In unseren MMO-Talks auf Twitch während des Grindfests 2026 ging es um die Vergangenheit, den Status quo sowie die Zukunft des MMORPG-Genres. Dabei bekam vor allem ein Teil der Industrie sein Fett weg.
Was ist die These und von wem kommt sie? Während des Grindfests 2026 veranstalteten wir auf dem Twitch-Kanal von GameStar gleich mehrere Talk-Runden, in denen wir über die Vergangenheit, den Status quo sowie die Zukunft des MMORPG-Genres gesprochen haben.
Dabei kam immer wieder auch die Frage auf, warum es in den vergangenen Jahren so wenige erfolgreiche, große Themenpark-MMORPGs aus dem Westen gab und ob die Zukunft des Genres in Asien respektive in Trends wie dem weniger risikoreichen MMO Lite liegt.
Unser Gast, der YouTuber und MMO-Enthusiast Entenburg, betonte, dass man eigentlich nicht davon sprechen könne, dass neue Themenpark-MMORPGs aus dem Westen in den vergangenen Jahren nicht erfolgreich genug gewesen seien.
Das Problem sei eher, so Entenbrug, dass es in 12 Jahren nur ein einziges Fallbeispiel aus dem Westen gegeben habe: New World. Das MMORPG war zum Launch enorm erfolgreich, soll sich mehr als 10 Millionen Mal verkauft haben und konnte mit der letzten Saison sogar ein positives Momentum schaffen sowie steigende Spielerzahlen verzeichnen.
Was es jetzt vor allem braucht, das ist der Mut von westlichen Studios (und Geld) zu sagen: Wir entwickeln ein MMORPG. Denn es gibt eigentlich keine Fails. […] Eigentlich gab es in den letzten 12 Jahren keine gefloppten MMORPGs aus dem Westen, die AAA gewesen wären. […]
Meine These ist: Wenn irgendjemand aus dem Westen mal ein richtig gutes, feingeschliffenes MMORPG machen würde, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass man es annimmt, ziemlich hoch. Das eine Mal, dass es passiert ist, wurde es angenommen, trotz vieler, vieler Probleme.Entenburg im MMO-Talk von GameStar und MeinMMO auf YouTube
Bei New World kommt noch dazu, dass es eine völlig neue IP besitzt, die keine große Fan-Basis auf die Server locken konnte. Die Vorfreude ergab sich aus dem spannenden Setting, den schick inszenierten Trailern sowie dem Umstand, dass hinter dem Spiel mit Amazon Games ein namhaftes Studio aus dem Westen mit viel Geld steht.
Würde eben jenes Amazon Games das ursprünglich geplante MMORPG zu Herr der Ringe doch noch veröffentlichen oder hätte Branchen-Urgestein Jack Emmert die Möglichkeit, seinen vorzeitig begrabenen Traum vom Warhammer-MMORPG zu finalisieren, wären rekordverdächtige Launch-Erfolge vorprogrammiert – allein aufgrund des Hungers der Community nach neuen, westlichen Themenpark-MMOs in Kombination mit der jeweils sehr beliebten Lizenz.
Mit Aion 2 erwartet uns bald ein erfreulich klassisches Themenpark-MMORPG:
Was es laut Entenburg heute unbedingt braucht, dass sind Entwickler, die so ein Projekt bis zum Ende durchziehen. Denn genau daran hat es in den vergangenen 12 Jahren gefehlt. Seine Kritik richtet sich daher vor allem an die westliche Industrie:
Wir haben kein Problem mit einer Spielerschaft, die das nicht mehr annehmen würde. Wir kriegen nichts. […] Da lasse ich mir auch nicht als Spieler den Schuh anziehen, so nach dem Motto: Spieler müssen sich verändern, MMOs werden nicht mehr angenommen. Es kommen keine. Die Industrie verweigert sich in meinen Augen einer relativ großen Zielgruppe, weil es natürlich riskant ist, teuer, vieles kann schiefgehen.
Entenburg im MMO-Talk von GameStar und MeinMMO auf YouTube
Am zweiten Stream-Tag des Grindfests wird Entenburg dann noch einmal deutlicher. Auf Twitch ergänzt er: „Wenn es so sein sollte, dass klassische MMORPGs nischiger sein werden, dann liegt das nicht an den Spielern, sondern daran, dass die Industrie schlicht und ergreifend versagt.“
Ihr findet unseren Talk zu den größten MMO-Fails auf YouTube oder im Folgenden – schaut auch so sehr gern regelmäßig auf dem Kanal von GameStar Talk vorbei, für viele weitere spannende Diskussionen rund um das beste Hobby der Welt:
MMORPGs werden saisonal
Auch wir Spieler verändern uns: Wie die Gaming-Landschaft haben sich auch wir Spieler in den vergangenen Jahren verändert. Wir sind älter geworden, haben Familie, zeitraubende Jobs und deutlich mehr mediale Angebote als noch vor 20 Jahren. Natürlich wirkt sich das zwangsweise auf die Art aus, wie wir MMORPGs konsumieren und was für Inhalte MMO-Entwickler in ihren jeweiligen Spielen anbieten.
Ein Effekt, der sich beispielsweise seit geraumer Zeit beobachten lässt: Viele Spieler fokussieren sich nicht mehr komplett auf ihr Lieblingsspiel, sondern springen zwischen verschiedenen MMORPGs hin und her, je nachdem, wo es gerade neue Inhalte gibt. Entenburg baut darauf eine These auf, die er als Frage formuliert:
Wird das klassische MMORPG saisonal? Und ich finde: Ja, das wird es. Und ich finde gut, dass es das wird. Wir haben mittlerweile eine unheimlich ausdifferenzierte MMORPPG-Szene, wir haben so viele gute Spiele. Mittlerweile wissen WoW-Spieler auch, dass es da ein Guild Wars 2 gibt, und Final-Fantasy-14-Spieler wissen, dass es da ein Elder Scrolls Online gibt. Und so weiter. […]
Man hat seine Handvoll MMOs, die man mag, und wenn neuer Content kommt, dann spielt man über ein paar Monate, nur um dann wieder weiterzuziehen. […]
Entenburg im MMO-Talk von GameStar und MeinMMO auf Twitch
Gut findet Entenburg diesen Trend, weil man als Spieler so viel freier ist, um mehr Spiele auszuprobieren und auch mal über den Tellerrand zu schauen. Gleichzeitig muss das für die Betreiber nicht zwingend schlecht sein, da die Spieler ja zurückkommen, sobald es spannende neue Inhalte gibt. Und gerade die Großen – wie ein WoW, ein ESO, ein FFXIV – zeigen seit geraumer Zeit, dass das sehr gut funktionieren kann.
Wie seht ihr das? Springt ihr auch von MMORPG zu MMORPG oder seid ihr einem Online-Rollenspiel treu? Und wie schätzt ihr den Umstand ein, dass wir in 12 Jahren nur ein großes Themenpark-MMORPG aus dem Westen bekommen haben? Als Versagen der Industrie? Als trauriges, aber kaum zu vermeidendes Ergebnis der vielen MMO-Fails der vergangenen Dekaden? Verratet uns eure Gedanken gern in den Kommentaren! Mehr von Entenburg findet ihr hier: Die Zukunft der MMORPGs ist nur eines und zwar vielschichtiger denn je!
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Ich sage. Das klassische MMO wird nichts mehr.