LoL: Insider-Bericht zeichnet übles Bild von coolem E-Sport-Team und seinem egomanischen Boss

LoL: Insider-Bericht zeichnet übles Bild von coolem E-Sport-Team und seinem egomanischen Boss

In League of Legends ist Andy “Reginald ” Dinh eigentlich eine irrsinnige Erfolgs-Geschichte. Der 30-Jährige gilt als Mastermind hinter dem Erfolg des größten US-Team in LoL, „Tema SoloMid“ – aber dieses Image ist jetzt endgültig zerstört. Ein Insider-Bericht der Washington Post zeichnet ein schlimmes Bild des Arbeitsplatzes „Team SoloMid“ und seines CEOs. Der soll Leute feuern, die ihm unbequeme Fragen stellen.

Um wen geht’s?

  • Andy Dinh ist der Gründer und Boss von „Team SoloMid“, das ist das erfolgreichste, und irgendwie auch coolste Team der USA in League of Legends. Das meiste Geld haben sie außerdem. Bei TSM spielten über Jahre die Superstars des E-Sports wie Bjergsen, Dyrus oder Doublelift. Erst im Juni 2021 hatte Reginald dem Team einen Mega-Deal mit einer Krypto-Börse über 210 Millionen $ gesichert.
  • Eigentlich war TSM immer eine irre Erfolgsgeschichte: Die „Gaming-Kultur“ wurde dort verinnerlicht, man war tief im Gaming verwurzelte, prägte mit Memes und einem betont coolen Auftritt die ganze Kultur. TSM war „das Team, das Gaming verstanden hat“ und der Erfolg gab ihm Recht.
  • Doch seit einigen Monaten hängt der Haussegen bei Team SoloMid schief: Viele bekannte Gesichter haben das Team verlassen, in LoL läuft’s überhaupt nicht, Riot läutete im Januar 2022 eine Untersuchung gegen den Chef, Andy Dinh, ein und jetzt erscheint ein wirklich schlimmer Bericht.
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Insider-Bericht spricht von „Kultur des Schreckens“ und toxischem Arbeitsplatz

Woher hat der Bericht seine Quellen? Die Washington Post sagt, sie haben mit Mitarbeitern von TSM und Blitz gesprochen, einer anderen Firma von Reginald. Die meisten der Mitarbeiter wollen aber anonym bleiben, weil sie Angst haben, von Dinh bestraft zu werden (via washingtonpost).

Was sind die Vorwürfe gegen Dinh? Dinh soll launisch und unberechenbar gewesen sein. Wer ihm widersprochen habe, sei häufig innerhalb von einigen Tagen gefeuert worden. Die Leute hatten regelrecht Angst, ihm schlechte Nachrichten zu überbringen, weil er wütend wurde und die Leute vor versammelter Mannschaft runterputzte oder sogar entließ, heißt es im Bericht der Post.

Mitarbeiter wird entlassen, weil er 2 Fragen stellte, die Reginald nicht mochte

Die Washington Post erzählt eine Geschichte aus dem März 2021. Damals war, nach den Vorwürfen gegen Dinh, ein neuer Mitarbeiter für die Personalabteilung eingestellt worden, der den Eindruck machte, wirklich was zu verändern und sich um die Belange der Angestellten zu kümmern.

Doch nur wenige Wochen nach seiner Einstellung sei er bereits von Dinh gefeuert worden. Ein Mitarbeiter sagt, bei einem Meeting habe Dinh erklärt, warum die Person entlassen wurde:

Andy erzählte der ganzen Firma, dass die Person gefeuert wurde, weil sie eine Frage stellte, die ihm nicht passte. Ich denke, er hat dann gemerkt, wie bescheuert das klang, also ergänzte er: Na ja, er hat zwei Fragen gestellt, die ich nicht mochte. Niemand hatte danach noch irgendwelche Fragen.

Die Rede ist davon, dass Dinh eine Kultur der „Angst“ und „des Schreckens“ verbreitet hat.

Es sei geradezu absurd gewesen, wie viele Vice-Presidents er gefeuert hatte, oft ohne ersichtlichen Grund. Das habe dazu geführt, dass Projekte immer wieder durcheinander kamen.

Das Vorzeige-Team im deutschen LoL hat augenscheinlich eine ganz andere Arbeitskultur:

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Erst war’s toll im Esport zu arbeiten – Dann kam der Burnout

Was wird ihm noch vorgeworfen? Bei Team SoloMid soll es auch eine schlimme Kultur gegeben haben, Leute nur als Vertragsarbeiter zu beschäftigen und sie so schlechter zu stellen als Festangestellte, obwohl das gegen die Gesetze von Kalifornien ist, die diese Praxis extrem erschweren.

Wobei eine der Quellen sagt: Gut, auch Festangestellte konnten per Fingerschnippen entlassen werden. So viel Sicherheit hatten die Festangestellten also auch nicht.

Ein Mitarbeiter sagt, er fand es erst total aufregend im E-Sports zu arbeiten. Doch das legte sich rasch:

Am Anfang war es aufregend, als ich jung war und glücklich im E-Sport zu arbeiten. Aber je länger das ging, desto mehr fühlte ich den Burnout und dass ich immer erschöpfter wurde.

Irgendwann fragte er seinen Boss dann, ob er keine Festanstellung bekomme, doch der sagte ihm, er solle sein Glück ruhig auf dem freien Markt suchen. Nur zu, es werde sich schon wer finden, der seinen Job für das Geld erledigt.

Reginald sagt: Er sei eben leidenschaftlich, getrieben, intensiv

Was sagt Dinh? Reginald selbst sagt in einem Statement zur Washington Post:

Ich habe extrem hohe Erwartungen an mich selbst und ich teile diese hohen Erwartungen mit allen, mit denen ich arbeite. Ich habe null Toleranz für schlechte Leistung. Ich bin intensiv, leidenschaftlich, getrieben und unermüdlich in meiner Leidenschaft zu gewinnen – das ist meine Natur. Ich setze extrem hohe Standards und wenn ich das Gefühl habe, jemand bringt es nicht, bin ich direkt und klar mit meinem Feedback.

Ich gebe zu: Wenn ich zurückblicke, war meine Wortwahl zu harsch und ineffektiv. Ich weiß, ich muss an meiner Kommunikation arbeiten und ich arbeite daran, wie ich mit meinem Team und meinem Umfeld rede. Ich unterstütze die unabhängigen Untersuchungen voll, die schon laufen, und werde gerne jeder Empfehlung der Untersuchenden folgen.

Das steckt dahinter: Diese Diskussion zieht sich schon länger. Sie kam im November 2021 auf, als der Twitch-Streamer Doublelift deutliche Kritik an Reginald äußerte und ihn als „Schulhof-Schläger“ darstellte, mit dem sich keiner anlegt.

Doublelift wurde daraufhin – natürlich – von TSM gefeuert.

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Wahrscheinlich der größte Kritiker von Reginald: Das ist Doublelift, eine LoL-Legende.

Interessant ist, dass das System offenbar über 13 Jahre einigermaßen „funktionierte“, bevor es jetzt 2022 auseinanderfällt. Denn es war schon lange bekannt, wie schwierig Dinh wahrscheinlich im Umgang. So gibt es Videos, wie er Profi-Spieler seines eigenen Teams vor laufender Kamera regelrecht fertig machte (via youtube).

Als es „gut lief“, hat man gesagt: Dinh sei halt so. Der meine es gar nicht böse, er sei eben extrem ehrgeizig und ein Gamer und hole aus allen das Beste raus. Die Videos würden ein schlechtes Bild zeichnen, eigentlich seien alle gute Freunden.

Doch in den letzten Monaten scheint das völlig gekippt zu sein: Praktisch alle wichtigen Leute und Leistungsträger sind von TSM weg. Offenbar ist das System „Reginald“ zusammengebrochen.

Nach den Anschuldigungen von Doublelift und dem aktuellen Bericht kann man kaum sehen, wie das weitergehen soll.

Der mächtigste Mann im US-LoL soll ein ziemlicher Mistkerl sein, der Spieler fertig macht

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