Die Bilanz von MMO-Projekten, die sich über Crowdfunding finanzieren wollten, fällt bislang desaströs aus. Dennoch investieren Genre-Begeisterte weiterhin viel Geld in das Versprechen eines neuen MMORPGs.
Wie mies ist die Bilanz von Crowdfunding-MMOs bisher? In den 2010er-Jahren lösten oldschoolige Rollenspiele wie Wasteland 2, Divinity – Original Sin oder Pillars of Eternity durch ihre erfolgreichen Kampagnen einen regelrechten Crowdfunding-Boom aus. Von diesem wollten auch diverse MMO-Entwickler profitieren … und der Rubel rollte:
- Star Citizen sammelte 2012 starke 2.134.374 US-Dollar ein
- Pathfinder Online folgte im selben Jahr mit 1.091.194 US-Dollar
- Für Camelot Unchained von MMO-Veteran Mark Jacobs kamen 2013 rekordverdächtige 2.232.933 US-Dollar zusammen
- Crowfall zog 2015 aus heutiger Sicht unfassbare 1.766.204 US-Dollar von den Konten der Fans
- Chronicles of Elyria war 2016 die nächste Millionenkampagne, mit 1.361.435 US-Dollar
- Den Rekord für MMOs hält bis heute Ashes of Creation, mit 3.271.809 US-Dollar im Jahr 2017
- Richard Garriott sammelte für Shroud of the Avatar 2018 ebenfalls bemerkenswerte 1.919.275 US-Dollar ein
In Kickstarter-Projekte hat er bislang aber noch keinen einzigen Cent investiert. Auch von frühen Vorbestellungen rät er im Normalfall ab. Wartet lieber bis zum Start und den ersten Erfahrungsberichten.
Insgesamt stehen aktuell 26 MMOs auf unserer Liste von Kickstarter-Projekten. Die Bilanz ist ernüchternd. Gerade einmal 2 Crowdfunding-Projekte aus den vergangenen 14 Jahren sind final erschienen und aktuell spielbar – einen positiven Ruf genießt einzig Project: Gorgon (wobei die Steam-Rezensionen auch hier zuletzt deutlich negativer ausfallen).
14 Spiele auf der Liste sind mittlerweile offline, frühzeitig eingestellt worden oder so weit weg von einer Fertigstellung, dass es kaum noch Hoffnung gibt. Nur über Kickstarter haben diese Projekte mehr als 7,5 Millionen Dollar verbrannt (Ashes of Creation ist da übrigens noch nicht eingerechnet, da die Server weiterhin wohl noch online sind).
Ashes of Creation war eine der letzten großen MMO-Hoffnungen aus dem Westen – das Ende scheint jedoch sicher:
MMO? Shut up and take my money!
Durch die zahllosen gescheiterten Crowdfunding-Projekte ebbte der Crowdfunding-Boom zwischenzeitlich zwar etwas ab, doch gibt es seit einigen Monaten so etwas wie eine neue Kickstarter-Hype-Welle. Gleich mehrere MMO-Projekte versuchten ihr Glück und konnten am Ende tatsächlich ihr Mindestziel erreichen.
- AdventureQuest Worlds: Infinity ist ein Online-Rollenspiel mit 2D-Optik und Fantasy-Setting, das bereits seit 18 Jahren spielbar ist. Die Entwickler möchten ein modernisiertes Remaster entwickeln und konnten dafür von fast 29.000 Fans auf Kickstarter krasse 2.149.404 US-Dollar einsammeln. Die Mindestsumme lag übrigens bei einem US-Dollar.
- Hinter Asteria: Fate of the Fallen steckt ein VR-MMORPG mit Fantasy-Mittelalter-Setting, das in 22 Stunden die angepeilten 50.000 US-Dollar erreicht hatte. Am Ende stand der Tacho auf Kickstarter bei 164.806 US-Dollar.
- Epitome ist ein MMORPG, das mit der Hilfe von KI besonders immersive NPCs und Quests schaffen will. Zudem sollen mehr als 33.000 Spieler auf einem Server unterwegs sein. Auf Kickstarter kam das sehr gut an, über 20.000 Unterstützer sammelten 559.490 Euro ein.
- Ebenfalls 2026 landete Hana auf Kickstarter, ein Runden-Taktik-MMORPG mit Top-Down-Perspektive. Die Entwickler wollten 25.000 Euro, am Ende kamen 38.744 Euro zusammen. Auf Steam könnt ihr euch für den Playtest anmelden.
- Ganz aktuell ist die Kickstarter-Kampagne von Hollowed Oath, einem Fantasy-MMORPG mit Multiklassen-System und dynamischen Herausforderungen sowie Belohnungen. Es sind noch 23 Tage offen und die Entwickler haben bereits 68.016 der angepeilten 85.057 Euro zusammen (Stand: 11. Mai 2026 – 10:08 Uhr).
5 recht aktuelle Kickstarter-Projekte, die – Stand jetzt – mehr als 2,6 Millionen Euro von Genre-Fans einsammeln konnten. Wer findet das mit Blick auf die bisherige Bilanz von Crowdfunding-MMOs ebenfalls bemerkenswert?
Warum die neue Kickstarter-Welle? Dass Entwickler derzeit wieder häufiger bei Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter landen, wundert mich nicht. Aktuell ist es einfach sehr schwer, verlässliche Geldgeber für neue MMOs zu finden. Sogar namhafte Veteranen wie Jack Emmert und Greg Street bekommen ihre Spiele nicht bis zum Ende finanziert.
Publisher gehen bei Finanzierungen externer Projekte nach Möglichkeit kaum Risiken ein oder befinden sich auf Sparkurs. Das Genre der MMORPGs ist durch die vielen gescheiterten WoW-Killer im Westen aber eh bereits seit über einer Dekade verbrannt. Asien zieht hier leider nach, hat einige westliche Projekte in der Entwicklung eingestellt (etwa das Warhammer-MMORPG und Project Ghost) und setzt selbst vermehrt MMO-Litess wie Honor of Kings: World um.
Investoren von außerhalb der Games-Industrie schmeißen sich aktuell indes lieber auf Bereiche wie Künstliche Intelligenz. Was bleibt dann noch, als direkt bei den Fans um Unterstützung zu bitten?
Mehr zum besten Genre der Welt findet ihr übrigens auch auf dem YouTube-Kanal von MeinMMO. Ganz neu ist dort etwa ein Video zur größten MMO-Neuerscheinung des Jahres 2026 erschienen:
Warum Geld in den Traum eines MMOs stecken? Man könnte meinen, dass Genre-Fans ihre Lektion nach den vielen gescheiterten Crowdfunding-MMOs gelernt haben. Die aktuellen Beispiele zeigen, dass es aber weiterhin genug Enthusiasten gibt, die bereit sind, ihren Traum von einem neuen Online-Rollenspiel finanziell zu unterstützen.
In der aktuellen Kampagne für Hollowed Oath haben die bisherigen 347 Unterstützer im Durchschnitt beispielsweise jeweils fast 200 Euro überwiesen. Und das für ein Fantasy-MMORPG, das auf den Screenshots und im Trailer weder grafisch toll noch spielerisch bemerkenswert aussieht.
Bei Epitome läuten bei mir gleich mehrere Alarmglocken, etwa was die ganzen KI-Versprechen und -Pläne angeht. Hana und Asteria wirken sehr nischig. Und AdventureQuest Worlds: Infinity ist ein altes PC- und Mobile-MMORPG im neuen Gewand. Dass das mehr als 2 Millionen US-Dollar erhalten hat und so alle Stretch Goals abschließen konnte, ist einfach nur verrückt.
Ich persönlich kann mir diese Erfolge nur mit der langanhaltenden Dürre erklären, die im Prinzip seit 2015 andauert und an der auch große Releases wie New World, Lost Ark oder Throne and Liberty nichts nachhaltig ändern konnten. Einige Genre-Fans scheinen derzeit froh um jedes Projekt zu sein, das den eigenen Geschmack auch nur halbwegs treffen könnte.
Ganz nach dem Motto: Irgendwann muss doch mal wieder ein spaßiges MMO erscheinen. Und: Wenn wir unser Traum-MMO nicht finanzieren, tut es niemand.
Wie gut man diesen Traum melken kann, zeigt seit vielen Jahren Star Citizen. Dort steht der Funding-Tacho aktuell bei 970.529.801 US-Dollar (Quelle: robertsspaceindustries.com). Fast 6,5 Millionen Unterstützer haben diese Summe in den vergangenen 14 Jahren zusammengetragen. Bei solchen regelmäßig eintrudelnden Einnahmen kann der finale Release noch eine ganze Weile auf sich warten lassen …
Ich kann euch nach all den Jahren nur raten: Wenn ihr nicht reich seid und mehr Geld besitzt, als ihr jemals ausgeben könnt, lasst es. Die Chance ist viel zu groß, dass ihr eure hart erarbeiteten Euros verbrennt. Spätestens bei Ashes of Creation mussten viele Genre-Fans diese Lektion auf bittere Weise lernen: Einer der größten YouTuber für MMORPGs fällt nach dem Ende von Ashes of Creation in ein Loch: „Ich habe tausende Dollar investiert“
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Ich denke, es gibt eine andere Antwort für diese Frage.
Man möchte die gute alte Zeit wieder haben. Wie das erste MMO das einen fesseln konnte.
Es gibt nur ein kleines Problem bei der Sache. Der wahrscheinlich wichtigste Teil dieses Traumes ist die damalige Community gewesen. Man hatte seine Gilde und Freunde. Ich wage zu behaupten, dass das der wichtigste Teil eines MMOs ist.
Ich selbst habe auch lange diesen Traum verfolgt, irgendwann musste ich es einsehen, dass es nicht mehr passieren wird.