Housing in WoW Dragonflight fehlt, aber wir sollten es weiter fordern

Housing in WoW Dragonflight fehlt, aber wir sollten es weiter fordern

WoW-Dämon Cortyn von MeinMMO freut sich auf WoW: Dragonflight. Doch eines der am heißesten erwarteten Features fehlt – schon wieder.

Die Vorstellung der nächsten Erweiterung von World of Warcraft, Dragonflight, hat mir ziemlich gut gefallen. Der Stream hat so ziemlich alles enthalten, was ich sehen wollte: Ein neuer Kontinent, wieder auf Azeroth. Eine neue Klasse. Kein Azerit-Anima-Artefaktmacht-Grind. Eine große Welt, viel zu entdecken. Und natürlich Drachen. Drachen als Haupt-Charaktere, Drachen als spielbare Klasse, Drachen als Feature. Ich hab Bock. Und zwar so richtig.

Die Ankündigung hatte für mich aber auch einen krassen Dämpfer. Die ganzen – zum Teil erfundenen – Leaks im Vorfeld und einige Hinweise deuteten darauf hin, dass endlich Spieler-Housing in die World of Warcraft Einzug halten würde. In Gedanken hatte ich meiner Draenei schon ein kleines Splitterstück der Genedar eingerichtet, meiner Blutelfe ihren Nethermanten-Hexenkeller zusammengezimmert und meiner Dämonenjägerin ein paar Wichtel-Köpfe ins Schlafzimmer gehängt.

Als das Thema dann in der Vorstellung zu Dragonflight gar nicht vorkam, wurde mir ein wenig schwer ums Herz. Da habe ich erst gemerkt, wie sehr ich mich eigentlich schon darauf gefreut hatte. Aus rein egoistischer Spieler-Sicht finde ich es absolut unfassbar, dass World of Warcraft noch kein Housing hat, wo es doch inzwischen zum absoluten Standard des Genres gehört.

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Dragonflight erfüllt einige Wünsche – aber kein Housing.

Housing wäre ein Mega-Projekt – und würde viele Features kosten

Auf der anderen Seite und mit nüchternerer Betrachtung, glaube ich dem Game Director Ion Hazzikostas aber auch sofort, dass die notwendigen Ressourcen für so ein Feature in World of Warcraft gigantisch wären und vermutlich sehr, sehr viele andere Features kosten würden. Das erklärte er im Interview mit Hazel vor einigen Tagen. Die Entscheidung, Housing zu bringen, wäre gleichzeitig die Entscheidung, viele andere Features nicht machen zu können.

Alleine was das Art-Team stemmen müsste, wäre gigantisch. Immerhin hat World of Warcraft inzwischen 24 verschiedene Völker (einschließlich der Verbündeten Völker). Würden wir nur vom absoluten „Minimum“ ausgehen und sagen, dass jedes Volk 3 unterschiedliche Haus-Designs haben würde, wären das bereits 72 Häuser.

Und das wäre nur das reine Haus an sich. All die zahlreichen Sammel-Objekte, Dekorationen, Möbel, die zu allen Völkern passen müssten, Trophäen und so viel mehr – das alles würde eine riesige Menge an Arbeit verschlingen.

Klar, viele dieser Assets gibt es bereits im Spiel und man könnte einiges davon vermutlich einfach kopieren – sollte man denken. Aber so leicht wäre das nicht. Denn einige Grafiken stammen aus Vanilla, andere aus Battle for Azeroth. Allein der Qualitätsunterschied hier würde dafür sorgen, dass die Spieler auf die Barrikaden gehen.

Auch das Argument, dass „andere Spiele das ja locker hinkriegen“ zerfällt einfach, wenn man es sich anschaut. Andere Spiele wurden oft mit Housing im Hinterkopf entwickelt. Wenn das von Anfang an geplant ist, fällt die Implementierung deutlich einfacher. Wenn man von vornherein weiß, dass jedes Objekt später auch als „Housing-Gegenstand“ mit 360°-Drehung funktionieren muss, dann plant man das ein.

Ein eigenes Häuschen in WoW – da träumen die Spieler noch immer von. Und werden es wohl noch eine ganze Weile.

Eine gigantische Fülle an Objekten in World of Warcraft ist aber nicht so entwickelt worden. Wer ein wenig mit Programmen wie dem „Model Viewer“ herumspielt oder einfach die Kamera in World of Warcraft mal ein wenig dreht, wird das schon bemerkt haben. Viele Objekte, wie etwa Säulen, Kisten oder ganze Gebäude haben zum Beispiel von unten und von innen keine Textur. Einfach, weil nie beabsichtigt wurde, dass man die Säule in einem anderen Winkel antrifft, als an exakt dem Ort, an dem sie im Spiel steht.

Dazu müssten auch alle Items mit eigenen Hitboxen für die Kollision versehen werden – das ist schon jetzt nicht der Fall in der offenen Spielwelt, wo oft die Wände für die Kollisionsabfrage einfach nachträglich „über“ die fertige Spielwelt gelegt wird.

Auch die verschiedenen Völker, deren Größe mitunter drastisch unterschiedlich ist (man vergleiche Gnom mit Tauren) müssten alle gleichberechtigt in so einem System funktionieren und auch hier müsste an den Kollisionen gearbeitet werden, damit man als Tauren nicht einfach durch Tore clippt, durch die ein Gnom selbst springend durchgehen könnte.

Das sind nur ein paar Punkte. Je länger man sich mit dem Arbeitsaufwand dieser Thematik beschäftigt, desto einfacher fällt es nachzuvollziehen, warum WoW den Schritt zum Housing noch nicht gegangen ist. Der Aufwand wäre enorm. Und vermutlich in der Realität noch viel größer, als wir uns das gerade vorstellen können.

Lieber kein Housing als schlechtes Housing

Spiele wie SWTOR, die das nachträglich eingebaut haben, zeigen meiner Meinung nach auch, wie schlechtes Housing aussehen kann. Auch, wenn ich mir da jetzt ein paar Feinde in der SWTOR-Community mache: Feste Sockel für Objekte, krasse Limitierungen und vergleichsweise eintönige Designs haben mich eher verschreckt und dafür gesorgt, dass SWTOR als Ganzes in meiner Gunst gesunken ist.

Ich wäre bei Housing in WoW auch ziemlich pingelig. Alles, was weniger Anpassungsmöglichkeiten und stärkere Limitierung bietet, als es WildStar damals hatte, würde ich kaum akzeptieren. Ich will kein halbgares Housing. Wenn, dann möchte ich es richtig, mit all der Freiheit, die zu so einem Feature gehören sollte.

Wildstar Zimmer
WildStar hatte cooles Housing – WoW müsste es „nur“ 1:1 kopieren.

Also ja: Das Fehlen von Housing in Dragonflight ist ein Kritikpunkt, an dem ich sicher noch eine Weile zu knabbern habe. Allerdings bin ich ein grundsätzlich positiv eingestellter Mensch Dämon und glaube, dass wir alle noch ein paar weitere Jahre auf Housing warten können.

Ich halte es aber für wichtig, die Stimme weiter für dieses Feature zu erheben. Die Umfrage vor einigen Tagen hat gezeigt, dass die Sehnsucht nach Housing eben kein Nischen-Thema ist, sondern etwas, das sich ein immer größerer Teil der Spielerschaft wünscht. Also sollten wir das Thema immer wieder zur Sprache bringen und den Druck freundlich aber bestimmt aufrechterhalten.

Die Entwickler von Blizzard haben in den letzten Jahren betont, dass sie im Grunde nur „Verwalter“ für Azeroth sind und das Spiel erschaffen wollen, das die Community will.

Immerhin, ein kleiner Sieg: Noch vor Jahren klang der Game Director Ion Hazzikostas deutlich abgeneigter gegenüber Housing und knüpfte das an viele Fragen, die heute dem Anschein nach keine Rolle mehr spielen. Es bewegt sich etwas, wenn auch langsam.

Ich bin der Überzeugung, dass es inzwischen keine Frage mehr ist, ob wir WoW-Spieler jemals Housing bekommen werden – sondern nur noch eine Frage des „Wann“.

Mir wäre es lieber früher als später, doch wenn sie es direkt „richtig“ machen wollen, kann ich auch noch ein oder zwei Erweiterungen warten. Sorgen wir nur dafür, dass sie es auch nicht vergessen.

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Misterpanda

Ich glaube einfach, sie haben bisher nicht auf der Kappe gehabt, wieviele Spieler tatsächlich auch Spaß an Housing hätten. An den Aussagen erkennt man ja wieder, dass da noch nichts in Planung ist… Absolute Zukunftsmusik. So gerne ich es auch hätte, das wird in absehbarer Zeit nicht kommen. Trotzdem – es hat schon oft gezeigt, dass Blizzard auf Spielerwünsche reagiert, wenn es lang und laut genug ist 🙂 Bisher war aber der Schrei nach Housing halt noch nicht so omnipräsent. Ich habe aber das Gefühl sie hören es langsam. Ob sie dafür die halbe Engine umprogrammieren/anpassen? Klingt eher nicht so und passt leider bisher eher nicht zum Wow Entwicklungskonzept. (Immer das selbe in neuem Gewand)

Threepwood

Housing ist seit Classic Thema in der Community. In den goldenen Jahren brauchte man es wohl nicht und seitdem hört man ca. einmal im Jahr irgendwas von Qualität, Ansprüchen und Perfektion.

Wenn Blizz keine Kapazitäten für Housing als ein Feature für ein Addon hat, hätten sie es in all diesen fcking vielen Jahren nebenbei entwickeln können. Ein naiver Anteil in mir hofft auch bei jedem neuen Addon auf Housing und mehr Social Play.
Eine klare Position zu Housing wäre toll und lieber auch ein „Nein“, statt dem, was Fans seit Jahren darüber zu hören bekommen….“Wir würden gern, aaaaaber bla bla….“.

Belpherus

Housing wäre mehr als ein Mega Projekt, es wäre ein Feature was nach einem Addon noch weiteren Support braucht, bis zum Einstellen des Spiels. Ich denke die beste Lösung wäre etwas was SE zurzeit mit den Inselparadies plant, eigene Inseln die wir Gegenseitig besuchen können.

Die Frage ist auch ob man gleich neben Player Housing auch Guild Housing macht, oder die beiden miteinander verbindet. Daneben muss die komplette Tech für das Anpassen deiner 4 Wände neu gemacht werden.

Ich denke wenn der Erfolg von FFXIV irgenwas bewiesen hat, ist das es generell mehr Features zur Zeitinvestition geben muss mit Langzeitbestand, vor allem im Casual bereich.

Kekladin

Spiele wie FFXIV und GW2 zeigen sehr gut, dass horizontaler Fortschritt ebenso spannend und abwechslungsreich sein kann wie die übliche Hatz nach stärkeren Items.

Ein gut entwickeltes Crafting/Housing System bietet (für Spieler, die das mögen) extrem viel Unterhaltung abseits das ansonsten „immer nur Raids für stärkere Items laufen“.

Rabenhirte

Also mir persönlich ist Housing auch sehr wichtig, mein Charakter braucht einfach einen persönlichen Rückzugsort, andernfalls schadet das erheblich meiner persönlichen Immersion.

@Cortyn Frage, ich selbst spiele seit Jahren immer nur sehr casual WoW und hab somit dem Prozess von erster Vorstellung bis Abschluss des jeweiligen Addons nie nahtlos verfolgt. Gab es in der Vergangenheit mal dem Fall, dass so ein großes Feature dann doch noch für das aktuelle Addon erschien?

Rabenhirte

Ach schade, sehr bedauerlich – vielen Dank aber für die prompte Antwort!

LikeADwarf

Mir fehlt es halt auch mega… Eine reine Story Expansion, dafür von mir aus ohne Raids und Dungeons würde ich in Kauf nehmen, wenn es dafür Housing und eine Neugestaltung der alten Welt geben würde.
Fur mich wäre ein WoW 2 genau das. Das Ursprungsspiel mit dem komplett modernen Look.

N0ma

Mache beim Housing nur das notwendige und nur wenns dafür was gibt wie zB oft Kistenplatz. Einzig sinnvolle ist für mich eine Gildeninstanz. Von daher ists mir im Prinzip Wurst. Finde aber das Aufwand Argument für übertrieben.

Anzahl der Hausmodelle – wenn man den Anteil freien Bauens erhöht braucht man weniger bis gar keine Modelle. Ansonsten gibts ja bereits genug Hausmodelle in WoW, von denen viele auch begehbar sind und für die es vor einiger Zeit auch nochmal ein Grafikupdate gegeben hatte.
Säulen Innen – Polygonmodelle haben innen nie Textur, leider.
Clipping – generell erwartet keiner vom Housing das das besser sein muss als die existierende Open World.

Was Hazzikostas wohl eher fürchtet, Prügel wenns nicht gut genug ist. Auf der anderen Seite weiss er aber auch, wenn er nichts neues macht, hält er den Abstieg nicht auf.

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