Guild Wars 3 als MMO Lite? Viele Fans sind skeptisch, doch nur so hat es leider eine Chance auf Erfolg

Guild Wars 3 MMO Analyse

Manch ein Genre-Fan blickt derzeit auf die neuen Infos zu Guild Wars 3 und hadert. MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz geht auf die Kritik ein und erklärt, warum ArenaNet diesen Schritt gehen muss.

Der Damm ist gebrochen: Seit gestern Nachmittag dürfen wir (und alle anderen) endlich darüber reden, was uns die ArenaNet-Verantwortlichen auf der gamescom zu Guild Wars 3 gezeigt und verraten haben.

Und uns hat das Gesehene so gut gefallen, dass wir nicht nur eine große Text-Preview veröffentlicht haben, sondern auch ein knackiges Video auf unserem MeinMMO-Kanal auf YouTube. Und wir waren auch bei den fantastischen Kollegen der GameStar auf Twitch, um dort ausgiebig über unsere Erkenntnisse zu sprechen.

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Nicht alle sind begeistert: Während sich auch viele andere, die das erste richtige Gameplay aus Guild Wars 3 auf der gamescom sehen konnten, sehr begeisternd äußern, reagiert ein Teil der MMO-Community skeptisch auf die Berichte. Besonders der MMO-Lite-Ansatz und die Ausrichtung des Spiels stehen in der Kritik.

  • Caliino schreibt bei uns auf MeinMMO etwa: „Umso mehr ich zu GW3 höre, umso weniger wird mein Hype … Und was mich am meisten aufregt, ist dieses absolut dämliche Zeit-Argument: Wenn ihr nur ein paar Stunden in der Woche habt, dann spielt halt nur die paar Stunden.“
  • Anne-Jane oder AJ mag den Action-Ansatz gar nicht: „Ich liebe mein schönes Tab-Target-System. Ich habe fest das Ziel im Fokus, nicht wie bei diesen Action-Target-Systemen.“
  • Aomori kritisiert indes: „Man kann alles alleine bewältigen, das ist schon für mich das Gegenteil von MMORPG-Revolution. Brauch ich nicht. Und mal nen Raidboss, das wird nicht reichen.“

Auch abseits von MeinMMO werden diese Punkte heiß diskutiert. In dieser Reddit-Diskussion geht es beispielsweise stark um die Limitierung auf 20 Spieler in Kämpfen. Kurzum: Viele Genre-Fans haben gar keine Lust darauf, dass Guild Wars 3 dem MMO-Lite-Trend folgt und auf noch actionreichere Kämpfe setzt.

Was ist ein MMO Lite? Schon in den 2010er-Jahren versuchten einige Entwickler, die Service-Blaupause von MMORPGs wie World of Warcraft auf andere Genres zu pressen, ohne das enorme Risiko der MMORPG-Entwicklung einzugehen oder die hohen Kosten für eine persistente MMO-Welt stemmen zu müssen.

Destiny von 2014 gehört mit seinem Shared-World-Konzept zu den Urvätern der „MMO Lite“. Später folgten neben Destiny 2 auch Spiele wie The Division (2016) oder Anthem (2019). Dazu kamen in den vergangenen Jahren weitere Ausprägungen im Survival- oder Cozy-Aufbau-Genre, wie Palia oder Dune: Awakening.

Spiele aus Asien wie Where Winds Meet und Honor of Kings: World heizen diesen Trend gerade weiter an und liefern ihre eigenen Interpretationen vom MMO Lite.

Was diese MMO Lite oftmals gemeinsam haben: Man trifft sich in Hub-Bereichen und in kleiner Zahl in der Welt. So richtig „Massively“ wird es nie. Die instanziierten Inhalte wie Dungeons, Raids und PvP geben sich meist vergleichsweise klein und fokussiert. Features wie Gilden, Chats und Handel bilden den sozialen Kit, der die Spieler immer wieder zurück in die Welt locken soll.

Was macht Guild Wars 3 zu einem MMO Lite? Halten wir erstmal fest: Man könnte bereits das erste Guild Wars als MMO Lite definieren. Guild Wars 3 bietet im Vergleich mehr MMO-Gefühl, aber eben nicht das „Massively“ von Teil 2.

Es positioniert sich zwischen den Stühlen und bietet eine offene Welt, in der ihr zwar auf andere Spieler treffen könnt, aber eben in begrenzter Zahl (immer bis zu etwa 20, wo gekämpft wird, in friedlichen Städten auch deutlich mehr). Ein flexibles Sharding-System sorgt dafür, dass sich die Community entsprechend verteilt, ohne dass ihr durch Ladebildschirme oder eine instanziierte Erfahrung gestört werdet. Der Fokus der Inhalte unterstützt das und richtet sich vor allem an Solisten und Gruppen aus bis zu 20 Spielern.

Ein Guild Wars 3 kann es nur so geben oder gar nicht

Ich kann eure Kritik verstehen. Ich selbst bin auch kein Fan des aktuellen Trends hin zum MMO Lite. Das hatte ich bereits im April verargumentiert, als es um meine Erfahrungen mit Where Winds Meet und Honor of Kings: World ging.

Für mich heben sich MMORPGs vor allem durch die potenzielle „Massively“-Erfahrung von anderen Online-Genres ab, also dass man überall in der Welt auf dutzende oder hunderte Spieler treffen kann, und dass es Inhalte gibt, die sich klar an große Spielergruppen richten. Und wenn es um Kämpfe geht, bin ich weiterhin der Meinung, dass ein Tab-Target-System ein koordiniertes Gruppenspiel am besten unterstützt.

Ich finde: MMO Lites können hier und da gern mein Lieblings-Genre ergänzen, aber bitte ersetzt die sehr viel faszinierenderen, richtigen MMORPGs nicht völlig!

Ich bin mir aber leider auch sicher, dass ein Guild Wars 3 nur in dieser MMO-Lite-Variante erfolgreich sein kann. Gründe dafür gibt es einige, hier die aus meiner Sicht wichtigsten:

Grund 1: Die aktuelle Marktsituation und ArenaNet

Ich muss euch sicherlich nicht mehr sagen, wie teuer und risikoreich es ist, heutzutage ein MMO zu entwickeln. Daran scheitern auch viele erfahrene, namhafte und große Studios. Selbst ein Genre-Veteran wie Jack Emmert schafft es mit der starken Warhammer-IP und einem halbfertigen Spiel nicht, Geldgeber für die verbleibende Entwicklung zu finden.

ArenaNet ist erfahren, ja, und hat ebenfalls eine beliebte IP am Start. Das US-amerikanische Studio gehört aber nicht zu den ganz wenigen Big Playern der Welt, die so eine MMO-Entwicklung mal eben aus dem Ärmel schütteln können.

Ganz im Gegenteil: Mit der Entwicklung von Guild Wars 3 gehen sie ein großes Risiko ein und verschulden sich dafür bei NCSoft. Und das, obwohl sie „nur“ den MMO-Lite-Weg gehen. Ein neues Themenpark-MMORPG mit dem „Massively“-Fokus eines Guild Wars 2 würde das Risiko und die Entwicklungszeit noch einmal deutlich steigen lassen. Eine Beta bereits 2027? Mit so einem Spiel undenkbar!

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Guild Wars 3 hat jetzt einen Trailer und kündigt Beta-Start an

Grund 2: Guild Wars 2

ArenaNet hat von Anfang an betont, wie wichtig es den Entwicklern ist, dass das weiterhin beliebte Guild Wars 2 neben dem neuen Guild Wars 3 koexistieren kann. Das war schon bei Guild Wars und Guild Wars 2 der Fall, aber deutlich einfacher umzusetzen. Schließlich ist das erste Guild Wars ein in sich abgeschlossenes Produkt, mit Basisspiel und den diversen Erweiterungen.

Guild Wars 2 besitzt jedoch einen laufenden Service, der nach dem Release von Guild Wars 3 wieder um frische Updates sowie Erweiterungen bereichert werden soll. Dieser Plan kann jedoch nur aufgehen, wenn zwei Faktoren passen:

  • Guild Wars 2 und Guild Wars 3 unterscheiden sich so deutlich voneinander, dass sie nebeneinander ausreichend erfolgreich sein können.
  • Es muss für das überschaubar große Team von ArenaNet machbar sein, beide Spiele parallel mit immer neuen Inhalten versorgen zu können. Wie zeitaufwendig es ist, für ein großes MMORPG regelmäßigen Content-Nachschub zu gewährleisten, das haben uns beim vergangenen Grindfest erst gleich mehrere MMO-Veteranen bestätigt.

Der für Guild Wars 3 vorgestellte MMO-Lite-Ansatz unterstützt beide Punkte. Die neue Ausrichtung mit Fokus auf actionreiche Kämpfe, die man alleine oder in recht kleinen Gruppen bestreitet, unterscheidet sich deutlich von der „Massively“-Spielerfahrung eines Guild Wars 2, und es dürfte auch etwas einfacher sein, für so ein Guild Wars langfristig Updates zu liefern.

Oder anders formuliert: Ein Guild Wars 3 als „Massively“-Themenpark wäre das sichere Ende von Guild Wars 2 (oder von ArenaNet, wenn der Versuch scheitert, siehe Grund 1). Oder man hätte auf einen „Massively“-Sandbox-Fokus wechseln müssen, bei dem sich die Spieler ihre Storys und Ziele im Prinzip selbst kreieren müssen – aber ob das besser wäre?

Guild Wars 3 Artwork
Das neue Artwork zu Guild Wars 3

Grund 3: Es passt zur bisherigen Strategie von ArenaNet

Zu guter Letzt finde ich, dass die Ausrichtung von Guild Wars 3 super zu dem passt, was das Studio schon seit seiner Gründung vor 26 Jahren macht, nämlich sich die Frage zu stellen, was am MMO-Genre gerade frustriert.

  • Vor Guild Wars waren das die weit verbeiteten Monatsgebühren und der hohe Grind-Faktor.
  • Vor Guild Wars 2 identifizierten die Entwickler die vertikalte Charakterprogression als großen Frustpunkt, aber auch die statischen Quests und das oft toxische Gruppenverhalten, ausgelöst durch den Kampf um Ressourcen und Quest-Ziele.
  • Jetzt ist es der Umstand, dass immer mehr Zeug (wie Social Media, Netflix, YouTube, Twitch) um die rare Freizeit von Spielern buhlt, dass die MMO-Erfahrung in vielen aktuellen Vertretern viel zu unpersönlich geworden ist und dass das Kampfsystem im Genre seit Jahren auf der Stelle tritt (und sich teils sogar zurückentwickelt).

Ich bin mir sicher: In Guild Wars 3 werden wir all das (auch die Ziele für die beiden Vorgänger) wiederfinden. Und es ist klar: Damals wie heute bildet das nicht die Wünsche der gesamten MMO-Community ab. Das geht gar nicht. Dafür sind wir zu unterschiedlich.

Einige Spieler mögen das Tab-Target-System von WoW (ich auch). Andere finden es toll, mit konkurrierenden Spielern in der offenen Welt um Quest-Ziele und Ressourcen zu kämpfen. Und sicherlich gibt es auch heute Genre-Enthusiasten, die sich nur zu gern mal wieder 24/7 in ein neues MMORPG eingraben möchten, weil es diese Zeit rechtfertigt und voraussetzt.

Ich finde aber, dass die neuen Zielsetzungen gut zueinander passen, gut in die heutige Zeit passen und gut zu Arenanet passen. Das können sie aus meiner Sicht tatsächlich stemmen und das kann, für das, was sein will, richtig gut werden – und am Ende so viel Erfolg einstreichen, dass wir noch lange was von ArenaNet und Guild Wars haben werden.

Wie seht ihr das? Könnt ihr meiner Argumentation folgen oder seid ihr ganz anderer Meinung? Verratet es gern in den Kommentaren! Wer scharf auf einen neuen „Massively“-Themenpark ist, sollte im Oktober Aion 2 eine Chance geben! Oder wir hoffen das Beste für das LoL-MMORPG. Denn Riot Games ist tatsächlich einer der wenigen Big Player, der diese Art von Online-Rollenspiel heutzutage noch umsetzen könnte. Leider wissen wir dazu gerade fast gar nichts: Alles, was wir 2026 über das neue MMORPG zu LoL wissen

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