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Runescape setzt in Zukunft auf Vergangenheit – Wir waren auf dem Runefest 2017

Runescape setzt in Zukunft auf Vergangenheit – Wir waren auf dem Runefest 2017

Entwickler Jagex veranstaltete am Wochenende sein Fan-Festival Runefest 2017. Hier wurde deutlich, dass Runescape in Zukunft mehr auf seine Veteranen und auf Nostalgie setzen wird. Auch die moderne Mobile-Version von Runescape richtet sich an Spieler aus der Vergangenheit. Unsere Autorin Leya war vor Ort. Sie hat die mobile Version getestet und sich mit den Entwicklern über die neue Strategie unterhalten.

Das MMORPG Runescape wurde von dem britischen Entwicklerstudio Jagex 2001 veröffentlicht. Für viele Liebhaber des Genres war Runescape eines der ersten MMORPGs, das sie jemals spielten. Dazu hat beigetragen, dass Runescape damals als kostenloses Browsergame auf dem PC erschien. Der Einstieg in die mittelalterliche Fantasy-Welt von Gielinor war einfach und zog viel junges Publikum an.

Dieses junge Publikum von damals ist jetzt älter und hat einen Haufen von Erwachsenen-Verpflichtungen: Miete bezahlen, Energie in Job oder Fortbildung investieren, eine Familie gründen und versorgen.

Das alles macht es dem MMORPG-Liebhabern jenseits der 30 schwierig, komplett in ihrem Spiel zu versinken. Denn komplexe MMORPGs wie Runescape kosten viel Zeit und sind nichts für Zwischendurch.

Dem ist sich auch Entwickler Jagex bewusst und packt mit Runescape jetzt eine neue Strategie an, die sich vor allem auf Veteranen-Spieler und Nostalgie bezieht.

Fotocredit: ©David Portass/ iEventMedia

Runescape kehrt zu seinen Wurzeln zurück – Möchte Veteranen abholen

Zusammen mit 1.650 Gästen der Runescape-Community stürzte ich mich am Samstag in das Runefest 2017. Das Runefest ist ein Festival, das offen für Presse und Fans des MMORPG-Klassikers ist.

Auf dem Runefest gab es:

  • den 12-Monate-Plan: Ankündigungen für die Entwicklung des Spiels wie der neue Monsterkampf-Modus
  • die Weltpremiere für Runescape und Oldschool-Runescape für Mobile. Zum ersten Mal konnte Runescape auf dem Smartphone oder Tablet gespielt werden.
  • das Herbstfinale des Runescape-ESports “Deadman”. ‚5PLUS50K12‘ hat die Herbst-Ausgabe des Deadman-Turniers und ein Preisgeld von 20.000 $ gewonnen. #TeamLUL gewann weitere 10.000 $, die der Wohltätigkeitsorganisation Make-a-Wish zugutekommen.
  • Fan- und Community-Aktivitäten

Das Runefest 2017 stand unter dem Motto “Zurück zu unseren Wurzeln” – Das war bereits bei der Dekoration eindeutig zu erkennen. Als ich die Halle zum Runefest betrat, fand ich mich direkt in der Kulisse von Lumbridge wieder. Das ist der erste Ort, wo die Spieler ihre Abenteuer in Runescape beginnen. Hier setzte Jagex ein deutliches Zeichen, wo die Reise hingehen soll: in die Vergangenheit.

Mobile-Version von Runescape richtet sich an Veteranen – Markt ist laut Entwickler größer

Auf dem Runefest 2017 konnte ich die mobile Version von Runescape selber testen.

Es sind zwei verschiedene Versionen von Runescape, die beide auf Mobile-Geräte kommen:

  • Das klassische oder auch Oldschool-Runescape: Oldschool-RuneScape ist eine ältere Version des Fantasy-MMORPGs aus dem Jahr 2007. Die Grafik sieht ebenfalls entsprechend verpixelt und alt aus, aber die Fans des Klassikers würden es nicht anders haben wollen. Diese Retro-Version von Runescape erhält immer noch Updates und wird gepflegt.
  • Das “normale” Runescape: Das ist die moderne Form des Klassikers, die ein grafisches Update erhalten hat und andere Inhalte bekommt als Oldschool-Runescape.

Da ich selber kein Runescape-Spieler bin, konnte ich mich mit einem Gast-Account anmelden und in der Welt von Gielinor auf dem Smartphone und Tablet herumstreifen. Die Fans, die einen Account auf dem PC besaßen, konnten sich direkt mit diesem auf den Mobil-Geräten einloggen.

Vor allem Oldschool-Runescape lief schon erstaunlich flüssig. Es funtkioniert mit Point-And-Click-Mechaniken. Das User-Interface ist gut geeignet für Mobilgeräte und ist hier einfach für die Entwickler umzusetzen. 

Auch wenn das klassische Runescape ziemlich flüssig lief, fand ich es optisch eher abschreckend. Für Veteranen und Fans von Oldschool-Runescape dürfte das dank Nostalgie kein Problem sein. Denn es ist tatsächlich die originale Version, die da auf dem Smartphone und Tablet läuft und das funktioniert einfach gut.

Für mich – als Nicht-Spieler – war die moderne Version von Runescape interessanter. Obwohl noch am zu komplexen User-Interface nachgearbeitet werden muss, fand ich mich schnell im Spiel vertieft. Auf dem Desktop mag das moderne Runescape optisch veraltet sein, auf dem kleineren Bildschirm vom Smartphone oder Tablet sah es ansprechend aus:

Runescape als vollwertiges Mainstream-MMORPG auf dem Smartphone

Jagex verriet bereits bei der Ankündigung im Juli, dass sie mit diesem Schritt vor allem inaktive Stammspieler erreichen möchten. Nachdem ich aber als Nicht-Spieler selbst Hand an die Mobil-Version gelegt hatte, fragte ich mich warum. Ich könnte mir durchaus vorstellen, auf Runescape im App- oder Play-Store zu stoßen und es herunterzuladen, wenn das Interface einmal stimmig ist.

Runescape will über Mobile an die Ex-Spieler ran

Die Antwort gab mir Jagex-Senior-Product-Manager Matt Casey im Interview. Laut Casey sei der Markt mit inaktiven Runescape-Spielern riesig. Aus Spieler-Umfragen ging hervor, dass sie Runescape gerne weiterspielen würden, wenn sie das Game flexibler gestalten könnten. Das ist es, was Runescape für Mobil-Geräte bieten kann.

Jagex glaubt, dass es eine effektive Strategie sei, alte Spieler durch Nostalgie wieder ins Boot zu bekommen. Das sei einer der Gründe, warum es Runescape nur als Vollversion auf dem Smartphone geben wird. Es richtet sich an Ex-Spieler, die Möglichkeiten brauchen, um von unterwegs oder gemütlich auf der Couch zu zocken. 

  • Oldschool-Runescape läuft mit seinem Interface bereits flüssig genug, dass es Ende 2017 in der Beta für Android und iOS erscheinen wird.
  • Das “normale” Runescape hat noch zu viele Baustellen und zieht später nach. Das User-Interface muss erst noch an Mobil-Geräte angepasst und vereinfacht werden.

Hier einmal der Vergleich. Auf dem oberen Smartphone ist Runescape und auf dem unteren Gerät ist Oldschool-Runescape zu sehen:

Runescape rudert mit riesigen Updates wie Menaphos zurück

Im Juni berichteten wir über das Mega-Update “Menaphos” in Runescape. Jagex kündigte damals an, dass es ab jetzt alle paar Monate so ein riesiges Update wie Menaphos geben würde. Die wöchentlichen Mini-Updates sollten dafür wegfallen.

Insgesamt kam Menaphos in der Community allerdings nur mittelmäßig an. Die Veränderungen waren wohl nicht das, was sich die Spieler eigentlich erhofft und gewünscht hatten. Menaphos sollte Spielern durch Aktionen wie dem “5-Minuten-Dungeon” die Gelegenheit geben, Runescape auch mit einem geschäftigen Leben zu genießen. Das veränderte allerdings für die meisten Veteranen das Gefühl zum Spiel zu stark.

Auch deshalb rudert Jagex jetzt mit diesen Riesen-Updates zurück und möchte zusammen mit den Spielern zurück zu den Wurzeln. Der Fokus liegt jetzt auf Dingen, die sich Spieler schon lange in Runescape wünschten. Viele der Ankündigungen des Runefests 2017 waren schon in der Community bekannt und galten als keine große Überraschung, darunter die Mage Arena II – Die Fortsetzung eines beliebten Mini-Games in Runescape.

Neben neuem Content erhalten vor allem alte Features und Skills ein Rework. Gilden, Hinweis-Rollen oder Tiefsee-Angeln befinden sich darunter. Auch das könnte man als Zeichen verstehen, dass man seinen Veteranen entgegen kommen und das Spiel, wie sie es kennen, verbessern möchte. 

Größere Neuankündigungen auf dem Runefest 2017 waren:

  • Ein neuer Raubzug und ein Großmeister-Abenteuer für Oldschool-Runescape in 2018. Gruppen von bis zu fünf Spielern stellen sich einer teuflischen Armee von Vampiren.
  • Ein neuer Monsterkampf-Modus “Dimension der Verdammten” kommt im Oktober 2017 – Für die Community das aufregendste Update. “Dimension der Verdammten” ist ein zeitlich limitiertes Event, das Spieler in eine andere Dimension transportiert. Eine Horde von Toten kommt nach Gielinor und Spieler müssen gegen die Zombies überleben, in einem Kampf bis auf den Tod.

Der Weg zurück – führt er Runescape ins Glück?

Leya meint: Jagex hat seine Zukunftspläne auf die Veteranen von Runescape ausgerichtet. Die Entwickler machen deutlich, dass sie zurück zu ihren Wurzeln möchten und Nostalgie nutzen, um alte Spieler wieder zurückzubekommen. Weltweit hat Runescape derzeit jeden Monat zwei Millionen Spieler, die sich einloggen.

Riesige Updates wie Menaphos waren vielleicht nicht die richtige Strategie, um diesen Spielern gerecht zu werden. Eventuell hat man hier die Spieler-Wünsche bei Jagex fehlinterpretiert. Die mobile Voll-Version von Runescape könnte tatsächlich der Schlüssel sein, um die (Ex-)Veteranen glücklich zu machen und sich an ihre Bedürfnisse anzupassen. Sie möchten das bekannte Runescape spielen und keine angepasste Version wie bei der Erweiterung Menaphos.

Es könnte eine gefährliche Langzeit-Strategie sein, wenn man sich nur auf seinen alten Markt konzentriert und neue Spieler außer Acht lässt. Für den Moment erscheint es mir aber für Jagex eine sinnvolle Strategie, sich auf seine bestehende (Ex-)Spielerbasis zu konzentrieren.

Denn genau das sind die Spieler, die das etwas schrullige MMORPG mit dem britischen Humor lieben. Sie brauchen keine hochmodernen Grafiken und mögen die Kanten und Pixel, die zu Runescape gehören.

Runescape Mobile

Mobile kann vielleicht Minecraft-Fans gewinnen

Trotzdem glaube ich, dass gerade die mobile Version auch einen Schwung neuer Spieler bringen könnte. Oldschool-Runescape wäre mit seiner Block-Optik durchaus ansprechend für Spieler, die auch auf das klobige Minecraft total abfahren und ein komplexes Spiel auf Mobile wollen. Das moderne Runescape macht auf den kleineren Bildschirmen durchaus etwas her, muss aber bis Release noch viel an seinem Interface arbeiten.

Wie Runescape von neuen Spielern und Veteranen angenommen wird, muss man abwarten, bis die Mobil-Version tatsächlich erschienen ist.