Nach 13 Stunden habe ich verstanden, warum viele Spaß mit Atlas haben

Das Survival-MMO Atlas wird stark kritisiert und trotzdem stecken viele Spieler hunderte von Stunden rein. Der Survival-Experte Sascha hat sich das neue Spiel der ARK-Macher deshalb angeschaut. Nach 13 Stunden verstand er, was so anziehend an Atlas ist. 

Atlas ist ein neues Piraten-Survival-MMO von Grapeshot Games, Wildcards Tochterfirma. Somit ist Atlas der aktuellste Titel der ARK Survival Evolved-Macher. Das Spiel hat direkt nach seinem Release für viele Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

Es gab einen mehrfach verschobene Early-Access-Start, Beschwerden über schlechte Performance oder die vielen Bugs. Auf Steam bewerten nur 30% von 16.426 Spielern Atlas als positiv. (Stand: 3. Januar 2019, 15:00 Uhr)

Laut Steam Charts sind es jedoch durchschnittlich über 39.000 Spieler. Atlas muss also irgendwas richtig machen. Um das herauszufinden, wollte ich mir unbedingt selbst ein Bild vom Spiel machen und habe die Segel gesetzt.

Titelbild Atlas Trailer 2

Eine falsche Entscheidung kann alles ruinieren

Schon die erste Entscheidung in Atlas ist wichtig und kann eure Spielerfahrung massiv beeinflussen.

Die Serverwahl: Damit meine ich nicht die Wahl zwischen PVP oder PVE, sondern die richtige Wahl des Spawns. Jeder Spawnserver bietet bis zu 150 Spielern Platz und sie sind in der gesamten Spielwelt verteilt. Gerade zu Beginn solltet ihr darauf achten, einen Server zu wählen, der “Freeport” im Namen enthält. Das sind die sicheren Inseln inklusive Hafen, auf denen kein PVP erlaubt ist. Perfekt also, um die Grundlagen des Spiels kennenzulernen.

Ich habe mir also einen Freeport ausgesucht, auf denen möglichst wenig Spieler sind. Das ist gar nicht mal so einfach, denn die meisten sind bereits voll und nur wenige haben noch einen Platz übrig. Nach der Charaktererstellung ging es dann direkt los und ich bin im Hafen gespawnt. <<Dir ist kalt>> bekam ich direkt als Meldung hinterhergeworfen. Kein Wunder, mein Pirat ist bis auf eine Leinenhose splitterfasernackt.

atlas-schatzkarte

Die ersten Schritte

Ähnlichkeiten zu ARK fallen auf: Während ich von all den Hinweisen und Tipps förmlich erschlagen werde, erinnere ich mich an ARK. Die Menüführung, sowie erste Szenen von Atlas sehen ARK sehr ähnlich. Wieso sollte die Steuerung anders sein?

Also renne ich auf gut glück einfach los, sammel fleißig die ersten Ressourcen wie Steine, Fasern und Holz und versuche, meine ersten Werkzeuge herzustellen. Meine zig Stunden in ARK machen sich hier bewährt, auch wenn ich dem Dino-Titel aufgrund seines Sci-Fi-Settings vor langer Zeit abgeschworen habe.

Schneller, frustrierender Tod: Aber es gibt ein Problem. Die zermürbende Kälte. Auch am wärmenden Lagerfeuer friert sich mein Pirat zu Tode und so passiert es sehr schnell, dass ich einfach sterbe. Nach dem Respawn habe ich all meine Items verloren, aber zumindest nicht meine erlernten Skills. Nachdem ich etliche Male das Zeitliche gesegnet habe, ohne großen Fortschritt, habe ich meinen Fehler erkannt. Ich bin zu weit im Norden gespawnt.

atlas-feuer

Mehrere Feuer waren nötig, um mich warm zu halten.

Die ersten Stunden waren pure Zeitverschwendung und haben mich beinahe in die Knie gezwungen. Ich verüble es niemanden, der Atlas danach so schnell nicht mehr anrühren mag.

Aber ich wollte Atlas eine weitere Chance geben. Ich habe mir einen neuen Freeport gesucht, auf dem ich spawnen kann. Die goldene Mitte hatte gerade so ein paar Plätze frei, und als ich dort ankam, war es meinem Charakter weder zu warm noch zu kalt. Perfekt, um jetzt richtig zu starten.

Ohne Motivation ist der Grind die Hölle

Alles für die große Seefahrt: In Atlas sind das Ressourcen sammeln und den Charakter aufleveln ist ein langwieriger Prozess. Wer schon einmal auf den offiziellen ARK-Servern gespielt hat, wird das kennen.

Der Grind nach Materialien und Erfahrungspunkten kann schnell frustrierend werden. Mit der richtigen Motivation hat es mir aber durchaus Spaß gemacht.

Und da bin ich nicht alleine. Die meisten Spieler, denen ich begegnet bin, waren alle fleißig am Ressourcen sammeln, als ob es kein Morgen gäbe. Stundenlanges Holz hacken, Tausende Büsche ummähen und Hunderte von Steinen zertrümmern, aber wofür?

Um von dieser einen Insel herunterzukommen und mit dem eigenen Floß das Meer zu befahren. Denn was ist ein Pirat ohne Schiff?

Atlas-Pirat

Eine Seefahrt, die ist lustig und echt cool

Das Feeling auf dem Floß oder auf einem größeren Schiff ist großartig. Ich spüre förmlich die Gefahr, die von der tiefen und rauen See ausgeht. Ich bin mit meinem kleinen Floß aufs offene Meer hinaus gesegelt. Immer dem Wind nach, auf der Suche nach einem Schatz. Die nötige Schatzkarte habe ich zuvor in einer Flasche am Strand gefunden.

Spannung auf offenem Meer: Ob große Haie oder Geisterschiffe am Horizont, das Gefühl, mein Floß könnte jederzeit zerstört werden, hat mir einen Adrenalinkick verpasst.

So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Auch die Tauchgänge, um Fische mit dem Speer zu fangen, waren aufregend. Aber genau das habe ich bereits in anderen Survival-Spielen wie Raft oder Stranded Deep geliebt. Die Gefahr des offenen Meeres ruft eine gewisse Angst in mir hervor, die das ganze noch spannender für mich macht.

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Ein Geisterschiff in der Ferne … bloß nicht hinsegeln!

Die Navigation, mithilfe des Kompasses, will gelernt sein. Denn ohne ein Ziel, verirrt man sich schnell.

Schneller Tod durch offenes PvP: Die nächste Insel anzusteuern, ist kein schlechter Plan. Aber außerhalb des Freeports ist auf einem PVP-Server nunmal PVP-Gebiet und die Spieler auf der nächsten Insel waren mir nicht gerade freundlich gesonnen.

Ein ganzer Strandabschnitt voll mit Werften, großen Galeonen und höherleveligen Spielern ist zwar hübsch anzusehen. Aber nach dem ersten Aufeinandertreffen wurde ich direkt abgeschossen und mein Floß versenkt.

Neustart im Freeport.

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Darum macht mir Atlas nach 13 Stunden Spaß

Atlas hat mir nach 13 Stunden gezeigt, dass es mehr ist, als ein “ARK-ReSkin”, wie es gerne bezeichnet wird.

Grund 1: Das See-Gameplay. Der Schiffs-Bau und die -Mechaniken heben den Titel trotz seiner Ähnlichkeiten in der Menüführung und dem Grind-Gameplay von ARK ab. Sie sorgen bei mir für den anhaltenden Spielspaß.

Ich war erst skeptisch, ob mir der Titel überhaupt Spaß macht, da mir ARK schon nicht gefällt. Da es aber das Sci-Fi-Setting ist, was mich beim Dino-Spiel langweilt, habe ich Atlas eine Chance gegeben und wurde nicht enttäuscht.

Grund 2: Das Piraten-Setting. Mir macht es Spaß, ein eigenes Floß und später ein ganzes Schiff zu bauen. Die Vorstellung, mit meinen Freunden über das furchterregende Meer zu segeln, Gefahren zu begegnen und Schätze zu bergen, fasziniert mich und treibt mich zum weiterspielen.

Wenn ihr schon in ARK euren Spaß beim Sammeln von Ressourcen, Bauen von Basen und zähmen von Tieren hattet, werdet ihr auch in Atlas euren Spaß finden. Zumindest, wenn ihr auf die Dinos verzichten könnt.

Atlas Screenshot 1

Ihr solltet die Finger von Atlas lassen, wenn … ihr als Fan des Piraten-Settings erwartet, schnell in die Aktion einsteigen zu können, wie ihr es in den Trailern seht. Dann macht euch auf eine herbe Enttäuschung gefasst.

Ihr müsst viele Stunden ins Spiel investieren, um auch nur annähernd etwas erreichen zu können. So habe ich von Gruppen gehört, die schon über 40 Stunden benötigen, um ein großes Schiff zu errichten.

Privatserver mit angepassten Einstellungen helfen hier jedoch bereits aus.

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Ich freue mich schon auf viele weitere Stunden auf dem offenen Meer. Die Performance ist in den letzten Tagen stetig verbessert worden und Grapeshot Games arbeitet fleißig an weiteren Patches.

Ich bin gespannt, was die Zukunft für ATLAS bereithält und werde den Titel definitiv weiter im Auge behalten.

Was glaubt ihr, wieso Atlas von so vielen gespielt wird?

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