Diablo 4, Overwatch 2: Warum kannten wir die Geheimnisse der BlizzCon schon vorher?

Die BlizzCon 2019 ist vorbei. Doch Überraschungen blieben aus. Durch Leaks waren alle Infos, stellenweise bis ins kleinste Detail, schon vorher bekannt. Diablo 4 kannte man seit November 2018, Overwatch 2 seit Juni 2019 – auch die WoW-Erweiterung war schon vorher bekannt geworden. Warum leckt es so bei Blizzard?

Das war das Problem der BlizzCon 2019: Mit der BlizzCon an sich war eigentlich alles in Ordnung.

Es gab zwei große Neuankündigungen, Erweiterungen für die wichtigen Spiele und Blizzard ließ gleich zu Beginn der BlizzCon die Luft aus dem Ärger der Hongkong-Proteste.

Zwar fehlten konkrete Release-Daten, aber es gab auch kaum Enttäuschungen.

Diablo 4 Helden Titel

Dennoch hatte die BlizzCon 2019 ein großes Problem: die Leaks.

Es war eigentlich bis ins Detail bekannt, was Blizzard auf der BlizzCon 2019 vorstellen würde. Und genauso kam es dann auch.

Waren Leaks früher oft nur „wilde Fan-Spekulationen“, waren sie diesmal präzise. Auch weil viele der Leaks aus glaubwürdigen Quellen stammten, die direkt mit Mitarbeitern von Activision Blizzard gesprochen hatten:

  • Die „Haupt-Überraschung“ zu Diablo 4 kannte man seit dem November 2018. Die Seite Kotaku hatte hier enthüllt, dass Blizzard an Diablo 4 arbeitet, was das für ein Spiel wird und was die Hauptideen im Design sein würden (via kotaku)
  • Die zweite Überraschung „Overwatch 2“ kam im Juni 2019 ans Licht. Auch hier hatte Kotaku von einer anonymen Quelle erfahren, dass es eine Art „PvE-Overwatch“ werden würde. (via kotaku)
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So wurde WoW Shadowlands geleakt. Quelle: Reddit

All die schönen Geheimnisse

Auch die kleineren Ankündigungen wurden durchgesteckt. Die meisten davon kamen aber nicht durch die Kontakte eines Journalist ans Licht, sondern durch schwere Fehler von Mitarbeitern Blizzards oder durch Indiskretion.

So wurden die Hearthstone-Erweiterung und der neue Modus kurz vor der BlizzCon von einem Analysten enthüllt, der gute Kontakte nach Asien hat.

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Die geleakte Karte der Shadowlands – das Leak kursierte seit August.

Über die WoW-Erweiterung „Shadowlands“ war bis ins Detail schon viel aus Leaks bekannt. Ein Mitarbeiter hatte hier Informationen aus einer internen Präsentation bei 4Chan gepostet.

Durch weitere Leaks kurz vor der BlizzCon wurde Shadowlands immer wahrscheinlicher.

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Das Bild bestätigte „Shadowlands“ eigentlich bereits.

Werbung geht zu früh live – Blizzard schickt E-Mail mit Geheiminfos raus

Details zu Diablo 4 gab es aus einem Artbook – da erschien eine Anzeige zu früh in der GameStar. Bilder des Artbooks machten dann vor der BlizzCon die Runde und bestätigten Diablo 4, noch bevor das auf der Bühne vorgestellt wurde.

Details zu Overwatch 2 kamen aus einer E-Mail von Blizzard. Sie wurden zu einem Leak bei ESPN. Autor Breslau sagte gegenüber Kotaku: Blizzard hätte einige der sensibelsten Infos zu Overwatch 2 in ein Dokument gepackt und das an Mitarbeiter und Freelancer der BlizzCon geschickt.

Dann hätten sie das gemerkt, eine weitere E-Mail ohne die „Geheim-Infos“ versendet und behauptet, nur einen Rechtschreib-Fehler gefixt zu haben.

Da war der Leak aber schon in der Welt – Blizzard hatte einfach die falsche E-Mail an einen zu großen Verteiler weitergeleitet.

Overwatch 2 Leak Tracer Levelsystem

Frustrierte Mitarbeiter sind keine guten Geheimnisträger

Woher kommen diese Leaks? Die beiden Haupt-Leaks rühren wahrscheinlich aus der schwierigen Situation von Blizzard. Dort hängt seit einigen Monaten der Haussegen schief. Seit Präsident Mike Morhaime im Oktober 2018 seinen Rückzug ankündigte, scheint dort einiges im Argen.

Heute über Blizzard zu berichten tut mir in der Seele weh

Es kam zu Entlassungen im Februar 2019. Publisher Activision wirkt immer mehr so, als würden sie die Kontrolle von Blizzard übernehmen. Denn Blizzard kostet Activision angeblich zu viel Geld dafür, dass dort kaum neue Spiele entstehen.

Dieser erhöhte Druck und die Entlassungen scheinen bei den Mitarbeitern von Blizzard für Stress und Frust zu sorgen.

Frustrierte Mitarbeiter plaudern dann augenscheinlich anonym mit der US-Presse:

  • Die Infos zu Diablo 4 wurden bekannt, als alle Welt auf Diablo Immortal schimpfte. Gut vorstellbar, dass Entwickler hier das Gespräch suchten, um „Dinge richtig zu stellen“
  • Die Infos zu Overwatch 2 kamen, als gerade ein Starcraft-Shooter gecancelt und Leute entlassen wurden – vielleicht haben diese Mitarbeiter dann auch ein Bedürfnis über ihre Arbeit zu reden
  • die neueren Leak rühren wohl entweder aus doofen Fehlern oder daher, dass man Geheimhaltung bei Blizzard mittlerweile nicht mehr so ernst nimmt

Durch die miese Stimmung bei Blizzard, von der Insider seit einiger Zeit berichten, scheint die Geheimhaltung nicht mehr so gewährleistet zu sein wie in den Jahren zuvor.

Overwatch Jeff Kaplan Game Director
Jeff Kaplan.

Wie reagieren die Entwickler auf die Leaks? Auf der Bühne der BlizzCon spielten die Haupt-Entwickler wie Ion Hazzikostas (WoW) oder Jeff Kaplan (Overwatch) immer wieder auf diese Leaks mit einem Lächeln an.

Sie bauten sie humorvoll in ihre Präsentation ein und kommentierten sie mit einem Augenzwinkern.

Kaplan sagte aber später in einem Interview (via pcgamer), diese Leaks seien extrem „demoralisierend“ für ein Team. Vor allem weil sie die Arbeit oft ohne Zusammenhang oder in schlechter Qualität darstellen würden.

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