Guild Wars 3 verspricht moderne Evolution des MMOs, unser Experte ahnt bereits, was das bedeuten könnte

Guild Wars 3 MMO Lite

Die Verantwortlichen von ArenaNet haben es sich mit Guild Wars seit jeher zur Aufgabe gemacht, aktuelle Baustellen des Genres anzugehen und so besondere MMO-Erfahrungen zu schaffen. Was die Evolution der Online-Rollenspiele für Guild Wars 3 bedeuten könnte, lässt sich zwischen den Zeilen bereits herauslesen. MeinMMO-Redakteur und MMORPG-Experte Karsten Scholz erklärt die Details.

Welches Ziel verfolgt ArenaNet schon immer? Seit der Gründung im Jahr 2000 hatte das von den drei ehemaligen Blizzard-Veteranen Mike O’Brien, Jeff Strain und Patrick Wyatt aufgebaute Studio stets eine ganz besondere Herangehensweise, wenn es um die Entwicklung eines neuen MMOs geht.

Man muss bestimmen, was die Spieler aktuell an Status quo des Genres nervt, was sie frustriert. Danach beschäftigt man sich dann damit, wie man diese dringlichsten Probleme aus der Welt schaffen kann, um durch die Lösungen das Genre voranzutreiben und eine besondere Spielerfahrung zu bieten.

Bei der Entwicklung von Guild Wars lag der Fokus von ArenaNet beispielsweise darauf, ein MMO anzubieten, für das man nicht monatlich ein Abo zahlen muss, das aber dennoch erfolgreich sein kann. Umsetzbar war das am Ende nur, weil sie für das technische Grundgerüst innovative Lösungen fanden, um den Betrieb des MMORPGs effizienter und kostengünstiger zu gestalten als es bei der damaligen Konkurrenz der Fall war.

Wer schreibt hier? Karsten Scholz ist der MMORPG-Experte von MeinMMO. Er befasst sich seit 17 Jahren fast täglich mit dem besten Genre der Welt. Den privaten Erstkontakt gab’s 2005. Seitdem hat er in verschiedenen Online-Rollenspielen mehrere Jahre Spielzeit angehäuft und fast jeden relevanten Genre-Vertreter der vergangenen knapp zwei Dekaden zumindest eine Weile gespielt.

Das erste Guild Wars war für Karsten aber erst mal kein Thema, da er ab 2005 einige Jahre lang in Azeroth feststeckte. Den Nachfolger Guild Wars 2 hat er dafür umso länger gespielt, und auch heute schaut er ab und an noch in Tyria vorbei.

Guild Wars 2 verweigert sich indes der vertikalen Charakterprogression anderer MMORPGs, mit den ständig steigenden Ausrüstungsstufen. Stattdessen geht es um das Erleben der Story, die Erkundung der Spielwelt und das Sammeln von Errungenschaften. Möglichst alle Inhalte sollen möglichst allen Spielern offenstehen. So konnte es sich als das perfekte MMO für Gelegenheitsspieler, MMORPG-Begeisterte mit wenig Zeit, Solisten und Sammler etablieren.

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Guild Wars 3 stellt euch im neuen Video die Welt von Orr vor

Die Evolution des MMOs im Jahr 2026

Wie könnte die neue Evolution aussehen? Große Baustellen hat das MMORPG-Genre derzeit viele. Guild Wars 3 würde bereits dadurch einen der größten aktuellen Schmerzpunkte (es gibt kaum noch neue, ambitionierte MMORPGs aus dem Westen) beheben, indem es einfach nur erscheint. Wie wichtig bereits das für viele Genre-Fans wäre, zeigt unsere Umfrage zu den MMORPGs der Zukunft, auf die ihr euch am meisten freut.

Aus den bisherigen Ankündigungen und Entwickler-Aussagen lässt sich aus meiner Sicht aber schon jetzt erahnen, in welche Richtung sie mit Guild Wars 3 gehen dürften. Ich persönlich rechne damit, dass Guild Wars 3 dem aktuellen Trend der „MMO Lite“ folgen wird, den gerade vor allem Studios aus Asien stark vorantreiben.

Was ist ein MMO Lite? Schon in den 2010er-Jahren versuchten einige Entwickler, die Service-Blaupause von MMORPGs wie World of Warcraft auf andere Genres zu pressen, ohne das enorme Risiko der MMORPG-Entwicklung einzugehen oder die hohen Kosten für eine persistente MMO-Welt stemmen zu müssen.

Destiny von 2014 gehört mit seinem Shared-World-Konzept zu den Urvätern der „MMO Lite“. Später folgten neben Destiny 2 auch Spiele wie The Division (2016) oder Anthem (2019). Dazu kamen in den vergangenen Jahren weitere Ausprägungen im Survival- oder Cozy-Aufbau-Genre, wie Palia oder Dune: Awakening.

Guild Wars 3: Artwork Bosskampf
In diesem Artwork zu Guild Wars 3 sieht es so aus, als könne man Gegnern gezielt einzelne Körperteile abtrennen.

Spiele aus Asien wie Where Winds Meet und Honor of Kings: World heizen diesen Trend gerade weiter an und liefern ihre eigenen Interpretationen vom MMO Lite.

Was diese MMO Lite oftmals gemeinsam haben: Man trifft sich in Hub-Bereichen und in kleiner Zahl in der Welt. So richtig „Massively“ wird es nie. Die instanziierten Inhalte wie Dungeons, Raids und PvP geben sich meist vergleichsweise klein und fokussiert. Features wie Gilden, Chats und Handel bilden den sozialen Kit, der die Spieler immer wieder zurück in die Welt locken soll.

Dazu passt, dass auch kommende MMORPGs wie Chrono Odyssey oder ArcheAge Chronicles einen viel größeren Fokus auf PvE-Inhalte für Solisten und kleine Gruppen setzen, als das bei früheren MMOs aus Asien der Fall war. Warum es heutzutage gute Gründe für die Entwicklung von „MMO Lite“-Varianten gibt, habe ich im nachfolgenden Artikel beantwortet:

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Wie passt Guild Wars 3 da rein? Es gibt aus meiner Sicht gleich mehrere Anzeichen dafür, dass Guild Wars 3 einen „MMO Lite“-Ansatz verfolgen wird:

  • Guild Wars 3 fokussiert sich stark auf die Region Orr, also einen vergleichbar kleinen Teil der Welt, die wir aus den anderen Teilen kennen.
  • Dieser eher kleine Rahmen passt gut dazu, dass sich Guild Wars 3 noch gar nicht so lange in der vollen Produktionsphase der Entwicklung befinden kann, man aber schon im Herbst 2027 eine Beta durchführen möchte.
  • Wir haben durch NCSoft im März 2024 erstmals von Guild Wars 3 erfahren und da hieß es noch, dass der Start der Entwicklung noch nicht finalisiert sei. In drei bis vier Jahren ein vollwertiges MMORPG zu entwickeln: DAS wäre in der heutigen Zeit wirklich super effizient.
  • Das neue Action-Kampfsystem soll das Bewegungsmomentum des Charakters mit einfließen lassen, wodurch man etwa den Schwung eines Manövers dafür nutzen kann, um den Schaden eines nachfolgenden Angriffs zu steigern. Außerdem scheint es möglich zu sein, Gegnern beispielsweise bestimmte Körperteile abzuschlagen. Das klingt sehr MMORPG-untypisch und lässt sich in Massenschlachten wohl eher schwer umsetzen.
  • Guild Wars 3 bezeichnet sich auf der offiziellen Webseite selbst als ein Action-Adventure-MMORPG, das man prima alleine oder mit einer Gruppe von Abenteurern spielen kann. Hinweise auf irgendwelche Inhalte mit „Massively“-Fokus, an denen dutzende oder hunderte Spieler teilnehmen, gibt es hingegen noch gar nicht.
  • Dazu passt eine Aussage von NCSoft aus diesem Monat, laut der sich Guild Wars 3 – im Gegensatz zu Aion 2 – eher an Solisten und kleinere Gruppen richten soll.

Zu all dem passt, dass Guild Wars 3 nicht nur auf dem PC, sondern auch auf PlayStation 5 erscheinen soll. Wir haben schon in der Vergangenheit festgestellt, dass MMO-Entwickler ihren Fokus verändern, sobald sie eine Konsolen-Zielgruppe ansprechen möchten: weg vom Massively-Multiplayer hin zum Action-Rollenspiel, das man optional kooperativ mit anderen Spielen kann.

Was erwartet ihr für die Evolution des MMOs? Verratet es mir gern in den Kommentaren!

Gleich nach der Ankündigung habe ich die ArenaNet-Verantwortlichen übrigens angeschrieben und genau nach diesem MMO-Lite-Ansatz, der kurzen Entwicklungszeit und weiteren Punkten gefragt. Sobald die Antworten bei mir landen, erfahrt ihr es zuerst. Bis dahin freuen wir uns gemeinsam auf ein hoffentlich richtig gutes MMORPG: Guild Wars 3 wurde angekündigt und meine Frau tanzt vor Freude im Kreis

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