Eine der wichtigsten Rollen in der Karriere von Henry Cavill war wohl Superman. MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes ist kein großer Freund seiner Version, weil sie den Kern der Figur nicht trifft.
Ich mag Henry Cavill in seinen Rollen, aber auch außerhalb hat er einfach einen gewissen Charme, den man einfach mögen muss. Einer der wichtigsten Punkte in seiner Karriere war die Rolle von Superman, die zu seinem öffentlichen Auftreten sehr gut passt.
13 Jahre nach Man of Steel stehe ich seiner Version des legendären Helden aber sehr kritisch gegenüber, vor allem nach dem Superman-Film aus 2025.
Auch in Batman v. Superman verkörpert Henry Cavill den Mann aus Stahl:
Der Kern von Superman fehlt
Eigentlich wirkt Henry Cavill wie der perfekte Clark Kent oder Superman. Er hat die Physis der Figur und vor allem eine Ausstrahlung und einen Charme, den nur wenige Schauspieler so besitzen. Davon sieht man in den 3 Filmen, in denen er die Figur verkörpert, aber leider nicht wirklich etwas.
Sein Superman kämpft zwar für die Menschheit, legt aber nie ab, dass er ein gottgleiches Wesen ist, das die Erde ohne Probleme erobern könnte. Er stellt sich gegen Zod und die anderen Kryptonier. Ein edles Unterfangen, aber ein Gedanke geht mir nicht aus dem Kopf…
Cavills Superman schafft es nie, seine gottgleiche Überlegenheit abzustreifen. Statt zu zeigen, dass er ein Mensch ist, zeigt er sich eben als Gott. Das wird besonders im Film Batman vs. Superman deutlich. Genau das scheint der Film aber auch zu wollen. Scheinbar ohne Trauer überlebt er als einziger die Explosion in einem Gerichtssaal und steigt aus den Flammen empor – wie etwas den Menschen Überlegenes.
In genau dem Film gibt es noch eine weitere Szene, die das gut visualisiert. Durch eine Flut auf ein Dach gezwungen, malt eine Familie sein Symbol, um den Mann aus Stahl zu rufen. Er steigt vom Himmel herab und rettet die Menschen. Mein Problem mit dieser Szene ist nicht die Rettung an sich, sondern wie Cavill hier inszeniert wird. Nicht als Superheld – sondern als Gott, der durch Gebete beschworen wurde.
Dadurch fehlt der Kern des Charakters. Superman ist schon immer gottgleich gewesen, aber eben auch menschlich und im Kern gut. Er beschützt die Erde, weil er ein Teil dieser ist – nicht weil er erhaben ist und die Macht dazu hat. Wenn man ständig visuell und auch in den Dialogen betont, wie mächtig Superman ist, wird diese Komponente verdrängt.
Das liegt per se aber nicht an Cavill selbst, das Problem liegt tiefer.
Wie geht man bei einer Figur wie Superman vor?
In einem Interview zu Man of Steel (via YouTube) erklärt Cavill, dass er seine Figur auf diverse Comics basierte, nicht auf andere Superman-Darsteller. Zum einen nennt er Death of Superman als Beispiel, einen Comic, der sehr gut zeigt, was die Kernidee der Figur ist.
Im Zuge dessen erwähnt er auch die Fortsetzung dieser Geschichte, The Return of Superman. Dort kommen verschiedene Supermen vor. Dazu sagt er im Interview: Sie erfüllen alle Kriterien, die man sich für Superman vorstellen würde oder aus denen Superman besteht, doch keiner von ihnen ist Superman. Es gibt etwas ganz Besonderes, nämlich jene Essenz, die fehlte.
Ironischerweise passt das zu seinem Superman. Er hat alles, was den aus Stahl ausmacht, aber es fehlt die Essenz.
Das größte Problem ist aber wohl die damalige Ausrichtung des DC-Universums von Regisseur Zack Snyder. Er erschuf eine düstere Welt, eben mit einem düsteren Superman. Das kann man grundsätzlich auch machen, die Figur anders interpretieren – immerhin macht es DC selbst mit fiesen oder alternativen Supermen, aber bei Cavills Superman fehlt die Pointe, die Snyder in seiner Verfilmung von Watchmen etwa hatte.
Statt sich in einer philosophischen Auseinandersetzung mit einer düsteren und vielleicht auch realistischeren Version von Superman zu beschäftigen, entstand letztendlich ein Aura farmender Superheld, der seine Übermacht episch inszeniert bekommt.
Gleichzeitig fehlt der Kontext oder ein Blick auf einen klassischeren Superman, um Cavills Variante zu kontextualisieren. Es fehlt also nicht nur die Identität der ikonischen Figur, es fehlt auch eine eigene Identität für den Charakter und die Ausrichtung dessen.
Eine viel bessere Interpretation des Charakters gab es 2025 in Superman von James Gunn.
Ein absurd kitschiger, aber passender Held
2025 schlüpfte Schauspieler David Corenswet in die Tracht von Superman. Einen noch größeren Kontrast zu Cavills Superman gibt es wohl kaum: Der Film von James Gunn ist bunt, hoffnungsvoll und total kitschig. Statt die Kryptonier als physische Gewalt darzustellen, ist der Wunsch seiner Erzeuger ein Konfliktpunkt.
Doch die Menschlichkeit obsiegt und Superman zeigt, dass er nicht einfach nur ein Gott unter Menschen ist, er ist ein Mensch. Nicht der Sieg eines Kampfes ist die Priorität, es ist die Rettung von Lebewesen, seien sie noch so klein. David Corenswet verkörpert die Hoffnung, die das Symbol von Superman darstellt, zeigt aber auch eine große Verletzlichkeit, die wunderbar zum Charakter passt.
Dadurch wird auch der Konflikt stärker, den Lex Luthor repräsentiert, und die Frage, ob man die Sicherheit der Welt einem Alien
anvertrauen sollte. Die Rede von Superman ist dabei unfassbar kitschig und plakativ, aber Superman ist eben nicht Batman. Superman repräsentiert im Film von 2025 nicht einen Gott, der die Menschen beschützt, er repräsentiert den perfekten
Menschen, der sich für die Bewohner der Erde aufopfert und alles dafür tut, das Richtige zu tun.
Ich möchte nicht sagen, dass Man of Steel oder die anderen DC-Filme von Snyder per se schlechte Filme sind. Ich finde, vor allem der Superman-Film hat große Stärken, aber Henry Cavill hat es nie geschafft, Superman als Figur zufriedenstellend zu repräsentieren.
Aber wie seht ihr das? Welcher Superman-Darsteller ist euer Liebling und wie fandet ihr Cavill als Mann aus Stahl? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare. Auch Spider-Man gehört zu den bekanntesten Superhelden und sein letzter Film rettete einen grünen Wüterich: Spider-Man: Brand New Day schafft das Unmögliche, macht eine gescheiterte Nebenfigur wieder richtig gut
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Kommentare
Geh ich weites gehend mit, allerdings war ich schon immer ein wenig der Meinung, dass Zack Snyder etwas overhyped ist. Selbiges gilt aber auch für James Gunn. Die setzen beide gerne Ästhetik vor Inhalt. Da seh ich wenig Schuld an Cavill selbst.
Und bei aller Liebe, bei dem ganzen kontraproduktivem Druck, den Warner damals ausgeübt hat, um mit dem DCEU mit Marvel mitzuhalten, ist das, was wir bekommen haben, ohnehin noch verdammt gut geworden. Ich fand z.B. Ezra Miller als Flash, unabhängig der Kontroversen um den Mann, durchaus unterhaltsam und relativ stringent durch seine Auftritte gehalten. Mag nicht jedermanns liebste Version vom roten Blitz sein, ich mochte ihn, auch wenn sein Laufen wirklich affig aussah.
Ja auf jeden Fall, da ist die Idee hinter den Filmen und Universen oft das Problem. Bin auch sehr gespannt, wie es weitergeht, einige Projekte wurden ja bereits gecancelt.
Es gibt nur einen einzigen DC-Charakter, den ich seit Jahrzehnten auf der Leinwand sehen will: Lobo.
Und seine Darstellung in Supergirl fand ich, gelinde gesagt, enttäuschend. So sehr ich Momoa als Darsteller mag, aber das war eine Fehlbesetzung inklusive komplett verwässerter Darstellung. Zugegeben, der ganze Film war etwas wirr. Aber am meisten hat mich einfach Lobo gestört.
Insofern bin ich nicht traurig, wenn eventuell ähnliche Entscheidungen/Projekte gecancelt wurden.