Der „neue“ MMO-Shooter Defiance 2050 sieht ziemlich alt aus

Die erste, geschlossene PC-Beta des neuen Free2Play-MMO-Shooters Defiance 2050 ist gelaufen. Unter den Testern befand sich unsere Autorin Leya, die der Neuauflage des MMO-Shooters nur wenig abgewinnen konnte.

Defiance war im Jahr 2013 der MMO-Shooter vor Destiny, verschwand allerdings recht schnell in der Versenkung und fristete letztlich ein Nischendasein. Eine kleine Schar von Spielern blieb Defiance treu, aber mit dem Mainstream-Gaming hatte das Spiel nicht mehr viel zu tun.

Das hing auch damit zusammen, dass Defiance neben dem PC nur auf der PS3 und Xbox 360 erschien. Trion Worlds verpasste die folgende Konsolengeneration und somit ein breites Publikum. Kurz nach dem Release von Defiance ging Destiny auf PS4 und Xbox One steil, seitdem plagt Trion Worlds wohl das Gefühl: „Wir waren unserer Zeit voraus.“

Defiance 2050 ist nun eine Neuauflage des futuristischen MMO-Shooters und wird auch auf der PS4 und Xbox One erscheinen. Vergangenes Wochenende (20. – 22. April) veranstaltete Trion Worlds eine geschlossene PC-Beta für Defiance 2050, an der ich teilnahm. Vorweg sei gesagt, dass ich unbefleckt an diese Beta heranging, da ich nie das originale Defiance spielte.

Defiance-2050-Startscreen

Defiance 2050 ist sein Alter einfach anzumerken

Defiance 2050 ist kein volles Sequel, wie ein Destiny 2. Mit der Neuauflage gibt es vor allem grafische Verbesserungen und einige Überarbeitungen der Gameplay-Mechaniken, wie dem Level-System. Wer Defiance also irgendwann mal gespielt hat, wird hier wenig Neues entdecken, sondern eher auf eine Politur stoßen.

Bereits im Tutorial merkte ich Defiance 2050 sein Alter an und konnte von einer modernisierten Grafik wenig erkennen. Defiance 2050 erinnert optisch an typische Free2Play-Shooter wie Warface oder Ironsight. Hier hatte ich mir nach der Ankündigung für eine komplette Überarbeitung der Grafik etwas mehr versprochen und blieb enttäuscht von dem zurück, was ich sehe.

Manchmal kam mir sogar eine detaillierte Nebelwolke entgegen und ließ die Ansätze einer besseren Grafik erkennen. Aber im nächsten Moment befand ich mich schon wieder vor einem großen Farbklecks, der eine Wasserpfütze darstellen sollte.

Wasser1

Da ich das originale Defiance nie gespielt habe, konnte ich keinen Vergleich aus eigener Erfahrung ziehen und befragte das Internet. Auf Reddit erstellte der Nutzer „imathrowback“ einen grafischen Vergleich des neuen und alten Defiance. Hier ist zu sehen, dass die grafische Überarbeitung kaum zu erkennen ist. Die Charaktere haben vielleicht etwas feinere Gesichtszüge bekommen, aber im Großen und Ganzen sieht es doch nach dem „alten“ Defiance aus. Diese Meinung teilten mehrere Beta-Tester.

Hier ist (links) Defiance 2050 zu sehen und (rechts) Defiance, das Original.

Defiance-Grafik-Vergleich

Besonders auffällig waren jedoch die seltsamen Lauf-Animationen, in denen die Charaktere in die Hocke gingen und ihre Knie einfach nur nach oben zu schmeißen schienen.

Gameplay und Fähigkeiten sind Standard

Über eine veraltete Grafik kann ich gerne hinwegsehen, wenn zumindest das Gameplay oder die Story spannend aufbereitet sind. In Defiance 2050 bin ich als Archenjäger unterwegs, der über eine Alien-Technologie, genannt EGO, besondere Fähigkeiten besitzt.

Ich besitze einen Klassenbaum, den ich durch mein EGO-Level erweitern kann. Die Skills und Verbesserungen, die ich hier erwerben kann, entsprechen dabei dem Standard. So gibt es etwa mehr Bewegungsgeschwindigkeit, verbesserte Regeneration der Schilde und Gesundheit, Tarnung oder stärkere Feuerkraft. Der gewisse Pfiff und Innovation fehlen hier.

Defiance-Ego-Baum

Die Waffen können durch Modifikationen verbessert und individuell angepasst werden. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, Mod-Slots hinzuzufügen oder wieder wegzunehmen. Ich muss aber zugeben, dass ich das System hier nach dem ersten Anspielen noch nicht komplett durchblickt habe. Waffen-verbesser

Die KI ist dümmlich und besteht aus schwammigem Kanonenfutter

Auch wenn die Waffen und Skills dem Standard entsprechen, fühlen sich das Gunplay und Gameplay selbst solide an. Das Treffer-Feedback scheint stimmig und die Hitboxen wirken realistisch gestaltet. Der Schusswaffen-Sound war dafür ziemlich blechern und klang alles andere als realistisch.

Leider wurde Defiance 2050 vor allem durch die dümmlichen Gegner-Schwämme schnell eintönig. Die Gegner saugen die Kugeln geradezu auf und es kann schon mal stumpf ein komplettes Magazin in einen Gegner geschossen werden. Die KI wirkt eher wie eine Beschäftigungstherapie, da sie berechenbar ist und keine interessanten Mechaniken bietet.

Ich befand mich in der Beta natürlich noch am Anfang und kann nicht sagen, ob sich das im Verlauf des Spiels noch groß ändert.

Defiance-Gegner

Ein cooles MMO-Gefühl entsteht vor allem durch Live-Events, aber …

Defiance 2050 ist ein Shooter mit starkem Multiplayer-Fokus, der Raids durch die Arkfall-Events bietet. Zwischendurch tauchen rote Marker auf der Map auf, die ein zeitlich begrenztes Live-Event anzeigen.

Während dieser spontanen Events bekämpfen alle anwesenden Spieler zufällige Gegner und bekommen dafür extra Loot. Spieler bekommen schon früh im Spiel ein Fahrzeug und können sich so schnell zu den Events begeben.

Meine Hoffnung lag darauf, dass zumindest diese Events eine Abwechslung bieten würden und eine coole MMO-Dynamik entfalten.

Event

Ein roter Marker zeigt Live-Events an, bei denen zufällige Gegner auftauchen.

Tatsächlich, bei den Events fand ich trotz der geschlossenen Beta einiges an Mitspielern und das MMO-Gefühl machte sich sofort breit. Aber auch hier tauchte mein Problem mit der KI wieder auf. Mehr als stumpf Magazine in Gegner-Schwämme zu verballern, passierte hier nicht.

So ödeten mich sowohl die Kampagne als auch die Events recht schnell an. Ein nettes Plus ist jedoch, dass die Kampagne direkt nach dem Tutorial auch im Koop-Multiplayer gespielt werden kann.

Event1

Defiance 2050 – Ob das etwas werden kann?

Nachdem ich ein paar Stunden in der Beta von Defiance 2050 verbrachte, hatte ich schnell die Lust am Spiel verloren. Es wirkt einfach an zu vielen Stellen veraltet und wenig innovativ. Als neuer Spieler konnte mich die Beta auf dem PC nicht überzeugen.

Die von Trion Worlds angepriesenen Veränderungen in Defiance 2050 scheinen sich laut mmorpg.com auch für die Fans des Originals in Grenzen zu halten. Hier heißt es, dass vor allem das Progressions- und Inventar-System spürbar angepasst wurden. Anstelle des EGO-Rang-Systems gibt es nun den Klassenbaum. Allgemein sollen Progression und Loot in Defiance 2050 stimmiger als im Original sein. Das deckt sich auch mit den Aussagen, die ich in verschiedenen Foren fand.

Wer das originale Defiance gespielt hat, wird seinen Charakter und sein Inventar in Defiance 2050 verlieren. Da der Content aber größtenteils unverändert bleibt, müssen diese Spieler nochmal von vorne anfangen und sich durch die gleiche Kampagne begeben.

Defiance-2050-1

Defiance 2050 scheint sich vor allem an neue Spieler der jetzigen Konsolengeneration auf der PS4 und Xbox One zu wenden, für die der Titel optimiert wurde. Das Game ist Free2Play und es gibt hier kaum etwas Vergleichbares auf dem Sektor. Der MMO-Anteil lädt in seinen Ansätzen schon dazu ein, sich gemeinsam mit einer Gruppe in Raids zu stürzen.

Um die Spieler aber auf lange Sicht motivieren zu können, bräuchten vor allem die Gegner nochmal eine Überarbeitung. Denn immer wieder auf Schwämme zu ballern, wird auf Dauer schnell langweilig.

Defiance-2050-titel

Ihr habt ebenfalls die Beta probiert? Ich würde mich freuen, wenn Ihr Eure Eindrücke zu Defiance 2050 in die Kommentare schreibt. Natürlich interessiert mich auch, was die Nicht-Beta-Tester denken.


Interessant an Defiance ist übrigens, dass es an eine gleichnamige Serie geknüpft ist. Hier entstand lange Zeit eine Symbiose zwischen Serie und Spiel.

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