Aus erfolgreichen MOBAs ein im besten Fall ebenfalls erfolgreiches MMO-Spinoff machen – an diesem Ziel arbeiten gerade 2 Studios. Während das LoL-MMORPG wohl noch viele Jahre brauchen wird, begeistert der Konkurrent aus China schon jetzt im Playtest.
Was ist das für ein Konkurrent? Vom 21. bis zum 27. Mai fand auf Steam der erste Playtest zu Honor of Kings: World statt. Das Online-Action-RPG basiert auf dem MOBA Honor of Kings, das vor allem im asiatischen Raum seit vielen Jahren extrem beliebt und erfolgreich ist. Hinter der Franchise steht mit Tencent einer der größten Gaming-Konzerne der Welt.
Die Parallelen zum LoL-MMORPG von Riot Games drängen sich also schnell auf:
- Ausgangspunkt ist ein über viele Jahre hinweg erfolgreiches MOBA, das ein breites Universum mit zahllosen Figuren, Fraktionen, Klassen, Kreaturen und mehr etabliert hat.
- Es ist ein ambitioniertes MMO-Spinoff, das den Erwartungen der Fans gerecht werden und neue Spieler ins Universum reinziehen soll.
- Hinter dem Projekt steht ein Unternehmen, das problemlos eine ausreichend hohe Summe investieren kann, um solch ein ambitioniertes MMO mit hoher Qualität umzusetzen.
Während das LoL-MMORPG nach dem Weggang von Greg Street im März 2023 einen Neustart der Entwicklung initiieren musste und neue Infos seitdem nur in homöopathischen Dosen verteilt, ist Honor of Kings: World in China bereits raus. Der globale Launch im Westen soll dieses Jahr folgen.
Nach dem spannenden Bericht von Kollege Cedric aus der chinesischen Version stürzte ich mich in den vergangenen Tagen mit großer Neugier auf den aktuellen Playtest und musste feststellen: Obwohl ich Honor of Kings nicht kenne, macht mir das Open-World-Spinoff großen Spaß. Und es zeigt uns schon jetzt sehr schön, was uns potenziell mit dem LoL-MMORPG erwarten könnte.
Mit MOBAs hat Karsten es indes eher nicht so. Klar, er hat in League of Legends, DOTA 2 und Heroes of the Storm mal reingespielt. Aber nach einem Abend auf ner Lane reicht es dann meist für Monate, bis sich die Lust auf ein, zwei Partien wieder meldet. Gerade das Runeterra-Universum mag er aber, dank der Animationsserie Arcane und dem Kartenspiel Legends of Runeterra.
MOBA als Fundament für ein MMO? Das kann funktionieren!
Wie sich Honor of Kings: World ganz grundsätzlich gibt und dass es eigentlich kein richtiges MMO ist, darüber hatten wir ja bereits berichtet. Ich war beim Playtest indes erstaunt, wie gut das MOBA-Universum als Fundament für das Online-Rollenspiel funktioniert. Vor allem, weil ich bislang überhaupt keine Berührungspunkte mit Honor of Kings hatte. Für Fans der Franchise dürfte das sicherlich ein ganz besonders großer Spaß sein.
Das breite Angebot an Champions sorgt beispielsweise für ein wunderbar vielseitiges Klassen-System, bei dem ich ganz unterschiedliche Spielstile und Rollen miteinander kombinieren kann. Aktuell setze ich etwa auf eine offensive Spielweise, in der ich meine Feinde munter mit Schwert-, Speer- und Hammer-Skills peinige, nur um bei Bedarf den Stil zu wechseln und mit magischen Lotuskugeln hohen Flächenschaden zu verursachen.
Ich könnte aber auch auf eine defensivere Variante setzen, die sich voll aufs Parieren von Angriffen fokussiert, und dazu einen Bogen einpacken, der verzauberte Pfeile abschießt, oder einen Zauberstab, der Gegner mit Eiszaubern nervt. Die Vielzahl an Builds und Spielstilen machte schon im Playtest jeden Besuch der PvP-Arena zu einer kleinen Wundertüte: Was mich wohl dieses Mal erwartet?
Eine Video-Preview zu Honor of Kings: World findet ihr auf dem YouTube-Kanal von MeinMMO:
Toll gefällt mir aber auch die Präsentation von Story, Kämpfen und Welt. Honor of Kings: World brennt bereits in den ersten Spielstunden ein Feuerwerk an aufwendig inszenierten Ingame-Sequenzen ab, in denen immer wieder Champions, Antagonisten und besondere Regionen ins Rampenlicht gesetzt werden.
Dabei lässt Tencent durchaus seine finanziellen Muskeln spielen, etwa bei der visuellen Pracht der Welt, den geschmeidigen Bewegungen der Charaktere oder den englisch vertonten Dialogen. Man merkt, dass das hier ein Prestige-Projekt für den chinesischen Konzern ist – ähnlich wie das LoL-MMORPG für Riot.
Und tatsächlich könnte ich mir all das in ähnlicher Form auch ganz wunderbar für das LoL-MMORPG vorstellen, mit Orten wie Piltover oder Figuren wie Jinx, Heimerdinger oder Ashe.
Gleichzeitig habe ich die Hoffnung, dass das Online-Rollenspiel für Runeterra in Bereichen glänzen kann, in denen mich Honor of Kings: World dann doch ab und an nervt. Man merkt dem Spiel leider erneut stark seine asiatischen Wurzeln an. Ich bin einfach kein Fan von Free2Play-Spielen mit Gacha-Systemen, Battle-Pässen und Ingame-Shop. Auch die überfrachtete Zahl an Währungen, Ressourcen und Belohnungssystemen ermüdet mich.
Vieles erinnert mich hier stark an Where Winds Meet, das die Spieler in der ersten Zeit zudem mit täglichen Fortschrittsgrenzen gängelte. In Honor of Kings: World gibt es ebenfalls eine Weltenstufe sowie eine Hauptquestreihe, die an euren Level-Fortschritt geknüpft ist. Dazu kommen allerlei Aktivitäten, die eine Art Ausdauer verbrauchen. Ist dieser Ausdauerwert auf null, könnt ihr die entsprechenden Inhalte nicht mehr spielen.
Zumindest beim Playtest bremsten mich diese Systeme bis Stufe 21 nicht so sehr aus, dass es nervte. Aber das war bei einer Preview-Version von Where Winds Meet auch noch so. Die Release-Fassung gab sich dann leider deutlich restriktiver, mit tagelangen Blockaden des Fortschritts. Daumen drücken, dass das in der westlichen Version von Honor of Kings: World nicht der Fall sein wird.
Ein erstes Fazit: Die konkreten Stärken und Schwächen, die uns beim Playtest von Honor of Kings: World im Detail aufgefallen sind, möchten wir in weiteren Artikeln noch genauer beleuchten. Ich kann euch aber jetzt bereits sagen, dass mich das MOBA-Spinoff positiv überrascht hat, und dass ich es beim Release sicherlich mit einiger Freude spielen werde, um die Wartezeit auf das LoL-MMORPG zu verkürzen. Und das, obwohl ich dem neuen MMO-Lite-Trend skeptisch gegenüber stehe: 2 Spiele aus China zeigen die Zukunft der MMORPGs, unserem Experten gefällt sie gar nicht
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