Die 2 größten MMORPGs der letzten Jahre ohne Amazon? Haltet mich für bescheuert, aber das ist schlecht

Lost Ark Throne ohne Amazon

Amazon Games zieht sich auch als Publisher aus dem Genre der MMORPGs zurück. Doch was bedeutet das für Lost Ark und Throne and Liberty? MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz analysiert die möglichen Auswirkungen.

Es ist leicht, Amazon Games zu kritisieren. Habe ich auch schon oft gemacht. Zuletzt erst vor ein paar Tagen, weil es mich ärgert, wie wenig man aus dem fast konkurrenzlosen Potenzial unterm Strich gemacht hat. Die Ambitionen waren riesig. Die Ressourcen und Bausteine vorhanden. Zurück bleiben ein Trümmerhaufen und viele eingestellte Projekte.

Zu den zwei Seiten der Medaille gehört es aus meiner Sicht aber auch, dass Amazon Games den beiden asiatischen Titeln Lost Ark (2022 bei uns erschienen) und Throne and Liberty (2024) als westlicher Publisher gut getan und maßgeblich dabei geholfen hat, die größten MMORPG-Releases der vergangenen Jahre hinzulegen.

War alles perfekt? Sicherlich nicht. Ich bin mir aber sicher, dass beide Online-Rollenspiele ohne die Unterstützung der New-World-Macher deutlich weniger erfolgreich gewesen wären. Entsprechend zweifelnd schaue ich jetzt auf die Zukunft der beiden MMORPGs.

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Throne and Liberty – The Frozen Divide: Nix: Ankündigungs-Trailer zur neuen Erweiterung

Amazon Games als Publisher

In meiner Analyse zum Schaffen von Amazon Games hatte ich es schon einmal beleuchtet: Als Publisher genießt das Studio bei vielen westlichen Genre-Fans einen ähnlich durchwachsenen Ruf wie für die Rolle des Entwicklers von New World und Fails wie Crucible, Nova, Intensity oder Breakaway.

Das liegt teilweise natürlich daran, dass Amazon Games als Publisher einige Fehler gemacht hat, vor allem mit Blick auf die nicht immer optimale Kommunikation mit der eigenen Community:

Zeitweise fehlten vernünftige Patch Notes für die Updates von Lost Ark, es gab Ärger rund um eine zurückgehaltene Roadmap, die in Russland bereits live war, bei einer Gamescom-Präsentation zu New World im Jahr 2021 kassierten Zuschauer auf Twitch einen Timeout, wenn sie „Lost Ark“ in den Chat geschrieben hatten … all das war nicht optimal.

Ein großer Teil der Kritik aus der Community richtet sich seit jeher aber auch an einige der Eigenheiten, die asiatische MMORPGs wie Lost Ark und Throne and Liberty leider fast immer mitbringen. Ein westlicher Publisher kann hier aber nur das Feedback sammeln und an die eigentlich verantwortlichen Entwickler weiterreichen, Empfehlungen geben und die Maßnahmen der Entscheider mit den Spielern kommunizieren.

Sprich: Amazon Games entscheidet solche Dinge am Ende nicht. Der Publisher kann beispielsweise nicht einfach in der westlichen Version das Bezahlmodell umwerfen und die Echtgeld-Währung aus dem Auktionshaus nehmen. Er hat aber sicherlich dabei geholfen, die verschiedenen Anpassungen für die globalen Starts und darüber hinaus anzustoßen, wodurch Lost Ark und Throne and Liberty bessere Online-Rollenspiele geworden sind.

Dazu kommen die typischen Aufgaben eines Publishers wie die Lokalisierung der Spiele in zig Sprachen, die Bereitstellung von Webseiten in beispielsweise deutscher Sprache, Community-Support … alles Dinge, die man als westliche Spieler als normal ansieht, auf die man ganz oft jedoch verzichten muss, wenn ein asiatischer Entwickler sein Spiel in Eigenregie in den Westen bringt.

Und ganz nebenbei profitierten Lost Ark und Throne and Liberty natürlich auch vom großen Namen von Amazon und der starken Synergie mit Twitch. Vor allem Lost Ark konnte durch die Begleitung vieler Streamer einen enormen Hype aufbauen. Das wäre in der Form ohne die Partnerschaft mit Amazon nicht möglich gewesen.

Throne and Liberty Spieler
Throne and Liberty glänzt mit seiner „Massively“-Erfahrung, nervt aber mit Grind und dem Bezahlmodell.

Was bringt die Zukunft für Lost Ark und Throne and Liberty?

In Teilen sehen wir die Auswirkungen vom Rückzug von Amazon Games als Publisher der beiden Spiele schon seit Monaten. Lost Ark hat zwischenzeitlich beispielsweise die Unterstützung diverser Sprachen eingestellt und veröffentlicht Neuigkeiten auf der westlichen Webseite schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf Deutsch.

Throne and Liberty glänzte hingegen lange mit der monatlichen Ausgabe von Tico Talks, in der Associate Franchise Lead Tico die westliche Community über den aktuellen Stand des Spiels, kommende Updates und langfristige Pläne auf dem Laufenden gehalten hat. Seit seinem Wechsel von Amazon Games zu NCSoft gab’s keine Folge mehr.

Mehr zum besten Genre der Welt gibt’s auch auf unserem YouTube-Kanal von MeinMMO. Dort findet ihr aktuell etwa ein Video zum Thema Sandbox versus Themenpark – welches MMORPG passt zu euch?

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In beiden Fällen passiert mit Blick auf die Betreuung der westlichen Spieler nur noch das Nötigste, und das wird sich noch verschlimmern, wenn sich die jeweiligen asiatischen Entwickler um das globale Publishing kümmern. Sie sind weit weg und haben bei Design-Entscheidungen erfahrungsgemäß nur selten den globalen Markt im Blick.

Wer noch Hoffnungen hatte, dass sich Lost Ark und Throne and Liberty bei Frustpunkten wie dem Bezahlmodell oder dem hohen Grindfaktor noch verbessern könnte, für den sehe ich Schwarz. Im besten Fall ändert sich kaum etwas, da Amazon Games zuletzt eh nur noch das Nötigste gemacht hatte.

Ich persönlich gehe aber davon aus, dass beide Spiele in den kommenden Monaten zunehmend in der Bedeutungslosigkeit versinken werden, zumindest für die westliche MMO-Community. Eine Trendwende könnte man nur mit größeren Investitionen erreichen und dafür sind die aktuellen Spielerzahlen im Westen einfach zu klein.

Aion 2 am Horizont

Mein Blick geht jetzt daher in Richtung Aion 2, das von NCSoft Ende September beziehungsweise Anfang Oktober ohne einen westlichen Publisher in die ganze Welt gebracht wird. Der koreanische Publisher und Entwickler ist groß genug, um intern zumindest ein westliches Team auf die Betreuung der globalen Version des Prestige-MMORPGs ansetzen zu können.

Doch ob das reicht, damit sich die westliche Community gehört und verstanden fühlt? Ich rechne hier auf jeden Fall mit potenziellen Konfliktpunkten. Klar ist schon jetzt, dass es für den globalen Release diverse Anpassungen gab, man an bestimmten, im Westen kritisch beäugte Eigenheiten aber festhalten möchte. Mehr dazu hier: Aion 2 verrät endlich, wie die westliche Version zum Start aussehen soll

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