Das Studio hinter The Elder Scrolls Online muss zum zweiten Mal in kurzer Zeit umfassende Entlassungen überstehen. MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz befürchtet das Schlimmste für eines der letzten, großen MMORPGs aus dem Westen.
Was ist passiert? Bei Xbox kommt es zum großen Kahlschlag. Tausende Mitarbeiter verlieren ihren Job. Darunter auch viele Kreative der ZeniMax Online Studios. Das Team von Elder Scrolls Online soll derart betroffen sein, dass die aktuelle Roadmap für kommende Updates angepasst werden muss.
Ich bezweifel jedoch stark, dass alle Fans von ESO am Ende nur mit einer leicht angepassten Roadmap und etwas längeren Wartezeiten auf kommende Updates leben müssen.
The Elder Scrolls Online ist eines der größten MMORPGs auf dem Markt. Allein durch die Art, wie das Spiel seine Geschichten über vollvertonte Dialoge erzählt, steckt hinter jedem Content-Update ein enormer Arbeitsaufwand.
Schon in der Vergangenheit war es Zenimax in seiner vollen Kreativstärke kaum möglich, die geplanten Release-Fahrpläne einzuhalten. Autor und Game Designer Andrew Young macht das in einem seiner aktuellen Posts auf X zum Thema:
Ich bin heute einfach so wütend. Die Leute werden nie erfahren, wie viel Blut, Schweiß und Tränen in die Entwicklung von ESO geflossen sind oder dass wir im Grunde andere scheiternde Projekte finanziert haben, während wir nie genügend Ressourcen erhielten, um unseren Veröffentlichungsrhythmus wirklich aufrechtzuerhalten. Das Team hätte etwas viel Besseres verdient.
Wie soll man mit einem deutlich verkleinerten Team all die für dieses Jahr noch geplanten Neuerungen wie frische Story-Inhalte, Überarbeitung aller Klassen sowie Waffen, Solo-Dungeons oder die Skyrim-Saison mit riesigen Welt-Events in absehbarer Zeit umsetzen? Meine Befürchtung: gar nicht.
Ganz im Gegenteil könnte dem Team jetzt das frisch etablierte Saison-Modell um die Ohren fliegen, das alle paar Monate nach einem Neustart mit frischen Anreizen verlangt.
Ihr dürft nicht vergessen: Die Zenimax Online Studios mussten vor einem Jahr erst umfassende Entlassungen verkraften. Schon damals erklärten interne Quellen, dass dadurch ein großer, nachhaltiger Schaden im Team entstanden ist. Danach hatten die verbleibenden Kräfte knapp ein Jahr Zeit, um die Scherben aufzusammeln und sich neu zu formieren – nur um jetzt von der nächsten Entlassungswelle getroffen zu werden.
So etwas kann Studios kaputt machen. Mit Blick auf die ZeniMax Online Studios wäre das besonders dramatisch.
The Elder Scrolls Online gehört dabei sicherlich zu den MMORPGs, in die mit die meiste Zeit geflossen ist. Schon in der Beta war er am Start und hat seitdem mit seiner Nachtklinge fast jede Quest in Tamriel gespielt.
Die Wurzeln von ZeniMax
Meinen ersten Kontakt mit den ZeniMax Online Studios muss ich irgendwann Anfang 2014 gehabt haben. Seinerzeit ging es um einen Beta-Zugang für The Elder Scrolls Online, das Anfang April in seiner finalen Version live gehen sollte.
Der Plan war: die Molag-Bal-Kampagne in der Beta durchspielen, um zum Start des MMORPGs bereits einen Vorab-Test schreiben zu können. Auf dem Liveserver sollte dann der Langzeittest folgen.
Zu dieser Zeit gab es die ZeniMax Online Studios zwar schon sieben Jahre, doch hatten sie bis dato noch kein Spiel veröffentlicht. Dennoch besaß das Team viel Erfahrung, vor allem an der Spitze. Studio-Chef Matt Firor kam von den MMO-Experten bei Mythic Entertainment und hatte dort an Online-Games wie Aliens Online, Godzilla Online und natürlich Dark Age of Camelot gearbeitet.

The Elder Scrolls Online startete dennoch recht rumpelig, mit allerlei Bugs und einem wenig motivierenden Endgame. Ein recht typischer MMO-Launch, könnte man sagen. Anders als viele Konkurrenten krempelten die Entwickler bei ZeniMax jedoch die Ärmel hoch und gingen gezielt die größten Baustellen des Spiels an.
Das Ergebnis waren umfassende Änderungen für die gesamte Charakterprogression und das Endgame, sowie ein klarer Content-Fahrplan, der über Jahre auf DLCs, Kapitel-Erweiterungen und kostenlose Update setzte. Durch diese Maßnahmen mauserte sich ESO zu einem der weltweit größten und beliebtesten MMORPGs der Welt, vor allem auf den Konsolen.
Die letzte Wasserstandsmeldung vom Summer Game Fest 2025 lag bei 26 Millionen Spielern.
Ich selbst konnte die Entwicklung des Spiels von der Beta bis heute mit meiner Khajiit-Nachtklinge an vorderster Front erleben, und dabei immer wieder mit vor allem Matt Firor und Rich Lambert (war lange Creative beziehungsweise Game Director von ESO, ist seit 2025 der Studio Game Director von ZeniMax) über das MMORPG sprechen. Dazu kommen etwa ein Dutzend Verlies-Runden mit den Entwicklern.
Was ich in allen Gesprächen und bei jedem der Termine ausnahmslos gemerkt habe: Bei ZeniMax sitzen Enthusiasten, die das MMO-Genre lieben und die ihr eigenes Game auch privat mit großer Freude zocken. Entsprechend bitter war das frühzeitige Aus für das zweites MMO, das bei ZeniMax entstehen sollte … dort hätte mit den Lektionen aus ESO ein richtig gutes, neues MMORPG entstehen können.

Der Anfang vom Ende
Abseits der unterstützenden Aufgaben bei Doom (2016) und Fallout 76 hat ZeniMax auch 19 Jahre nach Studio-Gründung neben Elder Scrolls Online kein weiteres Spiel in ihrer Vita stehen. Bei einem Studio mit über 300 Angestellten (Stand aus 2025, vor der ersten Entlassungswelle) kann das mit der Zeit zu einem Problem werden, wenn die Umsätze des bisherigen Goldesels sukzessive schwinden.
Bekanntlich hatte ZeniMax aber schon über sieben Jahre hinweg an einem neuen MMO gearbeitet, das irgendwann die Goldesel-Krone hätte tragen sollen. Projekt Blackbird sollte in die Richtung Online-Loot-Shooter wie Destiny gehen, mit einem spannenden SciFi-Dystopie-Setting, das stark an Blade Runner erinnert.
Für Matt Firor war es nach eigener Aussage ein Spiel, auf dessen Entwicklung er seine gesamte Karriere gewartet hatte. Es macht sogar die Anekdote die Runde, dass man dem damaligen Xbox-Chef Phil Spencer beim Anspielen den Controller regelrecht wegnehmen musste, um mit dem Meeting fortfahren zu können.
Als das Projekt vergangenes Jahr überraschend eingestellt wurde, zog Studio-Chef Matt Firor die Konsequenz: Er nahm seinen Hut und kündigte. Damals legten die Microsoft-Verantwortlichen bereits die Weichen für das, was gerade passiert.
Auf X gab es vermeintliche Leaks, die das MMO Project Blackbird zeigen sollen:
Was wird aus ZeniMax?
Aktuell kann ich mir nur schwer vorstellen, dass The Elder Scrolls Online und ZeniMax die ganzen Schläge von Microsoft langfristig überleben kann. Im besten Fall wird es ESO noch eine ganze Weile geben, aber dann mit einem radikal gekürzten Content-Fahrplan und einer kleinen, aber treuen Community.
Im schlimmsten Fall verschärfen die neuen Entlassungen und die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf zukünftige Inhalte einen Spiraleffekt, der letztendlich zum Ende des MMORPGs und zur Schließung des Studios führen könnte.
Was ich indes für unmöglich halte: Dass wir bei The Elder Scrolls Online in den kommenden Jahren einen Aufwärtstrend erleben werden und dass bei ZeniMax irgendwann noch einmal ein neues, ambitioniertes MMORPG entstehen wird.
Microsoft hat in jedem Fall eines der größten und erfolgreichsten MMO-Studios aus dem Westen auf dem Gewissen. Und es zerreißt mir das Herz. Weil ich mit ESO viele tolle Erinnerungen verbinde. Weil ich viele der (teils ehemaligen) Verantwortlichen bei ZeniMax sehr schätze. Und weil es im Westen eh kaum noch Studios gibt, die sich an das risikoreiche, weil teure Genre der MMORPGs herantrauen. Am Ende verlieren alle.
Wie seht ihr das: Glaubt ihr, dass das Ende von The Elder Scrolls Online und Zenimax besiegelt ist? Habt ihr noch Hoffnungen? Verratet es uns gern in den Kommentaren! Wie schlecht es bei den westlichen MMORPGs in der vergangenen Dekade aussah, darum geht’s hier: Nur 1 großes MMORPG aus dem Westen in 12 Jahren zeigt das kollektive Versagen einer ganzen Industrie
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Kommentare
Wenn MS bei den Bethesda-Untergruppen aufräumen will, dann sollten die eher bei den Singleplayer Teams (allen vorran Todd Howard) aufräumen.
Nach anfänglichen Startproblemen, sorry, aber ich bin der Meinung, ZOS (ESO) ist mittlerweile der wahre Erbe des Elder Scrolls Settings.
Das wäre aber wirklich sehr schade. Ich verbinde mit ESO bittersüße Erinnerungen – hab 2014 die Beta gespielt, bis 2019 zum Elsweyr Update. Das war eine nette Zeit. Der Nekromant und der Hüter waren gern gesehene und recht spaßige Zusätze zu den vorhandenen Klassen, auch wenn sie letztendlich in der Magicka und in der Stamina Variante sich recht ähnlich spielten zu anderen Magicka- und Staminabuilds – auch wenn man das mit Gildenfähigkeiten wie von der Psijik oder Magiergilde ergänzen konnte. Das Aufsatteln auf die Reittiere und die Satteltaschen / das Geschirr das dazu kam, wenn man sie jeden Tag fütterte und ausbaute waren toll. Die Rüstungen waren wunderschön, und dass man sie transmoggen konnte (weiß nicht mehr genau, wie es bei ESO hieß). Die ganzen verschiedenen Rüstungssets, sowie die Schulter-Kopf-Zwei-Set Rüstungen waren super — nur leider nahm das Ganze Überhand, mit jedem Mini-Update kam ein Neues hinzu, mit neuen aktiven und passiven Boni, die z.B. im PvP in Cyrodiil und der Kaiserstadt Null gebalanced waren und oftmals auch sehr weirde Synergien mit irgendwelchen Fähigkeiten entwickelten, woraus dann leicht exploitige One-Shot-Builds entstanden. Das war besonders im PvP ärgerlich. Generell war das PvP ärgerlich, da hatten sich meine beste Freundin, die von DAoC kam und ich etwas Besseres, und besser Supportetes gewünscht. Denn auch wenn man Exploits meldete (wie zum Beispiel Leute der gegnerischen Fraktion, die einen Schildansturm unten außerhalb des Keeps auf einem NPC nutzten, um reinzukommen, dann eine Außenwand einmal anschlugen, damit es als “Under Siege” auf der Map stand, und dann die innere Tür öffneten und das Keep beanspruchten.) sah man am nächsten Abend die selben Namen in Cyrodiil, die die selben Exploits nutzten.
Wobei ich mich nämlich in den ersten Monaten TESO noch erinnere, dass ich mit einem GM schrieb, in Cyrodiil, weil ich mit einem Twink nicht die Anfangsquest annehmen konnte. Er verstand das Problem, und gab mir eine Anfangsquest. Gut, es war die des Aldmeri-Dominions, also die Falsche, aber Schwamm drüber. Danach gab er mir schnell die des Ebenherzen.
Dieser Support war aber recht schnell verschwunden, zumindest wurde ich danach nie wieder von einem GM angesprochen, auch keiner meiner Gildies, wenn sie denn dann mal Probleme hatten.
Das war schade.
Auch die Werwölfe und Vampire waren sehr cool, ich erinnere mich dass ich eine Vampir-Nachtklinge hatte. Richtig episch! Die Questreihe dazu war mega cool, nicht übertrieben edgy, aber schön düster.
Muss aber dann auch wieder erwähnen, dass ich sowohl von Murkmire als auch von Elsweyr sehr enttäuscht gewesen bin. Meinen Gildies ging es auch so. Wir fanden die Gebiete sehr klein, und sehr schnell durchgequestet. Da hätte man sich sogar so manchen Wegschrein zur Schnellreise sparen können. Wir haben dann zusammen viel Zeit damit verbracht, uns die coolen Rezepte und Sachen fürs Housing aus den liebevoll gestalteten NPC-Häusern zu stehlen, und die ultra-coolen Kill-Animationen der Assassinen-Gilde zu bestaunen. Unfassbar detailreich und liebevoll, das war ESO graphisch immer gewesen.
Es war schade, das Spiel aufgeben zu müssen, weil so viele Cheats, Exploits und Griefer im PvP waren, die es für die normalen Spieler unerträglich machten. Und als gäbe es noch nicht genug exploitige One-Shot-Builds durch irgendeine alte oder neue Rüstung im Setbonus, nein in Elsweyr mussten sie auch noch diesen Hammer nach Cyrodiil packen, der dazu gedacht war, Leute mit einem Schlag aus dem Leben zu hauen. Feuer mit Feuer bekämpfen, oder unterstützen Zeni/Bethesda die Griefer und Exploiter? Keine Ahnung, ist wilde Spekulation meinerseits, aber als reiner PvP und Housing Spieler fühlte sich das Ganze sehr schlecht an.
Wie gesagt, bittersüß.
Hatte mich so sehr gefreut, in der letzten Zeit mehr positive News zu TESO zu lesen!
Ich hoffe, dass das letzte große MMO im Westen, das nicht WoW ist (welches ich gerade in der Classic TBC Variante zun ersten mal spiele) nicht einen langsamen Tod stirbt. Das wäre super schade. Ich drücke ihnen die Daumen, dass alles gut wird!
Auch id Software hat es heftig erwischt. Anscheinend alle id Engine Entwickler wurden entlassen. Das nächste Doom wird wohl mit UE5 laufen. Da gruselt es einen.
Im offiziellen Forum von ESO führen Spieler eine Liste von betroffenen Entwicklern: Huge Layoffs at Zenimax, a lot of ESO devs impacted — Elder Scrolls Online
Darunter sind auch allerlei Veteranen und Gesichter, die in den vergangenen Jahren stark in der Öffentlichkeit standen, wie Gina Bruno, Mike Finnigan, Jeff Grubb oder Bill Slavicsek.
erst wir d alles aufgekauft und dann werden die studios geschlosssen, ein richtig miesser schachzug von microsoft.
Erst wird gekauft, dann wird geschaut, ob es lukrativ “genug” ist (Microsoft sagt, sie legten die letzte Jahre, quer durch Xbox, pro eingenommenen Dollar nochmal 64 Cent drauf – also eindeutig negativ), also so, wie man es sich erwartet hätte und, wenn das nicht der Fall ist, dann wird erst umstrukturiert und, wenn das auch nicht funktioniert, dann werden die Studios geschlossen.
Auch Microsoft kauft Studios nicht mit der Absicht, sie später schließen zu müssen – denn das verdient ja kein Geld, sondern kostet es.
das kann man also nicht in erfahrung bringen bevor man das studio kauft ? dass wäre dann richtig schlecht gemacht.
Natürlich “bringt man das in Erfahrung” vor dem Kauf, ob es am Ende dann aber das Geld abwirft, das man sich vor Übernahme davon erwartet, kann man nicht zu 100% vorhersehen, zuverlässige Hellseherei gibt es halt nicht. Man hat Erwartungen, man macht Prognosen und diese passt man immer wieder an, doch ob Prognosen und Erwartungen tatsächlich genau so eintreten, das kann man nicht wissen.
(Davon “lebt” zB. heute der gesamte Aktienmarkt). Prognosen sind immer eine Art Wette, bei der man versucht das Risiko so gut es auch nur irgendwie geht, einzuschränken aber ob dann zB. die Endkunden genau das machen, was man vermutet hat, dass sie machen werden, das kann man nie mit 100% Garantie vorhersehen.
Aber niemand kauft etwas, das er dann, wie hier, für 8 Jahre hält, finanziert und unterhält (was ja alles Geld kostet), mit dem Plan, es zuzusperren. Bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen, ist “Zusperren” immer die letzte Ausstiegsstrategie, weil etwas wirtschaftlich nicht das erbracht hat, was man sich davon erhofft hatte. Wie gesagt, für jeden in der Gamingsparte eingenommen Dollar, sagt Microsoft, hätten sie die letzten Jahre 1,64 Dollar ausgeben müssen. Im Fall von XBOX sind die (Langzeit-)Prognosen und Erwartungen also bislang nicht aufgegangen, sie waren also offensichtlich nicht korrekt, aus welchen Gründen auch immer (oder, man hatte bislang einen noch viel längeren Planungs-/Prognosenhorizont aber durch eine Änderung der Strategie im Gesamtkonzern, wurde dieser nun verworfen)
Oh und ja, das “war richtig schlecht gemacht” – entweder waren/sind die Prognosen falsch oder es wurde anderweitig falsch gewirtschaftet oder man “erhofft” sind anderwritig schneller mehr Geld.