sich aber auch durch Epitomes Fokus auf KI-Inhalten. NPCs sollen beispielsweise dank fortschrittlicher KI wie dynamische Individuen wirken und innerhalb der Freitext-Konversationen auf eure Entscheidungen direkt reagieren. Die Entwickler sprechen zudem von KI-generierten Quests und unterstützenden KI-Begleitern. Für mich klingt das gruselig. Ich rechne mit generischen Inhalten ohne Seele.
Die erste Demo von Epitome
Wie ist der Ersteindruck von Epitome? Auf Steam ist seit kurzer Zeit eine Demo verfügbar, die jeder Interessierte herunterladen und spielen kann. Zum Umfang gehören ein recht lineares Tutorial mit der Krieger-Klasse, der Besuch einer Stadt, in der die KI der NPCs gezeigt wird, und ein letzter Abschnitt mit dem agilen Ninja.
Beim kurzen Download befürchtete ich etwas vergleichbar Schlimmes wie die Early-Access-Version von „The Quinfall“, das ebenfalls mit enormen Ambitionen das Blaue vom Himmel versprach, dann aber erstmal eine unspielbare Bruchlandung hingelegt hat. Spoiler: Ganz so schlimm war meine erste Stunde mit Epitome nicht.
Ganz im Gegenteil war ich in den ersten Sekunden positiv überrascht. Der vollvertonte Erzähler, der durch das Tutorial führt, klingt nicht wie eine generische 08/15-KI, sondern hängt sich rein. Mal flüstert er, mal witzelt er, mal kommentiert er direkt das Spielgeschehen. Das ist gut! Damit hatte ich nicht gerechnet.
Auch die ersten Meter mit dem Krieger fühlten sich gut an. Die Figur reagiert direkt auf meine Eingaben. Sprünge und schnelle Drehungen sorgen nicht sofort für Einbrüche der Bildwiederholrate. In der Alpha von Stars Reach hatte ich zuletzt ganz andere Erfahrungen gemacht. So kann es in der Demo gern weitergehen!
Einige Eindrücke aus der Demo von Epitome:







Dann machte sich erste Ernüchterung breit: Der positive Ersteindruck sollte sich danach aber durch kleinere und größere Nickeligkeiten zunehmend trüben:
- Die Demo unterstreicht, dass sich Epitome noch in einer Alpha befindet. Das hier ist kein Teil aus dem späteren, finalen Spiel (hoffentlich). Es wirkt, als hätte jemand mit dem Editor der Engine rumgespielt und testweise einige Gegner und NPCs in einen ansonsten leeren Spielabschnitt geworfen. Das passt alles noch nicht wirklich zusammen. Warum kämpfe ich in einer langgezogenen Höhle mit Zeltlagern gegen Steinböcke und Rehe?
- Teils kommen wichtige Infos im Tutorial zu spät oder fehlen. Erst nach ein paar Minuten Rumprobieren habe ich beispielsweise gemerkt, dass ich zwar aktive Fertigkeiten einsetzen, aber nicht mit der linken Maustaste auf Gegner schlagen kann, wenn ich nicht im Kampf-Modus, sondern im Cursor-Modus bin.
- Den Kämpfen und Angriffen fehlt es noch an Wucht. Wenn man durch eine Horde wirbelt, fühlt es sich an, als würde man Luft zerteilen. Die Manöver eines Minibosses waren zudem schwer lesbar, obwohl es hier ein Tutorial-Ziel war, seinen Attacken auszuweichen. Die Entwickler haben das wahrscheinlich selbst erkannt und massig Heiltränke ins Inventar gelegt.
- Sobald man im Tutorial bestimmte Zielpunkte erreicht, startet der Erzähler seinen nächsten Text. In dieser Phase kann man sich nicht bewegen. Abbrechen lässt sich die Aufnahme auch nicht, obwohl man den Text in einem Fenster fix lesen kann. Man muss warten, bis er fertig ist. Das nimmt Tempo raus.
- Der große Boss im ersten Open-World-Bereich ist eine Falle, der Tod wohl unumgänglich (zwei, drei Treffer reichen). Durch die Wiederbelebung landet man in der Demo-Stadt.
- Wer in der Demo das Voice-KI-Feature von Epitome nutzen will, muss ein Creator sein und mindestens ein Video oder einen Stream zum Spiel gemacht haben.
- Die Gespräche mit den NPCs funktionieren noch nicht nachvollziehbar oder korrekt. An einer Stelle sollen wir mit einer Wächterin über Runen sprechen und werden bereits beim Anklicken weitergeschickt. Der nächste NPC soll uns dann ein Schwert schärfen. Er reagierte erst auf uns, als wir ihn nach der Dienstleistung fragen. Die Quest-Verfolgung will dann, dass wir die Waffe ablegen und auf den Schmied ziehen. Er selbst bittet uns, die Waffe auf den Amboss zu legen. Beides funktioniert nicht. Hier war die Demo daher für mich zu Ende.
Was ist mein Fazit zur Demo? Epitome wirkt in seiner Demo noch sehr roh und das Gezeigte dürfte die finale Spielerfahrung nur bedingt repräsentieren. Umso mehr, weil ich beim Spielen keinen einzigen der potenziell 33.000 Mitstreiter getroffen habe, die sich im besten Fall auf einem Server tummeln sollen.
Die recht generische Auswahl an Gegnern und Schauplätzen, die Freitext-Gespräche mit den NPCs statt feste Dialogoptionen und die große Entfernung zwischen dem Status quo der Demo und den enorm ambitionierten Zielen lassen mich aber weiterhin sehr skeptisch auf Epitome blicken.
Habt ihr vielleicht auch schon in die Demo reingespielt? Wie haben euch die ersten Meter mit dem Krieger gefallen? Und hattet ihr auch Probleme mit der Quest beim Schmied? Verratet es mir gern in den Kommentaren! Epitome ist natürlich nicht das einzige Online-Rollenspiel, das sich via Crowdfunding finanziert: 26 Kickstarter-MMOs, die Geld von euch wollten – eine frustrierende Bilanz nach 14 Jahren
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