Laut eines Entwicklers von ZeniMax soll The Elder Scrolls Online über Jahre andere, gescheiterte Projekte querfinanziert haben. Das sorgte nicht nur für Probleme, sondern ist mit Blick auf die aktuellen Ereignisse extrem bitter.
Um welchen Entwickler geht es? Andrew Young ist Senior Game Designer sowie Autor und arbeitete seit 2012 bei den ZeniMax Online Studios. Wir hatten den Branchen-Veteranen bereits am 7. Juli 2026 zitiert, als wir über die umfassenden Entlassungen beim Studio hinter The Elder Scrolls Online berichtet haben.
Young sprach zuletzt aber nicht nur darüber, wie schlimm die Entlassungen für das Team sind, er erklärte auch, wie wichtig der Erfolg von The Elder Scrolls Online für ZeniMax und Bethesda gewesen sei. Auf X schreibt er:
Die Leute werden nie erfahren, wie viel Blut, Schweiß und Tränen in die Entwicklung von ESO geflossen sind oder dass wir im Grunde andere scheiternde Projekte finanziert haben, während wir nie genügend Ressourcen erhielten, um unseren Veröffentlichungsrhythmus wirklich aufrechtzuerhalten.
Sprich: Das Elder-Scrolls-MMORPG war über viele Jahre hinweg so erfolgreich, dass damit diverse andere Projekte bei ZeniMax und Bethesda querfinanziert worden sein sollen. Spiele wie Project Blackbird, die nie das Licht der Welt erblickt, aber viele Millionen US-Dollar verschlungen haben dürften.
Dank einer Aussage vom ehemaligen Studio-Chef Matt Firor wissen wir übrigens, dass Elder Scrolls Online in der ersten Dekade um die 2 Milliarden US-Dollar eingespielt haben soll.
Wenn man sich die langen Entwicklungszyklen bei vor allem den Bethesda Game Studios (Starfield, Fallout, Elder Scrolls) anschaut, würde es wohl niemanden überraschen, wenn dort auch ein paar Dollar aus den ESO-Einnahmen gelandet wären.
Nicht ungewöhnlich, aber bitter
Ist so etwas ungewöhnlich? Innerhalb eines Studios ist es natürlich vollkommen normal, dass das aktuelle Spiel im besten Fall die Entwicklung des nächsten Projekts finanziert. Große Games-Abteilungen wie die von Microsoft nutzen ihre extrem erfolgreichen „Cashcows“ aber auch konzernweit, um damit die Projekte anderer Studios zu ermöglichen.
Ganz konkret weiß man es etwa von Minecraft und Candy Crush, die Jahr für Jahr enorme Umsatzsummen generieren und so das Fundament für beispielsweise Singleplayer-Erfahrungen bilden, die speziell mit Blick auf den Xbox Game Pass geplant worden sind.
Problematisch ist eher, wie viele Projekte allein in der vergangenen Dekade in der gesamten Spiele-Branche nach Jahren Entwicklung eingestellt worden sind, wie viele kostspielige Übernahmen es gab, die schließlich nur zu weiteren Studio-Schließungen führten, und wie viele extrem teure Flops mit Ansage live gegangen sind, nur um kurz danach wieder vom Netz zu gehen.
Klar, solche Fails gab es schon immer. Heutzutage verbrennt man mit jedem Concord aber gleich 250 Millionen US-Dollar. Die großen Entscheider verheizen an der Spitze unfassbare Summen und ausbaden müssen es am Ende die Teams.
Der bittere Ton von Andrew Young ist aus unserer Sicht daher gut nachvollziehbar: Trotz des über Jahre enormen Erfolgs wurde man selbst wohl immer wieder ausgebremst und steht jetzt vor einem Scherbenhaufen, aus dem die Verbliebenen das Beste machen sollen. Zum zweiten Mal innerhalb von nur einem Jahr wohlgemerkt: Die Entlassungen bei Microsoft sollen das Studio hinter Elder Scrolls Online 2025 spürbar geschwächt haben
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